Sprengel Hannover, KK Hameln-Pyrmont | Patrozinium: Petrus (auch Maria, Paulus)1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist der Ort erstmals im Jahr 1004 nachweisbar, als der ostfränkische Kg. und spätere Ks. Heinrich II. († 1024) hier eine Urkunde für das Kloster Fischbeck ausstellte: actum in villa Osen (geschehen im Dorf Ohsen).2 Der Ortsname Kirchohsen etablierten sich erst in der Neuzeit.3 Burg (belegt 1259)4 und Dorf Ohsen gehörten den Gf. von Everstein und kamen im 14. Jh. zunächst teilweise, 1408 dann ganz in den Besitz der welfischen Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg.5 Aus dem Zubehör der Burg Ohsen ging das gleichnamige, kleine Amt hervor, das zum Fsm. Calenberg zählte (1495: Fsm. Calenberg-Göttingen, „Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Amt und Burg dienten bis ins 17. Jh. als Pfandobjekt (u. a. verpfändet an die Gf. von Spiegelberg).6 Eine erste Ortsansicht Ohsens ist aus dem Jahr 1595 überliefert7, eine weitere aus der Mitte des 17. Jh. (Merian-Stich).8 In französischer Zeit zählte (Kirch-)Ohsen von 1810 bis 1813/14 zum Kanton Bodenwerder im Distrikt Rinteln des Leinedepartements im Kgr. Westphalen. Danach gehört das Dorf, nun im Kgr. Hannover, zum Amt Grohnde-Ohsen (1852: Amt Grohnde), das 1859 im Amt Hameln aufging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Ohsen 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung kam der Ort 1885 zum Kr. Hameln, der 1922 im Lkr. Hameln-Pyrmont aufging. Seit 1973 gehört Kirchohsen zur neugegründeten Gemeinde Emmerthal. Zur Sozialstruktur des Kirchspiels schrieb der Ortspastor 1955: „Die Gemeinde besteht hauptsächlich aus Industriearbeitern. Der Bauer hat jedoch immer noch einen starken Einfluss im Gemeindeleben, auch im politischen Bereich. Ausserdem wohnen hier viele Handwerker und Beamte.“9 Gut einen Kilometer südöstlich Ohsens befindet sich das Kernkraftwerk Grohnde (Laufzeit 1985–2021). Um 1810 lebten etwa 550 Menschen in Ohsen, 1939 etwa 1.320, 1952 rund 2.350 und 2004 gut 3.520.
Laut einer Nachricht im Turmknauf der St.-Petri-Kirche fand sich noch im 18. Jh. in einem Fenster des Chors eine Glasmalerei mit der Inschrift: „Carolus Magnus fundator ecclesiae in Osen. MCLX“ (Karl der Große, Gründer der Kirche in Ohsen. 1160). Das Bild ging später verloren und könne nach Einschätzung von Heinrich Mithoff „von hohem Alter nicht gewesen sein“ (1871).10 Auch P. Christian Georg Leist (amt. 1730–1756) erwähnte das Fensterbild im Corpus bonorum von 1734 und schrieb, dass „per tradition“ Karl der Große als Kirchengründer gelte.11 Neben dem Chorfenster zählte P. Leist zwei weitere Punkte auf, die ihm die Gründungserzählung „desto glaubhaffter“ erscheinen ließen: Er schrieb, dass „vor etwa hundert Jahren annoch Rolands-Bild auf dem Kirchhoff gestanden, und vielleicht noch stünde, dafern nicht Noth gewesen wäre, es zu Verhütung allerleÿ Aberglaubens wegnehmen und in den Thurm bringen zulaßen“. Dazu käme, dass „sämtliche Eingepfarrte ihre Zehndfreÿheit, so sie ruhig genießen von diesem Kaÿser deßwegen, daß weÿl[and] ihre Vorfahren sich beÿm ersten hiesigen Kirchen-Bau zu deßelben allerhöchsten Wollgefallen fleißig finden laßen empfangen zu haben einmüthig bekennen“.

