Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Norden | Patrozinium: Ansgar1 | KO: Ostfriesische KO von 1716

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Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich lässt sich Hage erst recht spät nachweisen: Eine päpstliche Urkunde aus dem Jahr 1403 nennt den Pfarrer Wiard Tunonis in Haghen.2 Im Jahr 1409 finden sich die Namensformen Haga und Haghene.3 Der Ort lag im Gebiet der ostfriesischen Landesgemeinde Norderland und zählte seit Mitte des 14. Jh. zur Herrlichkeit Berum. Nachdem Ks. Friedrich III. im Jahr 1464 Ulrich I. Cirksena zum Reichsgrafen von Ostfriesland erhoben hatte (Reichsfürsten seit 1654/62), bildete sich in der zweiten Hälfte des 15. Jh. die Ämterstruktur der Gft. Ostfriesland heraus.4 Hage gehörte zum Amt Berum. Das Dorf entwickelte sich zum Flecken und erhielt spätestens im 17. Jh. Marktrechte (1656 Marktprivileg von Fs. Enno Ludwig).5 Der Übergang unter preußische Herrschaft im Jahr 1744 ließ die ostfriesische Ämterstruktur unverändert. In den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jh. erlebte Ostfriesland mehrere Herrschaftswechsel: Ab 1807 zählte Hage zum Kgr. Holland, ab 1810 zum Kaiserreich Frankreich (Département Ems-Oriental, Arrondissement Aurich, Kanton Berum), ab 1813 wieder zum Kgr. Preußen und ab 1815 zum Kgr. Hannover. Mit der Annexion Hannovers 1866 kehrte Ostfriesland erneut zurück unter preußische Herrschaft. Nach der Vereinigung der Ämter Berum und Norden im Jahr 1859 war anfangs Berum Sitz und Namensgeber des Amtes, seit 1869 dann Norden. Bei Einführung der Kreisverfassung kam Hage 1885 zum Lkr. Norden, der 1977 im Lkr. Aurich aufging. Seit 1965 bildet Hage zusammen mit Berum, Blandorf-Wichte (beide 1972 eingemeindet), Lütetsburg und Westdorf die Samtgemeinde Hage. Während des Ersten Weltkriegs war Hage Standort eines militärischen Luftschiffhafens (1914–17). Die Struktur des Kirchspiels mit dem Flecken Hage und den umliegenden Dörfern und Höfen beschrieben die Ortspfarrer 1956 als „halb ländlich, halb städtisch“. Hier lebten „Bauern, Landarbeiter, Werftarbeiter, Handwerker, Kaufleute, Angestellte, Gewerbetreibende, Beamte, Ärzte (Kreiskrankenhaus) und Angehörige der Fürstlichen Familie in gutem Einvernehmen nebeneinander.“6 Im Jahr 1821 wohnten etwa 480 Menschen in Hage, 1905 gut 780, 1950 etwa 2.430 und 2017 knapp 6.300 (mit Eingemeindungen).

