Sprengel Lüneburg, KK Walsrode | Patrozinium: Georg1 | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich ist das Dorf erstmals im Jahr 1251 als Meyderdinge erwähnt.2 Ursprünglich soll das Gebiet um Meinerdingen zum Bistum Verden gehört haben, bevor die Welfen es erwarben.3 Innerhalb der Vogtei bzw. Großvogtei Celle zählte Meinerdingen schon im 15. Jh. zur Heytmark (mit eigenem Gograf, Gerichtssitz in Fallingbostel)4, aus der die Amtsvogtei bzw. das Amt Fallingbostel hervorging (Fsm. Lüneburg, seit 1705 Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Während des kurzlebigen französischen Satellitenkgr. Westphalen gehörte Meinerdingen von 1810 bis 1813 zum Kanton Fallingbostel im Distrikt Celle des Departements der Aller. Danach zählte Meinerdingen, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Fallingbostel. Mit der Annexion des Kgr. Hannovers fiel das Dorf 1866 an das Kgr. Preußen und kam 1885 mit Einführung der Kreisverfassung zum Lkr. Fallingbostel, der 1977 mit dem Nachbarkreis Soltau zum Großkreis Soltau-Fallingbostel fusionierte (2011: Heidekreis). 1974 wurde Meinerdingen nach Honerdingen eingemeindet, das gleichzeitig Ortsteil der Stadt Walsrode wurde.

Kirche, Ansicht von Südosten, mit Taufstein vor der Kirche, vor 1977

Kirche, Ansicht von Südosten, mit Taufstein vor der Kirche, vor 1977

In einer Urkunde des Verdener Bf. Lüders (amt. 1231–1251) aus dem Jahr 1251 taucht ein Johannes plebanus de Meyderdinge (Pfarrer zu Meinerdingen) als Zeuge auf.5 Die Kirche selbst, erbaut wohl im 13. Jh., ist schriftlich erstmals 1269 erwähnt: Wedekind, Ludger und Johannes von Garßenbüttel schenkten die Meinerdinger Kirche mit allen Rechten und Einkünften dem Kloster Walsrode, dessen Konvent Wedekinds Tochter beigetreten war.6 Bf. Gottfried von Minden (amt. 1304–1324) inkorporierte die Kirche 1307 dem Kloster Walsrode; sie wird dabei als Pfarrkirche (ecclesia parrochialis) bezeichnet, was die Existenz eines Kirchspiels voraussetzt.7 1363 ist Her Johann kerckhere to Meynerdingk in der Zeugenliste einer Urkunde belegt.8 Gegen Ende des 14. Jh. wird von einem „Kerspelde to Meynerdinghe“, also dem Kirchspiel zu Meinerdingen gesprochen, das zu den fünf Kirchspielen der Hausvogtei Fallingbostel gehörte.9 Zunächst bestand das Kirchspiel aus den Ortschaften Elferdingen, Hilperdingen mit Vorbrück, Honerdingen, Meinerdingen, Uetzingen und Wenzingen, zu denen später noch Grasbeck und schließlich das erst 1681 gegründete Bomlitz hinzukamen.10 Wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 14. Jh. erfuhr die Meinerdinger Kirche einen gotischen Umbau; seitdem ist sie weitgehend unverändert geblieben.11 Der hölzerne Turm stammt aus der Zeit um 1383 (Dendrodatierung). Er ist damit deutlich älter, als bislang angenommen und zählt zu den ältesten Holzglockentürmen Europas.12 Das Patrozinium St. Georg ist im 15. Jh. belegt, u. a. einer Urkunde von 1457.13 Die ehemalige Glocke, gegossen im Jahr 1507, war mit einem Relief des heiligen Georg in Gestalt des Drachentöters verziert. Erst im 17. Jh. taucht der Name „St. Gregorius“ in kirchlichen Akten auf, etwa im 1663 begonnenen Pfarrbuch (neben der Bezeichnung „Sanct Georgens Kirche“), und auf dem damaligen Pfarrsiegel.14 Vermutlich handelt es sich schlicht um eine Verwechslung der ähnlich lautenden Namen Georg und Gregor.15
Wie die meisten Städte und Dörfer im Fsm. Lüneburg erlebte Meinerding die Reformation wohl als „Reformation von oben“, also auf Initiative des Landesherrn Hzg. Ernst I. zu Braunschweig-Lüneburg († 1546).16 Nachdem er 1527 mit der Vorlage des „Artikelbuches“ erste Maßnahmen zur Neuordnung des kirchlichen Lebens im Sinne der Reformation angestoßen hatte, folgten im Zuge der Visitationen von 1529 eine Predigtinstruktion des Herzogs und als letzte Maßnahme zu seinen Lebzeiten eine Ordnung betreffend die Einkommen der Pfarrer und zu Ehe- und Familiensachen im Jahr 1543.17 Zugleich sorgte der von Hzg. Ernst I. nach Celle geholte Reformator Urbanus Rhegius als Generalsuperintendent (amt. 1531–1541) neben dem Aufbau kirchlicher Strukturen auch für eine inhaltliche Festigung der ev. Landeskirche, u. a. durch seine Schrift „Wie man fürsichtiglich und ohne Ärgernis reden soll von den fürnemsten Artikeln christlicher Lehre“ von 1536.18 Ganz in der Nähe von Meinerdingen erreichte die Reformation schon 1528 Walsrode: Die Stadt erhielt einen ersten luth. Prediger und ein Jahr später erfolgte die Visitation von Stadt und Kloster.19 Das Patronatsrecht über die Kirche in Meinerdingen, bislang im Besitz des Klosters Walsrode, zog nun der Landesherr an sich.20 Das auf Betreiben Hzg. Ernst I. im Jahr 1534 angelegte Pfründenregister verzeichnet für Meinerdingen als Pastor Lamberth Stoeck und als Küster Eylerth Hesterman.21 Neben der Kirche in Meinerdingen ist die „Capelle to Ostenholte“ als weitere Gottesdienststätte erwähnt. Die Generalvisitation von 1543 nennt Lambert Storck, der wohl derselbe sein dürfte wie der Pastor von 1534.22 Im ältesten erhaltenen Kirchenregister von 1547 ist dieser erste ev. Prediger als Pastor Lambertus genannt, von dem dort auch noch ein Besoldungsvermerk für die Jahre 1549 bis 1553 zu finden ist.23 Auf ihn folgte 1555 ein Pastor Ulricus (Oelrich), der in Meinerdingen wohl nur sehr schlecht zurechtkam und die Gemeinde 1562 in großer Bedürftigkeit verließ, ohne sie vorher über seinen Weggang zu informieren.24

