Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | Patrozinium: Johannes (der Täufer)1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist der Ort erstmals als Hersithi im ältesten Verzeichnis der Schenkungen (Traditionen) an das Kloster Corvey erwähnt; der Eintrag lässt sich auf die Zeit um 822/26 datieren.2 Als Heristi erscheint das Dorf 952 und 953 in zwei Urkunden des ostfränkischen Königs und späteren Kaisers Otto I. († 973).3 Über das Erbe der 1144 in männlicher Linie ausgestorbenen Gf. von Northeim gelangte vermutlich Besitz in Harste an Hzg. Heinrich den Löwen († 1195).4 Wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 13. Jh. errichteten die welfischen Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg die Burg Harste (1294: castri Herste, im 14. Jh. Nebenresidenz der Göttinger Welfen).5 Eine örtliche Adelsfamilie von Harste ist vom frühen 13. bis in die zweite Hälfte des 15. Jh. hinein belegt.6 Seit der Dreiteilung des welfischen Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel um 1291 zählte Harste zum neuen Teilfsm. Göttingen.7 Nachdem die Göttinger Linie der Welfen mit Hzg. Otto Cocles († 1463) in männlicher Linie ausgestorben war, wurde das Territorium 1495 bzw. 1512 Teil des Fsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Die Burg Harste hatte sich zum Zentrum eines Amtsbezirks entwickelt, gehörte jedoch im 16. und bis in die zweite Hälfte des 17. Jh. hinein gerichtlich zum Gericht Leineberg; ab 1665 bildete das Amt Harste einen eigenen Gerichtsbezirk.8 Frühe, eher stilisierte Ortsansichten sind auf zwei Karten aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. überliefert; aus der Mitte des 17. Jh. liegt ein Merian-Stich vor.9 In französischer Zeit gehörte Harste von 1807 bis 1813/14 zum Kgr. Westphalen und war Sitz des gleichnamigen Kantons (Distrikt Göttingen, Leine-Departement). Seit 1815 war der Ort, nun im Kgr. Hannover, wieder Sitz des Amtes Harste, kam bei dessen Auflösung 1823 zum Amt Bovenden, das 1859 im Amt Göttingen aufging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Harste 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Lkr. Göttingen (neugebildet 1973 und 2016). 1973 wurde Harste nach Bovenden eingemeindet. Zur Sozialstruktur der Gemeinde schrieb der Ortspastor 1965, die bäuerliche Bevölkerung habe nur wenig Eigenbesitz und sei „fast ausschließlich auf Pachtland (Kirchenland, Fiskus) angewiesen […] Ein großer Teil der Einwohner, vorallem die jüngeren Leute, arbeiten als Arbeiter oder kleinere Angestellte in Göttingen“.10 Um 1810 lebten gut 250 Menschen in Harste, 1970 rund 1.140 und 2023 etwa 1.120.