Kirche, Blick zum Altar, nach 1966, vor 1985

Kirche, Blick zum Altar, nach 1966, vor 1985

Ältestes Zeugnis der örtlichen Kirchengeschichte ist die auf einer Warft erbaute Hager Kirche selbst, deren Langhaus vermutlich im ersten Viertel des 13. Jh. errichtet wurde. Hinweise auf einen hölzernen Vorgängerbau fanden sich bei Ausgrabungen in den 1960er Jahren.7 Ein angeblich 1235 aufgegebenes Annenkloster in Hage lässt sich urkundlich nicht belegen.8 Schriftlich ist die Kirche zuerst 1409 belegt (kerken to Erle und to Haghene).9 Der erste namentlich bekannte Geistliche ist der 1403 genannte Wiard Tunonis. Er hatte sich zusammen mit seinen Amtskollegen aus Pilsum und Norden bei Papst Bonifaz IX. darüber beklagt, dass Dominikaner und andere Bettelmönche Pfarrrechte missachteten und selbst beerdigten, predigten und das Abendmahl austeilten. Dies deutet darauf hin, dass die Norder Dominikaner möglicherweise auch in Hage eine Kapelle eingerichtet hatten. Der Papst befahl daraufhin dem Bremer Domscholaster, die Rechte der Pfarrer zu schützen.10 Nach den Angaben im Stader Copiar, niedergeschrieben 1420, unterstand die ecclesia in Hagha der Sendkirche in Norden.11 Aus dem Jahr 1466 ist die Stiftungsurkunde einer Vikarie am sunte Ancharius altaer überliefert; sie ist van deer erbaren weduwen frowa Hinckena gestiftet worden. Die Gemeinde erhielt auch die Reste des Burggebäudes der Familie Hinkena (dat hus myt zyner tobehoer), in dem fortan der zweite Prediger des weitläufigen Hager Kirchspiels wohnte (Westerpastorei).12 Aus der vorref. Zeit sind neben dem genannten Wiard Tunonis folgende Geistliche namentlich bekannt: her Habbo kerehere tho Haga (1436)13, Alberts kerckheren to Hage (1450–1468)14, domini Hermanni, capellani in Haga, domini Poptati, praebendarii ibidem (1470)15 und mester Hidde, kercher to Haghen (1500).16
Die Reformation breitete sich in Ostfriesland mindestens unter Duldung des Landesherrn Gf. Edzard I. († 1528) aus, aber ohne seine Lenkung.17 Es entwickelte sich ein Nebeneinander verschiedener prot. Richtungen. Versuche Gf. Ennos II. († 1540), die kirchlichen Verhältnisse einheitlich und eher luth. zu gestalten, scheiterten (u. a. 1529 „Bremer KO“ von Johann Timann und Johann Pelt, 1535 „Lüneburger KO“ von Martin Undermarck und Matthäus Ginderich). Ebenso erfolglos blieb letztlich das Bemühen Gfn. Annas († 1575), die ostfriesische Kirche zusammen zu halten und ihr eine eher ref. Form zu geben (u. a. 1542 Johannes a Lasco als Sup. berufen, 1544 Coetus begründet). Während der gemeinsamen Regierungszeit ihrer Söhne, des ref. Gf. Johann II. († 1591) und des luth. Gf. Edzard II. († 1599), die vom Ringen um jeweils alleinige Herrschaft geprägt war, verfestigte sich das Nebeneinander ref. und luth. Gemeinden. Die Konkordate von 1599, geschlossen zwischen den Landständen und dem Landesherrn, schrieben den Konfessionsstand der einzelnen ostfriesischen Gemeinden genauso fest wie das Gemeindewahlrecht bei den Pfarrstellenbesetzungen. 1631 erarbeitete GSup. Michael Walther eine neue KO für die luth. Gemeinden, deren zweite Auflage von 1716 bis heute gültig ist.18
Hage scheint von den Auseinandersetzungen zwischen Lutheranern und Reformierten weitgehend verschont geblieben zu sein. Nach dem 1590, also mit großem zeitlichem Abstand, verfassten Wahrhafftigen Gegenbericht der rechtgläubigen Predicanten in Ostfrießlandt war die Gemeinde in Hage bereits 1520 zur luth. Lehre gewechselt.19 Seinerzeit hatte wohl P. Heddo Kankena (amt. 1521, † 1529 oder 1540) das Pfarramt inne, der vermutlich identisch ist mit dem 1500 genannten mester Hidde. 1529 weigerte er sich, den ref. Theologen Andreas Bodenstein genannt Karlstadt in der Hager Kirche predigen zu lassen.20 Mit P. Martin Faber (amt. 1551–1588) prägte in der zweiten Hälfte des 16. Jh. ein „entschiedener Lutheraner“21 die Gemeinde Hage. Die zweite Pfarrstelle versahen in diesem Zeitraum u. a. die ebenfalls luth. P. Johann Antwerpiensis (amt. 1559–1577) und P. Johann Oldewelt (amt. 1577–1578), die beide von Hage an die Ludgerikirche in Norden wechselten.
An der Wende zum 18. Jh. bildete Hage mit den beiden Geistlichen P. Barthold Meyer (amt. 1694–1714) und P. Gerhard Lamberti (amt. 1694–1705) ein Zentrum des luth. Pietismus in Ostfriesland.22 P. Meyer richtete in Hage ein pietistisches Predigerseminar ein. Die Gemeinde widersetzte sich jedoch der neuen theologischen Richtung. Schon 1701 konnte P. Meyer bei der Lehrerwahl seinen Kandidaten nicht durchsetzen und als Nachfolger für P. Lamberti wählte die Gemeinde mit P. Pankratius Voigting (amt. 1706–1747) einen Vertreter der luth. Orthodoxie: „Der Anhängerkreis Meyers in der Gemeinde blieb auf verhältnismäßig wenige beschränkt.“23

