Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Rhauderfehn | Patrozinium: Dreifaltigkeit (seit 1958) | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Ort im Overledingerland, seit 1973 Ortsteil von Rhauderfehn. Collinghorst kam 1409 unter die Herrschaft von Keno tom Brok und Focko Ukena. Die Häuptlingsburg (Steinhaus) war seit dem 17. Jh. im Besitz der Familie von Hövel. Nach dem Ende der Häuptlingszeit fiel Collinghorst an die Gf. von Ostfriesland und wurde damit 1744 preußisch (Amt Stickhausen).
Die ab Mitte des 13. Jh. errichtete Kirche in Collinghorst gilt als eine der ältesten im Overledingerland. Ob es vor dem heutigen Ziegelbau bereits eine Holzkirche gab, ist ungeklärt. Ein archäologischer Nachweis liegt nicht vor. Allerdings wird an der Stelle des heutigen KGb ein vorchristlicher Kultplatz vermutet. Das ursprüngliche Patrozinium der Kirche ist unbekannt.1 Die Bezeichnung „Dreifaltigkeitskirche“ erhielt sie nach einem 1958 freigelegten Deckengemälde im Chorraum.2
Über die Einführung der Reformation liegen keine Nachrichten vor. Im 16. Jh. wird ein ev. Prediger namens Blasius geführt. 1584 war Hermann Mewe (Niewe) P. in Collinghorst, 1590 Reinerus Lingius. Seit 1731 gab in Collinghorst eine Küsterschule.
Ein Posaunenchor besteht seit 1929. 2002 wurde die Förderschaft Dreifaltigkeit gegründet, die sich für die Innenrenovierung der Kirche und die Restaurierung der Orgel einsetzt.

Umfang

Die Dörfer Collinghorst und Glansdorf (1785 als Moorkolonie angelegt, Neuglansdorf nach 1830), die Kolonie Grete (um 1795 gegründet) und der Hof Nannebarg (1819 erstmals genannt).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Friesland (Propstei Leer) der Diözese Münster. – 1631 bis 1643 dem luth. Coetus in Aurich unterstellt, ab 1643 unmittelbar dem dortigen Konsistorium. Bei der Neueinteilung der Insp. 1766 zur Insp. des Amts Stickhausen (zur 6. luth. Insp. in Ostfriesland), später 5. luth. Insp. in Ostfriesland; ab 1924 KK Potshausen (1. September 1974 umbenannt in KK Rhauderfehn).3

Patronat

Genossenschaftspatronat der Gemeinde (Interessentenwahlrecht), aufgehoben 1943.4

Kirchenbau

Die einschiffige, romanische Backsteinkirche (um 1250) wurde Mitte des 14. Jh. um einen gotischen, polygonalen, spitzbogig gewölbten Chor mit querrechteckigem Vorjoch erweitert. Die drei Chorfenster wurden nachträglich vermauert. Das Schiff war ursprünglich durch eine Balkendecke geschlossen und erhielt erst im 17. Jh. das heutige Tonnengewölbe. Über dem Altar ein Deckenfresko mit der Darstellung der Dreifaltigkeit (um 1350). Grundlegende Renovierung 1958.

Turm

Rechteckiger Westturm mit rundbogigen Schallöffnungen (um 1350), ursprünglich durch einen schmalen Gang von Langhaus geschieden. Eine ins Achteck überführte verschieferte Turmspitze von 1858 ersetzt das frühere Satteldach. Bekrönung mit Kugel, Kreuz und Schwan.5 In der Turmhalle befindet sich eine Gedenkstätte für die Gefallenen der Weltkriege.

Ausstattung

Barocker Flügelaltar mit dreiteiligem Aufsatz (1659), gestiftet vom Kirchenvogt und Armenvorsteher Cord Roskam. Auf dem Hauptbild in der Mitte das heilige Abendmahl, auf den Flügeln die Verkündigung an Maria, Geburt Christi, Anbetung der Könige und die Beschneidung; Predella: die vier Evangelisten. – Kanzel im barocken Stil (1816). – Taufstein aus einem Findling; wurde im 19. Jh. zweckentfremdet, nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in Benutzung genommen und um eine aufgesetzte Kupferschale ergänzt. Ein 1911 beschaffter hölzerner Taufstände wurde zum Lesepult umgestaltet. – Kronleuchter von 1672 und 1800. Ein dritter Leuchter von 1882 wurde im Zweiten Weltkrieg für die Metallspende abgegeben und 1988 ersetzt.

Orgel

Die erste Orgel (Herkunft und Erbauer unbekannt) wurde 1788 angekauft und auf einer Empore im Chorraum aufgestellt. 1838 Neubau und Verlegung auf die Westempore durch Johann Gottfried Rohlfs (Esens), 8 I/aP. 1884 verändert.6 Im Ersten Weltkrieg Ausbau der Prospektpfeifen. 1954/55 Restaurierung und Einbau eines elektrischen Gebläses durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven). 2007 Restaurierung durch Bartelt Immer (Norden). – Seit 1952 unter Denkmalschutz.7

Geläut

Drei LG, I: fis’ (Kreuzglocke); II: gis’ (Auferstehungsglocke); III: h’ (Taufglocke) (alle Euphon [Kupfer-Silizium-Zink-Legierung], Gj. 1956, Carl Czudnochowsky/Erdinger Glockengießerei, Erding). – Früherer Bestand: Das alte Geläut (fis’ und a’) wurde 1818 durch die Gießer Andries Heero van Bergen, Udo van Bergen und M. Fremy auf dem Kirchhof umgegossen. Von den damals zwei LG fiel die größere (fis’) dem Ersten Weltkrieg zum Opfer. 1925 wurden bei der Glockengießerei Gebrüder Ulrich (Apolda) zwei neue Bronzeglocken in f’ und c’ in Auftrag gegeben. Im Zweiten Weltkrieg wurden erneut die beiden größeren (f’-Glocke von 1925 und a’-Glocke von 1818) abgeliefert. Bei Anschaffung des jetzigen Euphon-Geläuts nahm die Erdinger Glockengießerei die verbliebene Bronzeglocke in Zahlung.

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindezentrum 4 (Bj. 1993, Architekt: Ingo Herlyn), an der Stelle des früheren Küsterhauses neben der Kirche

Friedhof

Kirchliches Eigentum. Ursprünglich bei der Kirche; später an die Bundesstraße 438 verlegt. FKap (errichtet durch die politische Gemeinde Rhauderfehn, Bj. 1973; Glockenturm von 1989).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 4568-4571 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich).

Literatur

A: Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 88 f.; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 125; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 48; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 52.
B: Walter Reinke: Collinghorst – Glansdorf und die Ortsteile einst und jetzt, [Collinghorst 2011]; Annegret Schmidt-Bonhuis: Ev.-luth. Dreifaltigkeitskirche zu Collinghorst, [Rhauderfehn o. J.].


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 216.
  2. LKA, G 1/Collinghorst.
  3. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 411 und 684; KABl. 1974, S. 253.
  4. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 604.
  5. Lübben, Wetterschwäne, S. 26.
  6. LkAH, B 18, Nr. 123 (Auswertung der Orgelfragebögen).
  7. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).