Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Emden-Leer | Patrozinium: Liudgerus (1992)1 | KO: Ostfriesische KO von 1716

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Orts- und Kirchengeschichte

Der früheste schriftliche Beleg für den Ort findet sich als Hasla in einem Urbar der Abtei Werden, das sich auf das 10. Jh. datieren lässt.2 Im Hochmittelalter zählte Hesel zur ostfriesischen Landesgemeinde Moormerland. Im Jahr 1464 erhob Ks. Friedrich III. Ulrich I. Cirksena zum Reichsgrafen von Ostfriesland (Reichsfürsten seit 1654/62) und in der Folgezeit bildete sich in der zweiten Hälfte des 15. Jh. die Ämterstruktur der Gft. Ostfriesland heraus.3 Hesel war Teil des Amtes Stickhausen. 1744 fiel die Gft. Ostfriesland an das Kgr. Preußen und in französischer Zeit zählte Hesel ab 1807 zum Kgr. Holland und 1810-1813 zum Kaiserreich Frankreich (Département Ems-Oriental, Arrondissement Emden, Kanton Stickhausen). Im Kgr. Hannover gehörte das Dorf zunächst wieder zum Amt Stickhausen, ab 1852 dann zum kurzlebigen Amt Remels, das jedoch 1859 wieder im Amt Stickhausen aufging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover kam Hesel 1866 erneut unter pr. Herrschaft. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 gehört Hesel zum Lkr. Leer und seit 1973 bildet der Ort das Zentrum der Samtgemeinde Hesel, zu der außerdem Brinkum, Firrel, Holtland, Neukamperfehn und Schwerinsdorf zählen. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jh. wurden in der Gemarkung und in der Umgebung des Dorfes mehrere Moorkolonien gegründet (1764 Firrel, 1773 Beningafehn, 1774 Kiefeld, 1778/79 Südermoor, 1795 Neuemoor, 1803 Schwerinsdorf, 1808/09 Kleinhesel, 1811 Bartherfeld). Die 1899/1900 eröffnete Kleinbahn „Jan Klein“ hielt innerhalb der Gemeinde Hesel an drei Stationen (Strecke Wittmund–Aurich–Leer, schrittweise stillgelegt 1953–1969).4 Der Ortsgeistliche beschrieb Hesel 1948 als „Bauerngemeinde mit freien Berufen, Geschäftsleuten und Arbeitern sowie Beamten“.5 Als ländlich strukturiertes Zentrum der gleichnamigen Samtgemeinde (Verwaltung, Schulzentrum, Einkaufsmöglichkeiten) entwickelte sich Hesel zu einem bevorzugten Wohnort mit wachsendem Pendleranteil. Im Jahr 1821 lebten in Hesel gut 460 Menschen, 1905 knapp 1.050, 1946 knapp 2.000 und 2019 gut 4.560 (mit Beningafehn, Klein-Hesel, Kiefeld, Hasselt, Stikelkamp, Heseler Hörn und Neuemoor).