Kirche, Blick zur Orgel bzw. zum Altar, vor 1964

Kirche, Blick zur Orgel bzw. zum Altar, vor 1964

Seit 1885 predigten die Hager Pfarrer abwechselnd mit ihren Kollegen aus Arle auch in der Schule in Berumerfehn; 1892 errichtete das Konsistorium eine KG Berumerfehn, die bis 1897 eine Tochtergemeinde von Hage blieb und dann gänzlich eigenständig wurde.24 Weitere Tochtergemeinden gingen aus der KG Hage nicht hervor.
Der örtliche Vaterländische Frauenverein unterhielt in der KG eine Gemeindepflegestation mit ev. Diakonissen, die während der NS-Zeit von der NSV übernommen wurde. Es sei „im Augenblick nicht abzusehen, wie lange noch die aus evangelischen Mutterhäusern stammenden Diakonissen ihre bisherige Tätigkeit werden ausüben können“ notierte P. Abraham Köppen (amt. 1914–1946) in den Unterlagen zur Visitation 1938.25 Nach Kriegsende stellte die politische Gemeinde die Gemeindeschwestern an. Seit den 1980er Jahre unterhielt die KG eine Schwesternstation, die später im Diakonie Pflegedienst im Kirchenkreis Norden gGmbH aufging. Der Bau eines ev. Kindergartens, geplant Anfang der 1970er Jahre, konnte nicht verwirklicht werden.
Neben P. Köppen war P. Eduard Gerdes (amt. 1926–1949) während der NS-Zeit in Hage tätig. Wie die beiden Pfarrer im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ 1946 angaben, stand P. Gerdes kirchenpolitisch zeitweilig aufseiten der DC; später gehörten beide Pastoren zur BK.26 Einige Male fanden DC-Gottesdienste in der Hager Schule statt, sie seien jedoch „schon bald wegen mangelnder Beteiligung eingestellt“ worden. Auch an den BK-Gottesdiensten beteiligte sich die Gemeinde „nicht sehr stark“.27 Der Kirchenvorstand setzte sich nach der Wahl 1933 zusammen aus „Parteigenossen und ‚Deutschen Christen‘“, die seit der zweiten Hälfte der 1930er Jahre nach und nach zurücktraten.28
Nach Kriegsende kamen „mehrere tausend Ostflüchtlinge“ ins Kirchspiel Hage.29 Hatte die KG 1938 noch etwa 4.150 Gemeindeglieder gezählt, lag die Zahl 1950 bei rund 6.000. Zudem lebten nun etwa 1.000 Katholiken im Gebiet der Gemeinde. Bis 1956 nutzten beide Konfessionen die ev. Ansgarikirche, dann weihte die kath. Gemeinde mit der Kirche St. Wiho ein eigenes Gotteshaus ein. Anfang der 1960er Jahre richtete auch die Freie ev. Gemeinde Norden einen Gemeinderaum in Hage ein.30 Die KG Hage unterhielt in den 1950er Jahren zunächst eine Partnerschaft mit der sächsischen KG (Radium-)Bad Brambach, später mit der ebenfalls sächsischen KG Bad Elster. Die 1960er Jahre standen im Zeichen einer grundlegenden Sanierung und Sicherung des mittelalterlichen Kirchengebäudes, die „mit unwahrscheinlich hohem Geldaufwand“ erfolgte, wie der Sup. des KK Norden bei der Visitation 1968 anmerkte.31
Die zahlen- und flächenmäßig große KG Hage erhielt 1982 eine dritte Pfarrstelle.32 Im Gemeindegebiet lebten 1986 rund 7.150 Gemeindeglieder. Die Gruppen und Kreise seien, so schrieb der LSup. im Visitationsbescheid, der „eigentliche Gradmesser für das Leben in der Gemeinde“: Seinerzeit existierten in der KG Hage u. a. drei Bibelkreise, fünf Kinder- und Jugendkreise, ein Frauenkreis, ein Besuchskreis, ein Ehepaarkreis, ein Seniorenkreis, ein Kirchenchor, ein Posaunenchor und zwei Instrumentalkreise.33 Auch spätere Visitationsberichte betonen das vielfältige Gemeindeleben.34 Im Jahr 1997 gründete sich der „Verein zur Förderung der Kinder und Jugendarbeit in der KG Hage e. V.“, der zunächst zur Finanzierung einer Diakonenstelle beitrug und seit 2003 selbst Anstellungsträger ist. Seit 2006 unterstützt zudem die St.-Ansgari-Stiftung das gemeindliche Leben; sie will Projekte der verkündenden und helfenden Kirche fördern.

