Sprengel Osnabrück, KK Syke-Hoya | Patrozinium: Cyriacus1 | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist der Ort erstmals 1227 als Villesen nachgewiesen; als Villese ist er im ältesten Lehenbuch der Gf. von Oldenburg-Bruchhausen belegt (13./14. Jh.).2 Um 1250 ist Villesen in einem Verzeichnis der jährlichen Beiträge aufgeführt, welche die Orte im Bremer Umland zum Unterhalt der dortigen Weserbrücke zu zahlen hatten.3 Mit der Erneuerung der bei einem Brand zerstörten Fleckenprivilegien durch Gf. Otto VIII. von Hoya ist Vilsen 1577 erstmals als Flecken belegt; ursprünglich hatte der Ort diese Privilegien möglicherweise unter Gf Friedrich von Hoya (amt. 1457–1503) erhalten.4 Vilsen kam nach dem Aussterben der Gf. von Bruchhausen in der zweiten Hälfte des 14. Jh. an die Gf. von Hoya und zählte zum Amt (Alt-)Bruchhausen der Gft. Hoya. Als wiederum die Hoyaer Grafen 1582 in männlicher Linie ausstarben fiel die Gft. an die welfischen Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg (überwiegend Fsm. Calenberg). In französischer Zeit gehörte Vilsen 1810 kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und dann bis 1813 zum Kanton Altenbruchhausen im Arrondissement Nienburg des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach war der Ort Teil des Amtes Bruchhausen, zunächst im Kgr. Hannover und nach der Annexion von 1866 im Kgr. Preußen. Mit Einführung der Kreisverfassung 1885 kam Vilsen zum Lkr. Hoya, 1932 Lkr. Grafschaft Hoya und 1977 Lkr. Diepholz. 1929 wurden die Flecken Bruchhausen und Vilsen zum Flecken Bruchhausen-Vilsen zusammengelegt, der seit 1974 Sitz der gleichnamigen Samtgemeinde ist. Nach Einschätzung der Ortspastoren setzte sich die Gemeinde des Kirchspiels Mitte des 20. Jh. überwiegend aus Landbevölkerung sowie, besonders in Vilsen selbst, Kaufleuten und Gewerbetreibenden.5 Im Jahr 1821 lebten gut 800 Menschen in Vilsen, 1905 gut 900, 1950 knapp 3.590 (einschließlich Bruchhausen) und 2018 etwa 9070 (einschließlich Bruchhausen und Eingemeindungen).

Kirche, Ansicht von Südosten, 1977

Kirche, Ansicht von Südosten, 1977

Ältestes Zeugnis der örtlichen Kirchengeschichte Vilsens ist das Kirchengebäude selbst: Turm und Langhaus wurden vermutlich um 1200 erbaut. Urkundlich ist die parrochia Villesen, also das Kirchspiel Vilsen, zuerst 1227 belegt.6 Im Jahr 1235 bestätigte Bf. Gerhard II. von Bremen, dass sein Vorgänger Gerhardt I. (amt. 1210–1219) das Patronat über die ecclesiam in Villesen dem Kloster Heiligenberg übertragen hätte.7 Mit Johanne de Guterslo plebano in vilhusen (1338) und Wolter Steinburch (1505) sind auch zwei vorref. Geistliche der Gemeinde namentlich bekannt; die Pfarrstelle hatte jeweils ein Kanoniker des Stifts Heiligenberg inne.8
Die Reformation führte Gf. Jobst II. in der Gft. Hoya ein: Etwa 1527 holte er den Lutherschüler Adrian Buxschott an seinen Hof, später Pastor in Hoya und erster Sup. der Gft. sowie um 1533 vermutlich Mitautor der ersten Hoyaer KO (Cristlike ordeninghe, yn der karken unser hersschup gestellt).9 Jobst II. errichtete 1542 auch eine zweite Pfarrstelle in Vilsen, da de Itzige pastor to Vilsenn, er Joist Buse, dath PharAmpt darsuluest alleine, tobedennende sonderlinge Dewil es ein grott karsspel und vast vill Communicanten DarIn gehörig nit vermogich noch bequeme darto is. Der Graf setzte darum Hermann Haberg als predicanten unnd Cappellan ein.10 In dieser Zeit ließ die Gemeinde zudem die Kirche umbauen oder erneuern, wie die beiden in Stein gehauenen Jahreszahlen „1534“ und „1547“ vermuten lassen (über dem nördlichen und über dem südlichen Eingang). 1650 erhielt die Kirche eine neue Kanzel, 1662 eine neue Orgel.
Mit P. Dietrich Georg Friedrich Köhler (amt. 1829–1837), Inhaber der zweiten Pfarrstelle, wirkte in der ersten Hälfte des 19. Jh. ein Theologe der Erweckungsbewegung in Vilsen. P. Köhler war Mitherausgeber der Zeitschrift „Kirchenfreund“ und veröffentlichte 1832 die Schrift „Die Kirche und die Stände des Königreichs Hannover“.11