Kirchlich gehörte Harste ursprünglich möglicherweise zur Parochie Nörten.11 Mit dominus Luppoldus ist 1249 erstmals der Name eines Pfarrers (plebanus) in Harste urkundlich belegt.12 Die Kirche selbst ist 1290 in einer Urkunde Kg. Rudolfs von Habsburg († 1291) als Besitz des Klosters Pöhlde genannt.13 Möglicherweise ist das Kloster als Bauherr der Kirche anzusehen.14 Im Jahr 1294 bezeugte Helmoldus plebanus in Herste eine Urkunde, 1300 ist ein Ulrich plebanus de Herste nachweisbar und 1308 war Johannes plebanus in Herste.15 Er ist 1328 noch belegt (Iohannes plebanus in Herste).16 1339 hatte Beseko das Pfarramt inne.17 Aus dem 15. Jh. ist nur ein Name überliefert: 1422 stellte Dyder[ik] von Erkeln perner to Herste eine Urkunde aus. Auch 1426, 1429 und 1430 ist er als Pfarrer in Harste nachweisbar. In der Urkunde von 1430 bezeichnen ihn Hzg. Otto Cocles’ († 1463) und seine Ehefrau Hzgn. Agnes von Hessen († 1471) als „unserm cappelano“.18 Bevor Dietrich von Erkeln das Pfarramt in Harste übernahm war er Propst des Klosters Weende gewesen (1415–1420).19
In der zweiten Hälfte des 14. Jh. hatte Hzg. Otto der Quade († 1394) ein weiteres Gotteshaus in Harste gestiftet: eine Kapelle, die der Jungfrau Maria und St. Georg gewidmet war (Fundamente 1958 entdeckt).20 Das Patronat lag dementsprechend beim Landesherrn und im Februar 1500 präsentierte Hzg. Erich I. zu Braunschweig-Lüneburg († 1540) anstelle des verstorbenen Henninge Heynken seinen Kanzler Johann Hovet als Geistlichen für diese Kapelle, deren Patrozinium nun mit St. Maria und St. Johannes angegeben ist.21 Als Pfarrer amtierte 1530 Johann Siverdes.22
Einzelheiten zum Reformationsgeschehen in Harste sind nicht überliefert. Hzgn. Elisabeth († 1558) führte die luth. Lehre als Vormund ihres Sohnes Erich im Fsm. Calenberg-Göttingen ein: 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden, Stifte und Klöster des Fürstentums visitieren.23 Im Jahr 1545 übernahm Elisabeths nunmehr volljähriger Sohn als Hzg. Erich II. die Regierungsgeschäfte und wechselte 1547 zum kath. Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich jedoch seinen Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der luth. Lehre in den Kirchspielen des Fürstentums sicherstellen. Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fsm. Calenberg-Göttingen 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Hzg. Julius († 1589) führte seine 1569 aufgestellte ev. KO auch hier ein.24 1588 ließ er die Gemeinden visitieren.
Als erster luth. Geistlicher in Harste gilt P. Nikolaus Schütz (amt. bis 1548).25 Die Kirchenrechnungen der Gemeinde reichen zurück bis 1587.26 Während der Visitation 1588 hatte P. Johannes Francke (amt. 1583–1597) das Pfarramt inne. Die Visitatoren beurteilten ihn als geistig schwerfällig („ist stupidi ingenii“) und notierten, dass der Kirchenbesuch gering sei („unfleißig“).27 Zudem sei das Pfarrhaus baufällig („das Pfarrhaus will ihm über den Kopf fallen“). Harste besaß 1588 bereits eine Schule. Der Lehrer war gleichzeitig Küster (Oppermann) und unterrichtete zehn Kinder.28 Die mittelalterliche Marienkapelle bestand 1588 nicht mehr: An ihrer Stelle sei nun „der Oberkrug gebaut“.29 Den dazugehörigen Kapellenhof erhielt 1590 der Generalsuperintendent des Fsm. Göttingen zur Verbesserung seines Einkommens.30 P. Thomas Montanus (amt. 1598–1642) gab in seinem Testament an, er habe bei seinem Amtsantritt Pfarrhaus und Ländereien „recht verwahrlost vorgefunden“; anscheinend ist das bereits ein Jahrzehnt zuvor als baufällig beschriebene Gebäude erst 1599/1600 repariert oder erneuert worden – wohl auf Kosten des neuen Pastors.31 Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) raubten kaiserliche Truppen um 1626/27 die Glocken der Kirche. Im Protokoll der Visitation 1646, bei der die Parochien Gladebeck, Harste, Lenglern und Parensen gemeinsam visitiert wurden, heißt es: „Im Katechismus bestunden die Harsteschen recht fein, auch die Alten“.32