Pfarrstellen

I: vorref. – II: vorref. (1466). – III: 1982.35

Umfang

Der Flecken Hage mit den Ortschaften Berum Berumbur, Blandorf, Halbemond, Kleinheide, Lütetsburg, Ostermarsch (Höfe Brepot, Falkenborg, Hufschlag, Junkerrott, Kloster, Nordoog, Onnewarfen, Seegat und Theenen) und Wichte. Bis 1892 auch Berumerfehn mit Westermoordorf (dann KG Berumerfehn, blieb noch bis 1897 Tochtergemeinde von Hage).36 1994 Umpfarrung der Straßen Moorriege I und Moorriege II von Norden nach Hage.37 2011 Umpfarrung einiger Straßen und einzelner Häuser in Lütetsburg von Norden nach Hage.38

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Domscholasters.39 – 1617 Coetus in den Ämtern Norden, Berum, dem Niederbrokmerland und der Herrlichkeit Dornum, 1626 faktisch erloschen, 1631 erneuert, 1643 aufgehoben. 1643 Konsistorium Aurich. 1766 zur 3. luth. Insp. (Sitz der Suptur in Norden, bzw. 1865–1900 in Nesse), 1924 KK Norden.40

Patronat

Die erste Pfarrstelle steht unter Gemeinschaftspatronat der Gemeinde (Interessentenwahlrecht).

Kirchenbau

Einschiffiger, rechteckiger Ziegelbau auf Quaderfundament, errichtet wohl um 1200/1220 (Langhaus) und Ende des 15. Jh. (Rechteckchor). Satteldach; oberer Teil der Langhauswände durch flache Pilaster und Runddienste gegliedert, darüber Gesims aus doppeltem Rundbogenfries und dreifachem Deutschen Band; je fünf kleine, hochsitzende Rundbogenfenster in den Langhauswänden; große, dreibahnige Spitzbogenfenster am Chor (je zwei nach Süden und Osten, eins nach Norden); vermauerte Eingänge an Nord- und Südseite. Im Innern flache Balkendecke, Westempore. Bis zum Bau des Rechteckchors besaß die Kirche vermutlich eine eingezogene, halbrunde Apsis. Bei Bau des Chors drei große Spitzbogenfenster in Südwand gebrochen. Kirche 1962 baupolizeilich gesperrt (akute Einsturzgefahr nach Stürmen im Februar 1962).41 Statische Sicherung der Kirche und Neugestaltung des Innenraums 1964–66 (Verpressung des Mauerwerks, neue Betonfundamente, Ring- und Queranker; Rundbogen aus Beton zwischen Chor und Schiff; Holztonne im Chor durch flache Balkendecke ersetzt; Rundbogenfenster in Südwand rekonstruiert; Nordempore abgebrochen; Querempore zwischen Schiff und Chor entfernt (Orgelempore); Kreuzigungsgruppe im Triumphbogen angebracht; neue Westempore für Orgel). Sanierung 2001 (Innenputz erneuert, hölzernes Maßwerk der Chorfenster durch gemauertes ersetzt).

