Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Aurich | Patrozinium: Vincenz und Gertrud1 | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich ist die Reihensiedlung erstmals im Jahr 1431 als Rype belegt.2 Das Dorf zählte seinerzeit zum Zuderland (Süderland), das allerdings nur in dieser einen Urkunde erwähnt ist.3 Später findet sich mitunter der Ortsname Westerripis.4 Riepe hatte zunächst wohl zum Brokmerland gehört.5 Die dortige Häuptlingsfamilie tom Brok hatte seit der zweiten Hälfte des 14. Jh. ihre Macht in Ostfriesland stetig ausgebaut. In den Jahren nach dem Sturz der tom Brok (Schlacht auf den wilden Äckern 1427) setzten sich die Cirksena als ostfriesische Herrscher durch: Ks. Friedrich III. († 1493) erhob sie 1464 zu Reichsgrafen von Ostfriesland (Reichsfürsten seit 1654/62). In der zweiten Hälfte des 15. Jh. bildete sich die Ämterstruktur der Gft. Ostfriesland heraus; Riepe zählte zum Amt Aurich. Der Übergang unter preußische Herrschaft im Jahr 1744 ließ die Ämterstruktur in Ostfriesland unverändert. In den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jh. erlebte Ostfriesland mehrere Herrschaftswechsel: Ab 1807 zählte Riepe zum Kgr. Holland, ab 1810 zum Kaiserreich Frankreich (Département Ems-Oriental, Arrondissement Aurich, Kanton Timmel), ab 1813 wieder zum Kgr. Preußen und ab 1815 zum Kgr. Hannover. Mit der Annexion Hannovers 1866 kehrte Ostfriesland erneut zurück unter preußische Herrschaft. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 gehört Riepe zum Kr. Aurich. Im Jahr 1972 wurde Riepe nach Ihlow eingemeindet. Zur Sozialstruktur der KG schrieb der Ortspastor 1964: „Die Gemeinde setzt sich aus Bauern und Arbeitern zusammen. Die Arbeiter sind zum größten Teil Facharbeiter, die gut verdienen und in Emden beschäftigt sind.“6 Im Jahr 1821 lebten gut 725 Menschen in Riepe, 1925 rund 1.045, 1939 knapp 1.000, 1946 insgesamt 1.260 und 2017 etwa 2.160.

