Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Münden | Patrozinium: kein mittelalterliches Patrozinium bekannt1 | KO: Calenberger KO von 1569
Orts- und Kirchengeschichte
Urkundlich ist das Dorf im Grenzgebiet zwischen Niedersachsen, Hessen und Thüringen erstmals 1207 belegt: Das Kloster Reinhausen besaß in Ripenhusen eine Hufe.2 Territorial gehörte Reiffenhausen zum welfischen Teilfsm. Göttingen, das um 1291 bei der Dreiteilung des Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel entstanden war.3 Nachdem die Göttinger Linie der Welfen mit Hzg. Otto Cocles († 1463) in männlicher Linie ausgestorben war, wurde das Territorium 1495 bzw. 1512 Teil des Fsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Reiffenhausen zählte zum Amt Friedland, die Niedergerichtsbarkeit lag teilweise bei der Familie von Hanstein.4 In französischer Zeit gehörte der Ort von 1807 bis 1813/14 zum Kgr. Westphalen (Kanton Friedland, Distrikt Göttingen, Leine-Departement). Ab 1815 zählte Reiffenhausen, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Friedland, das 1859 im Amt Reinhausen aufging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Reiffenhausen 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Lkr. Göttingen (neugebildet 1973 und 2016). 1973 wurde Reiffenhausen nach Friedland eingemeindet. Zur Sozialstruktur der Gemeinde schrieb der Ortspastor 1964 knapp: „Arbeiter und Bauern.“5 Im Jahr 2008 schlossen sich zahlreiche Einwohner*innen Reiffenhausens zu einer Genossenschaft zusammen, die seit 2010 ein dorfeigenes Fernwärmenetz betreibt („Bioenergiedorf Reiffenhausen eG“).6 Um 1810 lebten knapp 550 Menschen in Reiffenhausen, 2024 gut 570.
Zur vorref. Kirchengeschichte Reiffenhausens ist kaum etwas bekannt. Das vermauerte spitzbogige Kirchenportal nach Süden ist ein Überrest des gotischen Kirchengebäudes. Der Corpus am Altarkruzifix stammt aus spätgotischer Zeit (1932 auf dem Dachboden des Pfarrhauses gefunden).7 In den hilgen dagen to Wynachten 1429 belehnte Hzg. Otto Cocles († 1463) Lamprecht von Stockhausen und seinen Vetter Detmar mit dem Kirchlehn in Rypenhusen.8 Diese Patronatsrechte blieben bis Mitte des 20. Jh. bei der Familie von Stockhausen. 1485 ist der Kirchhof (kyrchhabe) in Reiffenhausen urkundlich erwähnt.9 Namen vorref. Geistlicher sind nicht überliefert.
Im Fsm. Göttingen führte Hzgn. Elisabeth zu Braunschweig-Lüneburg († 1558) die luth. Lehre ein: 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden, Stifte und Klöster des Fürstentums visitieren.10 Im Jahr 1545 übernahm ihr nunmehr volljähriger Sohn als Hzg. Erich II. die Regierungsgeschäfte und wechselte 1547 zum kath. Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich jedoch seinen Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der luth. Lehre in den Kirchspielen des Fürstentums sicherstellen. Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fsm. Calenberg-Göttingen 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Hzg. Julius († 1589) führte seine 1569 aufgestellte ev. KO auch hier ein.11 1588 ließ er die Gemeinden visitieren.
Der erste namentlich bekannte luth. Geistliche von Reiffenhausen war P. Johannes Kurtz (amt. 1565–1597). Er war gleichzeitig für die filia (Tochtergemeinde) Ludolfshausen zuständig. Im Protokoll der Visitation von 1588 finden sich einige Angaben zu seinem Leben: Er stammte aus Wipperfürth im Bergischen Land, „hat nicht viel studiert, ist ein Wollenknab gewesen. Wie er 20 Jahr alt gewesen, hat er noch nicht können schreiben oder lesen, hat sechs Jahr gewandert und sich hin und wieder von Pastoribus unterweisen lassen“. Sonntags predigte er in Reiffenhausen und Ludolfshausen „zuweilen einmal an beiden Orten, zuweilen zweimal“. Im Gottesdienst sang er „alles deutsch, kann nicht lateinisch singen“.12 Seine theologischen Kenntnisse beurteilten die Visitatoren als ausreichend (Examen utcunque, deutsch).