Turm

Rechteckiger Westturm mit kupfergedecktem Satteldach längs zum Schiff, erbaut vermutlich um 1250. Auf dem Dach offener Dachreiter mit verkupfertem Helm (rechteckiger Ansatz, achteckig ausgezogene Spitze), bekrönt mit Kugel. Ziegelmauerwerk, gegliedert durch Eck- und Mittellisenen; rundbogige Schallfenster; Uhrziffernblätter an den Giebelseiten. Haupteingang im Westen, Turmhalle mit Tonnengewölbe, an den Wänden Gedenktafeln (Gefallene des Kirchspiels in den Kriegen des 19. und 20. Jh.). 1742 Uhrwerk belegt. Glocken hingen bis 1884 in den Schallöffnungen. Statische Sicherung des Turms 1968–72 (auch Abriss des westlichen Vorbaus, der als Leichenhaus gedient hatte). Sanierung des Mauerwerks 1989 und 2013.

Vorgängerbau

Bei Grabungen an der Innen- und Außenseite der Nordwand konnte in den 1960er Jahren in einer Tiefe von 1,25 bis 1,35 Meter ein Fußboden nachgewiesen werden, der vermutlich zu einem hölzernen Kirchenbau gehörte, mutmaßlich ein „Ständerbau in Stabkonstruktion“.42

Ausstattung

Altar mit gemauertem Stipes und Mensa aus Sandstein (an beiden Seiten vergrößert). – Altarretabel: Kreuzigungsaltar (um 1480), möglicherweise aus dem 1580 aufgelösten Kloster Coldinne übernommen (Beleg fehlt), geschnitzter Schrein, darüber weit auskragender Baldachin mit Maßwerkfries; im Mittelfeld Kalvarienberg, links zwei kleine Felder (Dornenkrönung, Kreuztragung), rechts zwei kleine Felder (Grablegung, Auferstehung); Gemälde auf den Außenseiten der Flügel nur teilweise erhalten (oben links Fragment einer Heiligenfigur, oben rechts: Johannes der Täufer,); hohe, schmucklose Predella; Restaurierungen 1846 und 1996.43 – Triumphkreuz (um 1500), Christus am Kreuz mit Maria und Johannes; Restaurierung 1975–78. – Bentheimer Sandsteintaufe (13. Jh.), rundes, verziertes Taufbecken, getragen von vier Löwen. – Kanzel (Mitte 17. Jh.) mit Schalldeckel (19. Jh.); Sanduhr (vielleicht 17. Jh.). – Spätgotischer Dreisitz (Levitenstuhl), 1981 restauriert. – Apostel- und Prophetengemälde an Emporenbrüstung und an Südwand (17. Jh.). – Opferstock, Holz mit Metallbandbeschlag. – Außen: Grabstein P. Martin Faber (amt. 1551–1588).

Orgel

1661 Reparatur einer Orgel nachgewiesen; Orgel stand vor dem Chor.44 Unter Verwendung von Teilen des älteren Instruments Um- bzw. Neubau der Orgel 1776–83, ausgeführt von Dirk Lohmann (Emden), 22 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen; Lohmann erneuerte anscheinend BW und Pedal, HW blieb wohl unverändert.45 Zustand 1820: 23 II/P. 1860/61 Reparatur, ausgeführt von den Friedrich Rohlfs (Esens). 1884 Änderung der Disposition, ausgeführt von Johann Diepenbrock (Norden), wohl 21 II/P. Prospektpfeifen 1917 zu Kriegszwecken abgegeben (Zinn), 1919 durch neue ersetzt (Zink), Arbeiten ausgeführt von Furtwängler & Hammer (Hannover). Dispositionsänderungen 1921 und 1935/36, ausgeführt von Furtwängler & Hammer (Hannover). Um 1950 Überlegungen im KV, Orgel zu versetzen und Querempore vor dem Chor zu entfernen.46 Orgel 1966 von Alfred Führer (Wilhelmshaven) auf neue Westempore versetzt, dabei Umbau begonnen, zur Erhaltung der Originalsubstanz vom Landeskirchenamt im März 1967 gestoppt.47 Orgelrestaurierung 1979 und 1986/87, ausgeführt von Alfred Führer (Wilhelmshaven), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (davon ein Reg. vakant, Vox humana 8’); neun Reg. enthalten Pfeifen aus dem 16./17. Jh. und 17 Reg. enthalten Pfeifen von Dirk Lohmann.

