Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Aurich | Patrozinium: – | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Die an einer Altstraße zwischen Aurich und Emden auf einem Geestrücken gelegene Siedlung Barstede wird 1408 erstmals erwähnt. Mitte des 15. Jh. errichtete Udde Riekana ein Steinhaus (Burg), das sich bis 1620 im Besitz seiner Familie befand und nach mehreren Eigentümerwechseln von Gf. Ulrich II. von Ostfriesland (1628-1648) angekauft und seiner Frau Juliane von Hessen-Darmstadt († 1659) überlassen wurde. Noch in der zweiten Hälfte des 17. Jh. ging es wieder in Privathand über und wurde um 1789/90 abgebrochen. – Seit 1972 Ortsteil der Gemeinde Ihlow.

Kirche, Außenansicht, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juli 1948

Kirche, Außenansicht, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juli 1948

Über die Stiftung von Kirche und Pfarre liegen keine Angaben vor. Das frühere KGb stammte aus dem 13. Jh. Vorref. Geistliche sind nicht bekannt. Erste luth. Geistliche waren Derk Specker (um 1540), Johannes (um 1563), Paulus Raez (um 1567) und Diedrich Schnürwange (um 1595).1 Seit Anfang des 18. Jh. verfügte der Ort über eine Schule.
Von den Pfarrern aus Barstede gehörte P. Johann Hinrich Schmertmann (amt. 1809-1849) – damals noch in Collinghorst – zu den Gründen der Missionssocietät vom Senfkorn (1798), dem ältesten Missionsverein in Deutschland. 1834 war er Mitgründer und bis zu seinem Tod 1849 erster Vorsitzender der Ostfriesischen Ev. Missionsgesellschaft. P. Johann Heimerich Winfried Riese (amt. 1883-1931) war ein bekannter Bienenforscher und 1886 Gründer des Ostfriesischen Imkervereins. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt 1931 wurde die Pfarre für dauervakant erklärt. Die Vakanzvertretung erfolgte anfangs durch den Pfarrer von Westerstede, allerdings setzte der deutsch-christliche KV 1934/35 die Übertragung der Versorgung auf den DC-Pfarrer Riechelmann aus Aurich durch. 1935 wurde diese Aufgabe wieder P. Rickers (Westerende) übertragen. Ab 1948 erfolgte die Vakanzvertretung von Bangstede aus, nachher (vor 1958) von Ochtelbur. Aufgaben in der Gemeindearbeit übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg auch Marie Riese († 1988), die Tochter des letzten Pfarrers. Sie gründete einen Frauenverein sowie den Kirchen- und Flötenchor.
Im Zuge der parochialen Neuordnung der KG Ochtelbur, Bangstede und Barstede wurden die Pfarrstellen von Barstede und Bangstede am 1. Januar 1971 mit der von Ochtelbur vereinigt. Sitz des Pfarramts war Ochtelbur.2 Diese Verbindung wurde mit dem 1. Januar 2013 wieder getrennt und Barstede und Bangstede mit der St.-Martins-KG in Westerende verbunden.

Umfang

Das Dorf Barstede und (seit 1822) die Moorkolonie Neu- Barstede. Die Kolonisten in Neu- Barstede waren zuvor keiner Parochie zugeteilt, ließen aber die Amtshandlungen in Barstede vollziehen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Domscholasters (Sedes Aurich). – Barstede unterstand 1631 bis 1643 dem luth. Coetus in Aurich und ab 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium daselbst. Nach der Insp.-Ordnung von 1766 zur 1. luth. Insp. in Ostfriesland, später mit Sitz in Aurich (1924: KK Aurich).

Patronat

Genossenschaftspatronat der Gemeinde (Interessentenwahlrecht).

