Sprengel Stade, KK Verden | Patrozinium: Cosmas und Damian | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Die älteste urkundliche Erwähnung Lunsens lässt sich auf etwa 1250 datieren: In der sogenannten Weserbrückenurkunde ist Lullenhusen unter jenen Orten des Bremer Umlands aufgeführt, die zum Unterhalt der dortigen Weserbrücke beizutragen hatten.1 Die Gegend um Lunsen war seit der zweiten Hälfte des 11. Jh. im Besitz der Ebf. von Bremen (Erzstift Bremen) und gehörte zum Gebiet der um 1285 errichteten Burg Thedinghausen.2 Die Burg ließen die Bremer Erzbischöfe zur Sicherung gegen die Gf. von Hoya erbauen; sie war umkämpft und wechselte mehrfach den Besitzer (auch verpfändet). Zeitweise kontrollierten die Gf. von Hoya die Befestigung, zeitweise die Stadt Bremen. Seit 1560 waren Burg und Amt Thedinghausen wieder in der Hand der Erzbischöfe. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde das Erzstift Bremen säkularisiert und kam zusammen mit dem ebenfalls säkularisierten Hochstift Verden unter schwedische Herrschaft (vereinigte Herzogtümer Bremen-Verden). 1679 fiel Lunsen mit dem Amt Thedinghausen an die Hzg. von Braunschweig-Lüneburg (Nordischer Krieg, Frieden von Celle). Nach der 1681 erfolgten Besitzteilung zwischen den welfischen Hzg. kam Lunsen an das Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel; das Amt Thedinghausen bildete bis hinein ins 20. Jh. eine braunschweigische Exklave im kurhannoverschen Gebiet. In französischer Zeit war Lunsen von 1807 bis 1810 Teil des Kantons Thedinghausen im Distrikt Rinteln des Departements der Weser im Kgr. Westphalen und dann bis 1813 Teil des gleichen Kantons, zum Arrondissement Bremen des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich gehörte. Danach zählte Lunsen wieder zum Amt Thedinghausen, nun im Hzm. Braunschweig. Die Ämterstruktur bestand bis 1850, ihre Verwaltungsaufgaben gingen auf die 1833 eingerichteten Landkreise über; Lunsen kam zunächst zum Kr. Holzminden, 1850 zum Lkr. Braunschweig des Hzm Braunschweig (1918: Freistaat Braunschweig). 1972 Lunsen zum Lkr. Verden. Im gleichen Jahr wurde Lunsen nach Thedinghausen eingemeindet. Um 1810 lebten etwa 190 Menschen in Lunsen, 1895 rund 165.
Das Kirchspiel Lunsen, das ursprünglich auch Blender, Intschede, Schwarme und Thedinghausen umfasste, entstand vermutlich im 10. Jh.3 Die Kirche ist dem hl. Cosmas und dem hl. Damian gewidmet, deren Reliquien der Bremer Ebf. Adaldag (amt. 936–988) im Jahr 965 aus Rom mit an die Weser gebracht hatte, wie Adam von Bremen in den Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum berichtet, die er um 1075/76 niederschrieb.4 Der Lunser P. Johannes Schmuttenius (amt. 1662–1678) notierte im Lunser Kirchenbuch (angelegt 1663) „Ertz Bischoff Adalgagus“ habe die Kirche in Lunsen gegründet; als Baujahr nennt er 978.5 Schon in vorref. Zeit wurden Blender und Intschede eigenständig; Schwarme und Thedinghausen besaßen eigene Kapellen.
Anscheinend bestand bei der Kirche in Lunsen ein Mönchskonvent, der urkundlich jedoch nur einmal im 15. Jh. als conventu Tedinghusensi belegt ist.6 Die wesentlichen Informationen finden sich wiederum in Schmutteniusʼ Aufzeichnungen aus der zweiten Hälfte des 17. Jh.: In der Lunser Kirche seien „anfänglich 5 Fratres oder Lehrer bestellet, gestalt in diesem gantzen Amt Thedinghausen damals gar keine andere Kirche zu finden gewesen, diese Fratres haben alle Fest- und Sontage, und wo sonst Sacra zu verrichten gewesen, sich Nacher Blendern, Intschen, Schwarme und Thedinghausen gemachet, und Ihr wohnung und beständige Convent alhie zu Lünsen allezeit gehabt“.7 Ein Lunser Pfarrer ist erstmals im 14. Jh. urkundlich nachweisbar: Zusammen mit anderen ecclesiarum rectoribus (Kirch- oder Pfarrherren) ist 1318 Bernardo in Lullenhusen in der Zeugenliste einer Urkunde verzeichnet.8 1333 wählten Priorin und Konvent des Benediktinerinnenklosters in Zeven diesen Bernhard zum Propst; er lehnte die Wahl jedoch ab.9 1341 ist er als Bernhard von Letze belegt und noch 1348 hatte er die Lunser Pfarre inne.10 Mit Bernhard wird der Bau der Lunser Kirche verbunden, die in den 1870er Jahren abgebrochen wurde. Den eigentlichen Pfarrdienst in Lunsen versah vermutlich nicht Bernhard selbst, sondern ein Vikar. Gleiches gilt wohl auch für die übrigen vorref. Pfarrherren. 