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1909

Kirche, Ansicht von Südosten, vor 1909

Zur frühen Kirchengeschichte Hesels ist nur wenig bekannt. Bei der oft geäußerten Annahme, der Friesenmissionar Liudger habe die Heseler Kirche gegründet, handelt es sich um eine Mutmaßung ohne konkrete Indizien.6 Da das mittelalterliche Kirchengebäude 1742 durch einen Neubau ersetzt wurde, lassen sich keine Angaben über seine Bauzeit machen. Urkundlich nachweisen lässt sich die Kirche in Hesel erst 1475.7 Neben der Dorfkirche bestanden in der Gemarkung Hesel im Mittelalter weitere Gotteshäuser: Die Klosterkirchen des Prämonstratenserinnenklosters Barthe (um 1170/84 gegründet) sowie der Johanniterkommenden Hasselt und Hesel (Erstbeleg jeweils 1319, Hesel später nach Hasselt inkorporiert, Heseler Vorwerk).8 Hinzu kamen möglicherweise Kapellen in den Vorwerken Stikelkamp (Johanniter) und Oldehave (Prämonstratenser). Ein erster, aller Wahrscheinlichkeit nach noch kath. Pfarrer lässt sich 1522 urkundlich belegen: Berndt, pastor to Heßel.9
Einzelheiten zur Reformation in Hesel sind nicht bekannt. Die neue Leher hatte sich in Ostfriesland mindestens unter Duldung des Landesherrn Gf. Edzard I. († 1528) ausgebreitet, aber ohne seine Lenkung.10 Es entwickelte sich ein Nebeneinander verschiedener prot. Richtungen. Versuche Gf. Ennos II. († 1540), die kirchlichen Verhältnisse einheitlich und eher luth. zu gestalten, scheiterten (u. a. 1529 „Bremer KO“ von Johann Timann und Johann Pelt, 1535 „Lüneburger KO“ von Martin Undermarck und Matthäus Ginderich). Ebenso erfolglos blieb letztlich das Bemühen Gfn. Annas († 1575), die ostfriesische Kirche zusammen zu halten und ihr eine eher ref. Form zu geben (u. a. 1542 Johannes a Lasco als Sup. berufen, 1544 Coetus begründet). Während der gemeinsamen und konfliktvollen Regierungszeit von Annas Söhnen, dem ref. Gf. Johann II. († 1591) und dem luth. Gf. Edzard II. († 1599), verfestigte sich das Nebeneinander ref. und luth. Gemeinden. Die Konkordate von 1599, geschlossen zwischen den Landständen und dem Landesherrn, schrieben den Konfessionsstand der einzelnen ostfriesischen Gemeinden genauso fest wie das Gemeindewahlrecht bei den Pfarrstellenbesetzungen. 1631 erarbeitete GSup. Michael Walther eine neue KO für die luth. Gemeinden, deren zweite Auflage von 1716 bis heute gültig ist.11
Die in der zweiten Hälfte des 16. Jh. nachweisbaren Prediger in Hesel – Casparus (1559), Bernhard Chlotus († 1579) und Hermann Bregenbeck († 1585) – waren vermutlich ref.; letzterer unterschrieb die Leeraner Coetusordnung, die der ref. Gf. Johann II. 1583 erlassen hatte.12 Der Wechsel zur luth. Konfession vollzog sich vermutlich nach 1591, als Gf. Johann kinderlos starb und sein Herrschaftsgebiet an seinen luth. Bruder Gf. Edzard II. fiel. Neben der Heseler Gemeinde betreute P. Matthias Brückmann (amt. etwa 1585/88–1618) auch Barthe und hielt bis etwa 1600 Gottesdienste in der ehemaligen Klosterkirche (diese Aufgabe hatten die Heseler Pfarrer wahrscheinlich seit 1563). Die Einträge der Kirchenbücher Hesel reichen zurück bis ins Jahr 1631 und 1664 ist erstmals ein Dorflehrer belegt. Während der langen Amtszeit von P. Caspar Fiebig (amt. 1643–1671) ließ die Gemeinde nach Ende des Dreißigjährigen Krieges die Kirche neugestalten: 1654 schaffte sie eine neue Kanzel an und 1662 ein neues Altarretabel (beides noch heute in der Kirche). Das Einkommen der Pfarrer und Lehrer in Hesel war nicht sonderlich hoch, was nicht zuletzt zu einem häufigen Wechsel im Pfarramt führte.13 Vom Ende des 16. bis zum Ende des 19. Jh. wirkten hier insgesamt 27 Pastoren. Zwar blieben einige noch länger als der genannte P. Fiebig – beispielsweise P. Johann Rudolf Ditzen (amt. 1764–1808) und P. Georg Conrad Heinrich Hesse (amt. 1809–1861) – aber zehn Pastoren verließen das Dorf bereits nach einem bis fünf Jahren wieder, weitere zehn nach sechs bis neun Jahren.14
Wegen Baufälligkeit des mittelalterlichen Kirchengebäudes entschied sich die Gemeinde während der Amtszeit von P. Franziskus Henricus Conerus (amt. 1738–1745) für einen Neubau.15 Sie erhielt die Erlaubnis, für das Vorhaben zu sammeln und die Kollektensammler der Gemeinde bereisten Ostfriesland (u. a. Norden, Hage, Esens, Aurich, Leer) und Holland (u. a. Leeuwarden, Amsterdam, Den Haag, Rotterdam). Im Juni 1742 legte Carl Edzard, letzter Fs. von Ostfriesland aus dem Hause Cirksena, den Grundstein und noch im Oktober des gleichen Jahres konnte die Gemeinde ihre neue Kirche einweihen. Eine Orgel erwarb sie erst um 1787/90.