Geläut

Zwei LG, I: c’, Inschrift: „Röm 3,28 So halten wir es nun, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. Kirchengemeinde Hage 1884“ (Bronze, Gj. 1884, F. Otto, Bremen-Hemelingen); II: es’, Inschriften: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15) und „Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,20) (Bronze, Gj. 1988, Petit und Edelbrock, Gescher). Eine SG, e’’ (Schalenform, Bronze, Gj. um 1600). – Früherer Bestand: Eine LG, Marienglocke (Bronze, Gj. 1459, Gerd Klinghe, Bremen), Inschriften u. a.: „in de ere des hilligen cruces ghert klinghe de mi gheghoten hat. got gheve siner sele rad.“ und „a[nn]o d[omi]ni m cccc lix maria ick hete de tho [Hage] de hebbet mi la[ten] gehe[ten]“, verziert mit Kreuzigungsszene (gekreuzigter Christus mit Maria und Johannes), Mariae Verkündigung und mehreren Bildnissen (Maria, ein Bischof, Petrus, Paulus, Bartholomäus), geborsten 1884.48 Eine kleine LG (Bronze), 1737 geborsten; Umguss zu einer neuen Lg (Bronze, Gj. 1756, Onno Bolinus Fraterma, Emden), Inschrift: „Fusa est haec Campana Aemdae Anno Christi 1756 die mensis Augusti d. 14. a me O. B. Fratermann. Menschen Kinder mein Geläute, rufet euch zu Gottes Haus, ach verseumet nicht dis heute, sonst ist alle Hoffnung aus, kommet her auf mein Ertönen, laßet euch mit Gott versöhnen. Harm Menken und Weiert Sassen, zeitige Kirchverwalter zu Hage. Michael Arend Pfeiffer, Pastor senior M[ichael] N[iclas] Willrat, Pastor junior. Deus pro nobis quis contra nos. Soli Deo Gloria“ (Diese Glocke wurde von mir O. B. Fratermann in Emden am 14. August 1756 gegossen […] Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Gott allein die Ehre). Zusammen mit der 1884 geborstenen großen LG umgegossen zu zwei neuen LG, I: a’, Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“, 1917 zu Kriegszwecken abgegeben; II: c’, heutige LG I (beide Bronze, Gj. 1884, F. Otto, Bremen-Hemelingen). Eine große LG als Ersatz für die 1917 abgegebene, a’ (Bronze, Gj. 1931, Firma Radler, Hildesheim), Inschrift: „1917 Geopfert in der Not der Zeit für’s Vaterland zur Wehr. 1931 Erschalle nun das neu Geläut Allein zu Gottes Ehr.“ und „Der Kirchenvorstand Hage. Pastor Köppen, Pastor Gerdes. U. Ackermann. H. Bruns. R. Bogena. I. Frerichs. J. Janssen. C. Müller. R. Schelten-Peterssen. Th. Schoolmann“; Glocke 1942 zu Rüstungszwecken abgegeben; 1988 durch jetzige LG II ersetzt. Eine SG (Bronze), 1917 zu Kriegszwecken abgegeben; ersetzt mit einer neuen SG (Gj. 1926, Firma Weule, Bockenem).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus Osterpastorei (Bj. um 1700, mit älteren Teilen, erneuert 1961). – Pfarrhaus Westerpastorei (Bj. 1995, zwei Vorgängerbauten: zum einen Bj. 1956, zum anderen Bj. 13. Jh., erweitert im 18. und 19. Jh., um 1957 verkauft).49 – Pfarrhaus Berumbur (Bj. 1984). – Gemeindehaus (Bj. 1982, Vorgängerbau: Bj. um 1850). – Hof Westdorf (Bj. 1904).