1376 und 1403 ist Johann Klencke belegt, der sicher aus der Thedinghäuser Burgmannenfamilie stammte.11 Im April 1421 bemühte sich Wolterus de Banneke, Kanoniker am Verdener Andreasstift um die Lunser Pfarrpfründe, die wegen des Verzichts von Johannis Clenck frei sei; im Dezember verpflichtete sich Banneke zur Zahlung der Annaten.12 Zwei Jahre später meldete Gherwinus de Berssen, der aus einer Ritterfamilie stammte, Interesse an der Pfründe an und verwies ebenfalls darauf, dass Johannis Klencok sie aufgegeben habe; 1430 wiederholte er seine Bitte, nun mit dem Hinweis, die Pfründe sei wegen der Absetzung des Wolterus Bannek verfügbar.13 1447 wiederum bewarb sich Hermanus Hamelman, Kleriker der Diözese Minden, um das Lunser Pfarramt, das wegen des Todes von Johannes Clencke vakant sei.14 Allerdings scheinen weder Gherwinus de Berssen noch Hermannus Hamelmann erfolgreich gewesen zu sein, denn im Juli 1453 bekundete Conradus de Horne, ebenfalls ritterbürtig, sein Interesse an der Pfarre Lunse, die durch den Verzicht des Priesters Walteri de Beneck frei geworden sei, dem er ein Drittel der Pfarreinkünfte als Pension überlassen wollte; im September des gleichen Jahres leistete Konrad die Annatenzahlung, es ist daher zu vermuten, dass er die Pfründe tatsächlich erhalten hat.15 Im Lunser Kirchenbuch nennt P. Johannes Schmuttenius (amt. 1662–1678) P. Johannes Böhner als letzten Prediger, der „in Lünsen Messe gehalten und alles auff gut Romanisch Catholisch gemacht“ habe; eine genaue Amtszeit ist nicht überliefert.16
Die Reformation hatte sich im bremischen Kirchspiel Lunsen erst in der zweiten Hälfte des 16. Jh. durchgesetzt. Mit Ebf. Christoph von Braunschweig-Lüneburg (amt. 1502–1558) regierte zunächst ein entschiedener Gegner der luth. Lehre im Erzstift Bremen und im Hochstift Verden.17 Sein Bruder und Nachfolger in beiden Bistümern, Ebf. Georg (amt. 1558–1566), duldete den neuen Glauben. Der Bremer Ebf. Heinrich III. von Sachsen-Lauenburg (amt. 1567–1585) schließlich war Protestant; zur Einführung einer ev. Kirchenordnung im Hochstift Bremen kam es während seiner Amtszeit jedoch nicht. In Lunsen fanden wohl in der Amtszeit von P. Adrian von Rosendal (amt. bis mindestens 1567) luth. Elemente Eingang in die Gottesdienstpraxis. Die Pfarrpfründe selbst hate P. Rosendal nicht inne; Dompropst Ludolf von Varendorff hatte sie erst seinem Bruder Eberhard übertragen und 1568 dann seinem eigenen Sohn Cord. Den Pfarrdienst versah Johannes Wildekind (amt. frühestens 1567–1609), der geweihter Priester war, jedoch luth. predigte und noch 1588 als Vicepastor bezeichnet wird.18 Hermann von Horn, Drost in Thedinghausen, stiftete der Lunser Kirche „kürtz nach der Reformation“ die „Hörner Capelle“.19 Mit P. Dietrich von Twistern (amt. 1609–1612) beginnt die lückenlos bekannte Reihe der Lunser Pastoren.
Während des gesamten Dreißigjährigen Krieges hatte P. Hermann Hütter (amt. 1612–1661) das Lunser Pfarramt inne; einige Monate vor seinem Tod trennte sich die Gemeinde Schwarme vom Kirchspiel Lunsen und wurde eigenständig.20 Auch Thedinghausen war um kirchliche Eigenständigkeit bemüht, hatte aber während der Amtszeit des bereits mehrfach zitierten Chronisten der Gemeinde Lunsen, P. Johannes Schmuttenius (amt. 1662–1678), keinen Erfolg. P. Hermann Buntjer (amt. 1678–1703) war der erste Lunser Geistliche, der im Namen der braunschweig-lüneburgischen Herzöge präsentiert wurde.21 Das Kirchspiel umfasste auch nach 1681, als Lunsen zum Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel kam, weiterhin die nun braunschweig-lüneburgischen (hannoverschen) Dörfer Beppen, Morsum, Nottorf und Wulmstorf sowie später die Kolonien Neu Morsum und Neu Wulmstorf, war also eine grenzüberschreitende Gemeinde. Gegen Ende von P. Buntjers Amtszeit konnten die Thedinghäuser die Anstellung eines eigenen Geistlichen durchsetzen, der für Thedinghausen und die Dörfer links der Eiter zuständig war. Er war jedoch dem Lunser Pfarrer unterstellt (Kompastorat) und musste an den zweiten Feiertagen der kirchlichen Feste auch in Lunsen predigen. Zur Gründung der selbständigen KG Thedinghausen kam es erst 1912. Während dieser gut zwei Jahrhunderte rückte der Thedinghäuser Kompastor bei Freiwerden der Lunser Primariatpfarre häufig in diese Position auf.
Als P. Johann Ebel (amt. 1703–1738) das Pfarramt im Kirchspiel Lunsen übernahm, war die Kirche baufällig; die Gemeinde ließ das Gebäude 1704 instand setzen. Im Jahre 1719 veröffentlichte P. Ebel die Predigtsammlung „Der rechte Weg zum Lande der Lebendigen aus allen Sonn- und Festtagsevangelien gezogen“.22 Sein Nachfolger P. Johann Friedrich Schmidt (amt. 1739–1746) ist bis hinein in die erste Hälfte des 20. Jh. der einzige Pastor, der Lunsen wieder verließ, um eine ander Pfarrstelle zu übernehmen. Noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jh. waren die Lunser Pastoren auch gleichzeitig Landwirte; P. Johann Heinrich Daniel Gudewill (amt. 1798–1823) machte den Pfarrhof zu „einem blühenden landwirtschaftlichen Betrieb“ und P. Theodor Ritmeyer (amt. 1823–1844) tat sich besonders als Viehzüchter hervor.23 P. Ernst Christian Ritmeyer (amt. 1870–1883), Sohn des Vorvorgängers, war der letzte Lunser Pfarrer, der Landwirtschaft betrieb. Theologisch war er ein Anhänger des Rationalismus. Während seiner Amtszeit entstand die heutige Lunser Kirche. Am 9. Juni 1873 feierte die Gemeinde den letzten Gottesdienst in ihrem mittelalterlichen Gotteshaus; danach wurde es wegen Baufälligkeit abgebrochen. Bis der Neubau am 25. März 1877 eingeweiht werden konnte, versammelte sich die Gemeinde zu den sonntäglichen Gottesdiensten in den Schulen von Lunsen und Morsum.24
Für die hannoverschen Dörfer innerhalb der braunschweigischen KG Lunsen gründete die hannoversche Landeskirche 1929 die KG Morsum, die pfarramtlich verbunden wurde mit der KG Lunsen (Gesamtkirchengemeinde Lunsen).25 Nachdem die braunschweigischen KG Lunsen und Thedinghausen zum 1. Januar in die Landeskirche Hannovers gewechselt waren, hob das Landeskirchenamt zum 1. Juli 1976 die KG Morsum und die Gesamtkirchengemeinde Lunsen auf und gründete die neue „Ev. luth. St. Cosmae- und Damiani-Kirchengemeinde Lunsen“.26
Noch 1979 feierte die KG Lunsen das Abendmahl an den traditionellen Terminen: jeweils an den Mittwochabenden zwischen Ostern und Exaudi sowie zwischen Erntedank und Ewigkeitssonntag; der Sup des KK Verden regte bei der Visitation 1979 an, die „Abendmahlszeiten etwas aufzulockern“ und außerhalb der traditionelle Zeiten vielleicht alle vier bis sechs Wochen eine Abendmahlsfeier anzubieten.27
Seit Januar 2002 ist Lunsen pfarramtlich verbunden mit der KG Thedinghausen; im November 2002 schloss sich Riede als dritte Gemeinde dem Pfarrverbund an.28 Zunächst aus drei vollen Pfarrstellen bestehend, setzt sich das verbundene Pfarramt seit 2012 aus einer vollen Stelle in Thedinghausen und zwei halben Stellen in Riede und Lunsen zusammen. Im Jahr 2007 gründeten die BIO-Gemeinden (Blender, Intschede, Oiste) und die RTL-Gemeinden (Riede, Lunsen, Thedinghausen) gemeinsam die regionale Kirchenstiftung „Aus Liebe zum Ort“ (sechs buchhalterisch getrennte Fonds für die einzelnen KG und ein gemeinsamer Fonds für regionale Aufgaben). Die drei KG Lunsen, Riede und Thedinghausen betreiben seit 2013 gemeinsam das diakonische Warenhaus „Kramerei“, über das u. a. gespendete Haushaltswaren und Kleidungsstücke gegen eine kleine Kostenbeteiligung weitergegeben werden.