Kirche, Blick nach Westen, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1960

Kirche, Blick nach Westen, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1960

Das noch heute weitläufige Kirchspiel umfasste bis hinein ins 20. Jh. auch den Flecken Bruchhausen; die Vilser Pastoren luden hier regelmäßig – seit 1870 alle zwei Wochen – zum Gottesdienst in der Kapelle ein. 1905 richtete das Konsistorium eine ständige Kollaboratur mit Sitz in der KapG Bruchhausen ein.12 Anderthalb Jahrzehnte später trennte das Konsistorium Bruchhausen von Vilsen ab und erhob die bisherige KapG zu einer eigenständigen KG.13
Während der NS-Zeit wirkten P. Reinhard Soltau (amt. 1928–1959) und P. Heinrich Bronsema (amt. 1931–1946) in der Gemeinde Vilsen. Kirchenpolitisch gehörten beide Pastoren zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft, wie P. Soltau 1946 im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ angab.14 Mit „überwältigender Beteiligung und Übertragung in einen Saal“ hätte die Gemeinde im November 1934 einen Bekenntnisgottesdienst gefeiert, in dem Lbf. August Marahrens gepredigt habe. Die DC hätten in Vilsen nicht Fuß fassen können, aber „die Partei hat der Kirche schwer geschadet“.15 Zur Neuwahl des KV schrieb P. Soltau rückblickend: „Der 1933 gewählte Kirchenvorstand setzte sich zusammen aus lauter Parteigenossen, nur ein Kirchenvorsteher aus alter Zeit, der der Partei nahe stand, wurde wiedergewählt.“16 Zur Unterstützung besonders in der kirchlichen Kinder-, Jugend- und Frauenarbeit stellte die KG 1936 eine Gemeindehelferin an. Der Posaunenchor blieb bestehen und anstelle des bei Kriegsbeginn eingegangenen Kirchenchors gründete sich ein „Frauen- und Jungmädchenchor“.17 Das Gemeindehaus stellte die KG 1942 der Bremer Inneren Mission zur Verfügung, die dort die Einwohnerinnen zweier Altenheime unterbrachte.18
Anlässlich der Visitation 1943 beschrieb der Sup. die Gemeinde als zweigeteilt: Sie bestehe aus dem „schon lange unkirchlichen Flecken“ Vilsen und den noch „mehr kirchlichen Außendörfer[n]“. Sieben Jahre später attestierte er auch den „Zerfall der dorfkirchlichen Sitte“.19 Während 1943 neben dem Gottesdienst in der Vilser Kirche lediglich in Ördinghausen alle zwei Monate ein Predigtgottesdienst stattfand, feierten die Pastoren 1950 auch in anderen Außendörfern gelegentlich Gottesdienste, um „den Flüchtlingen und Alten den weiten Weg zur Kirche zu ersparen“.20 In der Nachkriegszeit richtete die KG zudem eine kirchliche Gemeindeschwesternstation ein (heute Teil der Diakoniestation Bruchhausen-Vilsen der KG Asendorf, Bruchhausen, Martfeld, Schwarme und Vilsen).21
Im Rahmen der seit 1949 entstandenen Partnerschaft zwischen den Landeskirchen Hannovers und Sachsens baute die KG Vilsen Kontakte zur sächsischen Kirchgemeinde Frankenberg (Ephorie Flöha) auf.22 Von 1978 bis 1985 waren die KG Bruchhausen und Vilsen pfarramtlich verbunden; Sitz des Pfarramts war Vilsen.23
Nach der Visitation 1975 resümierte der Sup. des KK Hoya, in der Gemeinde sei „wenig von bewußter Kirchlichkeit geprägt“, jedoch zeichne sich der Kern engagierter Gemeindeglieder durch eine „fröhliche Lebendigkeit“ aus.24 Veränderungen erfuhr die KG in den 1980er Jahren: Inspiriert von der Geistlichen Gemeindeerneuerung etablierte sich im kirchlichen Leben der Gemeinde neben der traditionell-volkskirchlichen Richtung eine eher missionarische Strömung, gekennzeichnet u. a. durch Glaubenskurse, Lobpreisgottesdienste und Hausbibelkreise.25
Im Jahr 2005 richtete das Landeskirchenamt die pfarramtliche Verbindung der Gemeinden Vilsen und Bruchhausen wieder ein; das gemeinsame Pfarramt umfasst zwei Pfarrstellen.26