Kirchenbau

Die um 1280 auf einer Kirchenwarft errichtete, zunächst eingewölbte und später mit einer Flachdecke versehene, rechteckige Backsteinsaalkirche, wird schon 1896 als baufällig bezeichnet. 1951 wurde sie abgebrochen und 1952 auf den alten Fundamenten durch einen Neubau nach Entwurf des Architekten Dr. Hans Eschebach (Emden) ersetzt. Rechteckige Backsteinsaalkirche mit einem Stahlbetonskelett, fünf segmentbogige Fenster an den Längsseiten; innen durch eine fast halbkreisförmige Brettertonne abgeschlossen. Orgelempore an der Westseite.

Turm

Freistehender, von einem Walmdach bedeckter Backstein-Glockenstuhl des Parallelmauertyps (13. Jh.; 1965 saniert).

Grablege

Beisetzungen fanden in der Kirche bis 1825 statt. U. a. befand sich unter dem Altarraum das Grabgewölbe des Direktors der fürstlichen Schatzkammer in Aurich, Christian Ludwig Pfizer († 1781), das im Zuge des Neubaus 1952 verlegt wurde.

Ausstattung

Gemauerter Stipes; darauf ein zweigeschossiges Renaissance-Triptychon (im Mittelstück das heilige Abendmahl, auf den Flügeln Passionsszenen; im oberen Teil die Auferstehung; Doppelwappen Ostfriesland/Hessen-Darmstadt). Der Altar war wohl eine Stiftung des Gf. Ulrich II. aus dem früheren Besitz der Familie Riekena (dat. 1644). Er befand sich vermutlich ursprünglich auf der Burg und wurde nach deren Abbruch (1790) in der Kirche aufgestellt. – Kanzelkorb (um 1670/80), mit Schnitzfiguren der vier Evangelisten und des Apostels Paulus. – Zylindrischer Sandsteintaufe aus Bentheimer Sandstein (um 1200). – Zwei Messing-Kronleuchter (1708, 1883).

Orgel

1801/02 Bau der ersten Orgel durch Johann Gottfried Rohlfs (Esens) und seinen Mitarbeiter Johann Christian Grüneberg, 7 I/aP. Ursprünglich auf einem Lettner im Osten vor dem Altar, 1883 auf die Westempore verlegt und wohl nachträglich um ein achtes Reg. erweitert. 1953 (Kaufmann: 1950) Restaurierung und Teilumbau durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven). Aufstellung in der neuen Kirche. 1989/1991 erneute Restaurierung durch die Firma Führer. Denkmalorgel.3

Geläut

Zwei LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1880, F. Otto, Bremen-Hemelingen); II: fis’ (Bronze, Gj. 1965, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: 1880 wurden durch die Firma F. Otto (Bremen-Hemelingen) zwei Glocken umgegossen, von denen eine 1917 zu Rüstungszwecken abgegeben wurde. Erst anlässlich der Turmsanierung von 1965 wurde das Geläut wieder auf zwei Glocken ergänzt.

Weitere kirchliche Gebäude

Das alte Pfarrhaus wurde 1813 auf den Fundamenten des Vorgängerbaus (ein Gulfhaus von 1777) errichtet.

Friedhof

Bei der Kirche, nach 1950 um das Grundstück des ehemaligen Armenhauses erweitert. Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 558-560 (Pfarrbestallungsakten); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 80 (EphA Aurich).

Quelle

Mitteilung von Frau Pn. Angelika Scheepker vom 10. November 2015.

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 195; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 71 f.; Scholmann, Altkreis Aurich, S. 49-51; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 122; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 35; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 44; Schild, Denkmal-Orgeln I, S. 42-57.
B: Harm Harms: Die Familien der Kirchengemeinde Barstede (1684-1907) (= Ostfrieslands Ortssippenbücher 31), Aurich 1992; Johannes Treblin: Festschrift zum 50-jährigen Neuaufbau der ev.-luth. Kirche Barstede, [Barstede] 2003.


Fußnoten

  1. Meyer, Pastoren I, S. 64.
  2. KABl. 1971, S. 14.
  3. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).