Sprengel Stade, KK Verden | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Dorf westlich von Verden (Aller), 1186 erstmals urkundlich erwähnt. Zu den Grundherren gehörten u. a. die Gf. von Hoya, die 1313 dem Ritter Ernst von Warpe einen halben Hof auf Wiederkauf überließen.1 Später kam auch das Kloster Bassum in den Besitz mehrerer Güter. Die Herrschaftsrechte lagen zunächst bei den Gf. von Bruchhausen, seit dem 14. Jh. bei den Gf. von Hoya. Mit deren Erlöschen (1582) fiel die Landesherrschaft den Welfen zu (Amt Hoya, später zum Amt Thedinghausen). Im Westfälischen Frieden (1648) wurden Vogtei und Gericht des Schlosses Thedinghausen Schweden zugesprochen. 1679 zurück an Hannover.

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1908

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1908

Die Gemeinde war ursprünglich der Kirche in Lunsen zugeordnet, die 1420 noch Synodalkirche für Blender und Intschede war.2 Wohl bald nach 1120 wurde die Parochie Blender verselbständigt. Als Kirchweihdatum wird 1123 angegeben. Im Testament der Mechthild von Ricklingen (um 1190) werden zwei Kirchen in Blender erwähnt. Zudem verweist die Gemarkungsbezeichnung Klusberg auf eine ehemalige Kapelle am Ort.
Als Inhaber der Pfarrstelle erscheinen um 1250 der Priester Borcherdus, 1326 Henrikus, 1355 Her Johann Knoke kerkhere to Blendere.3 1396 starb Daniel Spade als Pfarrer in Blender. Erst nach dem Tod des Ebf. Christoph von Bremen und Verden (1558) konnte die Reformation eingeführt werden. Erster luth. Pastor war Bertram Knarbuch (ab 1567, 1571 vom Sohn des Küsters ermordet). Ihm folgten Petrus Hamelmann († 1600), Christoph Wiltekindt († 1622) und der frühere Feldprediger Jobst Heinrich von Busch († 1627).
P. Lipke (amt. 1932-1949) war in der NS-Zeit Mitglied der BK. 1933/35 und 1938 fanden in Blender mehrere BK-GD mit sehr guter Beteiligung statt. Die Bekenntnisschulen im Ksp. wurden in Gemeinschaftsschulen umgewandelt.
Mit dem 1. Januar 1974 wurden die KG Intschede, Oiste und Blender durch das Pfarramt Blender pfarramtlich verbunden.4

Umfang

Die Dörfer Adolfshausen, Blender, Einste, Gahlstorf, Hiddestorf, Alt- und Neu-Holtum; Varste (teilweise). Mit dem 1. Januar 1973 wurden die im Ortsteil Ritzenbergen der politischen Gemeinde Blender wohnenden Glieder der Dom-KG in Verden (Verden, Dom) aus dieser in die KG Blender umgegliedert.5

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des bremischen Dompropsts. – Unter schwedischer Herrschaft dem Konsistorium in Stade unterstellt. Nach der Rückgabe an Hannover 1679 zur Insp. Nienburg, 1682 zur Insp. Sulingen6, 1823 zur neu gebildeten Insp. (ab 1924: KK) Vilsen und mit Aufhebung des KK Vilsen am 1. September 1929 zum KK Verden.7

Patronat

Der Bf. von Minden (noch 1567).8 Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Die jetzige Kirche wurde 1825/27 nach Plänen von Ludwig Hellner errichtet. Es war der erste von Hellner geplante und auch ausgeführte Kirchenbau. Die Bauleitung hatte der Hellner-Schüler Georg Behrens. Der rechteckige, verputzte Saalbau aus Ziegelmauerwerk hat fünf Fensterachsen mit zweigeteilten rundbogigen Sprossenfenstern. Der von einem segmentbogigen Tonnengewölbe geschlossene Innenraum wird durch eine dreiseitig umlaufende Empore auf schlanken Holzstützen in drei Schiffe gegliedert. Sanierung nach Kriegsbeschädigung im Zweiten Weltkrieg. 1960 und 1999 erneut renoviert.

