Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Emden-Leer | Patrozinium: Christus | KO: Ostfriesische KO von 1716

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Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Außenansicht, vom Leuchtturm aus, 1973 (?)

Kirche, Außenansicht, vom Leuchtturm aus, 1973 (?)

Mit Ausnahme einer kurzen Phase (1591/99), als Gf. Edzard II. die Pfarrstelle mit dem luth. Prediger Daniel Willems Meyer besetzte, beschränkte sich die geistliche Versorgung der Insel Borkum seit Mitte des 16. Jh. auf eine ref. Gemeinde, deren Pfarrer auch die vereinzelt dort ansässigen Lutheraner mitbetreute (um 1860 etwa zehn luth. Familien). Erst im Zuge der touristischen Erschließung mit dem Ausbau des Seebades kam es in den 1880er und 1890er Jahren vermehrt zu einem Zuzug von nicht-ref. Inselbewohnern. Neben dem Personal von Hotel- und Logierhäusern zählten dazu auch Beamte des Wasser- und Schifffahrtsamts sowie Militärpersonen. Bis 1901 stieg die Zahl der Lutheraner so auf etwa 400 an. Im Mai 1897 konstituierte sich eine „luth. Vereinigung“. Im gleichen Jahr schenkte der Bergwerksdirektor A. Butenberg aus Hamburg, Eigentümer des Kaiserhofs, den Lutheranern an der heutigen Goethestraße ein Baugrundstück für eine zu errichtende Kirche. Bis zu ihrer Vollendung fanden die luth. GD ab 1898 zunächst im Saal des Hotels Eltze statt. Der Pfarrdienst für die luth. Einwohner und Besucher der Insel wurde von 1897 bis 1900 von Emden, Norden, Hage oder Riepe aus bzw. durch Geistliche unter den Badegästen versehen. 1900 wurde für die Insel ein Hilfsgeistlicher angestellt. Am 1. Oktober 1903 wurden die luth. Einwohner des Bezirks der ref. KG Borkum unter Ausscheidung aus dieser zu einer besonderen ev.-luth. KG Borkum vereinigt.1 Eine eigene Pfarrstelle wurde zum 1. Juni 1908 errichtet.2 Von Anfang an war mit der Pfarre auch die Kur- und Urlauberseelsorge verbunden. Außerdem wurden die Pastoren auf Borkum auch zur ständigen Aushilfe bei der Versorgung der Festungsgarnison herangezogen und nahmen auch nach dem Zweiten Weltkrieg als nebenamtliche Militärseelsorger die geistliche Betreuung der auf Borkum stationierten Marineangehörigen wahr. – Eine wenig rühmliche Rolle spielte der Inselpastor Ludwig Münchmeyer (amt. 1920–1926), der wegen seiner antisemitischen Agitation in mehrere Strafverfahren verwickelt war (Münchmeyerprozess) und nach seinem erzwungenen Amtsverzicht als Redner und später Reichstagsabgeordneter für die NSDAP auftrat.3
1899 errichtete die Gemeinde einen turmlosen Betsaal (Notkirche) mit Raum für etwa 350 bis 400 Personen. Für die wachsende Gemeindegliederzahl (1922: rund 1.300) reichte er schon bald nicht mehr aus. Zur eigenen Gemeinde kamen die Marinesoldaten und Badegäste, deren Zahl Anfang der 1920er Jahre bis 30.000 im Jahr erreichte. Da es der Landeskirche „nicht würdig [sei], daß die Gemeinde in diesem Weltbade sich weiterhin mit dem vorhandenen Notbau behelfen muß“4, genehmigt das Konsistorium im Mai 1923 eine Beckenkollekte zugunsten eines Neubaus. Die Erträge von Kollekten und Sammlungen unter den Gemeindegliedern und Badegästen gingen vermutlich durch die Inflation verloren. Jedenfalls wurden die Planungen für einen Erweiterungsbau erst 1939 wieder konkretisiert, wegen des Kriegsausbruchs aber nicht mehr in Angriff genommen. 1958/61 wurde das vorhandene Gebäude um den Altarraum und den Glockenturm erweitert.
Seit 1954 besteht eine Partnerschaft mit der KG Hinterhermsdorf/Saupsdorf (Sächsische Schweiz).

