Sprengel Lüneburg, KK Walsrode | Patrozinium: Dionysius | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Das im Loingau gelegene Dorf Fallingbostel erscheint erstmals um 990 (Abschrift des 11. Jh.) als Vastulingeburstalle1 und gehört zum älteren welfischen (lüneburgischen) Allodialbesitz. Die Verwaltung war dem Großvogt (magnus advocatus) in Celle übertragen. Fallingbostel selbst war Zentrum der Heidemark, einem seit dem 14./15. Jh. belegten Gerichtssprengel, dessen Go- und Holting in Fallingbostel und Dorfmark (bis Mitte des 15. Jh.) abgehalten wurde. Seit dem 16. Jh. war es Sitz einer Amtsvogtei, die die Kirchspiele Fallingbostel, Meinerdingen, Düshorn und Dorfmark sowie seit dem 18. Jh. auch Ostenholz umfasste, und 1852 in ein Amt umgewandelt wurde. Ab etwa 1880 entwickelte sich die ehemalige Bauerschaft zu einem der bedeutendsten Fremdenverkehrsorte in der Lüneburger Heide. Stadtrecht seit 1949 (seit 2002 Bad Fallingbostel).
Die parochia Valingeborstle wird 1293 in einer Urkunde Hzg. Ottos II. (1277-1330) erstmals urkundlich erwähnt.2 Als Geistliche sind belegt: Hermanus de Ottenstene; Conradus plebanus de Vallingeborstel (1344)3; Hermannus rector ecclesie (1388).4 Ernst der Bekenner führte im Fsm. Lüneburg ab 1527 (Landtagsabschied von Scharnebeck) sukzessive die Reformation ein. Der Celler Sup. Martin Ondermarck nahm 1543 die erste Generalvisitation der Amtsvogtei Fallingbostel vor.5 Um 1532 war Johannes Frohme vermutlich der erste luth. Geistliche.6 1534 und 1543 war Johannes Moller P. in Fallingbostel.
Die auf einer Erhöhung im Ortszentrum gelegene, mittelalterliche Kirche wurde 1784 bei einem Dorfbrand, bei dem auch Pfarr- und Schulhaus zerstört wurden, schwer beschädigt, anschließend jedoch im alten Zustand wiederhergestellt. 1793 wurde sie um einen freistehenden Glockenstuhl ergänzt. P. Christian Friedrich Weinlieg (amt. 1802-1837) setzte sich für einen Ersatzneubau ein. 1829/30 wurde die baufällige und zu klein gewordene Kirche abgebrochen und durch eine klassizistische Saalkirche nach Entwurf von Oberlandbaumeister Friedrich Wilhelm Mithoff ersetzt (Einweihung am 21. November 1830). Da die finanziellen Mittel für einen Turmbau nicht ausreichten, blieb der hölzerne Glockenturm neben der Kirche zunächst erhalten. 1880 konstituierte sich ein Verein zum Bau eines Kirchturms. 1903/04 wurde der Turm errichtet.
Die ursprüngliche Bauzeit des Pfarrgehöfts ist unbekannt. 1542, 1642 und 1784 ist es jeweils niedergebrannt. Noch 1784 entstand ein Neubau aus Fachwerk, der 1964 wegen des schlechten Bauzustands abgerissen wurde. Bereits 1963 war ein 1959 errichtetes Doppelhaus in der Scharnhorststraße zur Nutzung als Kirchenbüro und Pfarrdienstwohnung (Pfarrhaus I) angekauft worden. Das alte Pfarrwitwenhaus, 1620 und 1844/45 neu gebaut, war ab 1873 an die Post vermietet und wurde 1909 auf Abbruch verkauft. Ein neues Pfarrwitwenhaus an der Vogteistraße wurde gleichfalls der Post zur Miete überlassen und 1965 veräußert. Das Küster- und Organistenhaus (1848 angekauft, 1922 gegen ein anderes Gebäude in der Soltauer Straße getauscht) wurde ab 1952 zeitweilig auch als zweite Pfarrhaus genutzt. Zwischen 1964 und 1966 errichtete die Gemeinde am Kirchplatz ein Gemeindehaus mit dem neuen Pfarrhaus II (Architekt: P. W. Brieger, Walsrode).
Der bei der Gemeinde beliebte P. Friedrich Schrader (amt. 1933-1962), zugleich Sup. des KK Walsrode, war Kreisvertrauensmann der BK und verhinderte eine Einflussnahme der DC in Fallingbostel. Der KV und die große Mehrheit der Gemeinde folgten seiner Linie. Eine große Rolle spielte der Kirchenkampf in der Gemeinde nicht. Abträglich waren dem Gemeindeleben dagegen der Krieg und zuvor schon die Anlage des Truppenübungsplatzes. Die bis dahin erfolgreich geführte Jugendarbeit kam während des Krieges zum Erliegen.
P. Schrader war zugleich vertretungsweise Pfarrer für das Internierungslager Fallingbostel-Oerbke, sowie bis 1962 Sup. des KK Walsrode. In seine Amtszeit fällt auch die Integration der Ostflüchtlinge und Heimatvertriebenen. Durch die Aufnahme von Vertriebenen und Evakuierten hat sich die Einwohnerzahl nach Kriegsende gegenüber 1933 in etwa verdoppelt. Ihre Unterbringung erfolgte teilweise im ehemaligen Internierungslager Oerbke (sogenannte Oerbker Ostsiedlung), dessen bisherige Lagerkirche 1949 in eine Gemeindekirche umgewandelt und seither (bis 1954) dort alle zwei Wochen für eigene GD genutzt wurde. Zur Gesamtkirchspiel gehörten Anfang der 1950er Jahre noch rund 7.500 Glieder (1972: 6.456; 1985: 6.182).