Umfang

Lunsen, Werder und Holtorf sowie Beppen, Hagen-Grinden (teilweise), Morsum, Neu Morsum, Neu Wulmstorf, Nottorf und Wulmstorf (bildeten ab 1929 die hannoversche KG Morsum, 1976 wieder eingepfarrt, ohne Hagen-Grinden, das seit 1968 zur KG Etelsen zählt), bis 1661 auch Schwarme (dann eigenständige Parochie), bis 1912 auch Thedinghausen (Bürgerei, Hagen, Westerwisch) mit Bahlum, Dibbersen, Donnerstedt, Eissel, Emtinghausen und Horstedt (dann zur neuen KG Thedinghausen).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Dompropstes. – Seit 1698 dem geistlichen Konvent des Amtes Thedinghausen unterstellt, um 1810 aufgehoben.29 Seit 1814/15 unterstand Lunsen direkt dem Konsistorium in Wolfenbüttel bzw. dem Landeskirchenamt. Mit dem Wechsel zur Landeskirche Hannovers 1976 zum KK Verden.30

Patronat

Der Bremer Dompropst, ab 1648/49 der Landesherr. 1670 übertrug die schwedische Regierung dem Inhaber des Amtes Thedinghausen das Patronatsrecht über die Kirchen in Lunsen und Schwarme sowie die Kapelle in Thedinghausen.31 Ab 1679 die Hzg. von Braunschweig-Lüneburg, ab 1703 die Fs. von Braunschweig-Wolfenbüttel.32

Kirchenbau

Ostnordöstlich ausgerichteter neugotischer Backsteinbau mit kreuzförmigem Grundriss, geradem Chorschluss und Sakristeianbau an der Südseite des Chors, errichtet 1874–77 (Architekt: Ernst Wiehe, Braunschweig). Satteldach mit Walm im Osten, Querdächer mit Walm nach Süden bzw. Norden. Weit hervortretende Strebepfeiler am Langhaus, an den Ecken von Lang- und Querhaus schräggestellt; in den zwei Langhausjochen und an den Seiten der Querhausarme je zwei Spitzbogenfenster mit Rundfenster darüber, in der Ostwand drei gestaffelte Spitzbogenfenster; an den Stirnseiten der Querhäuser jeweils Wimperg mit rundbogigem Portal, darüber drei Spitzbogenfenster. Im Innern Kreuzrippengewölbe, Sterngewölbe in der Vierung; an den Wänden des Chors gemauerte, spitzbogige Blendarkaden mit Doppelsäulen; Emporen im Westen und in den Querhausarmen. 1934 Innenrenovierung. 1974/75 Neudeckung Dach. 2000/01 Mauerwerkssanierung.

Fenster

Drei figürliche Ostfenster (1928, G. H. Rohde, Bremen), in der Mitte segnender Christus umgeben von zwölf kleinen Engelsfiguren, links Paulus, rechts Petrus.