Mitte des 18. Jh. war die Kirche in Harste baufällig und nicht mehr benutzbar, da „verschiedentlich Steine aus dem Gewölbe über dem Altar gefallen waren“.33 Seit 1750 versammelte P. Johann Justus Walther (amt. 1743–1785) die Gemeinde zum sonntäglichen Gottesdienst daher in der Pfarrscheune. Erst knapp zwei Jahrzehnte später begann der Neubau der Kirche: Die in die Türstürze gemeißelte Jahreszahl 1769 erinnert daran. Fundamente und Teile des Mauerwerks der alten Kirche wurden in den Neubau einbezogen. Den ersten Gottesdienst feierte die Gemeinde Ende 1770 in der noch unfertigen Kirche, da „nach einem neunzehnjähirigen Gebrauch einer durchlöcherten Scheune jedermann begierig war, die Kirche zu besuchen“.34 Insgesamt 52 Jahre lang wirkte P. Friedrich Christian Wiedenfeld (amt. 1785–1829) in Harste: Er hatte seinen Vorgänger P. Walther bereits ab 1777 als Adjunkt unterstützt.35 P. Friedrich Heinrich Preu (amt. 1847–1884) engagierte sich besonders in der Armenfürsorge und verschaffte „zahlreichen Waisenkindern […] in Harste eine zweite Heimat“.36
Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Georg Christian Philipp Bruns (amt. 1895–1934), P. Otto Hugo Sartorius (amt. 1934–1938), P. Günther Bernhard Wilhelm August Richter (amt. 1939–1942) und P. Helmut Amelung (amt. 1944–1948) das Pfarramt Harste inne. Im 1949 ausgefüllten „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ finden sich keine Angaben zur ihrer politischen oder kirchenpolitischen Haltung.37 Knapp ist vermerkt: „1933–37 gutes Verhältnis zw[ischen] NSDAP u[nd] Kirche“. Zum 1933 neugewählten KV ist lediglich angegeben: „Ein Pg. trat zurück, sonst in Ordnung“.38 Ab 1934 nutzten u. a. HJ und BDM Räumlichkeiten im Pfarrhaus.39 P. Richter wurde 1939 zum Kriegsdienst eingezogen und ist 1942 gefallen; P. Amelung befand sich ab 1944 im Kriegsdienst bzw. in Gefangenschaft und kehrte erst 1947 zurück.
Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder von knapp 590 im Jahr 1939 auf rund 1.300 im Jahr 1949 an, 1959 lag sie bei 930.40 P. Ulrich Dobschall (amt. 1959–1981) der bereits seit 1957 als Hilfsgeistlicher die Pfarrstelle versah, schrieb 1959, die Gemeinde sei „seit langem der Kirche entfremdet. Nachwirkungen eines frühzeitigen (schon vor 33) Anschlusses der jungen Männer an die NSDAP sind bezüglich ihrer Haltung der Kirche gegenüber in den entsprechenden Jahrgängen noch heute spürbar“.41 In seinem Bericht zur Visitation 1977 schrieb der Sup. des KK Göttingen Nord: „Das gottesdienstliche Leben ist für die gesamte eher stabile Lage der Gemeinde und für den im guten Sinne konservativen Dienst der Kirche am Ort erstaunlich beweglich. So ist es inzwischen gelungen, daß regelmäßig Jugendliche bei den Lesungen mitarbeiten, auch Kirchenvorsteher sind inzwischen dazu bereit.“42
Seit Anfang der 1980er Jahre blieb die Pfarrstelle Harste vakant. Für die drei KG Gladebeck, Harste und Lenglern („Nahbereich“) waren ein Pastor mit Amtssitz in Lenglern und ein Diakon mit Amtssitz in Gladebeck zuständig. Im Bericht zur Visitation 1984 heißt es, Harste leide unter der Vakanzsituation, besitze jedoch – unter Leitung der KV-Vorsitzenden – einen „sehr aktiven“ Frauenkreis.43 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpfte die KG Harste Kontakte zur Kirchgemeinde Euba (östlich von Karl-Marx-Stadt bzw. Chemnitz).44 Seit 1984 war die KG Harste Trägerin eines ev. Kindergartens.45
Ab 1989 bestand eine pfarramtliche Verbindung zwischen Harste und Gladebeck, Pfarrsitz war Gladebeck (seit 2022 halbe Pfarrstelle).46 Eine Ende der 1990er Jahre ins Auge gefasste Fusion mit der KG Lenglern kam nicht zustande. 2014 trat die Gemeinde dem „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Region Gleichen“ bei (2016 umbenannt in „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband
Göttinger Land“, 2026 aufgegangen im „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Münden“); der Verband übernahm die Trägerschaft der Harster ev. Kindertagesstätte.47 2024 hatte die St.-Johannis-KG Harste gut 550 Gemeindeglieder.