Im Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig, angelegt um 1600, ist Ludolfshausen als filia von Reiffenhausen verzeichnet.13 Lichtenhagen ist separat aufgeführt, allerdings ohne die Nennung eines Predigers. Etwa um 1600 zog der Lichtenhägener P. Bartholomäus Rose (amt. 1594–1636) in das Pfarrhaus Reiffenhausen um und versah seither alle drei Gemeinden, Ludolfshausen als filia, Lichtenhagen als mater combinata.14 Bei der Visitation 1652 versammelten sich die Gemeinden Reckershausen, Niedergandern, Reiffenhausen, Lichtenhagen und Ludolfshausen bei der „Feldkirche Hottenrode“. Die Visitatoren waren erfreut über die Kenntnisse der Gemeindeglieder: „Alte und Junge bestanden so wohl, daß einer seine Lust daran sahe“.15
Aus dem Jahr 1670 ist eine knappe Beschreibung der Kirche Reiffenhausens überliefert. Nach P. Christoph Johannes Hemmelmann (amt. 1668–1701) war sie 34 Ellen lang und elf Ellen breit. Sie hatte ein Gewölbe und war baulich in einem guten Zustand. Knapp sieben Jahrzehnte später beurteilte P. Johann Heinrich Trier (amt. 1721–1765) die Lage anders. Das Gebäude sei klein und eng; überdies sei es „in dieser dunstigen, in der Erde liegenden und mit einem Gewölbe bedeckten Kirche nicht leicht sondern schwer zu reden“.16 Die Kirche müsse erhöht und erweitert werden. Nicht zuletzt würde ihm als Pastor „dadurch ein großer Vorteil zuwachsen, daß er nicht mit saurer und schwer sondern leichter Mühe predigen könte“. Die Neubauarbeiten begannen schließlich 1741 und waren vermutlich bis 1742 abgeschlossen (Jahreszahl über dem Portal). Die Inneneinrichtung war anscheinend erst in den 1750er Jahren fertiggestellt. Aus finanziellen Gründen musste die Gemeinde darauf verzichten, den schon 1707 als baufällig beschriebenen Kirchturm gleichzeitig zu erneuern. Stattdessen wurde neben der Kirche ein hölzernes Glockenhaus für die beiden Glocken errichtet.17 Der Neubau des Kirchturms folgte erst 1796. Die Inschrift über dem Turmportal erinnert daran.
Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. August de Haas (amt. 1931–1936), P. Heinz Diedrich Friedrich Dreher (amt. 1938–1943, seit 1940 im Kriegsdienst) und P. Götz (Gottlieb) Harbsmeier (amt. 1944–1952) das Pfarramt Reiffenhausen inne. Nach den Angaben im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ war P. de Haas Mitglied der SA und gehörte kirchenpolitisch, wie auch P. Dreher, zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft. Über sich selbst notierte P. Harbsmeier: „Bek[ennende] Kirche. Pfarrernotbund. Kein Mitglied der Partei oder ihrer Gliederungen“.18 Anfangs sollen in Reiffenhausen „SA-Gottesdienste“ stattgefunden haben. Über den 1933 neu gewählten KV schrieb P. Harbsmeier: „Meist PGs, die aber keine Aktivisten waren oder etwa den DC angehört hätten. 2 KV sind zu Gunsten der Partei ausgeschieden, 2 KV haben zu Gunsten der Kirchlichen Ämter auf ihre Ämter in der Partei verzichtet, bezw. wurden durch die Partei aus ihren Ämtern entfernt.“ Auf die Frage nach den Auswirkungen des Kirchenkampfes auf das Gemeindeleben schrieb P. Harbsmeier; „Kirchenkampf hat es in dem intakten Hannover [i. e. in der Landeskirche Hannovers] kaum gegeben. Daher keine Wirkung.“19
Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder in Lichtenhagen, Ludolfshausen und Reiffenhausen von 850 im Jahr 1939 auf gut 1.370 im Jahr 1951 an (Reiffenhausen: 910).20 Gleichzeitig entstand eine kleine kath. Gemeinde (1951: 60 Gemeindeglieder, 1958: knapp 90); sie feierte alle zwei Wochen eine Messe in der ev. Kirche Reiffenhausen (1958).21
