Frühere Gemeinde | Sprengel Lüneburg, KK Walsrode | Patrozinium: Johannes der Täufer | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Die am nördlichen Ausläufer eines Bruch- und Moorgebiets im sächsischen Loingau gelegene Ortschaft entstand vor der Jahrtausendwende um einen Meierhof (ursprünglich ein Freigut, das schon früh in Abhängigkeit von den Edelherren von Hodenberg geriet). Ein von den Hodenbergern abhängiges Geschlecht von Düshorn ist 1237 bezeugt. Das Dorf kam Ende des 13. Jh. unter die Landesherrschaft der Hzg. von Braunschweig und Lüneburg. Seit dem 16. Jh. gehörte Düshorn zur Amtsvogtei (1852: Amt) Fallingbostel. – Seit 1974 Ortsteil von Walsrode.

Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Die Kirche zählt zu den ältesten der Region. Das Gründungsjahr ist nicht überliefert. Für eine sehr frühe Entstehung spricht jedenfalls die weite Ausdehnung des Ksp., das ursprünglich den gesamten Gogerichtsbezirk umfasste. Vermutlich entstand sie schon im Zuge der Missionierung des Sachsenlandes als Taufkirche und nicht, wie gelegentlich angenommen, als Filial von Fallingbostel. Der Kirchplatz dürfte im Bereich des ehemaligen Herrenhofes liegen, aus dessen Grundbesitz die Pfarre dotiert wurde. Mit dem sacerdos Gerhardus, der in einer Urkunde des Bf. Konrad von Minden als Zeuge auftritt1, tritt die Pfarre 1203 ins Licht der Geschichte. Weitere vorref. Geistliche waren: Borchardus (plebanus, 1250, 1255)2; Volcquardus und Gherardus (vicarii, 1275); Hermannus (vicarius, 1297); Johannes (plebanus, 1322/44)3, Brun (Kerkhere, 1363)4; Reymert Rose (1407); Dethert, Kerckher to Dushoren (1488).5
Ernst der Bekenner führte 1527 die Reformation ein. 1534 wird im Pfarrpfründenverzeichnis mit Johann Wrede der erste luth. Pfarrer genannt.6 Ihm folgte 1543/64 Johannes Pauli aus Celle.7 Erste Nachrichten über eine Schule liegen aus dem Jahr 1558 vor. 1570 wurde eine Kaplanei (Diakonat) eingerichtet, deren Stelleninhaber auch den Schuldienst übernahm und einmal monatlich in der Kapelle von Ostenholz predigte. Mit der Verselbständigung der KG Ostenholz (1711) wurde die Kaplansstelle auf die dortige Gemeinde übertragen. Mit dem 1. Januar 2015 wurde die KG Düshorn mit der KG Ostenholz zur KG Düshorn-Ostenholz vereinigt.8
P. Karl-Justus Hoppe (amt. 1931-1948) verhielt sich in der NS-Zeit kirchenpolitisch neutral. Dem 1933 gewählten KV gehörten zwei DC-Mitglieder an, die jedoch bald wieder austraten. Störungen erfuhr insbesondere die Jugendarbeit. Die Bekenntnisschule wurde offiziell nicht umgewandelt, faktisch aber wie eine Gemeinschaftsschule behandelt. – In den 1960er Jahren gründete der frühere Ahldener P. Heinrich Kemner († 1993) im Bereich der KG das geistliche Rüstzentrum Krelingen, das sukzessive zum bedeutendsten Zentrum des Pietismus in Norddeutschland ausgebaut wurde.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II (Diakonat): 1611, 1711 aufgehoben.