Umfang

Emmenhausen und Harste.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (sedes Nörten) der Erzdiözese Mainz.48 – 1588/89 zur Insp. Hardegsen. 1750 zur neuen Insp. im Amt Harste.49 Mit Auflösung der Insp. im Amt Harste 1842 zur Insp. Hardegsen. 1868 zur Insp. Göttingen I. 1924 Insp. bzw. KK Göttingen II.50 1937 zum KK Göttingen-Nord.51 Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.52 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen.53

Patronat

1290 das Kloster Pöhlde.54 Seit 1530 Hzg. Philipp I. zu Braunschweig-Lüneburg, Fürst des welfischen Teilfsm. Grubenhagen; Hzg. Philipp überließ das Patronat 1543 Hzgn. Elisabeth, Regentin des welfischen Teilfsm. Calenberg-Göttingen.55 Das landesherrliche Patronat bestand bis 1871.

Kirchenbau

Rechteckbau, unter Einbeziehung von Grund- und Außenmauern des Vorgängerbaus errichtet 1769/70, ausgerichtet nach Ostnordosten. Satteldach (ziegelgedeckt), nach Osten abgewalmt. Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung; Fenster- und Türlaibungen aus Sandstein. An den Längsseiten je drei segmentbogige Sprossenfenster, nach Osten zwei Segmentbogenfenster. Nach Norden und Süden rechteckiges Nebenportal, jeweils mit Inschrift „1769“; an der Nordseite Außentreppe. Im Innern flache Decke mit umlaufenden Vouten, Westempore; Westteil als Winterkirche eingerichtet. 1875 Erneuerungsarbeiten. 1885 Ofenheizung eingebaut. 1905 Umgestaltung Innenraum, u. a. seitliche Priechen im Chorraum abgebrochen. 1970 Innenrenovierung. 2012/13 Umgestaltung Innenraum, u. a. Winterkirche eingebaut (Glastrennwände). 2014 Außensanierung.

Fenster

Nach Osten zwei ornamental gestaltete Buntglasfenster mit figürlichen Medaillons (1905).

Turm

Vierseitiger Westturm, im Kern aus gotischer Zeit. Vierseitiger Schieferhelm mit geschlossener, achtseitiger Laterne und geschwungener Haube, bekrönt mit Kugel und Wetterhahn. An der Laterne vier Uhrziffernblätter. Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, die beiden Obergeschosse mit Schieferbehang. Im Glockengeschoss an jeder Seite zwei rechteckige Schallfenster. Rundbogenfenster nach Norden und Süden, Hauptportal nach Süden, am Schlussstein Engelskopf und Inschrift: „Anno 1693“. Nach Westen unter dem Schieferbehang zwei vermauerte Spitzbogenfenster mit eingesetzte Rechteckfenstern).56 1588 Kredit für Anschaffung einer Turmuhr aufgenommen.57 1693 Turm verändert, Südportal angelegt. 1783 Schieferdeckung (vorher Holzschindeln). 1938 unbenutztes, defektes Uhrwerk vorhanden. 1988 neue Turmuhr. 2012 Küche eingebaut. 2014 Außensanierung, u. a. neue Turmhaube.

Vorgängerbau

Mittelalterlicher Kirchenbau mit gewölbtem Chor und Sakristei, 1750 baufällig und geschlossen; Fundamente und Teile des aufgehenden Mauerwerks in den Neubau einbezogen.

Ausstattung

Schlichter, hölzerner Kanzelaltar, weiß gefasst mit Goldverzierungen (um 1769/70); polygonaler Kanzelkorb mit Schalldeckel, flankiert von zwei korinthischen Pilastern, die verkröpftes Gebälk tragen; unterhalb der Kanzel kastenförmiger Altar mit seitlichen Schranken; seitlich Scherwände mit Durchgängen, Fenstern und bekrönender Brüstung. – Achtseitiger, pokalförmiger Taufstein (1850, Dietrich Focke, Harste). – Kreuzigungsgemälde, Rahmen mit gewundenen Säulen. – Hölzerner, kistenförmiger Opferstock. – Denkmal für die im Zweiten Weltkrieg getöteten Gemeindeglieder, mit hölzerner Christusfigur (Otto Flath), gestiftet von der Familie Creydt. – In der Turmhalle: Grabstein des Amtmanns Nikolaus Heinrich von der Mylen († 1697); ursprünglich hinter dem Altar, 1905 umgesetzt. – In der Turmhalle: Grabstein für Elisabeth Bode († 1679), erste Ehefrau des Amtmanns Nikolaus Heinrich von der Mylen; ursprünglich hinter dem Altar, 1905 umgesetzt. – In der Turmhalle: Grabstein für Catharina Cornelia Rabenstein († 1696), zweite Ehefrau des Amtmanns Nikolaus Heinrich von der Mylen; ursprünglich hinter dem Altar, 1905 umgesetzt.

