Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: Johannes | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Das Kirchdorf südlich von Göttingen wird 1109 erstmals urkundlich erwähnt. Ein älterer Beleg für das Jahr 1101 ist eine Fälschung des 13. Jh.1 Die am südwestlichen Ende des Dorfs gelegene Burgstätte war vermutlich der Sitz des gleichnamigen Adelsgeschlechts, der aus ihr hervorgegangene Sattelhof später im Besitz der von Rusteberg und fiel mit deren Erlöschen 1430 an den Landesherrn zurück. Seit dem 15. Jh. (vor 1448) gehörte Ballenhausen zum Amt Friedland des Fsm. Göttingen. – Seit 1973 Ortsteil der Gemeinde Friedland.

Kirche, Ansicht von Süden, um 1953

Kirche, Ansicht von Süden, um 1953

Eine Kapelle war Anfang des 14. Jh. bereits vorhanden. Sie muss in der ersten Hälfte des 14. Jh. mit Pfarrrechten ausgestattet worden sein. Um 1400 wurde das Ksp. um die Einwohner des wüstgefallenen Kirchdorfs Bodenhausen vermehrt.
1340 war ein Pfarrre Johannes in Ballenhausen Zeuge einer Urkunde des Arnold von Rusteberg für das Kloster Reinhausen.2 Derselbe erscheint noch 1344 als rector parochie in Ballenhusen3 1347 wird der Kapellan Heinrich von Grone in Ballenhausen erwähnt4, als perner tů Balnhusen 1355 ein Johannes. Weitere Geistliche waren: Johann von Schneen, Pleban in Ballenhausen (1364)5; Johannes Olden (1386); Heinrich Slegel (1386, † 1423); Johannes von Gandern (1423); Herman von Gander, perner (1442)6; Kündervater (1465) und Konrad Udonis (1473).
Im Dezember 1542 wurde das Amt Friedland durch Antonius Corvinus visitiert7, die Durchführung der Reformation wohl zwischen 1542 und 1544 durch die Patronatsfamilie vollzogen. Jedenfalls amtierte 1544 ein luth. Kaplan auf dem Arnstein als Sitz der von Bodenhausen. Die Pfarrstelle war zur Zeit der Reformation vakant und wurde erst 1563 im Zuge der Belehnung des noch unmündigen Arnold Behnen (Sohn des Witzenhausener Pfarrers Jobst Behnen) wieder besetzt. Zum mercenarius wurde Hermann Beuermann bestellt. Nach der Visitation von 1588 wurde Behnen abgesetzt und Beuermann mit der Pfarrstelle belehnt.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf vollständig niedergebrannt (1626), dabei wohl auch Kirche und Pfarrhaus zerstört, zumindest schwer beschädigt und die mittelalterliche Kirche, nachdem sie zunächst wieder aufgebaut war, 1768 wegen Baufälligkeit endgültig abgebrochen. Der mit Material des Vorgängerbaus errichtete Neubau wurde 1777 eingeweiht.
Unter den Pfarrern ist P. Georg Conrad Rittmeyer (amt. 1766-1805) hervorzuheben, der sich um die Hebung der Pfarrökonomie und der Landwirtschaft im Dorf im Allgemeinen und um die Einführung einer Industrieschule verdient machte.8 Seit 1922 war die Pfarrstelle unbesetzt und wurde von Groß Schneen aus versehen. Das 1757 erbaute Pfarrhaus, infolge der Vakanz seit 1923 fremdvermietet, wurde 1954 zum KiGa ausgebaut.
Mit dem 1. Januar 1975 wurde die damals noch rund 400 Glieder starke KG mit Groß Schneen pfarramtlich verbunden9, ab 1. März 2001 zusätzlich mit den KG Friedland, Niedergandern-Hottenrode, Reckershausen, Klein Schneen, Deiderode und Elkershausen verbunden, ab 1. Januar 2009 auch den KG Reiffenhausen, Lichtenhagen und Ludolfshausen10 sowie seit 1. Januar 2011 der KG Niedernjesa-Stockhausen.

Umfang

Ballenhausen und das Forsthaus Hasenwinkel.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Geismar11) der Erzdiözese Mainz. – 1588/89 zur neu errichteten Insp. Dransfeld, nach Verlegung des Suptur.-Sitzes ab 1636/37 Insp. Göttingen. 1802 zur neu gebildeten Insp. (1924: KK) Göttingen III (mit Sitz an St. Albani). 1. April 1937 KK Göttingen-Süd.12 Seit 1. Januar 2001 KK Göttingen.