1946 richtete die KG Reiffenhausen einen ev. Erntekindergarten ein (seit 1962 ganzjährig).22 In einer Unterredung mit dem Sup. des KK Göttingen-Süd während der Visitation 1951 äußerten sich die Kirchenvorsteher „in jeder Beziehung anerkennend über ihren Pastor“. Sie merkten lediglich an, dass P. Harbsmeiers Art der Predigt „mit ihrer antinationalsozialistischen Ausrichtung sie eine zeitlang vor den Kopf gestoßen habe, weil sie selber mit der überwiegenden Mehrheit der Gemeindeglieder Anhänger dieses Systems gewesen seien, doch hätten diese Angriffe seit längerem aufgehört, und im übrigen mußten sie ihm auch in der einstigen Kritik Recht geben“.23 In den Unterlagen zur Visitation schrieb P. Harbsmeier, dass besondere Frauen-, Männer- oder Jugendkreise nicht bestünden, denn die „organisatorische Strukturierung de Gemeinde aus lauter ‚Kreisen‘ unterliegt für das Dorf größten Bedenken“.24 P. Harbsmeier veröffentlichte neben seiner pfarramtlichen Tätigkeit zahlreiche Arbeiten zu theologischen Fragen und wechselte 1952 in den Hochschuldienst.25 Auch sein Nachnachfolger, der Arzt und Theologe P. Dietrich Rössler (amt. 1954–1965), vertauschte das Pfarramt Reiffenhausen mit einer Professur.26
1958 gründete sich ein Posaunenchor in Reiffenhausen. Anfang der 1960er Jahre richtete die KG eine Gemeindeschwesternstation ein. Nach der Visitation 1964 zog der Superintendent ein positives Gesamtfazit: „hier hat ein Pastor Freude an seiner Gemeinde und eine Gemeinde hat Freude an ihrem Pastor. Wie weit das schon Freude am Evangelium ist, muss an anderer Stelle entschieden werden“.27
2009 schlossen sich die drei Gemeinden Lichtenhagen, Ludolfshausen und Reiffenhausen dem verbundenen Pfarramt Friedland, Ballenhausen, Deiderode, Elkershausen, Groß Schneen, Klein Schneen, Niedergandern-Hottenrode und Reckershausen an.28 Als letzte Kirchengemeinde im Gebiet der politischen Gemeinde Friedland schloss sich 2011 auch Niedernjesa-Stockhausen dem verbundenen Pfarramt Friedland an. Im Jahr 2010 gehörte die KG Reiffenhausen zu den Gründerinnen des „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Region
Friedland“, der die Trägerschaft des gemeindeeigenen Kindergartens übernahm (2015 eingegliedert in den „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Südliches Leinetal“, 2026 aufgegangen im „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Münden“).29
Zum 1. Januar 2022 fusionierten die drei Gemeinden Lichtenhagen, Ludolfshausen und Reiffenhausen und gründeten gemeinsam die „Ev.-luth. Franziskus-KG Reiffenhausen“.30
Die Kirche Reiffenhausen liegt am 2005 eröffneten Pilgerweg Loccum–Volkenroda.31
Umfang
Reiffenhausen.
Aufsichtsbezirk
Archidiakonat Nörten der Erzdiözese Mainz (sedes Sieboldshausen).32 – 1588 zur Insp. Dransfeld, seit Verlegung des Superintendentursitzes 1636/37 Insp. Göttingen (Sitz an St. Johannis in Göttingen), bei deren Teilung 1796/97 zur neuen Insp. Göttingen Erster Teil, 1802 zur neuen Insp. Göttingen Dritter Teil. 1924 zum KK Göttingen III, 1937 zum KK Göttingen-Süd.33 Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.34 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Münden.35
Patronat
Ab 1429 Familie von Stockhausen (landesherrliches Lehen, persönliches Patronat).36 1952 verzichtete Hans von Stockhausen auf das Patronat über die Pfarrstelle Reiffenhausen.37
Kirchenbau
Rechteckiger Saalbau, unter Einbeziehung mittelalterlicher Reste erbaut 1741/42.38 Satteldach, nach Osten abgewalmt (ziegelgedeckt). Verputztes Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung im Osten; Werksteinsockel. An den Längsseiten je zwei große, rundbogige Sprossenfenster, im Westen der Südseite übereinander zwei rechteckige Sprossenfenster, darunter vermauertes Spitzbogenportal; im Westen der Nordseite Rechteckportal mit Jahreszahl „1742“. Portal- und Fenstergewände aus Werkstein. Im Innern flache Decke mit Vouten an den Längsseiten; Westempore. 1810 Umgestaltung Innenraum, u. a. u-förmige Emporenanlage im Westen, im Osten Kanzelkorb in hölzerne Altarwand eingefügt, seitliche Priechen im Altarraum. 1933 Umgestaltung Altar, u. a. elektrische Kerzen und Öldruck mit Darstellung des segnenden Christus’ entfernt.39 1936 Neugestaltung Innenraum, u. a. Kanzelaltar entfernt und Kanzel separat aufgestellt, Seitenemporen entfernt und Westempore vergrößert.40 1966 Innenrenovierung. 2017–19 Komplettsanierung, u. a. neuer Außenputz (zuvor steinsichtig).