Pfarrstellen

I: vorref.; 2003 um ein Viertel reduziert, 2005 mit Pfarrstelle der KG Bruchhausen zu einer vollen Stelle zusammengelegt.27 – II: 1542 (Kaplanei).28 – III: 1978–1985, als Superintendenturstelle des KK Hoya übernommen von KG Bruchhausen, 1985 wieder zurück an KG Bruchhausen, Suptur. nach Hoya.29

Umfang

Vilsen sowie die umliegenden Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze, u. a. Berxen, Bruchhöfen, Bruchmühlen, Dille, Engeln, Gehlbergen, Homfeld, Ochtmannien, Oerdinghausen, Retzen, Riethausen, Stapelshorn, Uenzen, Scholen, Süstedt, Weseloh und Wöpse. Bis 1693 auch Mallen (dann KG Hoyerhagen). Bis 1921 auch die KapG Bruchhausen, zu der seit 1898 außerdem der ehemalige Flecken Moor gehörte (seit 1921 eigenständige KG Bruchhausen).30

Aufsichtsbezirk

Vilsen lag im Archidiakonat Bücken der Erzdiözese Bremen (Archidiakon war der Bückener Stiftspropst), gehörte jedoch bis zum frühen 13. Jh. zum Archidiakonat des Domscholasters und unterstand dann dem Kloster Heiligenberg.31 – Nach der Ref. Suptur. der Gft. Hoya, in den 1580er Jahren Insp. Nienburg. 1747 zur neuen Insp. Hoya. Ab 1823 Sitz der neugegründeten Insp. Vilsen (1924: KK), nach deren Auflösung 1929 zum KK Hoya (Sitz der Suptur. nach 1945 in Bruchhausen-Vilsen, seit 1985 in Hoya).32 Seit Januar 2001 KK Syke-Hoya.33
Von 1823 bis 1929 war Vilsen Sitz der gleichnamigen Insp. (1924: KK), zu der neben Vilsen selbst die KG Asendorf, Blender, Intschede, Martfeld und Schwarme gehörten. 1869 kam Sudwalde hinzu und 1921 die neue KG Bruchhausen. Bei Auflösung des KK Vilsen 1929 kamen die Gemeinden zum KK Hoya (Asendorf, Bruchhausen, Martfeld, Schwarme, Vilsen), zum Kirchenkreisverband Weyhe-Bassum (Sudwalde) und zum KK Verden (Blender, Intschede).34 1947 wurde das Amt des Superintendenten des KK Hoya mit der Pfarrstelle der KG Bruchhausen verbunden. Nach der pfarramtlichen Verbindung der KG Vilsen und Bruchhausen unter dem Pfarramt Vilsen wurde die Superintendenturstelle 1978 zur dritten Pfarrstelle der KG Vilsen.35 Erst 1985 kam die Suptur. nach Hoya.36