Turm

Wuchtiger Westturm aus Backsteinmauerwerk. Verschieferter Turmhelm mit rechteckigem Ansatz und achteckiger Spitze, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Wetterfahne. Hohe Strebepfeiler an den Ecken. Im Glockengeschoss an jeder Seite ein triforienartiges Schallfenster; im Geschoss darunter je zwei schmale Spitzbogenfenster, darüber Uhrziffernblätter (nach Norden und Süden) bzw. Rundfenster (nach Westen); im Erdgeschoss nach Westen Wimperg mit rundbogigem Portal, nach Norden und Süden je ein spitzbogiges Fenster. 1974 neuer Turmhelm. 1988 neue Turmuhr.

Vorgängerbau

Zunächst wohl hölzerner Kirchenbau, erbaut vielleicht im 10. Jh. Später kreuzförmige Backsteinkirche, erbaut wohl im 14. Jh. Walmdach; dreijochiges Schiff, ein Chorjoch. Im Innern Kreuzgratgewölbe.33 Unter dem Chor Erbbegräbnis der Familie von Klencke und der Besitzer des Erbhofs. 1704 Instandsetzung. 1778 neue Fenster. 1784 neue Sakristei. 1820er Jahre Innenrenovierung. 1838 Neueindeckung Turm. 1873 Kirche wegen Baufälligkeit abgebrochen, Turm im Juni 1874 eingestürzt.34

Ausstattung

Schlichter Blockaltar mit hohem, hölzernem Kreuz und hölzernen Seitenschranken (um 1877). – Hohe, hölzerne Kanzel (um 1877). – Taufe mit viereckigem Fuß, rundem Schaft mit Kapitell und flachem, vierseitigem Becken, aus einer Säule der Vorgängerkirche gearbeitet. – In der Sakristei eingemauerte Vitrine mit Knochenfragment, angebliche Reliquie aus der Vorgängerkirche. – Außen an der Nordseite: Grabplatte des Dietrich von Horn und seiner Frau Catrina Buckes mit Relief eines Ehepaars (dat. 1557), Inschriften: „Anno D[omi]ni 1557 den 28 Februarij starf de erbare unde erenveste Dirick vam Horne, den Got gnade“ und „Catrina Buckes“. – Außen an der Nordseite: Grabplatte eines Ritters (16. Jh.).

Orgel

Angeblich besaß die Kirche schon um 1500 eine Orgel.35 1583 Orgel nachweislich vorhanden. Instrument im Dreißigjährigen Krieg durch kaiserliche Truppen beschädigt (1627), vor 1652 repariert. 1663 Reparatur und Erweiterung um ein RP mit 10 Reg., ausgeführt von Hermann Kröger (Neuenburg), II/P, mechanische Traktur. 1708–10 Um- bzw. Neubau nach Plänen von Arp Schnitger (Hamburg), ausgeführt von Schnitgers Gesellen Gregorius Struve, 20 II/aP, mechanische Traktur; Instrument aufgestellt im nördlichen Seitenschiff.36 1838/39 Reparatur, Umbau, Erweiterung und Umsetzung der Orgel, ausgeführt von Peter Tappe (Verden), 23 II/P, mechanische Traktur.37 1842 Reparatur technischer Mängel, ausgeführt von Peter Tappe (Verden). 1850/51 Orgelreparatur und Änderung der Disposition, ausgeführt von August Boden (Helmstedt), u. a. neue Windladen. 1857 Reparatur, ausgeführt von Johann Hinrich Rohdenburg (Lilienthal). 1876/77 Orgelneubau für die neue Kirche, ausgeführt von Firma Gebrüder Euler (Gottsbüren), 23 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Schleifladen; einige vorhandene Register wiederverwendet. 1906/07 Reparatur, Johann Schmid (Oldenburg). 1917 Zinnpfeifen des Prospekts zu Rüstungszwecken abgegeben. 1931 Reparatur und Umbau, ausgeführt von Furtwängler & Hammer (Hammer), u. a. neue Prospektpfeifen (Zink), neugotisches Gehäuse entfernt (Freipfeifenprospekt). 1971/72 Umbau, ausgeführt von Firma Emil Hammer (Arnum), 24 II/P (HW, OW), mechanische und pneumatische Traktur, Schleifladen (Opus 1645).38 2003 Renovierung und Teilrückführung in ursprüngliche Disposition, ausgeführt von Franz Rietzsch (Hiddestorf).