Turm
Westturm mit quadratischem Grundriss, erbaut 1796. Geschwungene, verschieferte Haube mit vierseitigem Ansatz und achtseitiger, geschlossener Laterne, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne, an der Laterne vier rundbogige Schallfenster. Verputztes Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, Glockengeschoss Fachwerk mit Schieferbehang, an jeder Seite ein vierseitiges Schallfenster. An Süd- und Westseite jeweils übereinander ein großes und ein kleines rechteckiges Sprossenfenster, nach Norden Rechteckportal mit Inschrift: „Die Güte Gottes wird gespürt mit Glück ist dieser Bau vollführt Anno 1796“. 1862 Bekrönung mit Kugel und Wetterfahne angebracht.41 1921 Ausbesserungsarbeiten. 1932 Bekrönung instandgesetzt. 1984/85 Renovierung Turm und Turmdach. 2017–19 Außensanierung, u. a. neuer Außenputz, Turmhaube neu verschiefert, Glockengeschoss verschiefert (vorher ohne Schieferbehang).
Vorgängerbau
Nach einer Beschreibung von 1670 war die Kirche 34 Ellen lang, 11 Ellen breit, gewölbt und baulich in gutem Zustand.42 1707 Kirchturm baufällig. Um 1741/42 hölzernes Glockenhaus neben der Kirche erbaut.
Ausstattung
Schlichter, steinerner Altartisch (1936), rötlicher Sandstein.43 – An der Altarwand spiralförmiger, farbiger Wandteppich (20. Jh.) „als Symbol für das Leben“.44 – Barocke Kanzel, farbig gefasst (17. Jh.), polygonaler Kanzelkorb auf einer zentralen Stütze, vor den Ecken gedrehte Säulchen und Löwenköpfe, an den Wandungen Figuren (Evangelisten und Paulus), darüber Engelsköpfe, moderne Kanzeltreppe; 1810 Kanzelkorb in neue Kanzelaltarwand eingefügt, um 1920 farblich neugefasst, 1936 separat aufgestellt, farblich neu gefasst. – Hölzerner Taufengel (1752), farbig gefasst (schwarz, rot, gold), der Engel hält die Schale in den ausgestreckten Armen; den Taufengel stiftete Johann Christoph Haase (Reiffenhausen) zum Andenken an seine Tochter Rosina Maria Haase (1741–1752), seit den 1990er Jahren wieder in Gebrauch.45 – Armenkasten (1936), Kupferblech.
Orgel
Der bis heute vorhandene Prospekt der Orgel stammt aus dem späten 17. Jh. und war ursprünglich ungefasst; die älteste Farbfassung stammt aus der Mitte des 18. Jh.46 1774 eine „künftige neue Orgel“ erwähnt.47 Bis 1862 befand sich die „überaus kleine Orgel“ über dem Altar. 1862 Instrument repariert und an die Westwand versetzt, Carl Heyder (Heiligenstadt), Zustand 1926: 10 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1929 Orgelneubau, ausgeführt von Wigand Helfenbein (Gotha) 10 II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen, vorhandenes Gehäuse wiederverwendet; die Orgel galt als „eines der ersten Werke der Orgelbewegung“.48 1969 Orgelneubau, ausgeführt von Rudolf Janke (Bovenden), 12 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 48), vorhandenes Gehäuse wiederverwendet.