Kirche, Ansicht von Südosten, nach 1909/10

Kirche, Ansicht von Südosten, nach 1909/10

Mit der Gründung mehrerer Moorkolonien seit der zweiten Hälfte des 18. Jh. wuchs das Gemeindegebiet und die Zahl der Gemeindeglieder. Die Kolonisten trugen seit der zweiten Hälfte der 1830er Jahre auch zu den Kirchenlasten bei, das Predigerwahlrecht blieb jedoch auf die Interessenten, also die alteingesessenen Inhaber der Heseler Bauernhöfe, beschränkt (1897 insgesamt 20 Interessenten und 348 Nichtinteressenten). Dies führte Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. zu langwierigen Auseinandersetzungen und Streitigkeiten in der KG.16 Einige der Interessenten traten zeitweilig aus der Kirche aus, einige Kolonisten schlossen sich den Baptisten an, die seit 1855 in Schwerinsdorf aktiv waren (bapt. Gemeindegründungen: 1865 Neudorf/Schwerinsdorf, 1877 Firrel).17 Veränderungen im Pfarrerwahlrecht und hinsichtlich der Beitragspflichten konnten den Konflikt 1905 schließlich beruhigen. Die Gründung der Tochtergemeinde Firrel im Jahr 1899, die nicht zuletzt ein Gegengewicht zur bapt. Gemeinde bilden sollte, trug sicher ebenfalls zur Entspannung bei.18 Die Überlegungen zur Bildung der neuen KG lassen sich bis in die 1880er Jahre zurückverfolgen und vor der Pfarrerwahl 1896 legte der KV fest, dass der neue Heseler Pastor zukünftig gegebenenfalls auf „Abgaben, Gebühren und Michaelisgefällen“ der abzutrennenden Gebiete verzichten müsse.19 Eine eigene Kirche konnte die KG Firrel, zu der auch Schwerinsdorf und das bislang von Remels aus versorgte Neufirrel zählten, 1907 einweihen. Ihre Pfarrer allerdings hatten noch gut fünf Jahrzehnte lang den Status von Pfarrkollaboratoren (Hilfsgeistlichen) der Heseler Pfarrer. Erst zum 1. April 1950 wurde die KG Firrel völlig eigenständig und erhielt eine eigene Pfarrstelle.20
P. Menko Onno Gerhard Rudolf Elster (amt. 1899–1928) gründete 1908 einen Posaunenchor in Hesel und 1909 ließ die Gemeinde das alte Glockenhaus abreißen und vor dem Westgiebel der Kirche einen neuen Turm errichten. Die hohen Baukosten und die entsprechend gestiegenen Ortskirchensteuern sowie Streitigkeiten um die Ausführung des Baus bestärkten die Gemeindeglieder aus Stiekelkamperfehn und Beningafehn darin, sich um Abtrennung von Hesel und die Errichtung einer eigenen KG zu bemühen.21 Zum 1. April 1912 gründete sich mit der KG Stiekelkamperfehn die zweite Tochtergemeinde Hesels; auch hier errichtete das Konsistorium Aurich zunächst eine Pfarrkollaboratur.22 Da die Stelle jedoch von 1914 bis 1923 unbesetzt blieb, versorgte P. Elster die neue KG weiterhin mit. nach Gründung der beiden Tochtergemeinden war die Zahl der Gemeindeglieder der KG Hesel von gut 2.150 im Jahr 1898 auf gut 820 im Jahr 1912 gesunken.23