Kirche, Ansicht von Nordosten, vor 1902

Kirche, Ansicht von Nordosten, vor 1902

Seinem Nachfolger Johannes Hermann (amt. um 1562 bis um 1613) gelang es, nach der Visitation 1571 eine Zulage zu seinem bescheidenen Einkommen zu erhalten, so dass er etwa 50 Jahre im Amt blieb.25 Sein Nachfolger wurde sein Schwiegersohn Daniel Henrici (amt. um 1613–1641), offenbar nicht studiert, sondern „wahrscheinlich von seinem Schwiegervater im evangelischen Sinne ausgebildet“.26 Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) raubten schwedische Truppen die kleine Glocke.27 Trotz des Krieges begann die Gemeinde 1639 mit dem Bau eines neuen Pfarrhauses nahe der Kirche; das alte Pfarrhaus in Vorbrück verkaufte sie für 80 Reichstaler. Die Fertigstellung des Neubaus verzögerte sich jedoch derart, dass der Nachfolger P. Henricis, P. Johannes Ralwes (amt. 1643–1667), nur ein unfertiges und sehr ärmliches Haus vorfand.28 Immerhin konnte nach Kriegsende schon im Jahre 1649 das Pfarrwitwenhaus in Meinerdingen gebaut werden, das auch heute noch als ältestes Wohngebäude im Ort erhalten ist.29
Auch nach Pastor Ralwes hatten die Meinerdinger Pastoren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen – und mit dem Unwillen der Gemeinde, diese zum Wohle ihrer Geistlichen zu lösen.30 Wohl nicht zuletzt damit hängt der häufige Wechsel der Pastoren im 18. Jh. zusammen.31 Ebenfalls im 18. Jh. erhielt die Meinerdinger Kirche von Gemeindegliedern einige Stiftungen an gottesdienstlichen Geräten und Ausstattungsstücken: 1720 Abendmahlsgerät für Hauskommunion, 1728 eine Zinnvase, 1729 einen Taufengel, 1733 einen silbernen Kronleuchter 1768 eine neue Samtdecke für den Altar.32 1771/72 erbaute die Kirchengemeinde ein neues Küsterhaus mit Schulstube, für die das königliche Konsistorium 50 Reichstaler dazugab.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. prägten Diskussionen über Umfang und Fortbestand der KG Meinerdingen die Entwicklung. Im April 1861 beantragte Wilhelm Wolff aus Walsrode, Besitzer der Pulverfabrik in Bomlitz, die Zusammenführung seiner umfangreichen Fabrikanlagen in Benefeld, Bomlitz und Westerhart in „ein und demselben Kirchspiele“.33 Im März 1862 pfarrte das Konsistorium Bomlitz nach Walsrode um. Schon bald darauf wurden 1864 Pläne der Kirchenvorstände in Walsrode und Meinerdingen konkreter, beide Kirchspiele zusammenzuführen.34 Die Walsroder wollten ihre zweite Pfarrstelle absichern und in Meinerdingen hoffte man, die Lasten des Unterhalts der Kirche besser tragen zu können. Der Plan kam nicht zur Ausführung und Ende April 1866 lehnte das Konsistorium den Antrag „auf Verschmelzung“ der Kirchspiele ab.35 Ein weiterer Vorstoß in diese Richtung scheiterte 1880 wiederum am Einspruch des Konsistoriums.36