Geläut
Drei LG (alle Bronze, Gj. 1973, Karlsruher Glockengießerei), I: as’, Inschrift: „Geduldig in Trübsal“, Bild: Kreuz mit A und Ω; II: b’, Inschrift: „Haltet an am Gebet“, Bild: Kreuz mit Weinstock; III: des’’, Inschrift: „Seid fröhlich in Hoffnung“, Bild: Taube. – Früherer Bestand: 1655 neue Glocke angeschafft.49 1707 zwei Glocken vorhanden. Große Glocke umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1782, Joachim Christoph, Allendorf). Neue kleine LG (Bronze, Gj. 1821, Christoph Gabel, Freienhagen). Eine Glocke umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1866, Carl Isermann, Ebergötzen). Kleine Glocke 1890 geborsten und umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1891, Carl Isermann, Ebergötzen), Inschrift: „Durch ein Gnadengeschenk Sr. Majestät des Kaisers unterstützt hat die Gemeinde Reiffenhausen dies größere Glocke durch den Glockengießer Isermann in Ebergötzen im Jahre 1890 gießen lassen können nachdem die kleine bei Hinläuten der Kaiserin Augusta gesprungen war“. Neue große LG (Bronze, Gj. 1892, Firma Radler, Hildesheim), Inschrift: „O Land, Land, Land höre des Herren Wort. Jerem. Cap. 22 Vers 29“ und „Gegossen von J. J. Radler & Söhne in Hildesheim 1892. KV Steinmetz Pastor, Hartung, Kantelhardt III, Kantelhardt IV, Voigt, Lehrer Hartung“. Eine kleine Glocke, wohl Uhrschlagglocke (Bronze, Gj. 1892, Firma Radler, Hildesheim), Inschrift: „Alles was Odem habe, lobe den Herren, Halleluja, Ps. 150 v. 6. Gegossen Radler & Söhne“. Große Glocke im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1917, Glocke im Kirchturm zerschlagen). Eine große LG, as’ (Eisenhartguss, Gj. 1924, Ulrich & Weule, Apolda-Bockenem). Kleine Bronzeglocke im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Eine kleine LG, b’ (Eisenhartguss, Gj. 1947, J. F. Weule, Bockenem), Inschriften: „O Land, Land, Land, höre des Herren Wort“ und „Gestiftet 1945 Frau Sylvia Merker“ (Glocke 1945 bestellt und 1947 geliefert).50
Weitere kirchliche Gebäude
Pfarrhaus (Bj. 1824, zweistöckiger Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach, 1998 saniert; Vorgängerbau Bj. 1589).51
Friedhof
Ehemaliger kirchlicher Friedhof bei der Kirche. Neuer kirchlicher Friedhof am Westrand des Ortes, genehmigt 1829.52
Liste der Pastoren (bis 1940)
1565–1597 Johannes Kurtz (Korte). – 1599–1… Nikolaus Laspe.53 – Um 1600–1636 Bartholomäus Rose (Rosa). – 1636–1668 Johannes Jonas Betzelius (Pezelius). – 1668–1701 Christoph Johann Hemmelmann. – 1701–1721 Johann Georg Hemmelmann. – 1721–1765 Johann Heinrich Trier.54 – 1765–1770 Johann Anton Petri. – 1771–1792 Heinrich Christian Petri. – 1792–1802 Karl Ludwig Christian Weber. – 1802–1808 Johann Christoph Eggers. – 1808–1813 Johann Christoph Heinrich Laves. – 1816–1825 Friedrich Christian Martin Schirmer. – 1826–1835 Gerhard Friedrich Konrad Krohne. – 1836–1842 Johann Heinrich Wilhelm Arnemann (Bild). – 1842–1861 Johann Erich Schweer. – 1861–1878 Emil Christian Adolf. – 1882–1891 Karl Johann Christian Dahnke. – 1891–1906 Hermann August Friedrich Steinmetz. – 1907–1918 Theodor Rudolf Georg Woltmann. – 1919–1929 Eugen Deggeler. – 1931–1936 Rudolf Adolf August de Haas. – 1938–1943 Heinz Diedrich Friedrich Dreher.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 295–296
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
A 1 Nr. 9345–9358 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 298 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 6913–6923 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1887
, 1888
, 1889
, 1890
, 1891
(Visitationen); B 2 G 9 Nr. 2564–2565 (Baupflege und Bauwesen); E 5 Nr. 891 (Konsistorialbaumeister); N 035 (Nachlass Götz Harbsmeier); S 09 rep Nr. 1997 (Presseausschnittsammlung); S 11a, Nr. 7815 (Findbuch PfA); S 11a Nr. 8140 (Findbuch EphA).