Aufsichtsbezirk

Bei Gründung der KG zur 2. luth. Insp. (Emden), ab 1924 KK Emden, seit 1. Januar 2013 KK Emden-Leer.

Kirchenbau

Rechteckiger, durch Mauerblenden in fünf Achsen gegliederter Saalbau aus Ziegelmauerwerk (1899), 1961 um den eingezogenen Altarraum erweitert. Orgelempore im Westen. 1998/99 Innenrenovierung.

Turm

Querriegelartiger dreigeschossiger Glockenturm unter Satteldach (1958). Der auf der Empore liegende Teil wurde in den 1970er Jahren abgetrennt und für die Gemeindearbeit genutzt.

Fenster

Altarfenster mit der Darstellung des Sinkenden Petrus (wohl von 1961). Die Fenster des Kirchenschiffs wurden 1998 nach Entwürfen des Dipl.-Glasgestalters Günter Grohs (Wernigerode) neu gestaltet.

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, September 1952

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, September 1952

Ausstattung

Einfacher Blockaltar. – Viereckige Sandsteintaufe (1964) mit Taufabdeckung von Hilko Schomerus, Burgdorf (nach 1981). Ebenfalls von Schomerus stammen die Altarleuchter (1977), der Oster- und Taufleuchter (1979), das Hängekreuz an der Altarwand (1981) sowie zwei Abendmahlskelche (1980). – Zwei Ölgemälde des Kunstmalers Johannes Marcussen („Jesus und der sinkende Petrus“, „Jesus und die große Sünderin“; 1900 als Geschenk des Künstlers) waren ursprünglich an einer Ostempore zu den Seiten des Altarraums aufgehängt; jetzt beiderseits der Orgel. – Engelsfigur „Michaela“ von Richard Stickel (Ankauf 2012).

Orgel

1950 Neubau durch E. Kemper und Sohn (Lübeck), 13 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1958 von der vorderen Empore auf die vergrößerte hintere Empore verlegt. 1977/80 Neubau durch Rudolf Janke (Bovenden), 16 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Schleifladen. – Vor 1950 war lediglich ein Harmonium vorhanden.

Geläut

Vier LG: I: g’; II: a’; III: b’; IV: c’’ (alle Bronze, Gj. 1958, Firma F. Otto, Bremen-Hemelingen).

Weitere kirchliche Gebäude

Außer dem 1905 errichteten Pfarrhaus verfügt die KG seit 1980/81 über das der Kirche unmittelbar benachbarte Gemeindehaus „Arche“.

Friedhof

1922 Anlage eines eigenen Friedhofs der ev.-luth. KG an der Süderstraße; 1925 erweitert.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 218 und 221 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1049–1051 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 51 (EphA Emden).

Literatur

A: Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 46.
B: 100 Jahre Ev.-luth. Christus-Kirche Borkum 1899–1999, [Borkum 1999]; Karl Ecke: Der erste bekannte Borkumer Prediger, in: Ostfriesland. Zeitschrift der Ostfriesischen Landschaft und der Heimatvereine 2/1953, S. 33 f.; Reinhold Feldmann (Hg.): Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum der Evangelisch-luth. Christus-KG Borkum. 1903–2003, [Borkum 2003].


Fußnoten

  1. KABl. 1903, S. 43.
  2. KABl. 1908, S. 54.
  3. BLO I, S. 265–267; Lindemann, Stellung, S. 136–220.
  4. LkAH, A 5, Nr. 221 (Kons. in Aurich an das Landeskonsistorium, 16.02.1922).