Geläut

Vier LG, I: dʼ; II: fʼ; III: gʼ; IV: bʼ (alle Stahl, Gj. 1953, Bochumer Verein). – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1704), Inschrift: „Anno MDCCIV promotione Insigni Nobilium Ecclesia membrorum, quorum nomina clarent: Georg Gebhard von Linstow Brigad., Henrich Wilhelm von Gerstenberg Rittm., Johann et Georg Franz von Klencken F.F., Henrich Attermann, Otto von Omteda F.F., Claus Henrich et Dieterich Gebhard vom Horn F.F. Item Praefecti Thed. Joh. Wilh. Bösenii et Pastore Johan Ebelii, sumtus subministrante universo coetu Lüneburgenzi campana haec de novo fusa est“ (Im Jahre 1704 ist auf veranlassung der adligen Mitglieder der Kirche, deren Namen lauten: … ebenfalls des Amtmanns von Thedinghausen Johann Wilhelm Bösenius und des Pastors Johann Ebel dies Glocke neu gegossen worden, wobei die gesamte lüneburgische Kirche zu den Kosten beitrug).39 1874 vier Glocken aus dem alten Turm abgenommen. Glocken im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Neues Geläut 1927. Eine LG cʼʼ (?), (Bronze) hat den Zweiten Weltkrieg überstanden und hängt seit 1970 im Glockenturm der FKap Wulmstorf.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarr- und Gemeindehaus (Bj. 1799/1800; Vorgängerbauten: Bj. 1720 und Bj. 1662/63).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof rund um die Kirche (1771 war der Friedhof „mehrenteils eine Hornvieh-, Pferde- und Schweineweide“).40 Kommunaler Friedhof in Wulmstorf, angelegt um 1860, FKap mit Glockenturm.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

L 5g Nr. 229, 842 (LSuptur. Stade); S 09 Nr. 1704 (Presseausschnittsammlung); S 11 Nr. 81 (Findbuch); S 11a Nr. 7929 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachen, S. 912; Fock, Schnitger, S. 98–99; Meier, BKD Kr. Braunschweig, S. 343–346; Osmers, Kirchen, S. 90–93; Rödiger, Kirchen Thedinghausen, S. 7–18; Topp, Orgelbau Lkr. Verden III, S. 63–74.
B: Kurt Asendorf: Die Kirche zu Lunsen St. Cosmae et Damiani 934–1961, in: Heimatkalender für den Kreis Verden 1961, S. 47–54; Kurt Asendorf: Festschrift ausgegeben anläßlich des Doppeljubiläums der Pfarre Lunsen Anno Domini 1977, [1977]; Hartmut Bösche: Vorreformatorische Geistliche in Lunsen, in: Jahrbuch für den Landkreis Verden 2016, S. 284–288; Hans Dettmer u. a.: Die ev.-luth. Kirche Lunsen, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 1986, S. 145–155; Bernd Ulrich Hucker: Ein mittelalterliches Kloster in Lunsen-Thedinghausen, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 2006, S. 95–106.

GND

16066892-X, Kirchengemeinde (Lunsen)