Kirche, Ansicht von Südosten

Kirche, Ansicht von Südosten

Im Jahr 1870 konnte das neue Pfarrhaus fertiggestellt werden, für dessen Neubau schon im August 1866 der Konsistorialbaurat Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) deutlich eingetreten war.37 Seit Ende der 1870er Jahre fanden verschiedene Bauarbeiten an der Meinerdinger Kirche statt, u. a. erhielt sie 1879/80 erstmals eine Orgel, für deren Bau sich besonders P. Georg Haccius (amt. 1875–1879) eingesetzt hatte, der den Bau der Orgel in der Meinerdinger Kirche vorantrieb.38 1894 begann eine Innenrenovierung, bei der mittelalterliche Malereien mit Teufelsdarstellungen, dem Höllenpfuhl und nackten Frauen entdeckt wurden, die man jedoch wieder übermalte.39 Diese Arbeiten hinderten jedoch nicht Überlegungen für Erweiterung, den Umbau oder sogar den Neubau der Kirche, für die Entwurfszeichnungen von 1894 Zeugnis geben.40 Zur Ausführung kam lediglich der Anbau der Sakristei (1898) und die etwa gleichzeitigen Erweiterung des Kirchenschiffs durch Einfügung von Mauerzungen zwischen Schiff und Glockenturm. 1921 schließlich wurde die St. Georgs-Kirche aufwändig in Anlehnung an mittelalterliche Vorbilder neu ausgemalt und wurde als „Sehenswürdigkeit und … Schmuckkästchen“ gepriesen.41
Mit dem schon 1905 beantragten Wechsel der Feldmark Wenzingen in die KG Fallingbostel verkleinerte sich das Kirchspiel Meinerdingen 1908 erneut.42 1929 fasste das Landeskirchenamt den Plan, das Kirchspiel Meinerdingen „als Kapellengemeinde dem Walsroder Pfarrbezirk anzugliedern“, wofür auch die Eingemeindung des zur Kirche in Meinerdingen gehörenden Ortes Vorbrück in die Stadt Walsrode einen Grund geliefert haben dürfte.43 Diese Vereinigungspläne scheiterten nun am Widerstand aus der Gemeinde (auch aus Vorbrück).

