Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hameln-Pyrmont | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Börry erscheint 968/69 als Burgiun in den jüngeren Corveyer Traditionen1 (Ersterwähnung) und 1004 in einer Schenkungsurkunde Ks. Heinrichs II. für das Kloster Kemnade.2 Seit 1288 ist die Unterscheidung zwischen den Ortsteilen Oberbörry und Niederbörry belegt. Grundherren waren die Edelherren von Homburg, das Kloster Corvey, Stift und Stadt Hameln sowie verschiedene Adelsgeschlechter, darunter die von Hake aus Ohr sowie seit dem 13. Jh. die von der Schulenburg in Hehlen. Mit dem Erbe der Homburger fiel Börry Anfang des 15. Jh. unter die Herrschaft der Welfen und gehörte vom 16. bis 19. Jh. zum Amt Grohnde (ab 1859 Amt Hameln).

Kirche, Ansicht von Südosten, Postkarte, vor 1950

Kirche, Ansicht von Südosten, Postkarte, vor 1950

Beide Ortsteile verfügten über eine eigene Kirche, in Niederbörry seit dem 12. Jh., in Oberbörry seit dem 13. Jh. Die KG Börry enstand zum 1. April 1949 aus der Fusion der beiden bis dahin eigenständigen Gemeinden Oberbörry und Niederbörry.3 Der gesamte Grundbesitz der ehemaligen Pfarre Niederbörry einschließlich der seit 1970 nicht mehr genutzten Kirche sowie des Pfarrhauses (Bj. um 1800) mit Pfarrscheune und KiGa wurde 1985 an die politische Gemeinde Emmerthal veräußert, die auf dem Gelände in Verbindung mit einer benachbarten Hofanlage ein Museum für Landtechnik und Landarbeit errichtete (1990 eröffnet). Altar, Gestühl und Turmuhr schenkte die KG der politischen Gemeinde Emmerthal; für Altarbild, Glocken, zwei Gelbgussleuchter und das Altarkreuz wurde 1997 ein Leihvertrag abgeschlossen. Die Kirche wurde nach Vorlagen aus dem 19. Jh. restauriert und dient seither als Museumskirche. Der verbliebene Gebäudebestand in Oberbörry umfasst neben dem KGb das Pfarrhaus (Bj. 1855) und ein 1967 an der Stelle der früheren Pfarrscheune errichtetes Gemeindehaus.

Umfang

Börry und Bessinghausen sowie Brockensen (KapG) und Latferde (KapG).

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG zum KK Bodenwerder. Am 1. Januar 1999 wurde Börry in den KK Hameln-Pyrmont umgegliedert.

Kirchenbau – Oberbörry
Kirche, Grundriss, 1936

Kirche, Grundriss, 1936

Die Kirche reicht in den ältesten Bauteilen bis Mitte des 13. Jh. zurück. Sie besteht aus einem einschiffigen, innen in zwei Joche gegliederte, Langhaus aus verputztem Bruchsteinmauerwerk mit ehemals eingezogenem Chor und Westturm mit Satteldach. Nach Abbruch des alten Chorraums wurde das Schiff im 18. Jh. um eine Jochlänge nach Osten erweitert. Im westlichen Joch ist das ursprüngliche Kreuzgratgewölbe erhalten. Das zweite Joch und der Altarraum sind von einer verputzten hölzernen Flachtonne geschlossen. U-förmige Empore. Sakristeianbau aus dem 19. Jh.

Turm

Westturm im Kern aus dem 13. Jh. Auf dem Satteldach ein sechsseitiger verschieferter Dachreiter mit geschweifter Haube (18. Jh.).