Kirche, Ansicht von Südosten, 1937

Kirche, Ansicht von Südosten, 1937

Möglicherweise ist Ohsen als fränkisches Missionszentrum für den Tilithigau anzusehen, eine erste Kirchengründung könnte also vielleicht im 8. Jh. – und damit in der Zeit Karls des Großen – vermutet werden. Auch das Patrozinium St. Petrus wird als Indiz dafür herangezogen.12 Später war Ohsen Sitz eines Archidiakonats der Diözese Minden; ein Archidiakon ist erstmals 1257 urkundlich belegt: Ludolfus archidyaconus in Osen.13 Das Archidiakonat Ohsen war recht umfangreich: In einem Verzeichnis – das allerdings erst aus dem 17. Jh. stammt – sind insgesamt 54 Kirchspiele verzeichnet.14
Die parochie Osen ist urkundlich 1264 und 1283 erwähnt, das bis heute erhaltene Kirchengebäude geht vermutlich auf die Zeit um 1300 zurück.15 Ein namentlich nicht genannter plebano in Osen ist 1319 belegt.16 Im Jahr 1337 war Johannes Segebodonis, Pfarrer in Osta [Osen?], 1341 und 1344 wird ein Henricus als rector ecclesie in Ohsen genannt, 1345 ein Johannes als pleban.17 Im Jahr 1405 war Wesselus Sterneberg Priester in Ohsen.18 Im 15. Jh. hatte anscheinend Luthardus Bendessen die Pfarrpfründe in Ohsen inne: 1418 bewarb sich Johannes Arnoldi de Hoya um seine Nachfolge, da Bendessen an die Pfarrkirche in Düshorn gewechselt sei.19 Aus dem gleich Grund bat Richardus Richardi iunior im Januar 1419 um die Verleihung der Pfründe.20 1420 allerdings ist Luthard von Bendessen weiterhin als Pfarrer in Ohsen belegt.21 Ein neuer Interessent für die Pfarrstelle ist 1456 nachweisbar: Johannes Korffmeker gab an, die Pfarre sei vakant, da Luthardus de Bendessen gestorben sei.22 Neben der Pfarrkirche lässt sich im 15. Jh. auch eine Schlosskapelle in Ohsen belegen: 1416 belehnte Gf. Moritz von Spiegelberg seinen Kaplan Hermann Amelies mit dem Altar St. Mauritius im Schloss Ohsen und 1451 ist sie als capellae beatae virginis in Osen nachgewiesen (Kapelle der heiligen Jungfrau in Ohsen).23
Über die Einführung der Reformation in Ohsen sind keine Details bekannt, als erster luth. Geistlicher gilt Johann von Lübecke, über den allerdings „nichts weiter bekannt“ sei.24 Als Vormund ihres minderjährigen Sohnes Erich führte Hzgn. Elisabeth († 1558) die luth. Lehre im Fsm. Calenberg-Göttingen ein: 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus († 1553) verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden des Fürstentums visitieren.25 Im Jahr 1545 übernahm der nunmehr volljährige Hzg. Erich II. († 1584) die Regierungsgeschäfte und wechselte 1547 zum kath. Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich jedoch seinen Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der luth. Lehre in den Kirchspielen des Fürstentums sicherstellen. Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fsm. Calenberg-Göttingen 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Hzg. Julius († 1589) führte seine 1569 aufgestellte ev. KO auch hier ein.26 1588 ließ er die Gemeinden visitieren. Im Protokoll dieser Visitation ist vermerkt: „Henricus Bodeker, Ohsensis. Ohsen, früher Archidiakonat, hat zwei Pastoren, davon der zu Ohsen ziemlich bestanden und fleißig. Hat von dem Belehnten die Pfarre um 120 Thlr. an sich bracht.“27 Inhaber der Pfarrpfründe war ein Werner König gewesen und P. Heinrich Bodeker (amt. 1577–1599) hatte das Pfarramt in Ohsen zunächst als mercenarius (Lohngeistlicher) versehen, bevor er 1583 auch die Pfarrpfründe übernehmen konnte.28 In seine Amtszeit fiel die Reparatur des Kirchturms (Bauinschrift „1581“ in einem Sandsteinquader).
Die ältesten Kirchenrechnungen stammen aus der Amtszeit von P. Peter Detmari (amt. 1600–1624), die ältesten Kirchenbücher aus der seines Nachfolgers P. Heinrich Seelhorst (amt. 1625–1652). In der zweiten Hälfte des 16. Jh. und Mitte des 17. Jh. kam es zu mehreren Hexenprozessen in Ohsen, an denen P. Bodecker und P. Johann Wittvogel (amt. 1653–1686) mitwirkten: 1583 wurden „Cordt Walterbergs und Heinrich Sievers Frauen“ hingerichtet (Scheiterhaufen), 1655 oder 1656 Barthold Harden (Enthauptung).29 Im bereits zitierten Corpus bonorum von 1734 findet sich eine Beschreibung der Kirche und ihrer Ausstattung.30