Friedhof

Alter Friedhof rund um die Kirche. Neuer kirchlicher Friedhof am westlichen Ortsrand, angelegt 1881. FKap (Bj. 1963).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 6 Nr. 3175-3178 (Pfarrbestellungsakten); A 8/Hage (CB); A 12d Nr. 398, 620 (GSuptur Aurich); D 10 Nr. 481 (Depositalsplitter); D 82 (EphA Norden); L 5i, Nr. 48, 343–344 (LSuptur Aurich); S 11a Nr. 7949 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Arends, Erdbeschreibung, S. 416–418; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 581–582; Denkmalatlas Niedersachsen; Fastenau, Bau- und Kunstdenkmäler III, S. 196–208; Haiduck, Architektur, S. 56–58; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 133–134; Köppen, Verzeichnis, S. 40–44; Marwede, Altäre, S. 149–162, Abb. 54–62; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 131–132; Meyer, Pastoren I, S. 384–385; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 105–107; Otte/Rohde, Ostfriesland II, S. 357–360; Reershemius, Predigerdenkmal, S. 187–198; Reershemius, Predigerdenkmal Nachtrag, S. 15–16; Robra, Holzplastik, S. 12–13, 27–28, 39.
B: 1656–2006. 350 Jahre Marktrechte Flecken Hage, Nordhorn 2006; Hage, in: Historische Ortsdatenbank für Ostfriesland, 11.06.2019 [Artikel unfertig]; Evangelisch-lutherische Sankt-Ansgari-Kirche zu Hage, hrsg. vom Kirchenvorstand Hage, Norden 1999; Ufke Cremer: Glockengeschichtliches aus Hage, in: Heim und Herd 21/1931, [S. 1–3]; Johann Haddinga: Luftkurort Hage. Mit den Ortschaften Blandorf-Wichte, Berum, Berumbur, Hagermarsch, Halbemond, Lütetsburg, Norden 2002; Magda Heyken: Chronik des Fleckens Hage, Norden 1976; Wilhelm Korte: Die Reformation in Hage, in: Heim und Herd 3/1956, S. 10–11; Karl-Heinz Marschalleck: Ostfriesland: Kirche zu Hage, Kr. Norden, in: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 34 (1965), S. 135.

GND

7684947-8, Sankt Ansgari (Hage)