Patronat

Anfang des 13. Jh. besaß der Bremer Domscholaster das Patronat über die Kirche in Vilsen. Bf. Gerhard I. von Bremen (amt. 1210–1219) übertrug das Patronat dem Kloster Heiligenberg (1235 von Bf. Gerhard II. von Bremen bestätigt).37 Nach Aufhebung des Klosters 1543 der Landesherr (für beide Pfarrstellen; bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Saalkirche mit zweischiffigem Querschiff und Rechteckchor, älteste Teile um 1200.38 Satteldach, nördliche Querhäuser mit Walm; Langhaus überwiegend Feldsteinmauerwerk, Chor und Querhäuser aus Backsteinmauerwerk; Strebepfeiler an Chor und Querhäusern. Am Langhaus kleine Rundbogenfenster (überwiegend vermauert) und größere Spitzbogenfenster. An Chor und Querhäusern große, zwei-, drei- und vierbahnige Spitzbogenfenster mit einfachem Backsteinmaßwerk; Rechteckportal am südwestlichen Querhaus, im Konsolensturz Inschrift „1547“, darüber gekuppeltes Spitzbogenfenster in flachbogiger Nische; in den Giebeldreiecken der südlichen Querhäuser Blendnischen. Rechteckportal in Spitzbogennische nach Norden, im Sturz Inschrift „1534“. Im Innern Kreuzgewölbe mit Bandrippen im Langhaus, Kreuzgratgewölbe in Querschiffen und Chor; Überreste vorref. Wandmalereien an Südwand des Langhauses (Brustbild eines Mannes). Ende des 13. Jh. Querhaus und neuer Chor errichtet, Kirche vermutlich gleichzeitig eingewölbt. 1534/47 Umbau- oder Erneuerungsarbeiten. 1883–1885 Umbau und Erweiterung (Sakristei an Südseite abgebrochen, östliches Querschiff neuer Chor errichtet, ornamentale Neuausmalung Innenraum; Architekt: Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase). 1955–58 Neugestaltung Innenraum (u. a. Emporen entfernt und Ostfenster geschlossen). 1973 Neuausmalung Innenraum. 2012–14 Sanierung (u. a. Ostfenster geöffnet, ein romanisches Fenster an der Nordseite geöffnet).

Fenster

Ornamentales Buntglasfenster in Ostwand. Figürliches Vierpassfenster über Westeingang (Ende 19. Jh.) Christus als Weltenherrscher, Inschrift: „Gesegnet sei dein Eingang und dein Ausgang“.

Grablege

Bei Erweiterungsarbeiten 1885 unterhalb der alten Apsis Grabgewölbe mit mehreren Eichensärgen entdeckt.39

Turm

Westturm aus Feldsteinmauerwerk und Giebeldreiecken aus Backsteinmauerwerk, errichtet um 1200. Satteldach, darauf vierseitiger, verkupferter Dachreiter mit Uhrziffernblättern nach Norden und Süden sowie offener Laterne; bekrönt mit Kugel und Hahn. Im Glockengeschoss Je zwei gekuppelte, rundbogige Schallöffnungen. Im westlichen Giebeldreieck drei flachbogige Öffnungen, darüber Uhrziffernblatt; im östlichen Giebeldreieck rundbogige Öffnung. Westportal, darüber Vierpassfenster. 1885 Dachreiter errichtet. Seit 2019 Turmsanierung. Turmuhr 1741 belegt.40

