Sprengel Osnabrück, KK Syke-Hoya | Patrozinium: Bartholomäus (seit 1991) | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich Ersterwähnung 1189. Bruchhausen war Zentrum der gleichnamigen Gft., die mit dem Aussterben des Grafengeschlechts Anfang des 13. Jh. an das Haus Oldenburg-Wildeshausen fiel und um 1259 in die Linien Alt- und Neubruchhausen geteilt wurde. Allerdings kamen beide Teile im 14. Jh. (1326 bzw. 1384) durch Kauf an die Gf. von Hoya (Niedergrafschaft) und mit dem Erlöschen des Hoyaer Grafengeschlechts als Ämter Alt- und Neubruchhausen 1582 unter die Herrschaft der Lüneburger Hzg. Bruchhausen war Sitz des lüneburgischen Amts Altbruchhausen, das 1758 vorläufig und 1813 endgültig mit dem Amt Neubruchhausen zum Amt Bruchhausen vereinigt wurde und im Zuge der Kommunalreform von 1885 im Kreis Hoya aufging. 1870 wurden die Flecken Moor und Bruchhausen zur Gemeinde Bruchhausen vereinigt, 1929 mit Vilsen zum Flecken Bruchhausen-Vilsen.

Kirche mit Gemeindehaus, Ansicht von Westen, um 1960

Kirche mit Gemeindehaus, Ansicht von Westen, um 1960

Bruchhausen gehörte ursprünglich zur KG Vilsen. Die alte Kapelle an der heutigen Schloßstraße wurde wohl um 1250 als Zubehör der Burg errichtet. Ein eigenständiges kirchliche Leben entwickelte sich jedoch erst in den Jahren zwischen 1563 und 1620 durch die Erhebung von Schloss Bruchhausen zur Residenz der Gfn. Catharina von Hoya (Witwe des Gf. Albrecht), die Bruchhausen als Leibzucht erhalten hatte und für die Schlosskapelle einen eigenen Hofprediger unterhielt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden Schloss und Flecken durch dänische Soldaten zerstört. Die Kapelle blieb erhalten. In ihr entwickelte sich im Laufe der Zeit eine eigene KapG mit KapV. GD hielten die Pfarrer der Muttergemeinde Vilsen, ab 1845 wohl an jedem vierten Sonntagnachmittag, seit den 1870er Jahren vierzehntäglich. Im Zuge der Vereinigung der beiden Flecken 1870 wurden Bruchhausen und Moor zu einer Schulgemeinde verbunden (Neubau des Schulgebäudes 1890). Eine Gemeindeversammlung des Fleckens Moor votierte schon damals für den kirchliche Anschluss an Bruchhausen, genehmigt wurde er aber erst 1897. Noch 1850 war der östliche Teil des KapGb erneuert worden. Wegen zunehmender Baufälligkeit beschloss der KapV 1897 den Ankauf eines Grundstücks auf dem sogenannten Bleichplatz jenseits des Burggrabens und einen Neubau nach Entwurf des Hannoveraner Architekten Eduard Wendebourg (Einweihung am 16. Mai 1901 durch GSup. D. Meyer, Hannover). Die alte Kapelle in der Schloßstraße wurde auf Abbruch verkauft. Mit dem Neubau wurden die Verselbständigungstendenzen in der Gemeinde noch verstärkt. Die Anstellung eines Pfarrkollaborators hielt das Konsistorium allerdings noch 1902 für „nicht begründet“ und die beiden Pfarrer in Vilsen für ausreichend zur Versorgung der gesamten Parochie.1 Im Februar 1905 wurde jedoch eine ständige Pfarrkollaboratur errichtet.2 Ein Pfarrhaus (zweigeschossiger Bau in Ziegelmauerwerk) war bereits 1904 fertiggestellt worden. Die weiter geführten Verhandlungen zur Verselbständigung, befördert v. a. durch P. coll. Stumpenhausen (1910-1916, später LSup. in Göttingen-Grubenhagen), scheiterten am Widerstand der KG Vilsen, die zusätzliche Kosten scheute, und an der Verweigerung von Beihilfen aus landeskirchlichen Mitteln. Im Oktober 1914 beschloss der KapV die Ansammlung eines Pfarrdotationsfonds. Weitere Schritte verhinderte der Erste Weltkrieg. Erst mit Wirkung vom 1. Januar 1921 wurde Bruchhausen aus der KG Vilsen ausgepfarrt und zur selbständigen KG erhoben. Die Bewohner der Häuser unmittelbar an der Bahnlinie hielten sich allerdings noch 1935/41 zur KG Vilsen. Ihre Kinder besuchten dort die Schule und wurden dort konfirmiert.3 Das kirchengemeindliche Leben in Bruchhausen wurde durch die Gründung eines Frauenvereins unter der Leitung einer Diakonisse aus dem Henriettenstift bereichert, der in der NS-Zeit seines kirchlichen Charakters entkleidet und dem NSV unterstellt wurde.4
Nach dem Krieg kam es zu einem vermehrten Zuzug von Katholiken (Flüchtlinge), die vorübergehend Gastrecht in der ev. Kirche erhielten und 1953 ein eigenes Gotteshaus bezogen. Die ev. Einwohnerschaft setzte sich noch 1955 überwiegend aus Kleinbauern und Kleinbürgern, sowie Geschäftsleuten und Arbeitern zusammen.5 Für die Gemeindearbeit wurde 1956/57 ein Gemeindehaus errichtet.
Vom 1. Januar 1978 bis 31. Oktober 1985 war die KG Bruchhausen mit der St.-Cyriakus-KG in Vilsen durch das Pfarramt in Vilsen pfarramtlich verbunden.6 Danach zunächst wieder getrennt7, besteht seit 1. Februar 2005 erneut eine pfarramtliche Verbindung.8