Kirche, Ansicht von Südwesten, um 1950

Kirche, Ansicht von Südwesten, um 1950

Seit dem 17. Jh. verkleinerte sich das große Kirchspiel Ohsen schrittweise: Zunächst erhielt 1615 Hämelschenburg ein eigenes Pfarramt, das seit 1652 auch für die Dörfer Amelgatzen, Deitlevsen, Gellersen und Welsede zuständig war. 1730 kam Grohnde zum Kirchspiel Hajen und 1819 wurde Lüntorf selbständig.
Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Helmut Hans Adolf Taube (amt. 1932–1934) und P. Theodor Antoni Johann Heyer (amt. 1934–1949) das Pfarramt Kirchohsen inne. P. Heyer war seit 1933 Mitglied der NSDAP und gehörte kirchenpolitisch zu den DC (beides bis 1945); als Grund gab er rückblickend an, dass er damit „seinem Volk und der Kirche habe dienen wollen“.31 Seit Oktober 1934 setzte sich P. Heyer „nach seinen glaubhaften Angaben nicht mehr aktiv für die Deutschen Christen ein, insbesondere gründete er in seiner neuen Gemeinde Kirchohsen keine DC-Gruppe und trat nicht mehr als Redner für die Deutschen Christen auf“. Im Bericht zur Visitation 1936 schrieb der Hamelner Sup. Albert Pellens (amt. 1935–1961): P. Heyer „steht als Parteigenosse sehr fest in der politischen Bewegung“; kirchenpolitisch hingegen sei er „nicht mehr gebunden“, gehöre nun „weder der thüringer noch der berliner Richtung der Deutschen Christen“ an.32 Auf dem Bückeberg bei Hagenohsen fand zwischen 1933 und 1937 jährlich das Reichserntedankfest der NSDAP statt (1937 etwa 1,2 Millionen Teilnehmer*innen).33
Mit dem Zuzug Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs vergrößerte sich nicht allein die ev. Petrigemeinde (1936: 2.220 Gemeindeglieder, 1948: 3.910, 1955: 4.095), es entstand auch eine kleine kath. Gemeinde (1948: 450 Gemeindeglieder).34 Kath. Gottesdienste fanden zunächst in der ev. Kirche statt und in einem Gasthaus in Röhrsen.35 1962 schließlich weihte der Hildesheimer Bf. Heinrich Maria Janssen (amt. 1957–1982) die kath. Kirche „Zur heiligen Familie“.
In die Amtszeit von P. Friedrich Hoppe (amt. 1949–1974) fiel 1955 der Umbau der Pfarrscheune zum Gemeindehaus und 1956 die Gründung des Posaunenchors. Nach der Visitation 1955/56 schrieb Sup. Pellens, die Gemeinde Ohsen habe „einen recht beträchtlichen Kreis“ aktiver Gemeindeglieder, der zudem wachse. Das neue Gemeindehaus „wird zum weiteren Aufbau des kirchlichen Lebens erheblich beitragen. Denn es ist hier die Möglichkeit geschaffen, dass die Gemeindeglieder sich auch ausserhalb der Kirche treffen, dass die Jugendarbeit sich heben wird und wahrscheinlich auch Frauen- und Männerarbeit eingerichtet werden kann.“36 Insgesamt blieb St. Petri eine „stark gottesdienstlich orientierte Gemeinde“, wie es im Bericht zur Visitation 1977 heißt.37
Der 1974 beschlossene Bau des Kernkraftwerks Grohnde gut einen Kilometer südöstlich Ohsens nahm in den 1970er und 1980er Jahren auch Einfluss auf die Arbeit der Kirchengemeinde. Im KV der Gemeinde saßen Befürworter und Gegner des Projekts. Rückblickend beschrieb P. Klaus Kuhrmeyer (amt. 1975–2007) 1989 die gleichsam lähmende Erkenntnis: „Wir, am Brennpunkt der Ereignisse, haben nicht so viel Freiheit, in das Spannungsfeld der Auseinandersetzung einzugreifen, mit Veranstaltungen und Stellungnahmen, wie andere Gemeinden, die – wenn auch vordergründig gesehen – nicht so direkt und dauernd mit der Problematik konfrontiert werden. […] Aus dieser örtlichen Perspektive ergab sich für uns, daß wir Zurückhaltung übten in der akuten Auseinandersetzung um das Pro und Contra der Kernenergie, dafür aber alle Kräfte konzentrierten auf die Probleme, die wir als Gemeinde infolge jenes Spannungszustandes tragen mußten. Zugespitzt: die Sache trat in das zweite Glied, primär ging es uns vor Ort um die Menschen, die von der Auseinandersetzung um die Problematik betroffen waren.“38
Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpfte die KG Ohsen Kontakte zur Kirchgemeinde Trünzig (Kirchenbezirk Zwickau); die Partnerschaft besteht noch heute (2022).39 Seit November 2007 besteht die Stiftung der Petri-Kirchengemeinde Ohsen, die das gemeindliche Leben unterstützt (u. a. Finanzierung von Personal, kirchenmusikalische Projekte, diakonische Projekte).
Ab Januar 2013 war die KG Ohsen pfarramtlich verbunden mit den Gemeinden Börry, Esperde, Frenke, Grohnde, Hajen und Lüntorf (Verbundenes Pfarramt in Emmerthal). Zum 1. Januar 2022 gründete sich das Verbundene Pfarramt Emmer-Wesertal, zu dem alle Gemeinden der Region 5 des KK Hameln-Pyrmont gehören: Afferde, Börry, Esperde, Frenke, Grohnde, Hajen, Hämelschenburg, Hastenbeck-Voremberg, Lüntorf, Ohsen und Tündern.40 Die Gemeinden wollen inhaltlich und personell zusammenarbeiten; der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus 14 Delegierten der Gemeinden und drei Pastor*innen, leitet den Pfarrverbund.
Die KG Ohsen liegt am 2005 eröffneten Pilgerweg Loccum–Volkenroda.41