Kirche, Außenansicht, um 1955, Grafik

Kirche, Außenansicht, um 1955, Grafik

Bei archäologischen Untersuchungen im Zuge der Kirchenrenovierung 1967 bis 1969 wurden Spuren einer Holzkirche entdeckt, die vielleicht im 10./11. Jh. erbaut worden war.7 Etwa in der ersten Hälfte des 12. Jh. brannte sie ab. Die ältesten sichtbaren Zeugnisse der Riepster Kirchengeschichte sind zwei 1967 ausgegrabene Grabplatten aus der Mitte des 12. Jh.: Eine zeigt ein Keulenkreuz, die andere ein Relief des Verstorbenen. Etwas jünger ist der Taufstein, gefertigt vielleicht im frühen 13. Jh. Wohl in der zweiten Hälfte des 12. Jh. hatten die Riepster eine backsteinerne Kreuzkirche erbaut, die allerdings wegen des weichen Untergrunds wahrscheinlich bald absackte und vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jh. einstürzte. Unter Einbeziehung eines erhaltenen Mauerrests folgte etwa nach der Mitte des 13. Jh. der Neubau einer schlichten Rechteckkirche. Die überlieferte Inschrift einer selbst nicht erhaltenen Glocke, gegossenen vermutlich in den 1450er Jahren, nennt die Namen zweier vorref. Geistlicher in Riepe: iuvenis Albertus curatus Hagensis, der junge Albert, Pastor in Hage, hatte die Glocke gießen oder erneuern lassen pro salute animae senioris Alberti curati Ripensis, sub temporibus Frederici curati Ripensis, also zum Seelenheil des alten Albertus, Pastor in Riepe, zu Zeiten des Fredericus, Pastor in Riepe.8
Einzelheiten zu Entwicklungen während der Reformationszeit in Riepe sind nicht überliefert; angeblich nahm „diese Gemeine das Evangelium ziemlich früh“ an.9 Die Reformation hatte sich in Ostfriesland mindestens unter Duldung des Landesherrn Gf. Edzard I. († 1528) ausgebreitet, aber ohne seine Lenkung.10 So entwickelte sich ein Nebeneinander verschiedener prot. Richtungen. Gf. Enno II. († 1540) versuchte, die ostfriesische Kirche eher luth. zu gestalten, Gfn. Anna († 1575) bemühte sich, ihr eine eher ref. Form zu geben. Die gemeinsame Regierungszeit ihrer Söhne, des ref. Gf. Johann II. († 1591) und des luth. Gf. Edzard II. († 1599), war vom Ringen um jeweils alleinige Herrschaft geprägt und verfestigte das Nebeneinander ref. und luth. Gemeinden. Die Konkordate von 1599, geschlossen zwischen den Landständen und dem Landesherrn, schrieben den Konfessionsstand der einzelnen ostfriesischen Gemeinden genauso fest, wie das Gemeindewahlrecht bei den Pfarrstellenbesetzungen. 1631 erarbeitete GSup. Michael Walther († 1662) eine neue KO für die luth. Gemeinden, deren zweite Auflage von 1716 bis heute gültig ist.11
Der erste namentlich bekannte ev. Geistliche in Riepe war der 1593 erwähnte P. Uldericus Boelen (amt. bis 1603), dessen Grabstein sich im 18. Jh. noch in der Kirche befand.12 Im Jahr 1629 war Gerhard Brummel Küster in Riepe; es ist unklar, ob er gleichzeitig als Lehrer tätig war. Die Riepster Schule stand vor dem Westgiebel der Kirche.13
Während der Amtszeit von P. Herman Barcla (amt. 1717–1726) überflutete die Weihnachtsflut von 1717 das Dorf. Insgesamt 15 Menschen und ein Drittel des Viehs starben; die meisten Familien „konnten sich retten, indem sie sich auf die Empore der Riepster Kirche flüchteten“.14 Über P. Barcla schrieb Adrian Reershemius 1765 in seinem Ostfriesländischen Prediger-Denkmal: „Da nun das Land unter Wasser stand, und in einigen Jaren nicht gebrauchet werden konte; so konte er hier nicht leben“. Er übernahm daher 1721 zusätzlich die Pfarrstelle in Ochtelbur und versorgte fortan beide Gemeinden – „mit großer Beschwerde und Nachtheil seiner Gesundheit“.15 Als P. Johann Friedrich Potinius (amt 1726–1733) die Pfarrstelle in Riepe antrat, waren die Flutschäden noch nicht beseitigt: „Er fand es hier sehr schlecht, alle Kirchengebäude waren durch die Wasserflut äusserst beschädigt, und es war kein Vermögen bei der Gemeinde, solche zu verbessern“.16 Eine Kollektensammlung „in und außerhalb des Landes“ erbrachte fast 3.800 Gulden ermöglichte der Gemeinde schließlich die Reparatur der Gebäude. Der Inschriftenstein am Kirchturm erinnert daran. Als P. Potinius 1733 starb, waren die Arbeiten noch nicht abgeschlossen.