Fußnoten

  1. Bremisches UB I, Nr. 247.
  2. Vgl. Bornstedt, S. 333 ff. für einen knappen Überblick zur Geschichte von Amt und Burg Thedinghausen.
  3. Vgl. Hucker, Kloster, S. 96 ff.
  4. MGH SS rer. Germ. 2, S. 70 [Digitalisat]. Vgl. auch https://www.geschichtsquellen.de/werk/24, 23.10.2020.
  5. Auszüge des Kirchenbuchs sind gedruckt bei Ompteda, Thedinghausen, S. 329 f., vgl. ebd., S. 329 und 334.
  6. Hucker, Kloster, S. 102; Dolle, Klosterbuch II, S. 974 f.
  7. Ompteda, Thedinghausen, S. 334.
  8. Bremisches UB II, Nr. 182. Insgesamt zu vorref. Geistlichen in Lunsen vgl. Bösche, S. 284 ff.
  9. UB St. Georg Stade, Nr. 93.
  10. Bremisches UB III, Nr. 585 (1341); ebd. II, Nr. 577 (1348). Pfarrer Bernhard ist überdies in einer Urkunde von 1377 genannt, lebte seinerzeit jedoch nicht mehr (die Urkunde erwähnt seine Testamentsvollstrecker), vgl. ebd. III, Nr. 518 (Müller, Amt Thedinghausen, S. 272, nennt Bernhard irrtümlich für 1377). Ein weiterer Beleg ist für 1343 überliefert, ebd. II. Nr. 507.
  11. Bremisches UB III, Nr. 494 (Johannem Clencok); Bösche, S. 284.
  12. RG Online, RG IV 14424, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/14424, 27.10.2020.
  13. RG Online, RG IV 03645, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/3645, 26.10.2020.
  14. RG Online, RG VI 02177, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/6/2177, 27.10.2020. Aufgrund dieses Eintrags geht Bösche, S. 285 (dort falsche Quellenangabe: RPG VI 2177 anstatt RG VI 2177), von zwei Pfründeninhaber namens Johannes Klenke aus; Bösche vermutet in Wolter überdies den „Vertreter, der die geistlichen Amtsgeschäfte ausführte“, was nicht zuletzt wegen seines Kanonikats an St. Andreas unwahrscheinlich erscheint.
  15. RG Online, RG VI 00802, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/6/802, 27.10.2020. Müller, Amt Thedinghausen, S. 272, nennt Cord von dem Horne noch für 1470 (ohne Beleg). Als weiteren Pfarrherrn nennt er Heinrich Bredenbecke (1478, ohne Beleg).
  16. Ompteda, Thedinghausen, S. 330.
  17. Zu Bf. Christoph vgl. den Beitrag von Matthias Nistal in Dannenberg/Otte, Reformation, S. 39 ff. Zur Reformation in Bremen und Verden insgesamt vgl. die Beiträge in Dannenberg/Otte, Reformation.
  18. Bösche, S. 286 f. Müller, Amt Thedinghausen, S. 274, nennt überdies einen Johann Nupup für 1570.
  19. Ompteda, Thedinghausen, S. 329 f.
  20. Müller, Amt Thedinghausen, S. 278 und 284; der Vergleich zwischen Schwarme und Lunsen wurde im März geschlossen, im November 1661 starb P. Hütter.
  21. Müller Amt Thedinghausen, S. 287.
  22. Müller, Amt Thedinghausen, S. 296 f.; Asendorf, Festschrift, S. 18 ff.
  23. Dettmer, S. 151 f. Der Pfarrgarten umfasste 1860 u. a. 223 Obstbäume (hauptsächlich Apfelbäume), 200 Johannis- und Stachelbeersträucher, drei Erdbeer- und sechs Spargelbeete, vgl. ebd., S. 152.
  24. Müller, Amt Thedinghausen, S. 304.
  25. KABl. 1929, S. 91.
  26. KABl. 1975, S. 231 f.; KABl. 1976, S. 120. Vgl. auch LkAH, L 5g, Nr. 842.
  27. LkAH, L 5g, Nr. 229 (Visitation 1979).
  28. KABl. 2002, S. 23 f.; KABl. 2002, S. 264.
  29. Müller, Amt Thedinghausen, S. 290; der Konvent war zusammengesetzt aus den beiden Lunser Geistlichen (Senior und Kompastor), dem Drost und dem Amtmann zu Thedinghausen).
  30. KABl. 1975, S. 231 f.
  31. Müller, Amt Thedinghausen, S. 285.
  32. Meier, BKD Kr. Braunschweig, S. 344.
  33. Abb. bei Hucker, Kloster, S. 105 (Längs- und zwei Querschnitte, vor 1884).
  34. Müller, Amt Thedinghausen, S. 304.
  35. Zum Folgenden: Topp, Orgelbau Lkr. Verden III, S. 63 ff. Die Auskunft über die Orgel um 1500 stammt erst von 1706.
  36. Das alte Gehäuse des Rückpositivs und einige Register verkaufte Schnitger 1716/17 an den Organisten und Orgelmakler Johann Janssen, der die Teile beim Bau der Orgel in der Bremer Michaeliskirche verwendete, vgl. Topp, Orgelbau Lkr. Verden, S. 67. 1901 wurde das Rückpositiv von Furtwängler & Hammer (Hannover) in Daverden aufgestellt, LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 146 (Gutachten von Uwe Droszella, 07.05.1987).
  37. „Tappe hat in Lunsen erstmalig ein neues von ihm erfundenes und von der Behörde patentiertes Ladensystem angewandt“, Topp, Orgelbau Lkr. Verden III, S. 71.
  38. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 182.
  39. Müller, Amt Thedinghausen, S. 292.
  40. Zit. bei Müller, Amt Thedinghausen, S. 294.