Umfang

Emmern, Hagenohsen und Kirchohsen. Bis 1819 auch Lüntorf (dann eigenständig). Bis 1730 auch Grohnde (dann zum Kirchspiel Hajen). Bis 1652 auch Amelgatzen, Deitlevsen, Gellersen und Welsede (dann zum Kirchspiel Hämelschenburg), bis 1615 auch Hämelschenburg (dann eigenständig).42

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden.43 – Nach der Reformation kam Ohsen zunächst zur Insp. Münder, 1634 zur neuen Insp. Aerzen, deren Sitz 1664 nach Oberbörry verlegt wurde (Insp. Börry).44 1797 zur neuen Insp. Groß Berkel (Sitz der Suptur. in Groß Berkel), seit 1924 KK Groß Berkel, 1934 aufgegangen im neuen KK Groß-Berkel-Hameln, 1938 umbenannt in KK Hameln-Pyrmont.45

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1936

Kirche, Grundriss, 1936

Dreijochiger Rechteckbau mit eingezogenem, langrechteckigem Chor, ausgerichtet nach Nordosten, erbaut um 1300 (Schiff) und 1765 (Chor). Satteldächer. Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung. An Chor und Schiff mächtige, geböschte Stützpfeiler; am Schiff rechteckige Sprossenfenster in unregelmäßiger, zweistöckiger Anordnung; an Südostseite Rundbogenportal, Sandsteingewände verziert mit Reliefs: Weintrauben, Hand mit Schlüssel, Hand mit Schwert (teilweise verdeckt vom Stützpfeiler), außerdem rechteckiges Nebenportal; am Chor hochrechteckige, horizontal zweigeteilte Sprossenfenster und rechteckige Sakristeitür mit Inschrift „1898“ im Sturz.46 Im Innern Kreuzgratgewölbe im Schiff, Spiegelgewölbe im Chor, umlaufende Empore. 1765 Umgestaltung (u. a. Chor abgebrochen und neu erbaut, Fenster verändert).47 1820 Neugestaltung Innenraum (Empore, Kanzelaltar). 1828 Stützpfeiler erbaut und Kapellenanbau abgebrochen.48 Um 1900 Renovierung. 1978 Sanierung Nordostwand. 1989 Außensanierung.