Orgel

Orgel

Ebenso wie P. Conrad Wilhelm Groß (amt. 1735–1742) aus dem benachbarten Ochtelbur verlor der Riepster P. Peter Dreas (amt. 1736–1742) sein Pfarramt, da er sich dem ref. Bekenntnis zugewandt hatte. Diese Übertritte sind im Kontext des Pietismus in Ostfriesland zu sehen, der auch in Riepe Anhänger gefunden hatte.17 P. Dreas übernahm das ref. Pfarramt im friesischen Akkernwörde. Sein Bruder und Vorgänger in Riepe, P. Anton Gottfried Dreas (amt. 1734–1735), hatte 1739 ebenfalls das Bekenntnis gewechselt, war zeitweise ref. Prediger in Groningen und veröffentlichte mindestens zwei theologische Schriften (1739/40 und 1744).18 In der zweiten Hälfte des 18. Jh. hatte P. Peter Friedrich Reershemius (amt. 1715–1779) das Riepster Pfarramt inne. Er gab u. a. das von seinem Vater zusammengestellte Prediger-Denkmal heraus (1765, zweite Auflage 1796) und veröffentlichte weitere Schriften (Weg zur Vereinigung der Menschen mit Gott, 1761; Das Landleben in Ostfrießland. Deutsche Verse, 1775).19
P. Julius Elster (amt. 1874–1905) gründete 1878 einen Posaunenchor und führte in der Gemeinde Riepe eine gesungene Liturgie ein, die auch in der zweiten Hälfte des 20. Jh. noch in Gebrauch war.20 Um 1900/10 ließ die Gemeinde ein einfaches Gemeindehaus erbauen. Neben seinem Pfarramt war P. Elster zudem Sup. der 1. luth. Inspektion in Ostfriesland. Von 1899 bis 1902 war das Pfarramt Riepe auch zuständig für die neugegründete Tochtergemeinde Ihlow, deren Gebiet bislang zu den Kirchspielen Bangstede und Weene gehört hatte.21 In der neuen Gemeinde bestand eine Pfarrkollaboratur, die Riepe zugeordnet war. Im Jahr 1902 erhob das Konsistorium Aurich Ihlow zu einer gänzlich eigenständigen Kirchengemeinde.22
Nach dem Tod von P. Julius Elster übernahm sein Sohn P. Theodor Elster (amt. 1906–1953) das Pfarramt in Riepe; von 1936 bis 1947 war er gleichzeitig LSup. des Sprengels Ostfriesland. Kirchenpolitisch gehörte er während der NS-Zeit zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft: Im September 1933 hatte ihn die „Vereinigung kirchlich gesinnter Pfarrer“, die in Ostfriesland die Bekenntnisgemeinschaft bildete, zusammen mit P. Eilhard Schütt aus Aurich zum Obmann gewählt.23 Zum 1933 neugewählten KV in Riepe schrieb P. Elster im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“, er sei deutschchristlich gewesen: „Ein Mitglied trat bald zurück. Die anderen Mitglieder haben ihre deutschchristliche Haltung aufgegeben und nahmen an den Kundgebungen der Bekenntnisgemeinschaft in Hannover teil.“24 Zusammenfassend schrieb er: „Die Gemeinde blieb trotz des Kirchenkampfes fast geschlossen bei der Bekenntnisgemeinschaft.“25
Seit der Nachkriegszeit unterhielt die Gemeinde eine Schwesternstation (bis Anfang 1970, dann aufgegangen in Sozialstation Ihlow). Nach der Visitation 1958 beschrieb der Auricher Sup. die KG Riepe als „eine kirchliche Gemeinde“; die fast 80jährige Amtszeit von Vater und Sohn Elster sei „nicht ohne tiefe Wirkung auf die Gemeinde geblieben“.26 Auch in den folgenden Jahren fielen die Einschätzungen ähnlich aus; besondere Erwähnung fand auch die „Liebe zur Mission, besonders zur Goßnerschen Mission“, für die „reiche Gaben“ gespendet würden.27
Seit Januar 2013 ist die KG Riepe pfarramtlich mit der KG Ochtelbur verbunden; Sitz des Pfarramts ist in Riepe.

Umfang

Riepe. Von 1899 bis 1902 auch Gemeinde Ihlow mit Ihlowerfehn und Ludwigsdorf (Tochtergemeinde von Riepe).28

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Friesland der Diözese Münster (Propstei Brokmerland).29 – Von 1631 bis 1643 unterstand Wiegboldsbur dem luth. Coetus in Aurich und ab 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium Aurich. Nach der Insp.-Ordnung von 1766 zur 1. luth. Insp. in Ostfriesland, ab 1924 KK Aurich.

Patronat

Genossenschaftspatronat der Gemeinde (Interessentenwahlrecht).