Ausstattung

Schlichter Blockaltar mit hölzernem Kruzifix (Korpus 18. Jh.). – Reich verzierte Kanzel, getragen von einer korinthischen, kannelierten Doppelsäule (1650), vor den Ecken des Kanzelkorbs korinthische Säulchen, an den Wandungen von Kanzelkorb und -aufgang Reliefs mit biblischen Szenen (Sündenfall, Mariae Verkündigung, Christi Geburt, Kreuzigung, Auferstehung, Erscheinung vor den Jüngern, Himmelfahrt, Ausgießung des Heiligen Geistes), am Kanzelaufgang zwei Podeste mit Engelsfiguren; Kanzel gestiftet von Anna Lamprecht. – Taufstein (Ende 19. Jh.), achteckiger, geböschter Fuß, vierseitiger Schaft mit vorgesetzten Säulchen, halbkugelförmiges Becken. – Barocker Taufengel, schräg schwebende Figur mit muschelförmiger Taufschale in linker Hand; in Turmhalle aufgehängt, nicht mehr in Benutzung.41 – Opferstock, Inschrift: „HSM AN[NO] 1740“.

Orgel, nach 1959

Orgel, nach 1959

Orgel

1563 alte Blasebälge der Orgel erwähnt.42 Neue Orgel, erbaut 1662 von Hermann Kröger (Nienburg/Weser), renoviert in den 1730er Jahren, Zustand 1741: 15 II/– (OW, BW), ein Zimbelstern, eines der Reg. vakant („Sexquaeter“, wohl Sesquialter); Instrument aufgestellt auf Westempore, später angehängtes Pedal ergänzt.43 Neue Orgel 1783, erbaut von Wilhelm Hermann Bethmann (Hannover); Instrument aufgestellt auf Westempore. Neue Orgel, erbaut 1905 von Faber & Greve (Salzhemmendorf), 40 (davon 17 Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur; Instrument aufgestellt auf Empore im nordöstlichen Querhaus, schon 1935 Neubau geplant. Orgelneubau 1959, ausgeführt von Paul Ott (Göttingen), 32 II/P (HW, RP, Haupt-Pedal, Solo-Pedal), mechanische Traktur, Schleifladen; Instrument ebenerdig im südöstlichen Querhaus aufgestellt, mehrteiliges Gehäuse: HW und Pedal an Ostwand, RP am mittleren Querhauspfeiler, Front nach Norden (zum Taufraum), Solo-Pedal am mittleren Querhauspfeiler, Front nach Westen (zum Schiff).44 1998 Renovierung und Änderungen der Disposition, ausgeführt von Jörg Bente (Helsinghausen).

Geläut

Drei LG, I: esʼ (Bronze, Gj. 1955, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg), Inschrift: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus“; II: fʼ (Bronze, Gj. 1980, Glockengießerei Heidelberg), Inschrift: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“; III: asʼ (Bronze, Gj. 1982, Glockengießerei Heidelberg), Inschrift: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“, Bilder: Weinrebe sowie Taufbecken mit Kreuz; LG I und II gebraucht erworben, III dazu gegossen, alle Glocken 1982 aufgehängt. – Zwei SG, I: bʼʼ; II: esʼʼʼ (beide Bronze, Gj. 1983, Firma Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Eine vorref. Glocke soll die Inschrift „Sancte cyriacus unse patron bidde vor uns“ getragen haben.45 1686 Glocken-Kollekte erwähnt.46 1705 drei Glocken vorhanden, mittlere Glocke in Riede zu einer neuen LG umgegossen (Bronze, Gj. 1705, Christian Vogt, Bremen). Eine Glocke (vermutlich die große) geborsten und in Heiligenfelde umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1731, Johann Statz Altenburg, Sachsenhagen). 1741 drei LG vorhanden.47 Eine der Glocken geborsten und umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1745, Johann Heinrich Christoph Weidemann, Hannover). Mindestens zwei, vermutlich aber drei neue LG (Bronze, Gj. 1834, Firma Bock, Hannover/Linden), mittlere LG geborsten und umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1872, M. van Bergen, Loga). Zwei der drei LG im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1917), die dritte 1921 an die KG Hesel in Ostfriesland verkauft. Als Ersatz drei neue LG angeschafft (alle Gusseisen, Gj. 1921, Ulrich & Weule, Apolda-Bockenem), I: cʼ, Inschrift u. a.: „Liebe künde ich“; II: esʼ Inschrift u. a.: „Glauben predige ich“; III: gʼ, Inschriften u. a.: „Hoffnung wecke ich“ und „In Kriegsweh starb der Glocken Klingen, ihr neuen sollt von Frieden singen“; 1978 Anschaffung eines Bronzegeläuts beschlossen; Glocken 1982 abgenommen und vor der Nordseite des Turms aufgestellt. – Zwei SG (Bronze), im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1942); als Ersatz dienten bis 1983 zwei Eisenbahnschienen (1,2 und 0,8 Meter lang).48