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1960

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1960

Turm

Vierseitiger Westturm mit Eckquaderung, erbaut um 1300, repariert 1581. Verschieferter Helm mit vierseitigem Ansatz und hochausgezogener, achtseitiger Spitze, bekrönt mit Kugel und Kreuz, Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Nordosten. Im Glockengeschoss an jeder Seite eine flachbogige Nische mit zwei rundbogigen, gekuppelten Schallöffnungen mit Teilungspfeilern; nach Südwesten Uhrziffernblatt unterhalb der Schallöffnungen; schmale Schlitzfenster. Im Innern Andachtsraum mit Gefallenentafel und Altartisch. 1581 Bautätigkeit belegt (Bauinschrift „1581“ in einem Quader an der Südwestecke). 1730/31 Turmreparatur. 1765 Turmreparatur (Sturmschäden). 1904 neue Turmuhr. 1950er Jahre Reparatur Turmhelm. 1999 Turmsanierung.

Ausstattung

Kanzelaltar, integriert in die Nordostempore (1820), zylindrischer Kanzelkorb zwischen zwei dorischen Säulen, die Gebälk mit gewölbtem Schalldeckel tragen, Gebälk mit zwei bekrönenden Kugeln; hölzerner Altar mit seitlichen Schranken; links und rechts des Altars rundbogige Durchgänge zur Sakristei. – Zwei hölzerne Skulpturen, angebracht an der Emporenbrüstung im Chorraum, Apostel Petrus, Martin Luther. – Drei geschnitzte Reliefs (Weihnachtsszene, Abendmahlsszene, Auferstehungsszene). – Grabplatte für Hilmar von Amelunxen († 1593), Sandstein, Relief des Verstorbenen in Rüstung; bis 1828 im Chor, jetzt vor Südwestwand. – Grabstein für Friedrich von Amelunxen († 1598), Sandstein, Relief des Verstorbenen in Rüstung; bis 1828 im Chor, jetzt vor Südwestwand.49 – In der Turmkapelle: Altar, Kanzel und Lesepult aus Holz, ursprünglich in der Kirche der Jugendstrafanstalt Hameln. – Außen: Mehrere alte Grabsteine auf dem Kirchhof.50

Orgel

1734: eine „Orgel von 9 Stimmen ist vorhanden“.51 1901 Orgelneubau, ausgeführt von P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 22 II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen (Opus 452).52 1952 und 1957 Orgelreparatur und Änderung der Disposition, Orgelbauer Wilhelm Wiegmann (Hameln); seit Mitte der 1960er Jahre Orgelneubaupläne. 1978/79 Neubau des Orgelwerks (unter Verwendung von vier Registern des Vorgängerinstruments), ausgeführt von Emil Hammer (Arnum), 12 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 1776), darüber hinaus 5 vakante Register.53 1993 erweitert von Frank Rietzsch (Hiddestorf), 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; neugotischer Prospekt von 1901 erhalten.

Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Geläut

Vier LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1690, Nikolaus Greve, Hannover), Inschrift: Anno 1690 goss mich Nicolavs Greve in Hannover nach Ohsen an Gewicht 18 Cent 58 Pfund“ und „H. M. Pavl, Dieterich Stisser Svperintendens, H. Balthasar Mvnd Pastor zv Ohsen, Balzer Schlie vnd Johan Schaper Altaristen“; II: g’, Inschrift: „Bete und arbeite“; III: a’, Inschrift: „Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde“; IV: h’, Inschrift: „Ich bin Euer Frieden“ (alle Eisenhartguss, Gj. 1952, Firma Weule, Bockenem). Eine SG, as’’ (Bronze, Gj. 1904, Firma Weule, Bockenem). – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1575), Inschrift: „Anno a condito mundo 5537, qui fuit post natum Christum 1575. Pastore Oswaldo Münnichio. Spargentur quoties coelestis semina verbi aera ministerium dant tibi Christe pium“; Glocke 1662 geborsten und umgegossen zu einer neuen Glocke (Bronze, Gj. 1663).54 1734 waren zwei „feine große Glocken“ vorhanden, sowie eine Schlaguhr mit „einer mittelmäßigen außerhalb dem Thurm hangenden Glocken“.55 1871 besaß die Kirche neben der Glocke von 1690 (heutige LG I) noch zwei jüngere Glocken.56 Im Ersten Weltkrieg zwei Bronzeglocken zu Rüstungszwecken abgegeben und nach Kriegsende durch zwei neue Glocken ersetzt (Martha und Maria), diese wiederum im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1818). – Gemeindehaus (Bj. 1821, ehemalige Pfarrscheune, erweitert 1994).