Turm

Die mittelalterliche Kirche wurde 1764 um einen dreigeschossigen Westturm mit einer schiefergedeckten barocken Haube und vierseitiger offener Laterne ergänzt, der auch beim Neubau von 1825/27 erhalten blieb. Turmsanierung 1990.

Kirche, Blick zum Altar, um 1949

Kirche, Blick zum Altar, um 1949

Ausstattung

Kanzelaltarwand. – Taufstein aus Kunststein (gestiftet 1902). – Quadratischer hölzerner Taufständer aus einer ehemaligen Altarschranke (1827). – Lesepult (dat. 1770).

Orgel

1755 war nachweislich noch keine Orgel vorhanden. 1851/52 Neubau durch P. Furtwängler (Elze), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, fünfachsiger klassizistischer Prospekt. Im Ersten Weltkrieg Ausbau der Prospektpfeifen (1927 durch Zinkpfeifen ersetzt). 1937 klangliche Veränderungen (Barockisierung) durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover) nach Vorgaben von KMD Alfred Hoppe, 21 II/P. Die Orgel wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt.9 Bei einer notdürftigen Instandsetzung durch die Firma Emil Hammer (Hannover) wurde 1952 das beschädigte Reg. Trompete 8’ ausgebaut. 1997/2000 Restaurierung und Wiederherstellung der ursprünglichen Disposition durch die Orgelbauwerkstatt Franz Rietzsch (Hiddestorf), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. – Denkmalorgel.

Geläut

Drei LG, I: e’; II: g’; III: a’ (alle Stahl, Gj. 1956, Bochumer Verein). – Eine SG in f’’ (Bronze, Gj. 1448). – Früherer Bestand: Die älteste Glocke stammte vielleicht von 1340 und war bis 1764 die einzige. Beim Bau des Kirchturms wurde das Geläut um zwei weitere LG ergänzt. Die mittlere Glocke wurde 1844 wegen Beschädigung umgegossen und 1917 (mit der kleineren) abgeliefert. Die große Glocke wurde 1927 bei der Beschaffung eines neuen Geläuts verkauft. Am 13. Juni 1927 wurden drei neue Bronzeglocken (d’, f’ und a’) geweiht, wovon zwei im Zweiten Weltkrieg abgeliefert wurden. Nach dem Krieg beschaffte die Gemeinde ein Geläut aus Stahlglocken (Glockenweihe am 2. Advent 1956). Die verbliebene Bronzeglocke wurde an die KG Schweringen verkauft.10

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus.

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof, 1850 an die Hauptstraße verlegt. In Trägerschaft der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1184-1217 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 899-909 (Pfarrbestallungsakten); A 6 Nr. 828-837 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 245-248 (Visitationen); D 60 (EphA Nienburg).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 76 f., Nr. 47; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 228 f.; Gade, Hoya und Diepholz I, S. 206-210; Müller, Kirchenbauten, S. 75-77.
B: Die Furtwängler-Orgel in der ev.-luth. Kirche Blender. Wiedereinweihung Ostermontag 24. April 2000 [Festschrift]; Onno Bertelsmeyer: Die ev.-luth. Kirchengemeinde Blender, Intschede und Oiste, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 1986, S. 69-78.


Fußnoten

  1. Hoyer UB I, Nr. 49.
  2. Hodenberg, Stader Copiar, S. 23.
  3. Hoyer UB I, Nr. 1086, Anm. 2.
  4. KABl. 1974, S. 31.
  5. KABl. 1973, S. 8.
  6. Schlegel, Kirchenrecht II, S. 221.
  7. KABl. 1929, S. 70.
  8. Hartmut Bösche: Pastorenwechsel 1623, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 2004, S. 349.
  9. Topp, Orgelbau Lkr. Verden II, S. 174-177.
  10. LKA, G 9 B/Blender, Bl. 29.