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1915

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1915

Während der NS-Zeit hatten P. Gerhard Benjes (amt. 1931–1933) und P. Walter Moritz (amt. 1935–1948) das Pfarramt Meinerdingen inne; beide gehörten kirchenpolitisch zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft, wie P. Moritz rückblickend im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ angab.44 P. Benjes sei Ende 1933 „durch DC beurlaubt und versetzt“ worden. Nach der Neuwahl des KV 1933 setzte sich das Gremium aus zwei alten und zwei DC-Kirchenvorsteher zusammen; letztere hätten „kirchlich mitgearbeitet und die DC-Tendenzen aufgegeben“. In Meinerdingen gab es „starke DC Einflüsse“; in den Jahren 1933 und 1934 fanden mehrere DC-Veranstaltungen statt und auch „Reichsbischof Müller sprach in der Gemeinde“. Der blühende Posaunenchor wurde „durch die politischen Gegensätze gesprengt“. Seit der Mitte der 1930er Jahre war der Einfluss der Deutschen Christen rückläufig. In die Amtszeit von P. Moritz fiel ein tiefgreifender Wandel in der Zusammensetzung der Gemeinde: Die Aufrüstung Deutschlands ließ die einschlägige Industrie in der Region – besonders die Pulverfabrik Eibia – wachsen und viele Menschen zogen in das Kirchspiel Meinerdingen.45 Es entstanden mehrere Wohnlager und Siedlungskomplexe.
Nach dem Krieg wuchs die Seelenzahl der KG Meinerdingen auf das Doppelte des Vorkriegsstandes an, wobei der Walsroder Stadtteil Vorbrück etwa 80 Prozent der Gemeindeglieder stellte. In den 1980er Jahren erwarb die Gemeinde für ihre Arbeit in Vorbrück 1995 ein Haus an der Quintusstraße. Im Jahr 2004 erlebte das lange vom Diakonischen Werk genutzte alte Pfarrwitwenhaus eine neue Nutzung als „Kirch-Café“; außerdem fanden Pfarrbüro und Gemeinderäume hier Platz. Seit 2006 wird die alte Pfarrscheune als „Kultur-Scheune“ für Veranstaltungen und Gottesdienste genutzt. Um die vielfältige Gemeindearbeit aufrecht erhalten zu können (u. a. ehrenamtliche Seelsorgerinnen, Kinder- und Jugendarbeit, Meditation, Kirchenmusik, kulturelle Arbeit), gründete die Gemeinde im April 2003 die Stiftung „Lebendiges Meinerdingen“.46 Später kam die „Erika-und-Willy-Meyer-Stiftung“ zum Erhalt von Kirche und Pfarrwitwenhaus hinzu.47

Umfang

Grasbeck, Hilperdingen, Honerdingen, Meinerdingen, Tietlingen, Uetzingen und Vorbrück. Bis 1981 auch der Uetzinger Gemeindeteil Schäferei (dann umgepfarrt in die KG Bomlitz).48 1961 Gemeindeteile der politischen Gemeinde Bomlitz von Meinerdingen nach Bomlitz umgepfarrt. Bis 1959 auch Netzingen (dann umgepfarrt in die KG Bomlitz).49 1932 Gemeindeteile der politischen Gemeinde Bomlitz von Meinerdingen nach Walsrode umgepfarrt.50 Bis 1908 auch die Feldmark Wenzingen (dann umgepfarrt nach Fallingbostel.51 Bis 1862 auch das 1681 gegründete Bomlitz (dann umgepfarrt nach Walsrode). Ursprünglich auch Elferdingen (heute KG Fallingbostel).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ahlden der Diözese Minden.52 – Nach Einführung der Reformation unterstand Meinerdingen zunächst dem GSup. in Celle (1531), seit der zweiten Hälfte des 16. Jh. Insp. mit wechselnden Superintendentursitzen: Gilten, Ahlden, Düshorn, Walsrode und Schwarmstedt. Seit 1815 Insp. Schwarmstedt, 1882 umbenannt in Insp. Ahlden (1924: KK), 1929 aufgegangen in KK Walsrode.53