Orgel

1743 gebrauchte Orgel in Göttingen erworben. 1770 in Quedlinburg gebrauchte Orgel eines unbekannten Orgelbauers erworben, 1771–73 umgebaut und in Harste aufgestellt, Arbeiten ausgeführt von Johann Justus Hansen (Angerstein), wohl 12 Register, I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1844/45 Umbau und Reparatur, ausgeführt von August von Werder (Elliehausen), 14 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen; Instrument um 1905 abgebaut. 1905 Orgelneubau unter Verwendung des vorhandenen Gehäuses, ausgeführt von P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 17 II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen (Opus 543).58 1940 Reparatur, Paul Ott (Göttingen). 2003/04 Reparatur, Werner Bosch (Niestetal-Sandershausen), 17 II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen. Prospekt unter Denkmalschutz.

Geläut

Drei LG, I: f’ (Stahl, Gj. 1947, Bochumer Verein), Inschriften: „J[obst] H[inrich] Creydt kam heim 1947. Ps. 106,1“ und „B[ochumer] V[erein für Bergbau und] G[ußstahlfabrikation] 1947. 668“; II: as’ (Stahl, Gj. 1947, Bochumer Verein), Inschrift: „Land Höre des Herrn Wort“ und „B[ochumer] V[erein für Bergbau und] G[ußstahlfabrikation] 1947. 114“; III: h’ (Bronze, Gj. 1934, Firma Radler, Hildesheim), Inschriften: „Geopfert für Vaterlands Wehr 1917, erneuert zu Gottes Ehr’ 1934“, „Der Kirchenvorstand: Otto Sartorius Pastor i[n] R[uhe], Wilhelm Dolle, Karl Grebe, Walther Thiele. Harste. Wilhelm Herwig, Emmenhausen“ und „Radler Hildesheim“. – Früherer Bestand: 1588 mindestens drei Glocken vorhanden, u. a. Betglocke und Bürgerglocke.59 Betglocke 1617 umgegossen, dabei auch Zeigerglocke (Uhrglocke) mitverwendet; Guss musste wiederholt werden. 1619 Glocke von der Gemeinde Gladebeck erworben.60 Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) vorhandene Glocken um 1626/27 von kaiserlichen Truppen geraubt. Eine kleine LG (Bronze, Gj. 1628, David Fobben, Göttingen), umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1736, Johann Arnold Geyer, Nordhausen), Inschrift: „Justus Ludwig Schlemm Herr Amtmann, Johann Conrahd Tacken Pastor, Amtsschreiber Hans Heinrich Kleiken, Bauermeister John Cunrahd Oldendorp. Anno 1736 goß mich Johann Arnhold Geyer in Nordhausen. Thomas Grummen Vorsteher, Henrikus Ohms Vorsteher, Lorentz Geberts Bauermeister in Emmenhausen, Christoph Tolle, Vorsteher“, Glocke im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Eine große LG (Bronze, Gj. 1639, David Fobben, Göttingen), umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1727, Thomas Rideweg, Hannover), Inschrift: „Praefecto Justo Ludowico Schlemmio, Subpraefecto Adamo Christoph Praetorio, arte Thomae Rideweggi denuo fusa sumbitus Communionis Harst et Emmenhus“ (Unter dem Amtmann Justus Ludwig Schlemm und dem Unteramtmann Adam Christoph Praetorius ist [diese Glocke] von Thomas Rideweg in seiner Kunstfertigkeit neu gegossen worden, auf Kosten der Gemeinden Harste und Emmenhausen), bei einem Trauergeläut geborsten und umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1882, Carl Isermann, Ebergötzen), im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Nebengebäude bei der Kirche (Bj. 2012; Büro, Abstellraum, Toiletten). – Pfarrhaus mit Gemeinderäumen (Bj. 1786, 1913 erweitert, 2008 verkauft). – Küsterhaus (Bj. 1838, verkauft 1972; Vorgängerbau erbaut vor 1594). – Pfarrwitwenhaus (Bj. 1710, verkauft 1870).

Friedhof

Ehemaliger kirchlicher Friedhof bei der Kirche, genutzt bis 1850. Neuer Friedhof im Osten von Harste, angelegt 1851/52, FKap (Bj. 1981, Vorgängerbau Bj. 1860), Grundstück Eigentum der KG, Verwaltung seit 1972 durch die Kommune.61 Kommunaler Friedhof am südwestlichen Ortsrand von Emmenhausen, angelegt 1852, kirchlicher Glockenträger (Bj. 2013) mit einer LG (Bronze, Gj. 2013).