Kirche, Blick zum Altar, nach 1887, vor 1959

Kirche, Blick zum Altar, nach 1887, vor 1959

Während der NS-Zeit hatte P. Rudolf Menno Hill (amt. 1929–1965) das Pfarramt in Hesel inne; er gehörte der Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft an (stellvertretender Vertrauensmann).24 In Hesel existierte eine Ortsgruppe der DC, „aber nur auf dem Papier“, wie P. Hill 1947 im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ angab.25 Bei zwei Bekenntnisgottesdiensten 1933 und 1934 sei die Kirche brechendvoll gewesen und auch die sogenannten „Kirchlichen Aufbauwochen“ hätten dazu genutzt werden können, „die Gemeinde deutlich vor dem Irrweg der DC“ zu warnen.26 Zum 1933 neu gewählten KV merkte er knapp an: „Aus kirchlichen Männern, gute kirchliche Bewährung“. Der Kirchenkampf habe sich aufs Ganze gesehen günstig auf das Gemeindeleben ausgewirkt, „klare Fronten“ geschaffen und zu einem erneuten „Hinhören auf das, was Kirche ist“ geführt. Ähnlich sind die Einschätzungen, die sich in den Visitationsberichten aus der NS-Zeit finden: Hinsichtlich der Kirchenvorsteher hatte der Sup. des KK Leer 1936 angemerkt: „Durch den Kirchenkampf ist ihre innere Geschlossenheit nie erschüttert gewesen“.27 Und 1942 heißt es zusammenfassend, Hesel zähle „noch zu den ländlichen Gemeinden, welche vom antichristlichen Zeitgeist wenig berührt sind und treu das kirchliche Erbe der Väter wahren“.28
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm die KG Hesel zusammen mit der KG Holtland die Trägerschaft der ehemaligen NSV-Schwesternstation in Holtland.29 Der kath. Flüchtlingsgemeinde stellte der KV ab 1946 die Kirche zur Verfügung. Die 1934 in Bagband als Gegenreaktion auf den dortigen deutschchristlichen Pfarrer gegründete freikirchliche Kreuzgemeinde verlagerte ihr Zentrum nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach Hesel (seit 1972 Ev.-Luth. Kreuzgemeinde Bagband-Hesel der SELK). Mit Unterstützung der Lutheran Church – Missouri Synod (LC-MS) eröffnete sie hier 1947 das Ev.-Luth. Kinder- und Altenheim (Kinderheim 1961 geschlossen, Altenheim bis 2018 in Trägerschaft der SELK) und weihte 1955 eine eigene Kirche ein.30 Zudem besteht in Hesel seit 2007 eine Freie evangelische Gemeinde.
Anfang der 1970er Jahre plante die KG Hesel die Gründung eines ev. Kindergartens, konnte diese Pläne jedoch nicht verwirklichen.31 Im Jahr 1992, 250 Jahre nach ihrer Einweihung, erhielt die Kirche den Namen Liudgeri-Kirche.32 Zur Förderung des kirchengemeindlichen Lebens gründete sich 2008 die „Heseler Liudgeri-Stiftung“.

Umfang

Die Dörfer Hasselt und Hesel; die Kolonien Bartherfeld und Kiefeld, sowie Firrel und Schwerinsdorf (beide 1899 zur Tochtergemeinde Firrel, 1950 eigenständige KG), sowie Stiekelkamperfehn und Benningafehn (beide 1912 zur Tochtergemeinde Stiekelkamperfehn).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Friesland (Sedes Leer) der Diözese Münster.33 – 1631 bis 1643 Coetus in Aurich für die Ämter Aurich, Stickhausen, Friedeburg, Pewsum und Leerort. 1643 aufgehoben. 1643 Konsistorium Aurich. 1766 der 5. luth. Insp. in Ostfriesland zugeordnet (später 6. Insp., 1924: KK Leer).34 Seit 1. Januar 2013 KK Emden-Leer.35

Patronat

Gemeinschaftspatronat der Gemeinde (Interessentenwahlrecht).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, nach 1961

Kirche, Blick zum Altar, nach 1961

Rechteckige Saalkirche aus Backsteinmauerwerk, leicht ostnordöstlich ausgerichtet, erbaut 1742, teilweise auf dem Fundament des Vorgängerbaus. Satteldach; breite, leicht spitzbogige Fenster. Im Innern holzverschaltes Tonnengewölbe; L-förmige Ostempore (mit Orgel), darunter Sakristei; Westempore. 1960 Renovierung und Umgestaltung Altarraum. 1978 Einbau Westempore. 1998 Renovierung.

Turm

Querrechteckiger, neoromanischer Westbau mit hohem Turm und seitlichen Anbauten, errichtet 1909 (Architekt: Walter Saran, Hannover). Backsteinmauerwerk; vier Giebel, darüber hoch ausgezogener, achteckiger, verkupferter Turmhelm, bekrönt mit Kugel und Schwan; unterhalb der Giebeldreiecke Uhrziffernblätter; im Glockengeschoss je drei spitzbogige Schallfenster nach Osten und Westen, je zwei nach Norden und Süden. In Spitzbogennische flachbogiges Westportal, darüber Mosaik mit Jesusdarstellung und Inschrift: „Kommet her zu mir alle die ihr muehselig und beladen seid Math 11,25“ (Entwurf: Hohn, Berlin und Scheper, Hannover). Abgabe der Kupferdeckung im Ersten Weltkrieg verweigert, im Zweiten Weltkrieg dann abgeliefert, Turmhelm zunächst mit Dachpappe gedeckt.36 1947 Neueindeckung mit Schiefer. 1986 neuer kupfergedeckter Turmhelm.

