Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: Georg | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Der Ort Deiderode erscheint zuerst in zwei Fälschungen des 13. Jh. für die Jahre 1118/37 (Urkunde des Ebf. Adalbert I. von Mainz für das Kloster Reinhausen)1 und 1168 (Heinrich der Löwe nimmt das Kloster Reinhausen in seinen Schutz und bestätigt dessen Besitzungen, darunter drei Hufen in Thedenroth; verunechtet).2 In der zweiten Hälfte des 13. Jh. hat Deiderode offenbar eine Zeitlang wüst gelegen, bevor es um 1280 an derselben Stelle neu besiedelt wurde.3 Fsm. Göttingen, Amt Friedland.

Kirche, Ansicht von Norden, um 1953

Kirche, Ansicht von Norden, um 1953

1249 ist eine Kapelle in Deiderode bezeugt. Die Ausübung der Parochialrechte war bis 1267 zwischen den Pfarrern von Elkershausen und dem später wüst gefallenen Hermannrode umstritten und wurde schließlich zugunsten von Elkershausen entschieden.4 1278 beauftragte der Nörtener Stiftspropst Lippold den Erzpriester in Sieboldshausen, die Seelsorge für die Bewohner der Hagensiedlung Deiderode dem Kloster Mariengarten zu übertragen.5 1283 entschied Lippold einen Streit zwischen dem Kloster und dem Priester Konrad von Frankenberg wegen der Einkünfte aus der Kapelle zugunsten des ersteren und drohte Konrad die Exkommunikation an.6 Anlässlich der Visitation von 1542 wurde die Zuständigkeit des Klosterkaplans für Deiderode noch einmal ausdrücklich festgestellt.7 Die Anerkennung als Pfarrkirche dürfte wohl auch in die Reformationszeit fallen. Nach dem Inventar von 1585 hatte das Kloster Mariengarten einen Pfarrer in Deiderode zu unterhalten. Pfarrgüter waren nicht vorhanden.8 1631 gab der Konvent das Kloster Mariengarten auf.
Mit dem 1. Januar 1977 wurden die KG Deiderode und Elkershausen mit der KG Klein Schneen durch das Pfarramt Klein Schneen pfarramtlich verbunden.9 Zugleich wurde die KG Mariengarten in die KG Deiderode eingegliedert. Unter Aufhebung dieser Verbindung wurden die drei bisher verbundenen KG später mit den KG Friedland, Niedergandern-Hottenrode, Reckershausen, Groß Schneen und Ballenhausen verbunden sowie diese Verbindung mit dem 1. Januar 2009 um die bisher pfarramtlich verbundenen KG Reiffenhausen, Lichtenhagen und Ludolfshausen10 und mit dem 1. Januar 2011 um die KG Niedernjesa-Stockhausen zum Ev.-luth. Gemeindeverbund Friedland erweitert.

Umfang

Das Dorf Deiderode und das Klostergut Mariengarten mit Wetenborn. Mit dem 1. Januar 1977 wurden die Glieder der aufgehobenen KapG Mollenfelde aus der KG Atzenhausen nach Deiderode umgepfarrt.11

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Sieboldshausen12) der Erzdiözese Mainz. – 1588/89 zur neu errichteten Insp. Dransfeld, nach Verlegung des Suptur.-Sitzes ab 1636/37 Insp. Göttingen. Bei deren Aufteilung kam Deiderode 1802 zur neu gebildeten Insp. Göttingen III (mit Sitz an St. Albani) und im Zuge der Neuorganisation der Göttinger Aufsichtsbezirke ab 1. April 1937 zum KK Göttingen-Süd.13 Seit 1. Januar 2001 KK Göttingen.

Patronat

Das Kloster Mariengarten, 1280 durch den Offizial von Nörten als Inhaber des Patronatsrechts über die damalige Kapelle anerkannt.14 Die Bindung blieb auch nach der Reformation zunächst bestehen. Wohl mit der endgültigen Aufgabe des Konvents 1631 an den Landesherrn (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, 1951

Kirche, Blick zum Altar, 1951

Einschiffige, romanische Bruchsteinkirche zu drei Jochen mit giebelreiterartigem, verschiefertem Westturm und eingezogenem, abgeschnürtem Rechteckchor; Sandsteineckquaderung. Kreuzrippengewölbe wohl aus der Mitte des 15. Jh. mit gotischer Gewölbemalerei (vor 1430, 1986/88 teilweise freigelegt). Portal an der Südseite aus dem frühen 14. Jh.

Orgel

Eine frühere Orgel war von Carl Heyder (Heiligenstadt) hinter einem älteren Prospekt erbaut und 1958 durch Paul Ott (Göttingen) renoviert und umgebaut worden; 10 I/P. 1967 Neubau durch Rudolf Janke (Bovenden), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Eine LG h’ (Bronze, Gj. 1868, Friedrich Dreyer, Linden/Hannover).

Friedhof

Nördlich vor dem Dorf. In Trägerschaft der politischen Gemeinde Friedland.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2105 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1670–1677 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 432–434 (Visitationen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 381; Eichenberg, KK Göttingen-Süd, S. 70–72; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Duderstadt, S. 219.


Fußnoten

  1. Mainzer UB I, Nr. 615
  2. MGH DD HL, Nr. 78.
  3. Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 92.
  4. UB Mariengarten, Nr. 21.
  5. UB Mariengarten, Nr. 42.
  6. UB Mariengarten, Nr. 52 f.
  7. Boetticher, Kloster und Grundherrschaft, S. 12.
  8. Boetticher, Kloster und Grundherrschaft, S. 178.
  9. KABl. 1977, S. 109 f.
  10. KABl. 2009, S. 11.
  11. KABl. 1977, S. 109 f.
  12. Kayser, Registrum II, S. 278.
  13. KABl. 1937, S. 135.
  14. UB Mariengarten, Nr. 46.