Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: – | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Friedland war Standort der 1285 erstmals erwähnten welfischen Burg Vrideland1, Sitz eines landesherrlichen Vogts, später eines Amtes, das 1424 bis 1531 an die Stadt Göttingen verpfändet war und 1541 als Leibzucht der Hzgn. Elisabeth von Calenberg übergeben wurde (bis 1556). Bald danach und nahezu durchgehend bis Anfang des 18. Jh. war es wieder verpfändet, zuletzt an Mitglieder des kurfürstlichen Hauses. 1859 wurde das Amt Friedland in das benachbarte Amt Reinhausen eingegliedert.
Das Alter der Parochie ist unbekannt. 1370 erscheint als erster Geistlicher Jan, pernere to Vredelande.2 1415 versetzen Arnold von Rusteberg und dessen Frau Gerburg sowie Hermann vom Hagen und dessen Frau Hedwig Hermann Otte, Pfarrer in Friedland, einen Hof in Friedland.3 1455 wird her Johanne tho Fredelande genannt.4 Unter Hzgn. Elisabeth von Calenberg wurde die Reformation eingeführt (Visitation des Amts Friedland im Dezember 1542)5 und Friedland wohl wenig später als mater combinata mit Klein Schneen verbunden. Die ursprünglich romanische Kirche wurde in der Reformationszeit zerstört und aus den Trümmern der nahe gelegenen Burg neu aufgebaut. 1776 war sie schon wieder „so sehr baufällig, daß fast nicht mehr GD darin kann gehalten werden.“6 Der erhoffte Neubau blieb allerdings aus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entfaltete die kath. Kirche in Friedland eine rege Tätigkeit, förderte die Ansiedlung von kath. Familien und brachte den Bau einer eigenen Kirche auf den Weg. Die ev.-luth. KG Friedland bemühte sich in Konkurrenz dazu ihrerseits um Verbesserung ihrer Raumsituation. Zwar lehnte das LKA den vom Baron von Schneen angebotenen Ankauf des Gutsbezirks einschließlich des Herrenhauses ab, genehmigte jedoch den Bau eines neuen Gemeindehauses (errichtet 1956/57). Ein eigenes Pfarrhaus ermöglichte zudem die Lösung der pfarramtlichen Verbindung mit Klein Schneen zum 1. April 1958. Dabei wurde keine neue Pfarrstelle geschaffen, sondern das Pfarramt der KG Reckershausen nach Friedland verlegt. Zugleich wurden Friedland mit Reckershausen und Hottenrode (mit KapG in Niedergandern) pfarramtlich verbunden.7
Von einigem Einfluss auf das Gemeindeleben war das 1945 eingerichtete Grenzdurchgangslager Friedland. Im Rahmen der Arbeit der Inneren Mission im Lager wurde 1951 ein evangelischer KiGa eingerichtet und nach wechselnden Standorten (Alte Schule/Küsterhaus, ehemaliger Lagerkindergarten, Gemeindehaus) 1965 in einem eigenen Neubau untergebracht (jetzt in der Trägerschaft des Ev. Kindertagesstättenverbands Region Friedland).
Die Zersplitterung der an sich kleinen Gemeinde (Altes Dorf; Wohngebiete beiderseits der Bahnstrecke, Wohnsiedlung am Burgerberg, Lagerbereich) war der Pastorierung eher abträglich. Obwohl nach der Verlegung des Pfarrsitzes zunächst eine Zunahme von Gottesdienstbesuch und Teilnahme am Abendmahl verzeichnet wurde, stellte der Visitationsbericht von 1968 einen „beträchtlichen Niedergang im kirchlichen Leben der Gemeinde“ fest.8 Die Zahl der Gemeindeglieder sank von 1962 bis 1968 um fast 15 Prozent. Diese Entwicklung war auch ein Grund dafür, dass das LKA die von Seiten der Gemeinde geförderten Bestrebungen, an Stelle des maroden Kirchenbaus am Ortsrand auf dem Gelände des Gemeindezentrums einen Ersatzbau zu errichten, ablehnte. Die ohnehin unter Denkmalschutz stehende Kirche wurde 1970 saniert.
Am 1. März 2001 wurde die pfarramtliche Verbindung mit Niedergandern-Hottenrode und Reckershausen aufgehoben und Friedland mit Niedergandern-Hottenrode, Reckershausen, Groß Schneen, Ballenhausen, Klein Schneen, Deiderode und Elkershausen pfarramtlich verbunden. Mit dem 1. Januar 2009 wurde die pfarramtliche Verbindung um die bisher pfarramtlich verbundenen KG Reiffenhausen, Lichtenhagen und Ludolfshausen9 und mit dem 1. Januar 2011 um die KG Niedernjesa-Stockhausen erweitert (Ev.-luth. Gemeindeverband Friedland).

Umfang

Das Dorf Friedland.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Sieboldshausen10) der Erzdiözese Mainz. – Nach der Reformation wie Klein Schneen. Insp. (1924: KK) Göttingen III, 1. April 1937 zum KK Göttingen-Süd. Seit 1. Januar 2001 KK Göttingen.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Dreiachsige Saalkirche mit geradem Ostschluss aus unverputztem Bruchsteinmauerwerk. Außenmauern mit Eckquaderung. Über dem Schiff eine gewölbte Holzdecke. U-förmige Empore.

Turm

Über dem Westgiebel ein verschieferter dachreiterartiger Turm aus ausgemauertem Holzfachwerk mit barocker Haube.

Ausstattung

Sakramentsnische (vermutlich 1450).11

Orgel

1776 war keine Orgel vorhanden.12 – 1972 Neubau durch Albert Frerichs (Göttingen), 7 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: b’ (Eisen, Gj. 1952, J. F. Weule, Bockenem); II: des’’ (Bronze, Gj. 1895, J. J. Radler, Hildesheim).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1958). – Küsterhaus und Küsterscheune von 1765.

Friedhof

Am Amtshof (in Trägerschaft der Gemeinde Friedland).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 10039–10040 (Pfarroffizialsachen); A 8 (CB).

Literatur

A: Eichenberg, KK Göttingen-Süd, S. 78 f.


Fußnoten

  1. UB Mariengarten, Nr. 57.
  2. UB Mariengarten, Nr. 236.
  3. UB Mariengarten, Nr. 258.
  4. UB Mariengarten, Nr. 285.
  5. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 249, Anm. 503.
  6. LkAH, A 8/Friedland (Corpus bonorum 1776).
  7. KABl. 1958, S. 93.
  8. LkAH, L 5c, unverz., Friedland, Visitation 1968.
  9. KABl. 2009, S. 11.
  10. Kayser, Registrum II, S. 278.
  11. Müller, Sakramentsnischen, C 46.
  12. LkAH, A 8/Friedland (Corpus bonorum 1776).