Vorgängerbau

Mittelalterliche Saalkirche, 1631 repariert (Fußbodenfliesen aus der ehemaligen Klosterkirche Barthe).37 Wegen Baufälligkeit 1741 abgerissen. Der Bau war etwas länger und schmaler als die jetzige Kirche. Bis 1909 stand südlich der Kirche ein wohl neuzeitliches Glockenhaus mit zwei Glockenjochen (Parallelmauertyp, Backsteinmauerwerk, Satteldach); wegen Baufälligkeit 1910 abgebrochen.38

Kirche, Blick zum Altar, nach 1887, vor 1959

Kirche, Blick zum Altar, nach 1887, vor 1959

Ausstattung

Altarretabel (1662, vermutlich Tönnies Mahler, Leer), Schnitzwerk oben und an den Seiten; im Hauptfeld mit zwei seitlichen Säulen und Abendmahlsbild, kleines oberes Bildfeld mit bekrönendem Dreiecksgiebel und Porträt Christi mit Dornenkrone (wohl 19. Jh.); auf dem seitlichen Schnitzwerk zwei hölzerne Figuren (Petrus und Paulus); Predella mit Inschrift: „Nate Deo, pariter vera de virgine nate, o largire salutifera quo carne frumatur cuius mors vita est, passio certa salus atque tuo cunctos sanguine iustifices“ (O Sohn Gottes, in gleicher Weise Sohn der wahren Jungfrau, dessen Tod Leben ist, dessen Leiden sicheres Heil, O schenke, dass wir dein heilbringendes Fleisch genießen, und dass du durch dein Blut alle gerecht sprichst), in der Mitte der Inschrift kleines Gemälde (Maria stillt Jesus).39 – Kanzel (1653/54, Tönnies Mahler, Leer) mit Schalldeckel (1742, Johann Rencken, Leer), am Kanzelkorb Säulchen vor den Ecken und Evangelistenreliefs an den Wandungen. – Schlichte Sandsteintaufe (etwa 1960), achteckiges, kelchförmiges Becken auf achtseitigem Schaft. – Zwei Gemälde von Fr. W. Meyer, Hesel († 1999), Flucht nach Ägypten, Leidender Jesus.

Orgel

Erste Orgel erbaut etwa 1787 von Johann Friedrich Wenthin (Emden), 13 II/aP, mechanische Traktur, Schleifladen (Zustand 1886); Orgel aufgestellt auf der Ostempore. 1886/87 Neubau, ausgeführt von Folckert Becker & Sohn (Hannover), 12 II/P, Röhrenlade, neugotischer Prospekt, Instrument aufgestellt auf der Ostempore; der Orgelpfleger urteilte 1954: „Das Röhrenladensystem hat sich nicht bewährt“40; Orgel 1959 abgebaut. 1961 Neubau, ausgeführt von Alfred Führer (Wilhelmshaven), 13 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, neobarocker Prospekt mit seitlichen Schnitzereien von der Wenthin-Orgel; Instrument aufgestellt auf der Ostempore.