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus „Am Hohen Kamp“ (Bj. 1963/64). – Pfarrhaus (Bj. um 1897), Am Kirchplatz. – Pfarrhaus Süd (Bj. um 1730), verkauft. – Ehemaliges Küsterhaus (Bj. 1860, zeitweise Diakonie).

Friedhof

Alter kirchlicher Friedhof rund um die Kirche, mehrere Grabsteine erhalten (teilweise zu Sitzbänken umgearbeitet). Neuer kirchlicher Friedhof südlich des historischen Ortskerns, FKap (erweitert 1968). Für die Kapelle 1979 Orgelpositiv erworben, erbaut um 1966 von Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 4 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen, erbaut 1966.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1. Pfarrstelle: 15..–1542 Johann Winholt (Winecus). – 1542–1561 Jobst Buse. – 1561–1594 Johann Bunnekemoller. – 1594– 1638 Johann Mestwert. – 1638–1650 Bruno Mestwert. – 1650–1679 Johann Henrich Kestner. – 1680–1722 Philipp Henrich Mölling. – 1723–1743 Stats Friedrich Buchholz. – 1744–1748 Gustav Lindemann. – 1748–1771 Johann Ludwig Gause. – 1772–1797 Johann Georg Ludwig Starke. – 1797–1806 Johann Friedrich Karl König. – 1807–1820 Andreas Gottfried Groschupf. – 1820–1837 Johann Christoph Etzdorf. – 1838–1846 Eduard Friedrich Wilhelm Koch. – 1847–1856 Karl Erich Hüpeden. – 1856–1873 Friedrich Wilhelm Apel. – 1874–1895 Georg Friedrich Meyer. – 1896–1902 August Deike. – 1902–1928 Georg Heinrich Albert Hahn. – 1928–1959 Dietrich Gerhard Reinhard Soltau.
2. Pfarrstelle: 1542–15.. Hermann Haberg. – 1645–1650 Hieronymus Köhne. – 1680–1686 Johann Heinrich Lindes. – 1686–1690 Johann Nicolaus Walther. – 1694–1714 Johann Caspar Hennings. – 1714–1728 Peter Hentschel. – 1728–1749 Ernst Christian Koch. – 1749–1765 Ludolph Karl Grupe. – 1765–1772 Johann Georg Ludwig Starke. – 1772–1789 Christian Heinrich Ludwig Gause. – 1790–1798 Johann Christoph Beyer. – 1798–1810 Konrad Dietr. Aug. Lampe. – 1811– 1820 Franz Christian Holscher. – 1821–1827 Konrad Friedrich Wilhelm Krohne. – 1828–1829 Christian Heinrich Friedrich. – 1829–1837 Dietrich Georg Friedrich Köhler. – 1837–1844 Heinrich Wilhelm Philipp Scuhr. – 1845–1851 Johann Ludwig Eckels. – 1851–1874 Georg Friedrich Meyer. – 1874–1883 Friedrich Wilhelm Ferdinand Bunnemann. – 1884–1887 Adolph Georg Julius Beermann. – 1887–1888 Johann Alexander Friedrich August Max Großkopff. – 1888–1930 Georg August Tiemann. – 1931–1946 Heinrich Anthon Johann Bronsema.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 463–464 (mit Ergänzungen)

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 11177–11218 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 901 (Spez. Landeskons.) A 6 Nr. 8284–8297 (Pfarrbestellungsakten); A 8 Nr. 442 (CB); A 9 Nr. 2331–2332 (Visitationen); D 7 (EphA Hoya); L 5a Nr. 385–388, 583, 1355, 1625 (LSuptur. Calenberg-Hoya mit Verden-Hoya und Celle); S 2 Witt Nr. 6, 13 (Fotosammlung); S 9 rep Nr. 2199 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7871 (Findbuch PfA); S 13 Nr. 4 (Sachgegenstände).