Umfang

Zur KapG gehörte ursprünglich nur Bruchhausen. Mit dem 1. Januar 1898 wurden die luth. Einwohner des früheren Fleckens Moor aus der KG Vilsen in die KapG Bruchhausen der KG Vilsen umgepfarrt.9

Aufsichtsbezirk

Wie Vilsen. Bei Verselbständigung zur Insp. (1924: KK) Vilsen; ab 1. September 1929 KK Hoya.10 Am 1. Mai 1947 wurde die Suptur. des KK Hoya von Hoya nach Bruchhausen verlegt.11 Seit 1. Januar 2001 KK Syke-Hoya.

Kapellenbau
Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Mai 1951

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Mai 1951

Neugotischer Saalbau in Ziegelmauerwerk, mit eingezogenem quadratischem Chor. Innen eine bemalte Holztonnendecke (Ausmalung: Kirchenmaler Reinhold Ebeling, Hannover). Westempore für die Orgel.

Fenster

Hinter dem Altar ein rundes Buntglasfenster mit Lamm-Gottes-Darstellung.

Turm

Aus Westgiebel herausragender, querrechteckiger Westturm mit hohem kupferverkleideten Dachreiter. Bekrönung durch Kugel und Hahn.

Ausstattung

Blockaltar mit Sandsteinplatte als Geschenk der Mutterkirche in Vilsen (1957). – Schalldeckellose Kanzel aus Eiche mit Schnitzfiguren (Maria und die Jünger Johannes, Petrus, Paulus und Bartholomäus; Geschenk der Partnergemeinde Waldkirchen im Erzgebirge).12 – Achteckige Sandsteintaufe nach Entwurf von Eduard Wendebourg (1901).

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1975

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1975

Orgel

1901 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hammer), 5 I/P, pneumatische Traktur, Kegellade. 1933/34 Überholung des Werks und Einbau eines elektrischen Gebläses.13 1967 Neubau durch Firma Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 16 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG: I: b’ (Eisenhartguss, Gj. 1951, Firma J. F. Weule, Bockenem); II: des’’ (Bronze, Gj. 1646 [eventuell auch 1640 oder 1648], C. Gage; aus der alten Kapelle übernommen).14 – Früherer Bestand: Eine LG in b’ (Bronze, Gj. 1901, Johann Jacob Radler, Hildesheim) wurde im Zweiten Weltkrieg abgegeben.

Friedhof

Wegen des hohen Grundwasserstandes verfügt die Gemeinde nicht über einen eigenen Friedhof und nutzt den Friedhof in Vilsen.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 11207-11219 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 899 und 902 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1229 (Pfarrbestallungsakten); D 7 (EphA Hoya).

Quelle

Mitteilung Hermann Hamann (Bruchhausen-Vilsen) vom 27. Januar 2016.

Literatur

A: Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 84; Gade, Hoya und Diepholz I, S. 235-243; Rödiger, Kirchen Hoyaer Land, S. 11-15.
B: Hermann Bornbusch: Kleine Historie kirchlicher Gebäude und Burgen in Bruchhausen-Vilsen und Heiligenberg, in: Heimatblätter des Landkreises Diepholz 10 (1985), S. 117-127; Karl Ehrhardt: Vom Heiligenberg zum Amtshof. Ein Beitrag zur bisherigen Gemeinde Bruchhausen-Vilsen, Bruchhausen-Vilsen 1974; G. Tidow: Die Kirche in Bruchhausen, in: Der Heimatbote (Hoyaer Land), 2/1953; Evangelisch-Lutherische Sankt-Bartholomäus-Kirchengemeinde Bruchhausen-Vilsen (Hg.): Zum 100. Geburtstag der St. Bartholomäus-Kirche Bruchhausen, [Bruchhausen 2001].


Fußnoten

  1. LkAH, D 7, Spec. Bruchhausen 100.
  2. KABl. 1905, S. 8.
  3. LkAH, L 5a, Nr. 61 (Bruchhausen, Visitation 1935).
  4. LkAH, L 5a, Nr. 61 (Bruchhausen, Visitation 1941).
  5. LkAH, L 5a, Nr. 61 (Bruchhausen, Visitation 1955).
  6. KABl. 1977, S. 144.
  7. KABl. 1985, S. 118.
  8. KABl. 2005, S. 34.
  9. KABl. 1897, S. 77.
  10. KABl. 1929, S. 70.
  11. KABl. 1947, S. 25.
  12. LkAH, L 5a, Nr. 62 (Bruchhausen, Visitation 1974).
  13. LkAH, L 5a, Nr. 61 (Bruchhausen, Visitation 1935, Gutachten über die Orgel).
  14. LkAH, L 5a, Nr. 61 (Bruchhausen, Visitation 1982); Bornbusch, S. 119.