Geläut

Drei LG, I: d’ (Bronze, Gj. 1954, Firma Rincker, Sinn); II: f’ (Bronze, Gj. 1831, Hero van Bergen, Claude Fremy & U. van Bergen, Stiekelkamperfehn), Inschrift: „Durch freye Gaben umgegossen von der Gemeinde zu Hesel im Jahr unsers Herrn 1831 durch H. von Bergen, C. Fremy und U. von Bergen. Es waren zu der Zeit G. C. H. Hess Prediger, B. S. G. Lantzius Beninga Oberforster, E. I. Holtz Kirchenvorsteher, G. I. G. Albers Bauermeister. Arbeite als wenn du ewig lebst, lebe als wenn du morgen stirbst.“; III: g’ (Bronze, Gj. 1954, Firma Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Nach 1631 neue LG erworben (Bronze).41 1635 kleine LG neu gegossen (Bronze, Gj. 1635, Franciscus Hemmoni und Mamertus Surwicke).42 Kleine LG wohl wiederum neu gegossen (Bronze, Gj. 1686, Carolus Spronneaux und Hugo Veri), Inschrift laut P. Salomon Apfeld (amt. 1728–1737): „Anno Domini MDCLXXXVI in honorem Dei ex Ecclesia Heselana utilitatem cura part J. O. H. Hermannus Klinkhamer. KHAMERF hoc compan[…] de movo varolus spromneaux ex Hugo veri me fecerunt. Hoc voti sit summa tui, da credere […] vivere da Sancte, da bene Christe, mori“ (Im Jahr des Herren 1686 zur Ehre Gottes und zum Nutzen der Heseler Kirche […?…] Hermann Klinkhamer [Pastor] […?…] Carolus Spronneaux und Hugo Weri haben mich gemacht […?…]).43 Große LG (Bronze) geborsten und umgegossen zu einer größeren LG (Bronze, Gj. 1722, Meister Fremy), Inschrift laut P. Salomon Apfeld (amt. 1728–1737): „Anno MDCCXXII tempore Georgi Albrecht Mammees Fremy me fecit“ (Im Jahr 1722 zu Zeiten Georg Albrechts [Fs. von Ostfriesland 1708–1734] hat Mammeus Fremy mich gemacht) und „Heselant ut conclamarum ad funera Sacra preces“ (etwa: Die Heseler rufe ich zu Beerdigung und Gebet), Bild: Adler.44 Große LG 1831 geborsten und umgegossen zu heutiger LG II. Kleine LG umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1902, F. Otto, Bremen-Hemelingen), 1917 zu Rüstungszwecken abgegeben.45 Als Ersatz 1921 eine LG, d’ (Bronze) von KG Vilsen erworben, 1922 geliefert und 1942 zu Rüstungszwecken abgegeben.46

Weitere kirchliche Gebäude

Neues Pfarrhaus (Bj. 1966; altes Pfarrhaus, Bj. 1821, abgebrochen 1967). – Martin-Luther-Haus (Alte Schule, etwa 1958 erworben, 1969 zu Gemeindehaus umgebaut, 1981/82 nach Brandschäden erneuert und erweitert).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof rund um die Kirche, 1952 und 1970 erweitert.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 5 Nr. 563, 566 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 3592–3594 (Pfarrbestellungsakten); A 8/Hesel, A 8/Amt Stickhausen (CB); A 9 Nr. 2820 (Visitationen); A 12 d Nr. 211, 420 (GSuptur. Aurich); D 81 (EphA Leer); L 5i Nr. 70, 333, 640 (LSuptur. Aurich); N 61 (Nachlass Friedrich Georg Schaaf); S 11a Nr. 7756 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 691–692; Fastenau, Bau- und Kunstdenkmäler I, S. 312–314; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 137–138; Meyer, Pastoren I, S. 493–494; Otte/Rohde, Ostfriesland II, S. 367–369; Reershemius, Predigerdenkmal, S. 323–325; Reershemius, Predigerdenkmal Nachtrag, S. 35–36.
B: 250 Jahre Ev.-luth. Kirche zu Hesel. 1742–1992, hrsg. vom Kirchenvorstand, Hesel 1992; Ludwig Janssen: Die Familien der Kirchengemeinde Hesel (1643–1900), Aurich 1974; Paul Weßels: Hesel: „wüste Fläche, dürre Wildnis und magere Heidepflanzen“. Der Weg eines Bauernortes in die Moderne, Weener 1998; Paul Weßels: Hesel, in: Historische Ortsdatenbank für Ostfriesland, 11.11.2019.

GND

1122605528, Evangelisch-lutherische Liudgeri-Kirchengemeinde Hesel; 1122605064, Liudgeri-Kirche (Hesel)