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. August 1952.7

Umfang

Die Dörfer Beck, Bommelsen, Dehnbostel, Elferdingen, Fallingbostel, Idingen, Klein Harrel, Klingt, Kroge, Küddelse, Nordbostel, Oberndorfmark, Oerbke und Vierde sowie die Höfe Grünhagen, Kronsnest, Neddenriep, Osterbostel und Ziegelei. Ab 1826/28 auch die neu gegründete Siedlung Adolphsheide. Mit dem 1. April 1928 wurde die Feldmark Wenzingen von Meinerdingen nach Fallingbostel umgepfarrt; mit dem 1. Oktober 1919 die Ortschaft Tietlingen nebst Feldmark der beiden die Ortschaft bildenden Höfe aus der KG Düshorn in die KG Fallingbostel.8 Durch die Anlage des Truppenübungsplatzes Bergen verschwanden die Ortsteile Nordbostel mit Kronsnest, Oberndorfmark mit dem Küsterhof sowie der Ort Oerbke. Die im Bezirk der Landgemeinde Bommelsen wohnenden Gemeindeglieder wurden am 1. Juli 1930 zu einer KapG zusammengeschlossen9 und mit dem 1. Oktober 1950 mit Teilen der Landgemeinde Kroge aus der KG Fallingbostel ausgepfarrt und zu einer selbständigen KG erhoben.10 Bestand 1997: Elferdingen, Fallingbostel, Kroge (teilweise), Oerbke, Riepe (teilweise), Tietlingen, Vierde, Wenzingen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ahlden des Bm. Minden. – Nach der Reformation wechselnder Suptur.-Sitz in Walsrode, Ahlden und Düshorn. Bei der Teilung der Insp. 1774 zur Insp. (1924: KK) Walsrode.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Fünfachsige, verputzte, klassizistische Saalkirche aus Feldstein und Ziegelmauerwerk (1829/30), zunächst ohne Turm. Der Saal schloss ursprünglich an beiden Schmalseiten polygonal ab. Beim Bau des Turms 1903/04 wurde die Seitenwand gerade geschlossen. Innen wird die Kirche durch einen Emporenanlage in drei Schiffe gegliedert, das mittlere von einem geputzten Tonnengewölbe überwölbt, die Seitenschiffe flach gedeckt. Grundlegende Renovierung 1954 unter der Anleitung von Prof. Ernst Witt. Außenrenovierung 1962. Innenrenovierung nach einem Brand Ende Januar 1965.

Turm

Querrechteckiger Westturm aus unverputztem Ziegelmauerwerk, mit hohen, rundbogigen Schallarkaden und einer aus dem Satteldach mittig aufragenden, vierseitigen Spitze.