Kirchenbücher
Taufen: ab 1677 (Lücken: 1678–1686, 1692–1716)
Trauungen: ab 1669
Begräbnisse: ab 1669
Kommunikanten: ab 1848 (Lücken: 1868–1875)
Konfirmationen: ab 1793 (Lücken: 1828–1875)
Literatur & Links
A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 268, Nr. 70; Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 130–134; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 327–328; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1112; Eichenberg, KK Göttingen-Süd, S. 86–90; Franz, Maybaum & Tinney, Räume, S. 12–17; Ide & Maloku, Coworking-Spaces, S. 66–67 und S. 110–111; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Duderstadt, S. 241–242; Meyer, Pastoren II, S. 295–296; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 180.
B: Trauregister aus den Kirchenbüchern Südniedersachsens. Teil 19: 1801–1850. Göttingen Ost: Ballenhausen, Groß Schneen, Lichtenhagen, Ludolfshausen, Niedernjesa, Reckershausen, Reiffenhausen, Stockhausen, hrsg. von der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Göttingen e. V., Norderstedt 2019; Anne Elser u. a. (Red.): 900 Jahre Reiffenhausen. 1118–2018, Friedland 2018, bes. S. 52–56, S. 61–62; August de Haas: Erneuerte Kirchen. Ein Beitrag zur Frage nach der Form in der Kirche aus einer Dorfgemeinde (= Kämpfende Kirche. Flugschriften christlicher Deutscher 32), Potsdam 1936; Arnold Linne: Reiffenhausen im Laufe der Zeit, Göttingen 1990, bes. S. 290–363; Erwin Steinmetz: Zur Geschichte des Dorfes Reiffenhausen, in: Göttingen. Informationszeitschrift für die Universitäts- und Kongressstadt 26 (1979), Februar, S. 40–43.
Internet: Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche, Pfarrhaus; Wikipedia: Kirche Reiffenhausen; 3d-raeume.de: 3-D-Modell der Kirche.
Fußnoten
- Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 172.
- UB Reinhausen, Nr. 18. Das Dorf ist auch in einer vermeintlich älteren Urkunde genannt, angeblich ausgestellt von Ebf. Adalbert I. von Mainz (amt. 1111–1137), vgl. UB Reinhausen, Nr. 3. Die Urkunde ist jedoch eine Fälschung aus der ersten Hälfte des 13. Jh., der allerdings wahrscheinlich eine echte Urkunde zugrunde gelegen hat. Für weitere Belege und zum Ortsnamen vgl. Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 327 f.
- Insgesamt: Pischke, Landesteilungen, bes. S. 45 ff., S. 75 ff. und S. 180 ff.
- Vgl. zum Amt Friedland Wolters, Friedland, S. 24 ff., speziell zu Reiffenhausen ebd., S. 27 f.
- LkAH, L 5c, unverz., Reiffenhausen, Visitation 1964.
- Elser u. a., S. 63 ff. Vgl. auch Heidrun Mitze: Nach vier Jahren am Ziel. Bioenergiedorf, in: Land & Forst. Die Stimme der Landwirtschaft. Seit Generation 163 (2010), Nr. 34, S. 56.
- Haas, S. 9: „Beim Suchen nach alten Dingen fand sich auf dem Pfarrhausboden ein altes Kruzifix. Verstaubt und beschmutzt schien es ohne großen Wert. Aber als es dann aus dem Negativ der photographischen Aufnahme langsam ans Licht trat, da wuchs das Staunen und die Ehrfurcht. Es schien uns kostbares Erbe von den Vätern. Eine Christusgestalt, so stolz und so herb, wie wir die selten sahen“. Die Jahreszahl 1932 nennt Linne, S. 310. Elser u. a., S. 54, geben irrtümlich an, das Kruzifix sei erst in den 1960er Jahren gefunden worden.
- NLA HA Cop. in Nr. 1/0793. Bei Linne, S. 61 und S. 291, ist 1428 angegeben.