Patronat

1269 übergaben Wedekind, Ludger und Johannes von Garßenbüttel die Kirche Meinerdingen dem Kloster Walsrode.54 1307 inkorporierte Bf. Gottfried von Minden (amt. 1304–1324) die Kirche dem Kloster.55 Seit der Reformation der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Kirche, Grundriss, zwischen 1898 und 1902Einschiffiger, zweijochiger Rechteckbau mit eingezogenem Rechteckchor sowie Anbauten im Süden (Sakristei) und Norden (Brauthaus bzw. Windfang), Grundmauern des Schiffs wohl noch romanisch (vielleicht 13. Jh.).56 Satteldächer über Schiff und Chor. Verputztes Mauerwerk aus Feld- und Backsteinen, unterhalb der Traufe des Schiffs Treppenfries; gestufte Stützpfeiler an Südseite des Schiffs und am Chor. Hochliegende Spitzbogenfenster an Schiff und Chor, an der Südseite mit Dreipassbögen; an der Südseite zudem unten zwei Rechteckfenster; östliche Giebelseite mit Nischengliederung im Giebelfeld und größerem Rundbogenfenster; Sakristeifenster mit Dreieckssturz. Eingang an der Nordseite durch das ehemalige Brauthaus; an der Südseite des Chors hölzerner Treppenaufgang zu Emporeneingang. Im Innern Kreuzgratgewölbe in Schiff und Chor; hölzerner, L-förmige Empore im Schiff; U-förmige Empore im Chor, im Osten mit Orgel. Vielleicht vor 1383 Bau des Chors.57 Zweite Hälfte 14. Jh. „Ausbau der Kirche in Backstein“ (wohl 1383).58 1623 Adelsprieche erbaut (wohl für Hilperdinger Gutsbesitzers Andreas von Mandelsloh).59 1611 Dachreparatur über dem Chor. 1649–52 Dachreparaturen über dem Schiff, vielleicht Bau der Stützpfeiler. Nach 1716 Empore im Chorraum erbaut. Nach 1745 wohl Stützpfeiler erneuert oder erbaut, Neuausmalung. 1800 Neueindeckung Kirchendach, wohl Vergrößerung des Ostfensters.60 1879/80 Restaurierung (Architekt: Conrad Wilhelm Hase, Hannover; u. a. wohl Brauthaus erbaut, Ostempore für Orgel erbaut).61 1883 Instandsetzung. 1888 Sandsteinfußboden. 1894 Renovierungen (mittelalterliche Ausmalungsreste entdeckt und übermalt). 1898 Sakristei erbaut (Entwurf: Maurermeisters August Vollendorf), vielleicht gleichzeitig Verbindung zum Turm geschaffen. 1921 Neuausmalung (nach Vorbildern des 15. Jh. Apostelzyklus im Chor, Rankenmalerei im Schiff). 1952/53 Sanierung (u. a. Gewölbereparaturen, Wandmalereien von 1921 übertüncht). 1972 Instandsetzung. 1977/78 Neuausmalung. 2002/03 statische Sicherung des Dachwerks. 2013/14 Neugestaltung des Kirchengeländes, Verbesserung der Beleuchtung.62

Fenster

In einem Fenster der Südseite zwei kleine, länglich runde Glasgemälde mit den Wappen des Gutsbesitzerpaares, Inschriften: „Mette Marschalck uxor selige“ und „Andreas v. Mandelslo o a s s 1623“. Glasgemälde mit Darstellung des Auferstandenen (17. Jh.), Inschrift: „Anneke to Ützing. Der Godt gnedich si“; ursprünglich in einem Südfenster.

Turm

Quadratischer, vollständig mit vertikalen Bohlen verkleideter Westturm aus Eichenholz, dendrodatiert auf 1383, gilt „als der weitaus älteste Glockenturm, der in Niedersachsen erhalten ist“.63 Vierseitiges Zeltdach, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Wetterhahn. Turm war ursprünglich freistehend, Ende des 19. Jh. durch schmalen Zwischenbau mit Schiff verbunden.

Blockaltar und Orgel, 1950, Zeichnung von Sindel

Blockaltar und Orgel, 1950, Zeichnung von Sindel

Ausstattung

Gemauerter Blockaltar (1653 erneuert); Altarbild (wohl 18. Jh., Öl auf Leinwand) mit einer sehr eigenständigen Darstellung des Abendmahls, wohl gemalt von einem ortsansässigen Handwerker; Jesus und die Jünger hocken oder liegen am Tisch.64 – Hölzerne Kanzel mit Schalldeckel (Anfang 17. Jh.), am Kanzelkorb Gemälde in rundbogigen, mit Pilastern gerahmten Feldern, dargestellt sind die vier Evangelisten mit ihren Symbolen; Gemälde angebracht 1768 bei Reparatur und Umgestaltung der Kanzel; im Schalldeckel Taube als Symbol des Heiligen Geistes und Inschrift: „Wer Ohren hat zu hören, der höre. Matth. XI 15“. – Taufstein aus Sandstein in Kelchform (14. oder 15. Jh.), achteckiges Becken, achteckiger, nach unten breiter werdender Fuß; Taufstein seit der ersten Hälfte des 18. Jh. außer Gebrauch, seit 1977 wieder in der Kirche. – Hölzerner, farbig gefasster Taufengel (1729), im ausgestreckten Arm Muschel als Halter der Taufschale, gestiftet von Hans Friedrich Moritz; genutzt bis in die 1880er Jahre; 1989 restauriert und wieder in Gebrauch genommen.65 – Hölzerner Taufständer (1883). – Lesepult (Egino Weinert, Köln), Bronze und Email, seit 1977/78 in der Kirche. – Gedenktafel für die Altarerneuerung von 1653. – Eiserne Stiftertafel mit den Namen Diederich Friedrich Damann und Jürgen Peter Meyer, Spender für die Erneuerung der Kanzel (1768) und anderer Gegenstände in der Kirche. – Grabstein P. Friedrich Adolph Wolf (amt. 1794–1821).66