Umfang

Nach der Abtrennung von Ostenholz, Westenholz, Oberhode und Benhorn (KG Ostenholz, 1711) bestand die Parochie noch aus den Dörfern Bockhorn, Böstlingen, Düshorn, Ellinghausen, Hartem, Kolk, Krelingen, Krusenhausen, Pröbsten, Rödershöfen, Sudbostel, Tietlingen und Vahrenholz, den Höfen Berghof, Brockhof, Deil, Hohe und Vietzen sowie einem Teil des Dorfes Hollige. Mit dem 1. Oktober 1919 wurde Tietlingen in die KG Fallingbostel umgepfarrt.9 Bei der Anlage des Truppenübungsplatzes Bergen wurden die Ortschaften Hartem, Kolk, Südbostel, Böstlingen, Fahrenholz und Pröbsten geräumt. Böstlingen, Fahrenholz und Pröbsten wurden nach dem Krieg durch Ostflüchtlinge neu besiedelt, dann aber wieder aufgegeben. Bestand 1952/53: Düshorn mit Ellinghausen und Rödershöfen, Beetenbrück mit der 1952/53 errichteten Ostsiedlung, Benzen mit Hof Schneede, Hollige (teilweise), Krelingen mit Krusenhausen, Bockhorn und die drei Platzranddörfer Böstlingen, Fahrenholz und Pröbsten. Mit dem 1. Januar 1983 wurde der Wohnplatz Schneede des Ortsteils Benzen der Stadt Walsrode in die St.-Johannes-der-Täufer-KG Walsrode umgepfarrt.10

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ahlden der Diözese Minden. – Nach der Reformation wechselnder Suptur.-Sitz in Walsrode, Ahlden und von 1641/42-1647/48 (unter P. Henning Thomas) sowie 1689-1748 (unter Heinrich Conrad Trefurt) in Düshorn. Bei der Teilung der Insp. in die Insp. Walsrode und Schwarmstedt 1774 blieb Düshorn bei der Insp. (1924: KK) Walsrode. 1821 bis 1867 war es erneut Sitz der Suptur.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Das erste KGb war wohl eine hölzerne Taufkirche auf dem früheren Thingplatz, die später durch einen Massivbau aus Feldstein ersetzt wurde. In der Fehde von 1457-59 zwischen Wilhelm dem Älteren von Braunschweig und Bernhard von Lüneburg wurde der Ort verwüstet und dabei vermutlich auch die Kirche in Mitleidenschaft gezogen. Im 16. Jh. wurde sie durch Um- und Anbauten mehrfach verändert. Der Sakristeianbau mit darunter liegender Gruft an der Südseite wird 1559 erwähnt, das dem Eingang vorgebaute Brauthaus 1568. Ebenfalls dem 16. Jh. war der Choranbau zuzurechnen. Ab 1693 setzte sich P. Trefurt für einen Neubau des baufälligen und zu klein gewordenen Gebäudes ein. Obwohl sich die Gemeinde selbst gegen die Baumaßnahme aussprach, entschied die Regierung für den Abbruch der alten Kirche und ordnete eine Kollekte im Fsm. Lüneburg an. Der Neubau wurde 1715 errichtet. Zuletzt wurde sie 1843/44 nach einem Entwurf von Friedrich August Ludwig Hellner noch einmal grundlegend umgebaut.11 Rechteckiger Saalbau aus verputztem Mauerwerk mit unregelmäßigem 5/8-Chorschluss unter einem abgewalmten Satteldach. Flache geputzte Holzdecke. Rundbogige Sprossenfenster. Umlaufende Empore. 1981/82 renoviert.

Turm

Der freistehende hölzerne Glockenträger hat zweimal seinen Standort gewechselt: Der ursprünglich an der Westseite errichtete Turm wurde auf Veranlassung von P. Trefurt abgebrochen und 1734 durch einen Neubau im Osten des Schiffs ersetzt. Bei einem Großfeuer wurde er 1824 mitsamt den Glocken zerstört und 1827 abseits als freistehender, holzverschalter, im Glockengeschoß verschieferter Turm mit Hängekuppel und vierseitiger, offener Laterne neu errichtet.

Ausstattung

Klassizistischer Kanzelaltar mit aus Backsteinen gemauertem Stipes, Brüstungen, Stützpfeiler und Emporen aus der Zeit der Renovierung von 1843/44, bei der fast die gesamte ältere Inneneinrichtung beseitigt wurde. Zwischen Altartisch und Kanzel ein geschnitztes Abendmahlsbild von Wilhelm Sagebiel (1910). Von einem früheren Flügelaltar aus der Mitte des 15. Jh. haben sich sieben Heiligenfiguren erhalten, die jetzt an den Wänden der Kirche angebracht sind. – Taufengel, 1715 gestiftet durch den reitenden Förster Jacob Ernst Grütter. Eine frühere Bronzetaufe wurde 1637 durch kaiserliche Söldner zerschlagen. – Lesepult (Renaissance, um 1650, ehemalige Kanzel), mit der Darstellung der vier Evangelisten. – Gedenktafeln für die Gefallenen der beiden Weltkriege im ehemaligen Brauthaus. – In der Sakristei befindet sich ein Gemälde des Sup. Henning Thomas († 1648).

