Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: Cosmas und Damian | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Der nahe der beiden wichtigen Verbindungsstraßen Göttingen-Herzberg und Nörten-Duderstadt gelegene Ort wird 1013 als Evergotesham erstmals urkundlich erwähnt1 und erscheint erneut 1022 in einem Güterverzeichnis des Hildesheimer Michaelisklosters.2 Ebergötzen gehörte zum Liesgau, der 1158 aus dem Erbe der Gf. von Katlenburg in den Besitz Heinrichs des Löwen kam. 1324 verpfändeten Heinrich, Ernst, Wilhelm und Johann von Braunschweig die Dörfer Ebergötzen und Radolfshausen an die Herren von Plesse, mit der Zusage der Umwandlung in ein Lehen, falls sie das Pfand nicht einlösen können. Mit dem Erlöschen der jüngeren Linie der Edelherren von Plesse 1571 fiel Ebergötzen wieder an die Welfen (Fsm. Grubenhagen, Amt Radolfshausen, ab 1859 Amt Göttingen).
Wann die Kirche gegründet wurde, ist unbekannt, jedenfalls vor 1319, dem Jahr, in dem erstmals ein (nicht namentlich bekannter) Geistlicher in Ebergötzen erwähnt wird. 1449 wurde die freie Pfarrstelle an der Kirche an Hinrich Witten resigniert.3 Die Reformation hielt spätestens 1536/37 mit der Einführung der ev. Lehre durch Diedrich III. Edelherrn von Plesse im Amt Radolfshausen Einzug.4 Erster bekannter luth. P. war der aus Einbeck gebürtige Johann Steinmann (amt. bis 1564), früher Kantor und Rektor an der Stiftsschule St. Alexandri zu Einbeck. Wegen Unbewohnbarkeit des Pfarrhauses war die KG Ebergötzen von 1758 bis 1792 mit dem benachbarten Waake verbunden.
Von 1841 bis 1846 wirkte P. Georg Kleine in Ebergötzen, der in dieser Zeit für die Erziehung seines Neffen Wilhelm Busch sorgte. P. Kleine galt zudem als passionierter Bienenzüchter und legte mehrere Veröffentlichungen zur Imkerei vor. Unter seinen Nachfolgern ist noch P. Alfred Conrad Friedrich Fündling (amt. 1893–1905) besonders zu nennen, der die ersten Missionsfeste in Ebergötzen ausrichtete.
Von 1936 bis 1944 war die Pfarrstelle vakant. 1944 kam P. Malle ins Amt (bis 1958). Der 1933 gewählte KV, der aus drei Parteimitgliedern und drei parteilosen Kirchenvorstehern bestand, blieb bis nach dem Krieg im Amt und hat sich im kirchlichen Sinne bewährt. P. Malle selbst war seit 1936/37 Mitglied der NSDAP, wurde aber später aus der Partei ausgeschlossen. Gruppen, Kreise und sonstige Einrichtungen bestanden nicht. Nach dem Krieg organisierte Malle den Wiederaufbau der Gemeinde und die Integration der Heimatvertriebenen in Ebergötzen. Das frühere Pfarrhaus wurde 1973 an die politische Gemeinde verkauft und zur Wilhelm-Busch-Gedenkstätte ausgebaut.
Am 1. Oktober 1978 wurde die KG Ebergötzen mit der KG Landolfshausen pfarramtlich verbunden5 und die Verbindung mit dem 1. April 2001 um die KG Waake erweitert (Gemeindeverbund Radolfshausen).6

Umfang

Das Dorf Ebergötzen mit der Domäne Radolfshausen und der Börgemühle; seit 1855 auch die luth. Einwohner von Krebeck, Wollbrandshausen, Seeburg und Bernhausen. Krebeck wurde mit dem 1. April 1960 in die KG Bilshausen umgepfarrt.7

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Seeburg8) der Erzdiözese Mainz. – Nach der Reformation zur Insp. Einbeck, 1708 Insp. Osterode, 1795 zur neu errichteten Insp. Katlenburg.9 1. Dezember 1868 in die Insp. Göttingen II umgegliedert.10 1. April 1937 KK Göttingen-Süd.11 Seit 1. Januar 2001 KK Göttingen.