Friedhof

Alter kirchlicher Friedhof rund um die Kirche. Neuer kirchlicher Friedhof am östlichen Ortsrand von Kirchohsen, genutzt etwa ab 1870, FKap (Bj. 1948, erweitert 1989). Kirchlicher Friedhof am nördlichen Ortsrand von Hagenohsen, angelegt im 19. Jh., neue FKap (Bj. 1979).57 Kirchlicher Friedhof im Norden von Emmern (Ecke Hauptstraße, Lindenweg), angelegt wohl 1882, FKap (Bj. 1956).58

Liste der Pastoren (bis 1940)

15..–15.. Johann von Lübbecke. – 1563, 1567 Johann Crull. – 1567–1575 Oswald Münnich. – 1576 Konrad Hollenstedt. – 1577–1599 Heinrich Bodeker (Bödeker). – 1600–1624 Petrus Detmari (Detmering). – 1625–1652 Henricus Seelhorst. – 1653–1686 Johann Wittvogel. – 1686–1723 Baltzahr Mund. – 1723–1730 Johann Balthasar Jänecke. – 1730–1756 Christian Georg Leist. – 1756–1762 Otto Johann Leist. – 1762–1775 Johann Heinrich Droste. – 1775 Johann Georg Just Glieme. – 1776–1780 Ludwig Christian Dannemann. – 1780–1813 Julius August Stisser. – 1815–1818 Johann Ludwig Loeber. – 1818–1836 Johann Andreas Hartwig. – 1837–1849 Johann Dietrich Anton Heinrich Pape. – 1849–1851 Otto Friedrich Röbbelen. – 1851–1883 Friedrich Wilhelm Schreiber. – 1884–1915 Heinrich Friedrich Gottlieb. – 1918–1921 Franz Friedrich Karl Kreusler. – 1921–1932 Hermann Karl August Robert Walbaum. – 1932–1934 Helmut Hans Adolf Taube. – 1934–1949 Theodor Antoni Johann Heyer.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 17–18

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 6552–6569 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 4436–4446 (Pfarrbestallungsakten); A 8 Nr. 217 (CB); A 9 Nr. 1297Digitalisat, 1298Digitalisat (Visitationen); D 9 (EphA Hameln-Pyrmont); L 5a Nr. 227–229 (LSuptur. Calenberg-Hoya mit Verden-Hoya und Celle); S 09 rep Nr. 1025, 1527 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7354 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1629 (Lücken: 1632–1634)
Trauungen: ab 1635 (Lücken: 1653)
Begräbnisse: ab 1635
Kommunikanten: ab 1636 (Lücken: 1653–1681, 1686–1836)
Konfirmationen: ab 1654 (Lücken: 1655, 1657–1660, 1662, 1663, 1665–1668, 1670, 1671, 1673, 1674, 1676–1723, 1725–1730, 1762–1772, 1835–1837, 1874, 1875)

Literatur & Links

A: Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 321–325; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 799; Hölscher, Leben, S. 82–98; Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 105–114; Meyer, Pastoren II, S. 17–18; Schlutter & Hölscher, Grohnde-Ohsen, S. 136.
B: Hans Berner: Das Amt Ohsen (= Schriftenreihe der „Genealogischen Gesellschaft Hameln“ zur Geschichte der Stadt Hameln und des Kreises Hameln-Pyrmont 6), Hameln 1954; Wolfgang Jürgens (Red.): 1000 Jahre Ohsen, Bad Pyrmont 2004; Burkhart von Reden: Nachrichten und Urkunden zur Geschichte der Pfarrei und der Kirchengemeinde Hämelschenburg, seit 1652 gesammelt von den dortigen Predigern, aus den Archiven der Pfarrei und des Schlosses abgeschrieben und kommentiert, 2001 [in: LkAH, S 9 rep. Nr. 526].
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche, Pfarrhaus.