Literatur

A: Amt, Dorfkirchen, S. 30–31; Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 274–275, Nr. 85; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 298–299; Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 85–87; Kratzsch, Glocken Gft. Hoya, S. 106–109; Meyer, Pastoren II, S. 463–464; Mithoff, Kunstdenkmale V, S. 196–197; Rödiger, Kirchen Hoyaer Land, S. 16–20; Wimmer, Orgelschätze, S. 10–11.
B: Die Erweckungsbewegung in unserem Kreis, in: Heimatblätter des Landkreises Diepholz 13 (1988/89), S. 38; Kleine Festschrift zur Einweihung der Glocken Vilsen, hrsg. vom Kirchenvorstand, Vilsen 1982; Hermann Bornbusch: Kleine Historie kirchlicher Gebäude und Burgen in Bruchhausen-Vilsen und Heiligenberg, in: Heimatblätter des Landkreises Diepholz 10 (1985), S. 117–127; Bernd Ulrich Hucker (Hg.): Von Wernigerode nach Heiligenberg. Kloster Heiligenberg/Mons Sanctae Mariae, Kiel 2018; Christiane Wimmer: St. Cyriakus Kirche Vilsen, [Vilsen] 2007 [Flyer, online-Version, 20.04.2020].

GND

4786178-2, Sankt Cyriakus (Bruchhausen-Vilsen)