Kirchenbau

Schlichter Rechteckbau, ausgerichtet nach Nordosten, erbaut wohl nach Mitte des 13. Jh. unter Einbeziehung älterer Mauerreste. Satteldach, bekrönt mit Schwan.30 Backsteinmauerwerk, Stützpfeiler an den Südwestecken. Nach Südosten fünfspitzbogige Sprossenfenster, nach Nordwesten zwei; nordöstliche Giebelseite mit zwei spitzbogigen Sprossenfenstern und drei gestuften Blendnischen mit weißer Füllung im Giebeldreieck; südwestliche Giebelseite mit zweigeschossiger Fenstergliederung: unten zwei Rechteckfenster, darüber zwei Spitzbogennischen mit je einem Rechteckfenster; im Westen der Südostseite hohe Spitzbogennische mit korbbogigem Portal, oberhalb des Portals drei rundbogige Blendnischen, darüber Kreisblende, jeweils mit weißer Füllung. Im Innern muldenförmiges, hölzernes Tonnengewölbe, darunter Querbalken; mehrfach geschwungene, u-förmige Ostempore (mit Orgel), an der Brüstung Inschriftenmedaillon: „Singet und spielet dem Herrn in eurem Herzen. Ephes. 5,19“; gerade Westempore („Schipperbön“); Sakramentsnische mit Kielbogen in Nordwestwand des Chors. Wohl im 14. Jh. Ostteil der Kirche erneuert. Um 1628 neue Fenster, neues Gestühl (kaiserliche Truppen hatten „die alten ausgeschlagen und verdorben“.31 1717 Kirche in Weihnachtsflut beschädigt, um 1730 instandgesetzt. 1967–69 Innenrenovierung. 2000 Innenrenovierung (u. a. Putz erneuert).

Turm

Vor der Nordwestwand vierseitiger, freistehender Glockenturm mit achtseitiger Glockenstube sowie gestufter und geschwungener Barockhaube, gedeckt mit Schiefer, bekrönt mit Kreuz und Pferd, erbaut wohl um 1300, erneuert 1554. Glockenstube mit vier rundbogigen Schallöffnungen, nach Nordosten und nach Südosten jeweils Blendnische mit zwei Rundbögen und weißer Füllung, nach Nordwesten zwei Inschriftensteine: „Anno Domini 1554“ und „Dvrch die Flvth rviniret 1717. Renoviret 1730“. Segmentbogiger Eingang nach Südwesten. 1554 Turm erneuert. 1717 bei Weihnachtsflut beschädigt. 1730 Reparatur und Bau der achteckigen Glockenstube mit Barockhaube, derentwegen der Turm „Teebüss“ (Teebüchse) genannt wird. 2004 Turmsanierung.

Vorgängerbauten

Holzkirche, erbaut im 10./11. Jh., etwa in der ersten Hälfte des 12. Jh. abgebrannt.32 Kreuzkirche aus Backstein, erbaut in der zweiten Hälfte des 12. Jh., wegen des weichen Untergrunds wohl in der ersten Hälfte des 13. Jh. eingestürzt.

Ausstattung

Schlichter Blockaltar mit gemauertem Stipes, Mensa aus Sandstein und seitlichen Schranken aus Holz. – Altargemälde (17. Jh.), Öl auf Leinwand, Abendmahlsdarstellung. – Etwa in der Mitte der Südostwand hohe Holzkanzel mit Schalldeckel (17. Jh.?), farbig gefasst, Rundsäulchen vor den Ecken des polygonalen Kanzelkorbs, Wandungen mit rundbogigen Füllungen, Inschrift am Sockel des Kanzelkorbs: „Selig sind die Gottes Wort hören und bewahren“ und am Schalldeckel: „Rufe getrost Schone nicht, erhebe deine Stimme wie eine Posaune“; Kanzel 2002 restauriert. – Zylindrischer Taufstein aus Bentheimer Sandstein (Anfang 13. Jh.), am Beckenrand Blattfriese, runder Schaft mit vier Trägerfiguren („eigenartigen Löwenfiguren“33), vierseitiger, geböschter Sockel mit abgeschrägten Ecken. – Hölzernes Lesepult (um 1700), farbig gefasst; 2002 restauriert. – Triptychon (17. Jh.), Öl auf Leinwand, Gethsemane, Kreuzigung und Auferstehung, darunter Inschrift: „Omnis terra adortet te, psallat tibi psallamum, et dicat nomini tuo domine gloriam“ (Die ganze Erde bete dich an, spiele dir Psalme und singe deinem Namen Ehre, Herr). – Trapezförmige Grabplatte oder Sarkophagdeckel (Mitte 12. Jh.), grau-gelber Sandstein; verziert mit Keulenkreuz, flankiert von zwei Krummstäben; entdeckt bei Renovierung 1967.34 – Trapezförmige Grabplatte oder Sarkophagdeckel (Mitte 12. Jh.), grau-gelber Sandstein, mehrfach zerbrochen; stilisiertes Relief des Verstorbenen; entdeckt bei Renovierung 1967.35 – Gemälde (1883), Öl auf Leinwand (Druck?), Lutherporträt. – Holztafel „Verzeichniß der Prediger so in Riepe das Wort Gottes gelehret haben“ (bis 1953). – Drei Holztafeln mit den Namen der in den Weltkriegen getöteten Soldaten aus Riepe. – Opferstock, Holz mit Eisenbeschlägen.