Ausstattung

Kanzelaltarwand (1830) mit Altarbild nach dem heiligen Abendmahl von Leonardo da Vinci. – Weiß gefasster hölzerner Taufständer mit vergoldeten Wulstbändern (wohl 20. Jh.). – Schwere Eichentür (1905) mit biblischen Motiven (Jakobs Traum und der anklopfende Christus). – Im Turmeingang Grabrelief eines Kindes (1589).

Orgel

1820-32 Neubau durch Hoforgelbauer Bethmann (Linden/Hannover), 17 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Kastenladen. 1861 Instandsetzung und Veränderung der Disposition durch Johann Andreas Engelhardt (Herzberg). 1905 wurde die Orgel aus dem Kirchenschiff in den Turm verlegt und um ein Salicional ergänzt. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (durch Zinkpfeifen ersetzt), 1929/30 Neubau des Werks hinter dem Bethmann-Prospekt durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 27 II/P (HW, OW), pneumatische Traktur, Taschenladen; Disposition von P. Wilhelm Drömann. 1977 Neubau des Werks hinter dem Bethmann-Prospekt durch Firma Schuke (Berlin), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2002 Renovierung durch Stefan Linke (Rotenburg/Wümme).

Geläut

Zwei LG, I: fis’ (Bronze, Gj. 1950, Lotter Bamberg, 1982 gebraucht erworben); II: a’ (Bronze, Gj. 1982, Gebrüder Bachert, Bad Friedrichshall). – Zwei SG, I: fis’’; II: a’’ (beide Bronze, Gj. 1982, Gebrüder Bachert, Bad Friedrichshall). – In der FKap: Eine LG in a’ (Bronze, Gj. 1989, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Zwei LG wurden 1719 von M. Thomas Rideweg (Hannover) gegossen, hiervon die kleinere 1917 eingeschmolzen. 1923 erhielt die Kirche zwei neue Eisenglocken in fis’ und a’ (Gießerei unklar, vielleicht Schilling & Lattermann in Lauchhammer oder Ulrich & Weule, Apolda), für die eine noch vorhandene Rideweg-Glocke in Zahlung gegeben wurde. Im Ersten Weltkrieg wurden auch die beiden SG abgeliefert und 1923 durch zwei Eisenglocken I: fis’’; II: gis’’) ersetzt. Die abgängigen Eisenglocken wurden 1982 ausgetauscht und auf dem Kirchplatz aufgestellt.

Friedhof

Eigentum der KG. Friedhof bis 1818 auf dem Kirchberg, danach Anlage des bis 1928 genutzten sogenannten alten Kirchhofs auf dem Osterberg (jetzt Parkanlage Osterberg); erhalten sind mehrere Grabsteine und Mausoleen. 1928 Anlage des neuen Friedhofs auf dem Weinberg (an der Oerbker Straße) mit FKap (Bj. 1933/34, Architekt: Adolf Fischer, Hannover; Anbau 1973). 1976 erweitert.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3360-3379 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2423-2435 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 690-694 (Visitationen); B 18 Nr. 166 (Orgelsachverständiger); D 99 (EphA Walsrode).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 465; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 183-185; Hahn, Heidekirchen, S. 96 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 375; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 121-123.
B: 125 Jahre St. Dionysius-Kirche in Fallingbostel. 1830-1980, Walsrode 1980; 150 Jahre St.-Dionysius-Kirche in Fallingbostel. Festschrift zum Kirchenjubiläum, [Fallingbostel 1980]; Wolfgang Brandes: Chronik Fallingbostel 1930-1995, Fallingbostel 1996; Wilhelm Westermann: Orts-Chronik von Fallingbostel, [Fallingbostel 1987, 2. Aufl.].


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 35.
  2. UB Sudendorf I, Nr. 122.
  3. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 158.
  4. Holscher, Bisthum Minden, S. 259.
  5. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 459.
  6. Meyer, Pastoren I, S. 284.
  7. KABl. 1952, S. 102.
  8. KABl. 1919, S. 48.
  9. KABl. 1930, S. 87.
  10. KABl. 1950, S. 83.