Patronat

Dingliches Patronat, verbunden mit dem Forstgut Hasenwinkel (Waldwüstung Bodenhausen). Inhaber der Patronatsrechte waren die von Ballenhausen (urkundlich 1109), nach deren Aussterben zwischen 1250 und 1273 die von Rusteberg (erloschen zwischen 1429 und 1427).13 1430 und 1434 werden die von Uslar an der Haller Altengleichen durch den Landesherrn mit dem Kirchlehen belehnt.14 1453 erkannte der Ebf. von Mainz das Patronatsrecht den von Bodenhausen zu. 1473 erhoben die von Bodenhausen, von Uslar und von Stockhausen Ansprüche auf die Neubesetzung der Pfarrstelle. Die gemeinen Schöffen des Landes Thüringen, denen der Ebf. die Entscheidung übertrug, erkannten 1474 die von Bodenhausen endgültig als Erben der von Rusteberg und Inhaber des Patronats an.15 Im Zuge der Verbindung der Pfarrstelle mit Groß Schneen entstand ein Kompatronat, bei dem die Inhaber der beiden Patronate in jedem dritten Besetzungsfall das Präsentationsrecht gemeinsam ausüben. Die mit dem Patronat verbundenen Rechte und Pflichten blieben auch bei der pfarramtlichen Neuordnung von 2001, 2009 und 2011 erhalten.

Kirchenbau

Vierachsige, spätbarocke Saalkirche auf rechteckigem Grundriss aus verputztem Bruchstein mit Eckquaderung (1774/77). Flaches Walmdach. Holztonnengewölbe. Rundbogige Sprossenfenster. Renovierungen 1958/59 (Innen) und 1982/83.

Turm

Vierseitiger verschieferter Dachreiter mit flachgeschwungener Glockenhaube.

Ausstattung

Spätbarocker Kanzelaltar.

Orgel

1826/27 Neubau durch Wilhelm Schmerbach (Frieda). 1930 Neubau des Werks hinter dem alten Gehäuse durch Lothar Wetzel (Hannover), 12 (davon eine Transmission) II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen. 1991 Neubau des Werks durch Orgelbaumeister Rudolf Janke (Bovenden) nach der Disposition der Schmerbach-Orgel von 1826; 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Subbass 16’ wurde aus der Wetzel-Orgel von 1930 übernommen. Einweihung am 4. Advent 1991. – Der Prospekt steht unter Denkmalschutz.

Geläut

Zwei LG, I: a’ (Bronze, Gj. 1928, Firma Schilling & Söhne, Apolda); II: c’’ (Eisenhartguss, Gj. 1951, J. F. Weule, Bockenem). – Früherer Bestand: Eine Glocke aus B. wurde 1591 von den von Bodenhausen nach Hottenrode verbracht, über dessen Kirche die Familie ebenfalls das Patronat besaß. Weiterer Bestand unklar. Nach Bersten der größeren Glocke wurden 1880 bei der Firma J. J. Radler & Söhne (Hildesheim) zwei neue LG gegossen. Aus dem Geläut von 1880 wurde die kleinere Glocke 1917, die größere 1941 zu Rüstungszwecken abgeliefert.

Friedhof

Ursprünglich der Kirchhof, 1836 an den nordöstlichen Dorfrand verlegt.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 443-448 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 292 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 422-431 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 106-107 (Visitationen).

Literatur

A: Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Duderstadt, S. 218.
B: Christian Behrend: Groß Schneen – Ballenhausen, in: Ein KK stellt sich vor. KK Göttingen-Süd, Göttingen 1997, S. 75-78; Fritz Scheidemann und Heinrich Lücke: Aus der Geschichte von Ballenhausen und Bodenhausen, o. O. [1959].


Fußnoten

  1. Mainzer UB I, Nr. 478. Vgl. auch Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 34.
  2. UB Reinhausen, Nr. 117.
  3. UB Reinhausen, Nr. 122.
  4. UB Göttingen I, Nr. 168.
  5. UB Reinhausen, Nr. 148.
  6. UB Reinhausen, Nr. 234.
  7. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 249, Anm. 503.
  8. Monathliche Nachrichten 1805, S. 37-39.
  9. KABl. 1975, S. 5 f.
  10. KABl. 2009, S. 11.
  11. Kayser, Registrum II, S. 277.
  12. KABl. 1937, S. 135.
  13. Schickhaus, Orte Familiengeschichte, S. 46.
  14. Uslar-Gleichen, Urkunden I, S. 206 f.
  15. Scheidemann/Lücke, S. 16.