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

Der Erbauer der ersten Orgel ist unbekannt. 1559 wird in den Kirchenrechnungen die Instandsetzung durch den Organisten Johann Herter (Celle) erwähnt. 1586 erfolgte ein Neubau durch M. Matzen (Buxtehude). Weiterer Bestand unklar. 1827 Instandsetzung durch den Orgelbauer Meyer (Hannover), 15 I/P. 1860/61 Neubau durch Johann Andreas Engelhardt (Herzberg), 19 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Schleifladen. Früher wurde die Orgel fälschlich Heinrich Vieth (Celle) zugeschrieben.12 1929 Instandsetzung und Einbau eines elektrischen Gebläses durch Faber & Greve (Salzhemmendorf). 1938 Instandsetzung durch Firma Emil Hammer (Hannover). 1951-53 Änderung der Disposition nach barockem Vorbild durch die Firma Emil Hammer (Arnum), 17 (19) II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1967 erneute Änderung der Disposition (Einbau einer Quintade 16’) durch Firma Emil Hammer (Arnum). 1971 Reinigung und Überholung durch Martin Haspelmath (Walsrode). 1989 Restaurierung durch Firma Rudolf von Beckerath (Hamburg), Erweiterung auf 19 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: cis’ (Bronze, Gj. 1828, Sebastian Schmidt, Hildesheim); II: e’ (Eisenhartguss, Gj. 1950, Firma Weule, Bockenem). – Eine SG (Bronze). – Früherer Bestand: Mitte des 16. Jh. wird von zwei Glocken im Turm berichtet, von denen die kleinere (Seigerglocke) 1572 umgegossen wurde. Bei der Brandzerstörung des Turms 1824 wurden auch die Glocken vernichtet und anschließend bei S. Schmidt in Hildesheim neu gegossen.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus, errichtet 1565, 1804 niedergebrannt und wieder aufgebaut. – Pfarrwitwenhaus, ab 1848 als Kantorhaus genutzt. – Gemeindehaus (Bj. um 1700). – Küsterhaus, ältester nachweisbarer Bau von 1551. Später Kantorhaus, 1848 abgebrochen. – 1971-74 Ausbau der ehemaligen Pfarrscheune zum Gemeindehaus.

Friedhof

Auf dem Kirchhof. Eigentum der KG. Historische Grabsteine des 18. Jh.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2476-2496 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 905 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1900-1915 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 493-496 (Visitationen); B 18 Nr. 156 (Orgelsachverständiger); D 99 (EphA Walsrode).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 240, Nr. 14; Barenscheer, Taufengel, S. 54; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 413; Hahn, Heidekirchen, S. 99 f.; Holscher, Bisthum Minden, S. 260 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 370; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 349-351; Pape, Haspelmath, S. 88 f.; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 117 f.
B: Franz Ohloff: Chronik von Düshorn und seiner Ortsteile Rödershöfen, Ellinghausen und Beetenbrück, Düshorn 1970; Festschrift über die historische „Engelhardt-Orgel“ der St.-Johannes-der-Täufer-Kirche zu Düshorn anlässlich ihrer Wiedereinweihung am 2. Advent 1989 nach der Restaurierung durch die Firma Rudolf von Beckerath, Hamburg, [Düshorn 1989].


Fußnoten

  1. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 15.
  2. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 36 und 43
  3. Westfälisches UB X, Nr. 803; Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 128, 135, 139, 153 und 158; Holscher, Bisthum Minden, S. 260 f.: 1321-1341.
  4. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 173.
  5. UB Rinteln, Nr. 201.
  6. Salfeld, Pfründeregister, S. 101.
  7. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 457.
  8. KABl. 2015, S. 24-26.
  9. KABl. 1919, S. 48.
  10. KABl. 1983, S. 4.
  11. Müller, Kirchenbauten, S. 149.
  12. Vgl. u. a. LkAH, B 2 G 9 B/Düshorn.