Liste der Pastoren (bis 1940)

Bis 1548 Nicolaus Schütz. – Hartmann Henzemann.62 – Vor 1560 bis 1583 Caspar von Bommersheim. – 1583–1597 Johannes Francke. – 1598–1642 Thomas Montanus (Berg). – 1643–1647 Andreas Gebhardi. – 1647–1648 Basilius Oldermann. – 1648–1675 Andreas Hunold. – 1675–1680 Conrad Molthan. – 1680–1696 Henrich Ernst Elster. – 1697–1703 Friedrich Henrich Eberhard(t). – 1703–1709 Andreas Hotze (Hohen). – 1709–1727 Johann Christoph Lüdecke. – 1728–1738 Johann Conrad Tacken. – 1738–1743 Johann Georg Schwachheim. – 1743–1785 Johann Just Walther. – 1785–1829 Friedrich Christian Wiedenfeld. – 1831– 1837 Heinrich August Wilhelm Meyer (Bild). – 1837–1846 Carl Jacob Domino. – 1847–1884 Friedrich Heinrich Preu. – 1884–1894 Eduard August Theodor Hölty. – 1895–1934 Georg Christian Philipp Friedrich Bruns. – 1934–1938 Otto Hugo Sartorius. – 1939–1942 Günther Bernhard Wilhelm August Richter (1939 zum Kriegsdienst eingezogen, 1942 gefallen).

Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 466–467 und III, S. 25

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 4810–4847 (Pfarroffizialsachen); A & Nr. 3348–3359 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 948Digitalisat, 949Digitalisat, 950Digitalisat, 951Digitalisat (Visitationen); B 2 G 9 Nr. 1356–1357 (Baupflege und Bauwesen); S 09 rep Nr. 1349 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7771 (Findbuch PfA); S 11a Nr. 8140 (Findbuch EphA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1643 (Lücken: 1646–1651; unvollständig: 1643)
Trauungen: ab 1644
Begräbnisse: ab 1643
Kommunikanten: ab 1850
Konfirmationen: ab 1832

Literatur & Links

A: Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 64–73; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 179–182; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 651; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Münden, S. 99–102; Meyer, Pastoren I, S. 466–467 und III, S. 25; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 100–101.

B: Karl Heinz Bielefeld: Beiträge zur Geschichte des Dorfes Harste (Kreis Göttingen), in: Plesse-Archiv 12 (1977), S. 7–243, bes. S. 127–145; Gudrun Pischke, Gerd Busse, Klaus Grote & Gerhard Streich: Harste. 822/26–2022. Aus zwölf Jahrhunderten Geschichte (= Schriftenreihe der AG für Südniedersächsische Heimatforschung e. V. 26), Harste 2023; Gudrun Pischke: Die Herren von Harste, Angehörige der Ritterschaft des Fürstentums Göttingen. Genealogie, soziale Stellung und herrschaftliches Umfeld, in: Göttinger Jahrbuch 62 (2014), S. 19–40; Gudrun Pischke: Die Burg Harste. Eine bislang kaum beachtete herzogliche Residenz des späten Mittelalters im Fürstentum Göttingen, in: Südniedersachsen. Zeitschrift für regionale Forschung und Heimatpflege 41 (2013), S. 50–55 und S. 90–97; Otto Sartorius: Die Kirchenrechnungen von Harste 1587–1669 als Quelle zur Ortsgeschichte, Göttinger Blätter für Geschichte und Heimatkunde Südhannovers 4 (1938), Heft 3, S. 52–65; Frank Weissenborn: Gerichtsbarkeit im Amt Harste bei Göttingen, Göttingen 1993.