Kirche, Blick zum Altar und zur Orgel

Kirche, Blick zum Altar und zur Orgel

Orgel

Erste Orgel erbaut 1879/80 von Heinrich Vieth (Celle), 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.67 1958 überarbeitet und erweitert von Alfred Führer (Wilhelmshaven), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2009 Orgelneubau, ausgeführt von Udo Feopentow (Wienhausen), 9 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.68

Geläut

Eine LG, fis´ (Bronze, Gj. 1856, Friedrich Dreyer, Hannover-Linden), Inschriften: „Maria het ick, Kort van der Heyde got mick. Anno Domm. MCCCCCVII“, „Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango“ (Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich) und „Gegossen Anno 1856“; Bilder: Maria mit Kind, St. Georg.69 – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1507, Kort van der Heyde), Mitte des 19. Jh. geborsten und umgegossen zu jetziger LG, Inschriften und Reliefs bei Umguss übernommen. Eine kleine LG (Bronze), im Dreißigjährigen Krieg von schwedischen Soldaten geraubt.70

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus mit Gemeinderäumen (Bj. 1870). – Pfarrwitwenhaus (Bj. 1649, Gemeindebüro und u. a. Sitz des gemeindeeigenen „Kirch-Cafés“). – Gemeindehaus Quintusstraße in Vorbrück (Bj. 1962,1985 erworben, ab 2016 vermietet). – Kirchscheune (1945 nach Kriegszerstörung wieder aufgebaut, 2006 Umbau zu einer Kultur- und Veranstaltungsscheune).

Friedhof

Ursprünglich Begräbnisplatz rund um die Kirche (alter Kirchhof). Seit 1900 neuer Friedhof östlich des alten Ortskerns, erweitert in den 1950er Jahren.71 Friedhof in Eigentum und Betrieb der KG, FKap (Bj. 1960, umgebaut 1995/96).

Liste der Pastoren (bis 1940)
Kirche, Blick zum Altar und zur Orgel, 1980

Kirche, Blick zum Altar und zur Orgel, 1980

1543 Lambert Storch. – 1555 Ulricus (Oelrich). – 1560–1613 Johannes Hermanni. – 1613–1641 Daniel Henrici. – 1643–1667 Johannes Ralwes (Raloffs). – 1667–1677 Jacobus Rischmann. – 1677–1681 Magister August Osius. – 1681–1688 Johann Martin Zeidler. – 1688–1692 Magister David Henricus Naumann. – 1693– 1709 Burchard Corder. – 1710–1715 Petrus Helm. – 1716–1720 Johann Christoph Clare(n). – 1720–1737 Ludolph Tobias Petersen. – 1737–1740 Ludolph Otto Giesecken. – 1740–1742 Heinrich Rückling. – 1742–1747 Johann Heinrich Bergheim. – 1747–1768 Hartwig von Leese. – 1768–1776 Heinrich Rothe. – 1776–1781 Georg Christoph Haltenhoff. – 1781–1785 Johann Friedrich Wilhelm Holzhey. – 1794–1821 Friedrich Adolf Wolf. – 1821–1840 Jacob Leopold Timäus. – 1840–1847 Johann Georg Voigt. – 1848–1855 Heinrich Christoph Messerschmidt. – 1856–1867 Leopold Julius Schultze. – 1867–1875 Carl Johann Rudolf Martin Ebeling. – 1875–1879 Georg Carl Ernst Haccius. – 1880–1887 Georg Carl Hermann Wietfeld. – 1889–1904 Wilhelm Ludwig Bernhard Gottfried Mühle. – 1905–1911 Justus Heinrich Wilhelm Meyer. – 1911–1921 Otto Johannes Eduard Lübs. – 1922–1929 Friedrich Johannes Siemens. – 1931–1933 Gerhard Christian Friedrich Wilhelm Gotthard Benjes. – 1935–1948 Walter Wilhelm Rudolf Moritz.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 134–135