Orgel

1612 Bälgetreter erwähnt. 1619 Orgelreparatur, Edo Evers (Emden, Jever). 1628/29 Chororgel „durch die Kayserliche Soldatesca“ beschädigt.36 1641 Bau einer neuen Orgel, ausgeführt von Jost Sieburg (Göttingen), 7 Register, Material der alten Orgel verwendet, aufgestellt im Chor. 1706 Reparatur, Joachim Kayser (Jever). 1741 Reparatur und Änderung der Disposition, Johann Friedrich Constabel (Wittmund). 1776–85 Orgelneubau, ausgeführt von Johann Friedrich Wenthin (Emden), wohl 10 Register, Instrument aufgestellt auf neuer Empore vor dem Chor. 1879 Reparatur, J. H. Janssen (Aurich). 1891 Änderung der Disposition, Johann Diepenbrock (Norden), 11 I/P. 1900 Neubau des Orgelwerks, P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 17 II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen (Opus 425), Gehäuse und mehrere Register wiederverwendet.37 1916 Orgel erweitert auch 18 II/P. 1968–70 Neubau des Orgelwerks, ausgeführt von Alfred Führer (Wilhelmshaven), 10 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen, vier weitere Register vakant; Gehäuse und mehrere Register von 1785 erhalten; Prospekt bekrönt mit Schwan und zwei Posaunenengeln. 1990 Orgel vervollständigt auch 14 I/P, Alfred Führer (Wilhelmshaven).

Geläut

Drei LG, I: f’ (Bronze, Gj. 1986, Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher), Inschrift: „Laat uns Gott loben, hum hört aleen dat Regeern“ (Lasst uns Gott loben, ihm allein gehört das Regieren); II: as’ (Bronze, F. Otto, Gj. 1971, Bremen-Hemelingen), Inschrift: „Mit eherner Stimme ruf ich hinaus, Jesus ist Herr, kommt mit in sein Haus“; III: b’ (Bronze, F. Otto, Gj. 1971, Bremen-Hemelingen), Inschrift: „Ich ruf mit heller Stimme, macht euch zur Kirche auf und denkt bei meinem Schall, ihr endet euren Lauf“. – Früherer Bestand: Eine LG, Süderglocke, (Bronze, Gj. in den 1450er Jahren, Ghert Klinghe, Bremen), Inschrift angeblich: „Praeciavit [?] me iuvenis Albertus curatus Hagensis pro salute animae senioris Alberti curati Ripensis, sub temporibus Frederici curati Ripensis. Effusa est ista campana in honorem s[an]cti Vincenti et Gertrudis martyrum patronorum huius loci et hoc 1400 [?] Gerd Klinge me fecit“ (Für mich sorgte [?] der junge Albertus, Pastor in Hage, zum Seelenheil des alten Albertus, Pastor in Riepe, zu Zeiten des Friedrich, Pastor in Riepe. Gegossen wurde diese Glocke zu Ehren der heiligen Märtyrer Vicentius und Gertrud, den Patronen dieses Ortes und zwar 1400 [?]. Ghert Klinghe machte mich), Glocke zwischen 1742 und 1751 geborsten.38 Wohl diese und eine weitere Glocke (Bronze) verwendet beim Guss zweier neuer Glocken (Bronze, Gj. 1762), Inschrift auf der größeren: „Mein äuß’rer Ton fließt aus dem innern Grunde, ach wär ein jeder Christ, das was er führt im Munde“, Inschrift auf der kleineren: „Durch meinen Schall und nach Vermögen, such ich zum Gottesdienst die Christen zu bewegen“. Beide Glocken wiederum umgegossen zu zwei neuen LG (Bronze, Gj. 1854, Claudy Fremy IV und Andreas van Bergen II), größere im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, kleinere vermutlich im Zweiten Weltkrieg abgegeben.39 Zwei Glocken, c’ und es’ (Eisenhartguss, Gj. 1925, Schilling-Lattermann, Apolda), 1971 abgenommen.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1980). – Gemeindehaus (Bj. um 1910, umgebaut und erweitert 1990).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof südöstlich der Kirche, Eigentum der Kirchengemeinde.