Fußnoten

  1. 250 Jahre, [S. 4].
  2. Ostfriesisches UB II, Anhang A, I, 1, 3, 4, 6; Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 78 f.; Weßels, Hesel Weg, S. 73.
  3. König, Verwaltungsgeschichte, S. 158 ff.
  4. Weßels, Hesel Weg, S. 356 ff.
  5. LkAH, L 5i, Nr. 70 (Visitation 1948).
  6. Zum Folgenden: Weßels, Hesel Weg, S. 81 ff.; Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 19 und 102.
  7. Ostfriesisches UB II, Nr. 961 (S. 66).
  8. Zum Kloster Barthe vgl. Dolle, Klosterbuch I, S. 56 ff., zur Kommende Hasselt ebd. II, S. 600 ff. zu Hesel ebd., S. 649 f. Die Fundamente der Johanniterkirche in Hesel wurden 1854 beseitigt (ebd.).
  9. Weßels, Hesel Weg, S. 107.
  10. Zur Reformation in Ostfriesland vgl. knapp Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 312 ff.; ausführlich: Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 114 ff.
  11. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 321. Die ostfriesischen Landesherren führten die KO von 1631 jedoch nie verbindlich für alle Gemeinden ein.
  12. Weßels, Hesel Weg, S. 108; Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 341 f. und 445; Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 224 f.
  13. 250 Jahre, S. 46.
  14. 250 Jahre, S. 23 ff. P. Hesse (auch Heß) war auch schriftstellerisch tätig und veröffentlichte u. a.: Jesus und seine Zeitgenossen, oder die letzten Lebenstage des Welterlösers. Ein Beitrag zur Geschichte des menschlichen Herzens (1816), Die Glaubensreinigung und als Krone derselben die Reformation durch Luther und Zwingli. Ein Werk der göttlichen Fürsehung (1817) und Gesänge zur 300jährigen Reformations-Feier (1817), vgl. Reershemius, Predigerdenkmal Nachtrag, S. 35 f.; zu P. Hesse siehe auch Weßels, Hesel Weg, S. 278 ff.
  15. Zum Folgenden: Weßels, Hesel Weg, S. 139 ff.; 250 Jahre, S. 32 ff.
  16. Ausführlich: Weßels, Hesel Weg, S. 235, 334 ff., 351 ff.
  17. Weßels, Hesel Weg, S. 287 ff.
  18. KABl. 1899, S. 19.
  19. Weßels, Hesel Weg, S. 333 f.
  20. KABl. 1950, S. 25.
  21. Weßels, Hesel Weg, S. 353 f.
  22. KABl. 1912, S. 22.
  23. Weßels, Hesel Weg, S. 354.
  24. Weßels, Hesel Weg, S. 402 ff.
  25. Dieses und die folgenden Zitate: LkAH, S 1 H III Nr. 1015, Bl. 9.
  26. Die Kirchlichen Aufbauwochen waren eine Vortragsreihe u. a. in den KG Loga, Logabirum, Nortmoor, Holtland und Hesel und behandelten Themen wie „Gewalt im Staat und in der Kirche“, „Irrlehre und rechte Lehre“ (beide Herbst 1934) oder „Der arische Mensch und das Christentum“ (Leitgedanke Februar 1935), vgl. LkAH S 1 H III Nr. 1015, Bl.10 ff.
  27. LkAH, L 5i, Nr. 70 (Visitation 1936).
  28. LkAH, L 5i, Nr. 70 (Visitation 1942).
  29. LkAH, L 5i, Nr. 70 (Visitation 1948).
  30. Weßels, Hesel (HOO), S. 7 f.; Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 536, 603.
  31. LkAH, B 2 G 9/Hesel Bd. I, Bl. 216 ff.
  32. 250 Jahre, [S. 4].
  33. Ostfriesisches UB II, Nr. 961 (S. 66), ebd. III, Nr. 743 (S. 206).
  34. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 684.
  35. KABl. 2013, S. 31.
  36. Weßels, Hesel Weg, S. 370, 414.
  37. Dolle, Klosterbuch I, S. 58; Weßels, Hesel Weg, S. 113; 250 Jahre, [S. 13 f.].
  38. Weßels, Hesel Weg, S. 82 f. (mit Abb.).
  39. 250 Jahre, [S. 21]; BLO IV, S. 289 ff.
  40. LkAH, L 5i, Nr. 333 (Visitation 1954).
  41. Weßels, Hesel Weg, S. 113.
  42. 250 Jahre, [S. 17]; Weßels, Hesel Weg, S. 114: Mamertus Rurmichd.
  43. Weßels, Hesel Weg, S. 138. Carolus Spronneaux war ein Gießer aus Lothringen, Rauchheld, Glockenkunde, S. 138.
  44. Weßels, Hesel Weg, S. 137 f.; 250 Jahre, [S. 29 f.].
  45. Rauchheld, Glockenkunde, S. 123; Weßels, Hesel Weg, S. 370.
  46. Weßels, Hesel Weg, S. 380 f., 414; 250 Jahre, [S. 57 ff].