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 7783–7813 (Pfarroffizialakten); A 6 Nr. 5467–5478 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1562Digitalisat, 1563Digitalisat, 1564Digitalisat, 1565Digitalisat, 1566Digitalisat (Visitationen); S 11a Nr. 7445 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1661 (Lücken: 1662–November 1683)
Trauungen: ab 1682
Begräbnisse: ab 1688
Kommunikanten: ab 1639 (Lücken: 1640, 1642–1650, 1652–1840)
Konfirmationen: ab 1693 (Lücken: 1710–1720, 1723–1726, 1729–1731, 1736–1742, 1745, 1749, 1765, 1821, 1823–1855)

Literatur & Links

A: Gemeindebuch KK Walsrode, S. 40; Kirchenkreis Walsrode, S. 26–27; Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 261, Nr. 56; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 755; Kayser, Kirchenvisitationen, S. 458; Manecke, Beschreibungen II, S. 371–372; Meyer, Pastoren II, S. 134–135; Mithoff, Kunstdenkmale IV, S. 211–212; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 357–360; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 137–140.
B: Stefan Amt: Ältester hölzerner Glockenturm in Niedersachsen entdeckt, in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 28 (2008), S. 78–79 [.pdf online]; Stefan Amt: Einer der ältesten hölzernen Glockentürme Europas… Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte der St.-Georgskirche in Meinerdingen, in: Geschichtsdokument Bauwerk. Wie die „Archäologie am stehenden Objekt“ Steine und Hölzer zum Sprechen bringt und unser Geschichtsbild ergänzt und korrigiert, hrsg. von Dietrich Maschmeyer, Lilienthal 2008, S. 23–42; Volker Horstmann: Die Meinerdinger Kirche im Kirchenkreis Walsrode, Walsrode 1995; Ingrid Münch: Glockenrenaissance in der Corona-Krise. Die Meinerdinger Kirchenglocke, in: Meinerdinger Nachrichten, Herbst 2020, S. 28–33; Eckard Schulz: Wo Kirche auch Zuhause ist. 750 Jahre Kirchengemeinde Meinerdingen: Ein Kleinod mit großer Strahlkraft, Meinerdingen 2019.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche.

GND

1098170105, Kirchengemeinde Meinerdingen; 1099130247, Sankt-Georg-Kirche (Walsrode)