Weitere Bilder



Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 56 (basierend auf Glockeninschrift).
  2. Hoyer UB III, Nr. 17; ebd. I, Heft IV, S. 25; vgl. auch Lehenbuch der Grafen von Oldenburg-Bruchhausen, http://www.geschichtsquellen.de/werk/3286, 27.04.2020.
  3. Bremisches UB I, Nr. 247 (sogenannte Weserbrückenurkunde).
  4. Hoyer UB VIII, Nr. 359; Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 85.
  5. LkAH, L 5a, Nr. 385 (Visitationen 1943 und 1950).
  6. Hoyer UB III, Nr. 17. Laut Wimmer wird die Kirche schon 1218 erwähnt (ohne Beleg).
  7. Hoyer UB IV, Nr. 2. Zum Kloster Heiligenberg Vgl. Dolle, Klosterbuch II, S. 604 ff. und http://www.landesgeschichte.uni-goettingen.de/kloester/website/artikel.php?id=332, 11.05.2020. Nach Hucker, S. 42, diente die Vilser Kirche zugleich als Kloster- bzw. Stiftskirche; Dolle, Klosterbuch, S. 607, hingegen zählt unter den nachweisbaren Stiftsgebäuden auch „Stiftskirche (mit Chor), hölzerner Glockenturm“ auf.
  8. Hoyer UB III, Nr. 107; ebd. I, Nr. 1207; vgl. Dolle, Klosterbuch II, S. 605.
  9. Vgl. zur Reformation in der Gft. Hoya zuletzt Bösche, Holste, bes. S. 75 ff., zur KO S. 115 f. Vgl. zudem Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,2, S. 1122 ff. Zeitgenössische Quellen zur Reformation in der Gft. Hoya fehlen weitgehend; die Kenntnisse stammen überwiegend aus historischen Arbeiten der zweiten Hälfte des 18. Jh., die „urkundlich und archivalisch nicht mehr belegt werden“ können (ebd., S. 1122). Neben Buxschott waren die Reformatoren Johann Tiemann und Nikolaus Krage in der Gft. Hoya aktiv (letzterer besonders in den Ämtern Stolzenau und Steyerberg).
  10. Hoyer UB I, Nr. 1394. Vgl. auch Bösche, Holste, S. 134 f.
  11. Erweckungsbewegung, S. 38; Helfers, Kirchengeschichte, S. 71; die genannte Schrift Köhlers ist online verfügbar.
  12. KABl. 1905, S. 8.
  13. KABl. 1920, S. 98.
  14. Dieses und das folgende Zitat: LkAH, S 1 H III Nr. 711, Bl. 36. Allgemein zum Fragebogen: Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  15. LkAH, S 1 H III Nr. 711, Bl. 40. Noch 1969 notierte der Sup. im Visitationsbericht: „Kirchenfeindliche Einflüsse aus der Zeit des Nationalsozialismus sind auf den Dörfern noch zu spüren“, LkAH, L 5a, Nr. 386 (Visitation 1982).
  16. LkAH, S 1 H III Nr. 711, Bl. 36. Ende 1935 trat der „fanatischste und unkirchlichste Parteimann“ zurück, später folgten zwei weitere.
  17. LkAH, S 1 H III Nr. 711, Bl. 40. Vgl. auch ebd., Bl. 37 und die Übersicht zum Gemeindeleben in den Unterlagen zur Visitation 1943 (Zeitraum 1934–1943), LkAH, L 5a, Nr. 385 (Visitation 1943).
  18. LkAH, S 1 H III Nr. 711, Bl. 38; LkAH, L 5a, Nr. 385 (Visitation 1943).
  19. LkAH, L 5a, Nr. 385 (Visitationen 1943 und 1950).
  20. LkAH, L 5a, Nr. 385 (Visitation 1950).
  21. Vor 1933 wirkte eine Gemeindeschwester des Vaterländischen Frauenvereins in Vilsen, nach 1933 übernahm die NSV diese Aufgaben.
  22. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  23. KABl. 1977, S. 144; KABl. 1985, S. 118.
  24. LkAH, L 5a, Nr. 386 (Visitation 1975).
  25. LkAH, L 5a, Nr. 386 (Visitation 1982), LkAH, L 5a, Nr. 387 (Visitation 1990).
  26. KABl. 2005, S. 34.
  27. KABl. 2002, S. 274; KABl. 2005, S. 34.
  28. Hoyer UB I, Nr. 1394.
  29. KABl. 1977, S. 144; KABl. 1985, S. 118.
  30. KABl. 1920, S. 98; KABl. 1897, S. 77.
  31. Hodenberg, Diöcese Bremen I, S. 246 mit Anm. 70.
  32. KABl. 1929, S. 70; KABl. 1985, S. 118.
  33. KABl. 2000, S. 139 f.
  34. KABl. 1929, S. 70.
  35. KABl. 1947, S. 25; KABl. 1977, S. 144.
  36. KABl. 1985, S. 118.
  37. Hoyer UB IV, Nr. 2.
  38. Bornbusch, S. 117, behauptet: „Die Vilser Kirche war ursprünglich eine um 850 erbaute mächtige Burg, welche im Westen einen viereckigen und im Osten einen runden Turm hatte“, liefert jedoch keine Belege für seine These.
  39. LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 631, Bl. 25: „Es wird angenommen, dass die Grafen von Hoya und Bruchhausen hier hier [sic] ihre Ruhestätte hatten. Jetzt liegen die Särge fest verschlossen unter dem Fliesenfußboden des zweiten Querschiffs, an das eine neue Apsis angebaut wurde.“
  40. LkAH, A 8, Nr. 442, Bl. 7r.
  41. Aye/Kronenberg. Taufbecken, S. 274 f. Unterschiedliche Datierungen: Wimmer: 1650, Rödiger, Kirchen Hoyaer Land: um 1700, Aye/Kronenberg. Taufbecken, S. 274: vielleicht erste Hälfte 18. Jh.
  42. Kleine Festschrift, S. 2.
  43. LkAH, A 8, Nr. 442, Bl. 5r; LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 631, Bl. 23.
  44. Abnahmegutachten: LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 631, Bl. 61 ff.
  45. Zit. bei Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 56.
  46. Zum Folgenden: Kleine Festschrift, S. 9 ff.; Kratzsch, Glocken Gft. Hoya, S. 106 ff.
  47. LkAH, A 8, Nr. 442, Bl. 6r.
  48. LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 631, Bl. 138; Abb.: Kleine Festschrift, S. 12.