Internet: Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche, Kirchhofmauer.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 155
  2. Mönchslisten I, § 41 (zur Datierung: S. 75 ff.); Mönchslisten II, S. 97 ff.; Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 52 f. Für weitere Belege und zur Bedeutung des Ortsnamens vgl. Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 179 ff.
  3. MGH DD O I 152 [Digitalisat] und 165 [Digitalisat].
  4. Bielefeld, S. 77 ff.
  5. UB Göttingen I, Nr. 39 [Digitalisat]. EBIDAT, Art. Harste. Zur Geschichte der Burg vgl. Pischke, Burg Harste, 50 ff. und 90 ff.
  6. Pischke, Herren von Harste, S. 19 ff.
  7. Insgesamt: Pischke, Landesteilungen, bes. S. 45 ff., S. 75 ff. und S. 180 ff.
  8. Kupsch, Gericht, S. 69 f. Zum Amt Harste: Weissenborn, S. 3 ff.
  9. Um 1570: NLA HA Kartensammlung Nr. 21 d/1 pg (mit Digitalisat), Datierung nach Pischke, Burg Harste, S. 51. 1585: NLA HA Kartensammlung Nr. 21 d/5 pm (mit Digitalisat). Merian-Stich: Digitalisat.
  10. LkAH, L 5c, unverz., Harste, Visitation 1965.
  11. Bielefeld, S. 127 f.
  12. NLA HA Cal. Or. 100 Bursfelde Nr. 16.
  13. Pischke, Busse, Grote & Streich, S. 52.
  14. Pischke, Busse, Grote & Streich, S. 52; Bielefeld, S. 127 f.
  15. 1294: UB Plesse, Nr. 345. 1300: NLA HA Cal. Or. 100 Bursfelde Nr. 31; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 179. 1308: UB Walkenried II, Nr. 846.
  16. UB Hilwartshausen, Nr. 168.
  17. Bielefeld, S. 137 (ohne Beleg).
  18. UB Weende, Nr. 216, Nr. 223 und Nr. 236. NLA HA Cop. in Nr. 1/0453.
  19. Dolle, Klosterbuch III, S. 1504.
  20. Pischke, Busse, Grote & Streich, S. 64. Vgl. auch Bielefeld, S. 130.
  21. Prietzel, Kalande, S. 582 (Nr. 60).
  22. Bielefeld, S. 137 (ohne Beleg).
  23. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, S. 47 ff.
  24. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.
  25. Pischke, Busse, Grote & Streich, S. 69.
  26. Sartorius, S. 52 ff.
  27. Zitate: Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 133 f.
  28. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 133.
  29. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 134, Anm. 3.
  30. Pischke, Busse, Grote & Streich, S. 64. Der Hof wurde 1961 verkauft.
  31. StadtA GOE B 1 Nr. N 931. Bielefeld, S. 134.
  32. Kayser, Generalvisitation Gesenius, S. 181.
  33. Bielefeld, S. 130; Pischke, Busse, Grote & Streich, S. 101.
  34. Zit. bei Bielefeld, S. 132.
  35. Bielefeld, S. 138.
  36. Bielefeld, S. 139.
  37. LkAH, S 1 H III, Nr. 413, Bl. 24. Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  38. Alle Zitate: LkAH, S 1 H III, Nr. 413, Bl. 24.
  39. Bielefeld, S. 134: „Schon im Jahre 1934 mußte das große Pfarrzimmer der Hitlerjugend, dem Bund Deutscher Mädchen und dem Gemeinderat für Schulungsabende und Sitzungen zur Verfügung gestellt werden.“
  40. LkAH, S 1 H III, Nr. 413, Bl. 24; LkAH, L 5c, unverz., Harste, Visitationen 1949 und 1959.
  41. LkAH, L 5c, unverz., Harste, Visitation 1959.
  42. LkAH, L 5c, unverz., Harste, Visitation 1977.
  43. LkAH, L 5c, unverz., Harste, Visitation 1984.
  44. LkAH, L 5c, unverz., Harste, Visitation 1991. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  45. Pischke, Busse, Grote & Streich, S. 164.
  46. KABl. 1989, S. 21.
  47. KABl. 2014, S. 102 ff.; KABl. 2016, S. 72; KABl. 2025, S. 275.
  48. Bruns, Archidiakonat, S. 163 f.
  49. Meyer, Inspektionseinteilung, S. 214 f.
  50. KABl. 1924, S. 86.
  51. KABl. 1937, S. 135.
  52. KABl. 2000, S. 150 f.
  53. KABl. 2022, S. 189 ff.
  54. Pischke, Busse, Grote & Streich, S. 52 f. In Dolle, Klosterbuch III, S. 1257, nicht erwähnt.
  55. Pischke, Busse, Grote & Streich, S. 70; Bielefeld, S. 128.
  56. Abb.: Pischke, Busse, Grote & Streich, S. 51.
  57. Sartorius, S. 54.
  58. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 116.
  59. Bielefeld, S. 133; Sartorius, S. 53 f.
  60. Sartorius, S. 54.
  61. Bielefeld, S. 134.
  62. StadtA GOE AA Nr. 5207.