Patronat

Die Edelherren von Plesse (zuerst 1449 belegt), ab 1571 der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Die mittelalterliche Kirche war 1770 so baufällig, dass sie geschlossen werden musste. Bereits 1745 war der (im Besitz der Kommune befindliche) Turm bis auf die Gewölbe abgebrochen worden. 1772 wurde das KGb neu aufgeführt und am ersten Advent des Jahres eingeweiht. Längsrechteckiger, verputzter Saalbau mit verzahnter Eckquaderung. Die Fundamente stammen noch vom mittelalterlichen Vorgängerbau. Späterer Anbau mit der Prieche des Amts Radolfshausen.

Turm

Gedrungener, dachreiterartiger Westturm.

Ausstattung

Altar (mit Kreuzigungsgemälde) und Kanzel barock (17./18. Jh.). – Barocker Taufengel, vielleicht erste Hälfte 18. Jh. oder um 1730 wohl aus Thüringen, möglicherweise aus der Werkstatt von Johann Andreas Gröber (Heiligenstadt),12 1894 erstmals in den Akten der KG erwähnt.13

Orgel

1799 erhielt die Gemeinde eine Orgel mit neun Stimmen der Orgelbauer Heinrich und Georg Bierwirth (Lindau), die 1843 durch den Orgelbauer August von Werder instandgesetzt wurde. 1892 erfolgte der Ankauf der durch den Orgelbaumeister Krell (Duderstadt) erbauten Orgel der kath. KG Krebeck; 11 II/P, mechanische Traktur, Kegelladen. 1946 Umbau und Veränderung der Disposition durch Firma Carl Giesecke (Göttingen), 14 II/P. Die alte Orgel hatte ihren Standort über dem Barockaltar. 1979/80 Neubau auf der Westempore mit neuem Gehäuse durch Albrecht Frerichs (Göttingen) 6½ I/P, mechanische Traktur, Schleiflade.

Geläut

Zwei LG, I: fis’ (Bronze, Gj. 1867, Carl Isermann, Ebergötzen); II: a’ (Bronze, Gj. 1925, J. J. Radler, Hildesheim). – Früherer Bestand: Aus dem früheren Geläut wurde die kleine Glocke 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert. Eine Eisen-SG in gis’/g’ wurde zwischen 1967 und 1974 entfernt und seither die LG II für den Stundenschlag mitgenutzt.14

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof. In den 1840er Jahren verlegt; 1883 erneute Verlegung an den heutigen Platz am westlichen Ortsausgang (Herzberger Straße), 1926 erweitert. In Trägerschaft der Samtgemeinde Radolfshausen. FKap (Bj. 1968, errichtet durch die politische Gemeinde).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2497–2510 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1918–1930 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 505–508 (Visitationen).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 241, Nr. 15; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 414; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Duderstadt, S. 209.
B: Wolfgang Gresky: Von der Decke schwebt der Engel. Der sinnreiche Mechanismus in Ebergötzens Kirche, in: Göttinger Jahresblätter 1978, S. 51–54; Günther Meinhardt: Chronik der Gemeinden Ebergötzen und Holzerode, Ebergötzen [1991]; Günther Meinhardt: Geschichte der Kirchengemeinde Ebergötzen, Ebergötzen 2006.


Fußnoten

  1. Meinhardt, Ebergötzen und Holzerode, S. 26.
  2. UB HS Hildesheim I, Nr. 67.
  3. Meyer, Pastoren I, S. 221.
  4. Max, Grubenhagen II, S. 230 f.
  5. KABl. 1978, S. 119 f.
  6. KABl. 2001, S. 64 f.
  7. KABl. 1960, S. 63.
  8. Kayser, Registrum II, S. 279.
  9. LkAH, D 98 Gen. 140.
  10. LkAH, D 45a, Gen. A Har 140.
  11. KABl. 1937, S. 135.
  12. Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 241, Nr. 15.
  13. Eichenberg, KK Göttingen-Süd, S. 14 f.; Gresky.
  14. LKA, G 9 B/Ebergötzen (Bericht des Glockenrevisors F. Hardege, 03.05.1974).