- UB Hilwartshausen, Nr. 360.
- Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, S. 47 ff.
- Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.
- Alle Zitate: Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 148.
- LAW, V 231, Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig…, S. 57.
- Meyer, Pastoren II, S. 77 f.
- Kayser, Generalvisitation Gesenius, S. 190.
- Zit. bei Linne, S. 303. Zum Neubau vgl. ebd., S. 304 ff.
- Linne, S. 314.
- LkAH, S 1 H III, Nr. 414, Bl. 26 (dort auch die folgenden Zitate). Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff. Linne, S. 308, resümiert zu P. de Haas: er „bekannte sich zum Gedankengut des Nationalsozialismus“. Zu P. Harbsmeier vgl. knapp die Bestandsbeschreibung zu seinem Nachlass im LkAH: „Götz Harbsmeiers Tätigkeit in der Landeskirche Hannovers war geprägt von Disputen und Konflikten mit der Kirchenleitung […] Polemisch-satirische Schriften wie „Hannover-Lutherisch unter Mitra, Krummstab und Diamantenkreuz“ erregten ebenso Anstoß in der Landeskirche wie seine Haltung zu den Äußerungen Martin Niemöllers in der Wiederbewaffnungsfrage.“ LkAH, N 035 (Bestandsbeschreibung).
- LkAH, S 1 H III, Nr. 414, Bl. 26v.
- LkAH, S 1 H III, Nr. 414, Bl. 26; LkAH, L 5c, unverz., Reiffenhausen, Visitation 1951.
- LkAH, L 5c, unverz., Reiffenhausen, Visitationen 1951 und 1958.
- Elser u. a., S. 61.
- LkAH, L 5c, unverz., Reiffenhausen, Visitation 1951.
- LkAH, L 5c, unverz., Reiffenhausen, Visitation 1951 (Hervorhebung im Original).
- Professor für Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Lüneburg (1952–1962), Professor für praktische Theologie in an der Universität Göttingen (1962–1977). Außerdem war P. Harbsmeier ab 1971 bis zu seinem Tod 1979 Abt des Klosters Bursfelde, siehe Wikipedia: Götz Harbsmeier.
- Professor für Praktische Theologie an der Universität Tübingen (1965–1995), siehe Wikipedia: Dietrich Rössler.
- LkAH, L 5c, unverz., Reiffenhausen, Visitation 1964.
- KABl. 2009, S. 11.
- KABl. 2009, S. 266 ff.; KABl. 2015, S. 148 ff.; KABl. 2025, S. 275.
- KABl. 2022, S. 12 f.
- Siehe: loccum-volkenroda.de, 20.11.2025
- Bruns, Archidiakonat Nörten, S. 169.
- KABl. 1924, S. 86; KABl. 1937, S. 135.
- KABl. 2000, S. 150 f.
- KABl. 2022, S. 189 ff.
- NLA HA Cop. in Nr. 1/0793.
- LKA, G 15/Reiffenhausen Bd. I, Bl. 8; Linne, S. 293.
- Linne, S. 303 ff.
- Haas, S. 6 ff. (Foto 1929 und Foto 1933).
- Ausführlich zur Umgestaltung: Haas, S. 7 ff.
- Linne, S. 314 ff. (mit Abschriften der Dokumente aus der Kugel).
- Linne, S. 301.
- Linne, S. 310.
- Linne, S. 310.
- Linne, S. 311; Eichenberg, KK Göttingen-Süd, S. 87.
- Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 134.
- Dies und das folgende zit. bei Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 130.
- Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 132.
- Linne, S. 330 ff.
- Nach Linne, S. 334, besaß die Kirche Reiffenhausen seit 1957 „noch eine dritte Stahlglocke“. In den Gutachten des Glockenrevisors 1957, 1964 und 1969 sind jedoch stets nur zwei aufgeführt, LKA, G 9 B/Reiffenhausen Bd. I, passim.
- Linne, S. 344 ff.
- Linne, S. 358.
- Im Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig, angelegt um 1600 und geführt bis in die 1630er Jahre, sind lediglich Johannes Cordte und Bartholmäus Rose eingetragen, LAW, V 231, Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig…, S. 57.
- Linne, S. 300, Nachtrag. Bei Meyer, Pastoren II, S. 295 f., irrtümlich „Thilo“ anstatt „Trier“.