Kirche, Blick zum Altar, 1936

Kirche, Blick zum Altar, 1936

Ausstattung

Hölzerner Kanzelaltar (überwiegend 19. Jh.) mit der Figur des Auferstandenen auf dem Schalldeckel (17. Jh.). Über der Mensa eine Abendmahlsdarstellung von Behrends Waltemate (1641). – Gemälde des Sup. und Konsistorialrats Paul Dietrich Stisser († 1723). – Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Orgel

1879/80 nahm Heinrich Faber (Salzhemmendorf) einen Umbau einer älteren, vermutlich einmanualigen spätbarocken Orgel eines unbekannten Orgelbauers (um 1800) vor. 1947/49 Umbau durch Firma Niemeyer (Hannover), 13 (14) II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Restaurierung 1991 durch Martin Haspelmath (Walsrode), 15 II/P. Prospekt unter Denkmalschutz.

Geläut

Zwei LG, I: g’ (Bronze, Gj. 1927, Gebrüder Radler, Hildesheim); II: b’ (Bronze, Gj. 1952, Gebrüder Rincker, Sinn). – Eine SG in g’’ (Bronze, Gj. 1524).

Kirchenbau – Niederbörry
Kirche, Ansicht von Südosten, 1936

Kirche, Ansicht von Südosten, 1936

Die Kirche ist Teil des Museumsdorfs Börry, Museum für Landtechnik und Landwirtschaft und wird für Ausstellungen, Konzerte und Gottesdienste genutzt. Einschiffiges dreiachsiges Langhaus aus Bruchsteinmauerwerk, im Kern mittelalterlich (12. Jh.). Um 1620 Umbau unter Einbeziehung der romanischen Langhauswände. Weiterer Umbau um 1800. Im Osten wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jh. eine niedrigere Sakristei angefügt. Um 1830 Einbau einer umlaufenden Emporenanlage, die im Osten den Kanzelaltar einbezieht. 1980 renoviert.

Turm

Westturm mit massivem Unterbau und Glockenstube aus verschiefertem Fachwerk (um 1620). Achtseitig spitz zulaufender Helm, 1761 durch Blitzschlag beschädigt und 1765 erneuert.4

Kirche, Blick zum Altar, 1936

Kirche, Blick zum Altar, 1936

Ausstattung

Kanzelaltar mit Abendmahlsgemälde von Behrends Waltemate (1641). – Achteckige gotisierende Taufe aus gebranntem Ton (1881 gestiftet). Messingtaufschale von Fr. Reinecke (Hannover).

Orgel

1960 Neubau als Brüstungspositiv durch Rudolf Janke (Gertenbach), 5 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. Prospekt und Pfeifenmaterial der alten Orgel wurden wieder verwendet. Die Orgel war das erste Werk von R. Janke in der hannoverschen Landeskirche und wurde 1990 an die politische Gemeinde Emmerthal veräußert.

Geläut

Zwei LG, I: d’’ (Bronze, Gj. 1952, Gebrüder Rincker, Sinn); II: e’’ (Bronze, Gj. um 1280). – Eine SG in a’’ (Bronze, Gj. 1901?).

Friedhof

Eigentum der KG. Begräbnisplätze befanden sich ursprünglich auf den Kirchhöfen beider Kirchen. 1835 wurde am Sandbrink für die Gemeinden Oberbörry, Niederbörry und Bessinghausen ein neuer Friedhof angelegt. FKap (Bj. 1977, Architekt: Helmut Schröder). Auf dem Kirchhof in Niederbörry befinden sich noch einige alte Grabsteine.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1323-1354 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 983-1009 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 269-275 (Visitationen); D 25 (EphA Bodenwerder).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 238; Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont I, S. 112-117.
B: Heike Hörning (Hg.): 1000 Jahre Börry. Geschichte und Geschichten vom Dorf und seinen Menschen, [Börry 2004].


Fußnoten

  1. Mönchslisten I, § 325; Mönchslisten II, S. 245; Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 57.
  2. MGH DD H II 87.
  3. KABl. 1949, S. 22.
  4. LkAH, B 2 G 9/Börry I, Bl. 89.