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 193, und ebd. II, S. 98.
  2. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 39.
  3. Vgl. Manecke, Beschreibungen II, S. 372, der aber Zweifel an der Richtigkeit dieser Behauptung äußert. Siehe auch Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 358.
  4. NLA HA Hann. 74 Fallingbostel, 02.06.2022.
  5. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 39; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 138.
  6. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 64; Schulz, S. 170. Zum Kirchenbau: Amt, Glockentürme, S. 24 ff. (mit Zahlendreher: falsch 1296 statt richtig 1269).
  7. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 93; Schulz, S. 170; Holscher, Bisthum Minden, S. 264; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 138.
  8. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 173.
  9. Schulz, S. 170; Manecke, Beschreibungen II, S. 370 ff.
  10. Schulz, S. 170; vgl. Manecke, Beschreibungen II, S. 371 f.
  11. Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 358.
  12. Ausführlich: Amt, Glockentürme, S. 31 ff.; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 358.
  13. Schulz, S. 170 f.; Horstmann, S. 13.
  14. Schulz, S. 171.
  15. Horstmann, S. 13.
  16. Zum Ganzen siehe Busch, Anfänge, S. 30 ff.; Krumwiede, Kirchengeschichte I, S. 130 ff.; Otte, Einführung Reformation, S. 8 ff., besonders S. 11–16.
  17. Siehe dazu Bock, Lasst aber alles, S. 60 ff.
  18. Bock, Lasst aber alles, S. 62 f.
  19. Schulz, S. 172; Vollrath, Klosterpolitik, S. 40 f.; 1000 Jahre Walsrode, S. 27 f.
  20. Meyer, Pastoren II, S. 134; 1000 Jahre Walsrode, S. 26.
  21. Salfeld, Pfründenregister, S. 101.
  22. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 458. Vom Küster wird hier nur der Vorname Elert genannt, wahrscheinlich ist es derselbe wie 1534.
  23. Vgl. Schulz, S. 173.
  24. Schulz, S. 173.
  25. Schulz, S. 173.
  26. Schulz, S. 173. Meyer, Pastoren II, S. 134 f., bezeichnet Henrici vor Antritt der Pfarrstelle in Meinerdingen als Lehrer in Hermannsburg.
  27. Siehe zum Ganzen Schulz, S. 173 f.
  28. Schulz, S. 174.
  29. Schulz, S. 175.
  30. Zum Ganzen siehe Schulz, S. 176 f.
  31. Laut der Liste bei Schulz, S. 201, amtierten im gesamten 18. Jh. zwölf Geistliche in Meinerdingen.
  32. Siehe dazu Schulz, S. 177 ff.
  33. Schulz, S. 184.
  34. Zum Ganzen siehe Schulz, S. 184 f.
  35. Schulz, S. 185.
  36. Schulz, S. 186.
  37. Schulz, S. 185 f.
  38. P. Haccius, 1890 Kondirektor der Hermannsburger Mission und von 1916 bis 1926 deren Direktor, pflegte weiter Kontakt zu seiner alten Gemeinde: 1913 schenkte er „in dankbarem Gedenken an die in meiner ersten lieben Gemeinde Meinerdingen verlebten – leider nur zu kurze – aber doch reich gesegneten Gnadenzeit“ die Summe von 500 Mark, von deren Zinsen „alljährlich zwei frommen, fleißigen & treuen Konfirmanden – Knaben oder Mädchen – jedem ein gutgebundenes Gesangbuch“ und ein Andachtsbuch geschenkt werden sollten, vgl. Schulz, S. 186 f. und S. 191.
  39. Schulz, S. 188.
  40. Schulz, S. 188; Amt, Glockentürme, S. 38 ff.
  41. Schulz, S. 190.
  42. KABl. 1908, S. 13. Vgl. auch Schulz, S. 188 f.; vorangegangen waren lange Verhandlungen und die Zahlung einer Abfindung in Höhe von 2.000 Mark.
  43. Dazu siehe Schulz, S. 192.
  44. LkAH, S 1 H III, Nr. 518, Bl. 18. Die folgenden Zitate ebd. Vgl. auch Schulz, S. 193 f.
  45. Zum Ganzen der Vorkriegs-, Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit siehe Schulz, S. 194 ff.
  46. KABl. 2004, S. 28.
  47. Zu den Stiftungen siehe Schulz, S. 54 ff.
  48. KABl. 1981, S. 4.
  49. KABl. 1959, S. 113.
  50. KABl. 1932, S. 137; KABl. 1961, S. 9 f.
  51. KABl. 1908, S. 13.
  52. Holscher, Bisthum Minden, S. 264.
  53. KABl. 1929, S. 1.
  54. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 64.
  55. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 93.
  56. Siehe zum Ganzen Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 358; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 139 f.; Horstmann, S. 14 ff.
  57. Zur Bau- und Forschungsgeschichte insgesamt vgl. ebd., S. 24 ff., Zeitleiste: S. 40 f. (mit Zahlendreher: falsch 1296 anstatt richtig 1269).
  58. Amt, Glockentürme, S. 40.
  59. Schulz, S. 173 f.
  60. Schulz, S. 182.
  61. Amt, Glockentürme, S. 37. Siehe http://glass-portal.privat.t-online.de/cwhase/m-r/meinerdingen_kirche.htm, 07.06.2022.
  62. Schulz, S. 200.
  63. Schulz, S. 170. Ausführlich: Amt, Glockentürme, S. 31 ff.; siehe auch knapp: Amt, Glockenturm, S. 78 f.
  64. Insgesamt zur Ausstattung der Kirche: Horstmann, bes. S. 4 ff.; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 140; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 358 f.
  65. Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 261.
  66. Schulz, S. 182.
  67. Horstmann, S. 8 f.; Schulz, S. 186 f.
  68. Schulz, S. 199 f.
  69. Zum Ganzen siehe Horstmann, S. 12; Schulz, S. 184; Münch, S. 28 ff.; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 138.
  70. Schulz, S. 173; Horstmann, S. 20.
  71. Vgl. Schulz, S. 188.