Weitere Bilder

Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 191; ebd., II, S. 96.
  2. MGH DD H II 81 [Digitalisat]; UB Fischbeck I, Nr. 2. Bei der Urkunde handelt es sich um eine Fälschung des 12. Jh. „auf einem gelöschten Originaldiplom Heinrichs II.“ (ebd.).
  3. Berner, Amt Ohsen, S. 10.
  4. Spilcker, Everstein, Urkundenbuch, Nr. 118; Berner, S. 56 (Nr. 4).
  5. Berner, Amt Ohsen, S. 11 ff.; NLA HA Hann. 74 Hameln, Beschreibung.
  6. Berner, Amt Ohsen, S. 19 ff.
  7. NLA HA Kartensammlung Nr. 12 b Kirchohsen 2 pm (mit Digitalisat).
  8. Digitalisat.
  9. LkAH, L 5a, Nr. 227 (Visitation 1956).
  10. Mithoff, Kunstdenkmale I, S. 110.
  11. Dies und die folgenden Zitate: LkAH, A 8 Nr. 217, Bl. 2v f.
  12. Berner, Amt Ohsen, S. 7 f.
  13. Westfälisches UB VI, Nr. 669.
  14. Holscher, Bisthum Minden, S. 53 f. (Datierung ebd., S. 51 f.).
  15. 1264: Würdtwein, Subsidia XI, Nr. 21. 1283: Spilcker, Everstein, Urkundenbuch, Nr. 203.
  16. Würdtwein, Nova Subsidia IX, Nr. 100 (S. 164).
  17. 1337: UB Hameln I, Nr. 335. 1341: UB Fischbeck I, Nr. 104. 1344: UB Hameln I, Nr. 385.1345: UB Hameln I, Nr. 392.
  18. Reden, S. [27].
  19. RG Online, RG IV 06344, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/6344, 27.06.2022.
  20. RG Online, RG IV 12964, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/12964, 27.06.2022.
  21. Reden, S. [28].
  22. RG Online, RG VII 01375, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/7/1375, 27.06.2022.
  23. 1416: UB Hameln II, Nr. 50; Berner, S. 66 (Nr. 59). 1451: Berner, Amt Ohsen, S. 67 (Nr. 67).
  24. Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 108.
  25. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, Herrschaft, S. 47 ff.
  26. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.
  27. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 205.
  28. Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 108 f.
  29. Schlutter & Hölscher, Grohnde-Ohsen, S. 74 ff. (1656); Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 110 (1655). Kayser nennt einen vierten Fall: „1654 an Johann Höltken Frau wegen Hexerei die Wasserprobe ausgeführt“.
  30. LkAH, A 8, Nr. 217.
  31. Dies und das folgende Zitat: LkAH, B 7, Nr. 6888 (Bericht Heyer, 24.01.1947).
  32. LkAH, L 5a, Nr. 227 (Visitation 1936). Vgl. auch LkAH, B 7 Nr. 570, Bl. 9.
  33. Bernhard Gelderblom; Mario Keller-Holte: Die NS-Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg 1933–1937. Aufmarsch der Volksgemeinschaft und Massenpropaganda, Holzminden 2018.
  34. LkAH, L 5a, Nr. 227 (Visitationen 1936, 1948 und 1955).
  35. Jürgens, S. 30; Hölscher, Leben, S. 97 ff.
  36. LkAH, L 5a, Nr. 227 (Visitation 1956).
  37. LkAH, L 5a, Nr. 228 (Visitation 1977).
  38. LkAH, L 5a, Nr. 229 (Visitation 1998, Klaus Kuhrmeyer: Im Schatten des Reaktors Grohnde, 9 S.).
  39. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  40. Siehe: https://region5.kirche-hameln-pyrmont.de/, 28.06.2022.
  41. Siehe: https://www.loccum-volkenroda.de, 06.05.2022.
  42. Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 106.
  43. Holscher, Bisthum Minden, S. 53.
  44. Schlegel, Kirchenrecht II, S. 214.
  45. KABl. 1934, S. 158; KABl. 1938, S. 93.
  46. Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 322, nennt als Inschrift über der Sakristeitür: „Anno 1798. Luc. 11 V. 28. Selig sind die Gottes Wort hören und bewahren“.
  47. Nach Angaben im CB von 1734 war der Chor 15 Ellen lang, 12 Ellen breit und „mit gemahlten Brettern überschloßen“, LkAH, A8, Nr. 217, Bl. 1.
  48. Nach Angaben im CB von 1734 war die Kapelle „in quadrat 8 Ellen“ und besaß ein Gewölbe, LkAH, A8, Nr. 217, Bl. 1r.
  49. Nach Mithoff, Kunstdenkmale I, S. 111; Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 324.
  50. Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 324.
  51. LkAH, A8, Nr. 217, Bl. 1r.
  52. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 112.
  53. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 188.
  54. Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 108.
  55. LkAH, A8, Nr. 217, Bl. 2r f.
  56. Mithoff, Kunstdenkmale I, S. 111.
  57. Hölscher, Leben, S. 175.
  58. Hölscher, Leben, S. 173.