Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Norden | Patrozinium: – | KO: Ostfriesische KO von 1716

Karte wird geladen, bitte warten...
Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Blick zur Orgel, vor 1959

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1959

Die östlich von Norden gelegene Kolonie Berumerfehn (seit 1972 Ortsteil der Gemeinde Großheide) wurde 1794 unter dem Namen „Norderfehn“ durch die Norder Fehnkompanie gegründet. Kirchlich gehörte Berumerfehn ebenso wie das nahe gelegene Westermoordorf zunächst zum Ksp. Hage, Ostermoordorf zu Arle. Wegen der nur unzureichenden Wahrnehmung der pfarramtlichen Versorgung (die Entfernung zu den Kirchorten betrug bis zu zwei Stunden) wurde in Berumerfehn 1885 auf Antrag der Bezirkssynode der 3. luth. Insp. eine Predigtstation eingerichtet.1 Seither hielten die Pfarrer von Arle und Hage abwechselnd GD in dem 1802 errichteten Schulhaus.2 Mit weiter zunehmender Einwohnerzahl – der Bezirk der Predigtstation umfasste 1887 insgesamt 287 Haushaltungen mit 1.280 Einwohnern – wurden die drei Ortschaften 1892 unter Errichtung einer Pfarrkollaboratur zur neuen KG Berumerfehn vereinigt.3 Erster Stelleninhaber war der P. coll. Rudolf Brahms (bis 1895). Die Gemeinde blieb zunächst Filial von Hage und wurde mit dem 1. September 1897 verselbständigt.4
Ein Bethaus mit Gemeindehaus und Pfarrwohnung war bereits 1895 errichtet worden. Die geplante Ergänzung um einen Glockenturm wurde 1914 und 1927/30 durch den Ersten Weltkrieg bzw. die Weltwirtschaftskrise verhindert und erst nach 1960 umgesetzt. 1969/70 folgte der Neubau der Pastorenwohnung. 1997 wurde das alte Gemeindehaus abgebrochen und durch ein modernes Gemeindezentrum ersetzt.

Umfang

Die Ortsteile Berumerfehn, Westermoordorf und Ostermoordorf der Gemeinde Großheide.

Aufsichtsbezirk

Seit Gründung zur 3. luth. Insp. in Ostfriesland/Insp. Norden (1924: KK Norden).

Kirchenbau

Fünfachsige Backsteinsaalkirche unter Satteldach (1895). Innenraum mit hölzernem Tonnengewölbe. Rundbogenfenster mit Sprossenteilung. Schmucklose, hölzerne Westempore (Orgelempore). Der Innenraum wurde 1956 unter Leitung des Kirchenmalers Hermann Oetken renoviert.

Fenster

An der Nordseite des Schiffs Buntglasfenster mit Christusdarstellungen (Geburt, Taufe, Emmausgeschichte, Auferstehung und Christus als Triumphator). An der Westseite des Turms ein kleines Rundfenster mit dem barmherzigen Samariter.

Turm

Westturm aus einem Stahlskelett mit einer Ummantelung aus Ziegelmauerwerk. Darauf eine ins Achteck überführte verschieferte Spitze (1960/61).

Ausstattung

Überwiegend aus der Erbauungszeit der Kirche. Hölzerner Altartisch; Retabel mit Kreuzigungsbild unter einem Dreiecksgiebel. – Hölzerne Kanzel mit Schalldeckel. – Achteckiges steinernes Taufbecken.

Orgel

Die Gemeinde Berumerfehn übernahm 1898 die frühere Orgel der ref. KG Borkum, die wohl von einem Braunschweiger Orgelbauer als Hausorgel gebaut worden war und zuvor zeitweilig Besitz des Musikdirektors Standke in Bonn war. 1886 wurde sie nach Borkum verkauft, 1898 nach Berumerfehn; 8 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Das Instrument war 1957 „total unbrauchbar für die Gemeindearbeit“5 und wird 1958 als „eine der schlechtesten Orgeln in Ostfriesland“ bezeichnet.6 1959/61 Neubau durch Alfred Führer (Wilhelmshaven), 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1980 Umbau und Erweiterung auf sieben Reg., ebenfalls durch die Firma Führer.

Geläut

Drei LG, I: a’; II: h’; III d’’ (alle Bronze, Gj. 1959, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg). – Früherer Bestand: Eine Glocke in c’’’ (Gussstahl, Gj. 1896, Bochumer Verein) im Dachreiter. Wurde nach dem Neuguss des Geläuts 1959 abgenommen und im Vorraum der Kirche aufgehängt.

Friedhof

Am Kirchweg. Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 739 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 82 (EphA Norden).

Literatur

A: Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 45.
B: 100 Jahre Kirchengemeinde Berumerfehn 1895–1995, [Großheide 1995]; Martin Behnke: Berumerfehn, ein Dorf am Rande des Hochmoores. Teil IV: 50 Jahre Schulgeschichte 1852–1902, Berumerfehn 2001.


Fußnoten

  1. LkAH, A 6, Nr. 739a.
  2. Behnke.
  3. KABl. 1892, S. 89.
  4. KABl. 1897, S. 55.
  5. LKA G 9 B/Berumerfehn, Bl. 34 (Pfarramt Berumerfehn an LKA, 04.09.1957).
  6. LKA G 9 B/Berumerfehn, Bl. 41.