Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Aurich | Patrozinium: Georg1 | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Dorf an der alten Poststraße von Aurich nach Emden, um 1420 im Stader Copiar als Bangkstede erstmals erwähnt.2 – Seit 1972 Ortsteil der Gemeinde Ihlow.

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1954, Zeichnung von D. Renth

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1954, Zeichnung von D. Renth

Das KGb wird auf die Mitte des 13. Jh. datiert. Bis Anfang des 15. Jh. war die Gemeinde nach Aurich eingepfarrt. Geistliche sind aus vorref. Zeit nicht bekannt. Erster ev. Prediger war um 1544 Johann Wysch; um 1600 Peter Cornelius († 1610).
Von 1937 bis 1948 war die Pfarre vakant. In der NS-Zeit zeigten sich in der Gemeinde kirchenfeindliche Bestrebungen mit zeitweilig starker Werbung für die DC.
Die Pfarrstelle wurde am 1. Januar 1971 mit der von Barstede und Ochtelbur vereinigt. Sitz des Pfarramts war Ochtelbur.3 Diese Verbindung wurde mit dem 1. Januar 2013 wieder getrennt und Barstede und Bangstede mit der St.-Martins-KG in Westerende pfarramtlich verbunden.

Umfang

Die Dörfer Bangstede (mit dem Bangsteder Verlaatshaus [Schleusenhaus]) und Uppenbörg sowie (seit 1790) die vorher zu Weene gehörigen Einwohner der 1780 angelegten Kolonie Ihlowerfehn. Ihlowerfehn wurde am 6. Juni 1899 wieder abgetrennt, mit der Ortschaft Ludwigsdorf und dem Gutsbezirk Ihlow zur KG Ihlow vereinigt und als Tochtergemeinde der KG Riepe angeschlossen.4

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Domscholasters (Sedes Aurich). – Von 1631 bis 1643 unterstand die KG dem luth. Coetus in Aurich und ab 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium ebenda. Nach der Insp.-Ordnung von 1766 zur 1. luth. Insp. in Ostfriesland, später mit Sitz in Aurich (1924: KK Aurich).

Patronat

Genossenschaftspatronat der Gemeinde (Interessentenwahlrecht).

Kirchenbau

Rechteckige, ursprünglich dreijochige Saalkirche aus rotem Backstein unter Satteldach (Mitte des 13. Jh.). 1856 im Stil der Zeit renoviert und nach Westen mit neuem Zugang erweitert. Die beiden älteren Portale in Norden und Süden wurden vermauert. Starke Schäden im Zweiten Weltkrieg. Bei ihrer Beseitigung wurden auch die vermauerten Fenster des Altarraums wieder geöffnet. Der Innenraum wird heute durch eine hölzerne Segmentbogendecke geschlossen. Westempore. Letzte größere Renovierung 2002.

Turm

Freistehender Glockenstuhl des Parallelmauertyps aus Ziegelsteinmauerwerk nordwestlich der Kirche (Datierung unklar, wohl spätmittelalterlich und im 19. Jh. erneuert).

Ausstattung

Gestühl, Kanzel und Altar wurden 1961 erneuert. Altar mit massivem Unterbau und Holzplatte. – Hölzerner Predigtstuhl (1703). – Achtseitige, pokalförmige Sandsteintaufe (um 1800). – Gedenktafeln für die Gefallenen der beiden Weltkriege. – Mehrere Holzplastiken befinden sich seit 1935 als Leihgabe im Ostfriesischen Landesmuseum in Emden: Kruzifix (Eichenholz, zweite Hälfte 13. Jh., Kreuz ergänzt); Thronende Muttergottes (Eichenholz, 13. Jh., Robra: erste Hälfte 14. Jh.5); Anna selbdritt (Eichenholz, Ende 15. Jh., niederrheinisch); Kampf des heiligen Georg mit dem Drachen (Eichenholz, Mitte/Ende 14. Jh.); kreuztragender Christus (spätes 15. Jh.); heiliger Bf. (Eichenholz, Mitte 14. Jh.); romanischer Reliquienschrein (Eichenholz mit Resten alter Bemalung und Vergoldung, letztes Viertel 14. Jh.; Robra: 13. Jh.6).

Orgel

1794/95 Neubau von J. Gottfried Rohlfs (Esens), 8 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen; ursprünglich auf einer Empore im Osten über dem Altar. 1877 Instandsetzung durch Rohlfs oder Janssen. 1914 Reparatur und vermutlich Veränderung der Disposition (Gambe 8’ für Traversflöte und Prinzipal 8’ für Trompete 8’) durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover). 1960 Instandsetzung, Veränderung der Disposition (Quintade 8’ für Gambe 8’ und Trompete 8’ für Prinzipal 8’) sowie Verlegung der Orgelempore von der Ostseite auf die Westseite der Kirche. 2008/09 Restaurierung durch Bartelt Immer (Norden); Wiederherstellung der originalen Farbfassung durch die Restauratorin Karin Hesse (Winsen/Aller). Seit 1952 unter Denkmalschutz.7

Geläut

Zwei LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1829, M. Fremy und A. H. van Bergen); II: g’ (Bronze, Gj. 1957, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Die älteste bekannte Glocke stammte von 1350 und wurde später mehrfach umgegossen; ebenso eine jüngere Glocke. Aus dem Geläut wurde eine Glocke 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert. Sie wurde erst 1957 durch einen Neuguss ersetzt.8

Friedhof

Bei der Kirche. Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 440-441 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 80 (EphA Aurich).

Quelle

Mitteilung von Frau Angelika Scheepker vom 10. November 2015.

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 182; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 70 f.; Schoolmann, Altkreis Aurich, S. 45-48; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 121; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 34; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 43 f.; Robra, Holzplastik, passim.
B: Kirchenvorstand Bangstede (Hg.): Festschrift 750 Jahre St.-Georgs-Kirche Bangstede, [Bangstede o. J.]; Ludwig Janssen, Hans-Rudolf Manger und Harm Harms: Die Familien der Kirchengemeinde Bangstede (1724-1900) (= Ostfrieslands Ortssippenbücher 12), Aurich 1987.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede; Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 25.
  2. Hodenberg, Stader Copiar, S. 53.
  3. KABl. 1971, S. 14.
  4. KABl. 1899, S. 33.
  5. Robra, Holzplastik, S. 15 f.
  6. Robra, Holzplastik, S. 38.
  7. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).
  8. LKA, G 9 B/Bangstede (Gutachten von Fr. Hardege, 13.01.1958).