Liste der Pastoren (bis 1940)

(1593)–1603 Uldericus Boelen. – 1607 (?)–1617 Hermann Volkeri. – 1617–1625 Friedericus Tuarici Aajonidis. – 1625–1644 Arnold Wesseling. – 1645–1652 Johann Lübberti Alphusius. – 1652–1669 Gerhard Alphusius. – 1669–1672 Joachim Rene. – 1672–1688 Helmericus Bolenius. – 1688–1691 Thomas Janssen. – 1692–1700 Omme Bolenius. – 1700–1709 Michael Helmerich Ommen. – 1710–1717 Magister Uco Wilhelm Schirring. – 1717–1729 Hermann Barcla. – 1729–1733 Johann Friedrich Potinius. – 1734–1735 Anton Gottfried Dreas.40 – 1736–1742 Peter Dreas.41 – 1742–1751 Hector Adrian Conerus. – 1751–1779 Peter Friedrich Reershemius. – 1779–1783 Georg Siegmund Stracke. – 1784–1802 Joachim Kirchhefer. – 1803–1807 Anton Hermann Zitting. – 1808–1813 Hajo Jelden. – 1814–1873 Hajo Gottlob Jelden. – 1874–1905 Julius Karl Diedrich Adolf Elster. – 1906–1953 Karl Theodor Elster.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 307–308

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 6 Nr. 7046–7048 (Pfarrbestallungsakten); A 8 Nr. 21Digitalisat, 365Digitalisat(CB); A 12d Nr. 154, 183, 226Digitalisat, 239, 251, 254, 255 (GSuptur. Aurich); D 80 (EphA Aurich); E 5 Nr. 908 (Konsistorialbaumeister); L 5i Nr. 8, 147, 268, 667, 779 (LSuptur. Aurich); S 09 rep Nr. 1983 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7067 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1712
Trauungen: ab 1712
Begräbnisse: ab 1712
Kommunikanten: ab 1735
Konfirmationen: ab 1735