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 40 und ebd. II, S. 5.
  2. Ostfriesisches UB III, Nr. 197. Eine vermeintlich frühere Nennung erscheint zweifelhaft: In Riepe hing bis ins 18. Jh. hinein eine Glocke, die laut Inschrift im Jahr 1400 von Gerd Klinghe gegossen und von Albertus curatus Hagensis geweiht worden war. Die Inschrift ist jedoch anscheinend hinsichtlich der Jahreszahl fehlerhaft überliefert, da der Glockengießer Klinghe erst um 1400 geboren wurde (Hellwig, Barbara, „Klinghe, Ghert“ in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 94 f. [Online-Version]; https://www.deutsche-biographie.de/pnd136060498.html#ndbcontent, 14.06.2019). Zudem lässt sich ein Albertus als Pfarrer in Hage Mitte des 15. Jh. nachweisen. Da die Glocke im 18. Jh. umgegossen wurde, lässt sich die Inschrift nicht mehr überprüfen, vgl. Cremer, [S. 1]; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 174, sowie Hage, S. 1, und Riepe (HOO).
  3. Ostfriesisches UB III, Nr. 247 und 1753 (20).
  4. König, Verwaltungsgeschichte, S. 158 ff.
  5. 1656–2006, S. 11 und 15.
  6. LkAH, L 5i, Nr. 343 (Visitation 1956).
  7. Marschalleck, S. 135.
  8. Haddinga, S. 30. Vgl. Heyken, S. 70 ff., zu den „Hinweisen auf ein früheres Kloster in Hage“.
  9. Ostfriesisches UB II, Nr. 1753 (20).
  10. Ostfriesisches UB III, Nr. 197; Haddinga, S. 30 f.
  11. Hodenberg, Stader Copiar, S. 53.
  12. LkAH, D 10 Nr. 481; Ostfriesisches UB I, Nr. 846; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 106 f.
  13. Ostfriesisches UB I, Nr. 451.
  14. Ostfriesisches UB I, Nr. 622, 632, 638 (1451), 704 (1456), 711 (1457), 762 (1460) und Ostfriesisches UB III, Nr. 511 (1463), 533 (1467), 534 (1468).
  15. Ostfriesisches UB I, Nr. 890.
  16. Ostfriesisches UB II, Nr. 1659.
  17. Zur Reformation in Ostfriesland vgl. knapp Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 312 ff.; ausführlich: Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 114 ff.
  18. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 321. Die ostfriesischen Landesherren führten die KO von 1631 jedoch nie verbindlich für alle Gemeinden ein.
  19. Garrelts, Reformation, S. 106.
  20. Heddo Kankena entstammte der Dornumer Häuptlingsfamilie Kankena, war gleichzeitig kaiserlicher Notar (imperiali auctoritate notarius), vgl. Meyer, Pastoren I, S. 384; Reershemius, Predigerdenkmal, S. 188; Heyken, S. 23 f.
  21. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 205.
  22. Barthold Meyer war 1684–92 GSup. in Wolfenbüttel und wurde dort entlassen, weil er das „der Pietisterey wegen erlassene Decret“ nicht hatte unterschreiben wollen (Reershemius, Predigerdenkmal, S. 195). Vgl. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 364 ff.; BLO III, S. 285 ff.; Behre/Lengen, Ostfriesland, S. 219.
  23. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 365.
  24. KABl. 1892, S. 89 f.; KABl. 1897, S. 55.
  25. LkAH, L 5i, Nr. 48 (Visitation 1938).
  26. LkAH, S 1 H III Nr. 1016, Bl. 13r.
  27. LkAH, S 1 H III Nr. 1016, Bl. 13r und 13v.
  28. LkAH, S 1 H III Nr. 1016, Bl. 13v. Bei der Visitation 1938 merkte der Sup. des KK Norden an, der KV stehe „noch immer unter einem stark politisch-deutschchristlich gefärbten Akzent“, zwei Rücktritte hätten die Situation aber etwas verbessert, LkAH, L 5i, Nr. 48 (Visitation 1938).
  29. LkAH, L 5i, Nr. 48 (Visitation 1950).
  30. LkAH, L 5i, Nr. 343 (Visitation 1962).
  31. LkAH, L 5i, Nr. 343 (Visitation 1968).
  32. KABl. 1982, S. 70.
  33. LkAH, L 5i, Nr. 343 (Visitation 1986).
  34. LkAH, L 5i, Nr. 344 (Visitation 1992, Visitation 1998).
  35. KABl. 1982, S. 70.
  36. KABl. 1892, S. 89 f.; KABl. 1897, S. 55.
  37. KABl. 1994, S. 155.
  38. KABl. 2011, S. 128.
  39. Hodenberg, Stader Copiar, S. 53.
  40. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 317, 411 und 683.
  41. LkAH, B 2 G 9/Hage Bd. I, Bl. 249 und 254.
  42. Marschalleck, S. 135. Beim Bau der Steinkirche sind die Ränder des Fußbodens „abgestochen worden, so daß über die Konstruktion nichts ausgesagt werden kann“ (ebd.).
  43. Marwede, Altäre, S. 149 ff.
  44. Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 133; http://www.nomine.net/hage-st-ansgari, 12.06.2019.
  45. Vgl. http://www.nomine.net/hage-st-ansgari, 11.06.2019.
  46. LkAH, L 5i, Nr. 48 (Visitation 1950).
  47. LkAH, L 5i, Nr. 343 (Visitation 1974).
  48. Cremer, [S. 1 ff.]; Rauchheld, Glockenkunde, S. 103.
  49. LkAH, B 2 G 9/Hage Bd. I, Bl. 70 f.