Literatur & Links

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1128; Fastenau, Bau- und Kunstdenkmäler III, S. 281–282; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 208–210; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 149; Meyer, Pastoren II, S. 307–308; Otte/Rohde, Ostfriesland II, S. 518–520; Rauchheld, Glockenkunde, S. 57 und S. 97–98; Schoolmann, Kirchen, S. 117–122.
B: Harm Harms & Folkert Köster: Die Familien der Kirchengemeinde Riepe. Von 1712–1909, Aurich 2005, bes. S. 47–61; Wilhelm Korte, Visitation in Riepe und Ochtelbur. Aus Protokollen des beginnenden 17. Jh., in: Heimatkunde und Heimatgeschichte 1969, Folge 8, S. 30; Johannes Stracke: Ein frühromanischer Bildnisgrabstein in der Kirche zu Riepe, in: Jahrbuch der Gesellschaft für Bildende Kunst und Vaterländische Altertümer zu Emden 49 (1969), S. 25–34.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche und Ausstattung; Historische Ortsdatenbank für Ostfriesland (https://bibliothek.ostfriesischelandschaft.de/hoo/): Ortsartikel Riepe (.pdf); Nomine (Norddeutsche Orgelmusikkultur in Niedersachsen und Europa): Orgel.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 214, nach Rauchheld, Glockenkunde, S. 97 f. bzw. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 161.
  2. Ostfriesisches UB I, Nr. 398. Nach HOO, Ortsartikel Riepe, ist der Ort „möglicherweise schon im 10. Jahrhundert als Hripu oder Trip“ genannt (ohne Beleg); bei Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte sind weder Riepe noch Hripu oder Trip erwähnt. In HOO ist zudem angeführt: „1400 wurde curati Ripensis verzeichnet“; dies bezieht sich auf die unsicher überlieferte Inschrift einer nicht erhaltenen Glocke, die vermutlich nicht 1400, sondern in den 1450er Jahren gegossen worden war, vgl. Rauchheld, Glockenkunde, S. 97 f.
  3. Ostfriesisches UB I, Nr. 398, Anm. 1. Das Süderland umfasste die Kirchspiele Simonswolde, Riepe, Ochtelbur und Bangstede. Vgl. auch Moßig, Auricherland, S. 76.
  4. Ostfriesisches UB II, Nr. 961 (S. 66); Ostfriesisches UB III, Nr. 743 (S. 205).
  5. Reimers, in: Janssen & Steinke, S. XII.
  6. LkAH, L 5i, Nr. 268 (Visitation 1964).
  7. Zum Folgenden: Harms & Köster, S. 53 f.; Stracke, S. 25 ff.
  8. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 161. Die Glocke barst während der Amtszeit von P. Hector Adrian Conerus (amt. 1742–1751).
  9. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 151.
  10. Zur Reformation in Ostfriesland vgl. knapp Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 312 ff.; ausführlich: Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 114 ff.
  11. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 321. Die ostfriesischen Landesherren führten die KO von 1631 jedoch nie verbindlich für alle Gemeinden ein.
  12. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 151.
  13. Korte, S. 30; Harms & Köster, S. 51.
  14. Harms & Köster, S. 48.
  15. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 156.
  16. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 156 f.
  17. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 357 und S. 377: „In die Zeit des Pietismus und mit durch ihn verursacht fielen eine Reihe von Übertritten lutherischer Pastoren zur reformierten Kirche.“
  18. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 157 ff.
  19. Reershemius, Predigerdenkmal 1796, S. 118.
  20. Vgl. etwa LkAH, L 5i, Nr. 8 (Visitation 1958); LkAH, L 5i, Nr. 268 (Visitationen 1964 und 1971).
  21. KABl. 1899, S. 33.
  22. KABl. 1902, S. 9 f.
  23. Delbano, Kirchenkampf, S. 45. Delbanco bezeichnet Elster als eine „der führenden Persönlichkeiten unter den lutherischen Geistlichen seiner Zeit in Ostfriesland“, (ebd, Anm. 1, S. 97 und S. 139).
  24. LkAH, S 1 H III, Nr. 1011, Bl. 40. Allgemein zum Fragebogen: Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  25. LkAH, S 1 H III, Nr. 1011, Bl. 41.
  26. LkAH, L 5i, Nr. 8 (Visitation 1958).
  27. LkAH, L 5i, Nr. 268 (Visitation 1964). Siehe auch LkAH, L 5i, Nr. 268 (Visitationen 1971 und 1982).
  28. KABl. 1899, S. 33; KABl. 1902, S. 9 f.
  29. Ostfriesisches UB II, Nr. 961 (S. 66); Ostfriesisches UB III, Nr. 743 (S. 66); Kohl, Bistum Münster 7,1, S. 469 f.
  30. Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 149, datiert den Bau auf das „3. Viertel des 13. Jahrhunderts“; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1128, schreibt: „Spätgotische Saalkirche […] 15. Jh.“.
  31. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 152.
  32. Zur Baugeschichte Harms & Köster, S. 53 ff.; Stracke, S. 25 ff.
  33. Petersen, Taufsteine, S. 75.
  34. Stracke, S. 27 f.
  35. Stracke, S. 28 ff.
  36. Zit. bei Kaufmann, Orgeln Ostfriesland, S. 208.
  37. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 109.
  38. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 161. Zur Datierung: Rauchheld, Glockenkunde, S. 98. Ghert Klinghe († 1474) ist vermutlich um 1400 geboren worden und verwendete lateinische Inschriften anscheinend nur in den 1450er Jahren. Siehe auch: Hellwig, Barbara, „Klinghe, Ghert“ in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 94–95 [Online-Version].
  39. Rauchheld, Glockenkunde, S. 57.
  40. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 140. Bei Meyer, Pastoren II, S. 308, irrtümlich „1734–1739“.
  41. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 140. Bei Meyer, Pastoren II, S. 308, irrtümlich „1739–1742“.