Sprengel Lüneburg, KK Walsrode | Patrozinium: Paulus (seit 1978) | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Die politische Gemeinde nördlich von Walsrode entstand erst 1928 auf ehemaligem Westerharler und Uetzinger Gebiet aus der Vereinigung von fünf alten Bauernschaften und mehreren Einzelhöfen. Ihre Existenz verdankt sie mehreren seit Anfang des 19. Jh. errichteten Industriebetrieben, allen voran der Pulvermühle August Wolff (1815). Durch den Ausbau der Rüstungsindustrie ist die Einwohnerzahl vor und während des Zweiten Weltkriegs stark angestiegen. Zeitweilig arbeiteten in Bomlitz bis zu 15.000 Menschen, größtenteils Fremdarbeiter, die in Barackenlagern untergebracht wurden und von denen viele nach dem Krieg blieben. Auch in Benefeld entstanden ausgedehnte Wohnsiedlungen. Bomlitz hatte den Charakter einer Industriegemeinde, die nunmehrige Firma Wolff & Co. war der zweitgrößte Industriebetrieb des Regierungsbezirks Lüneburg. Dagegen lebten in Benefeld, das erst 1952 aus zwei ehemaligen Hofanlagen und den zwischenzeitlich entstandenen Neubaugebieten zu einer eigenständigen Gemeinde zusammengeschlossen wurde, überwiegend Flüchtlinge und ehemalige Angehörige des durch die Alliierten gesprengten Rüstungsbetriebs Eibia GmbH für chemische Produkte (Pulverfabrik, Tochterunternehmen von Wolff & Co.). Benefeld galt mit einer starken Verdichtung von Armut und einer hohen Arbeitslosenquote noch 1957 als „Notstandsgebiet erster Ordnung“. 1968 wurden Benefeld, Bomlitz, Borg-Cordingen und Uetzingen zur Gemeinde Bomlitz zusammengeschlossen. Im Zuge der Gebietsreform von 1974 wurden die Ortschaften Ahrsen-Jarlingen und Bommelsen-Kroge eingemeindet.

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Die Pulvermühle Bomlitz war ursprünglich der Parochie Meinerdingen zugeordnet.1 Pläne zum Bau einer eigenen Kirche in Bomlitz gab es angesichts der wachsenden Einwohnerzahl schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Sie sollte zunächst bei der alten Schule an der Westerharler Straße errichtet werden, doch verhinderte der Ausbruch des Krieges die Umsetzung des Vorhabens. Bis 1945 besuchten die ev. Einwohner die GD im acht Kilometer entfernten Walsrode. Die Firma Wolff & Co. ließ einen sonntäglichen Kirchenzug fahren, der 1945 eingestellt wurde. Seither fanden GD in der Regel einmal monatlich, später vierzehntäglich in Benefeld und Bomlitz statt, in Benefeld zunächst in einer Baracke des Steinlagers, dann auch in der späteren Waldorfschule, in der Gastwirtschaft „Pulverkrug“, im ehemaligen Gästehaus der Firma Wolff & Co. sowie ab 1947 in der neu errichteten kath. Kapelle; in Bomlitz in der neuen Schule (Musiksaal oder Turnhalle). Überlegungen, eine Filterstation in der Nähe der Waldorfschule zur Kirche umzubauen, scheiterten 1948/50 an der Finanzierung. Die Sammlung der Gemeinde in Benefeld erfolgte in den Jahren 1949/53 durch P. Hoffheinz. Nach seinem Weggang wurde die Arbeit durch den Hilfsgeistlichen Saydackl fortgeführt. Dennoch konnte sich ein kirchliches Leben kaum entwickeln. Im Gegensatz dazu gab es schon früh ein reges kath. Gemeindeleben (Kapelle 1947) und starke Zuwächse bei anderen religiösen Gruppen, namentlich den Baptisten, die 1951 gleichfalls ein Gemeindezentrum eröffneten, und der Christengemeinschaft, die in der Waldorfschule in Benefeld über einen gottesdienstlichen Raum verfügte. Zur Stärkung der landeskirchlichen Position wurde deshalb im Juli 1953 eine dritte Pfarrstelle der KG Walsrode mit Amtssitz in Bomlitz errichtet (Bomlitz war vorher der zweiten Pfarrstelle zugeordnet). 1954 wurde das Pfarrhaus gebaut. Am 1. Oktober 1953 wurden die luth. Einwohner der Landgemeinden Bomlitz und Benefeld aus der KG Walsrode ausgepfarrt und zu einer selbständigen KG Bomlitz-Benefeld zusammengeschlossen.2
Die Gemeinde hatte 1956 4.668 Gemeindeglieder, davon 1.407 in Bomlitz, 1.838 in Benefeld. Den dringend notwendigen Kirchenbau ermöglichte schließlich eine Schenkung von Gerd Wolff (der damalige Inhaber der Wolff & Co. KG), der der Gemeinde dafür ein Grundstück beim Friedhof übereignete. Das KGb wurde 1956/57 nach einem Entwurf von Dipl.-Architekt Heinz Gericke (Walsrode) erbaut. Es erhielt einen abtrennbaren Gemeindesaal und einen Jugendraum im Turm. Einweihung 27. Oktober 1962. 1978 errichtete die Gemeinde ein eigenes Gemeindezentrum. Seit 1. Juli 1978 führt die KG den Namen Ev.-luth. Paulus-KG Bomlitz.3

Pfarrstellen

I: 1. Oktober 1953. – II: 1. Juli 1973.4

Umfang

Bei Gründung die Gemeinden Benefeld, Bomlitz, Westerharl (teilweise) sowie die Firma Wolff-Walsrode. Mit dem 1. Oktober 1959 wurden die luth. Einwohner von Fuhrenkamp (Teil der politischen Gemeinde Netzingen) aus der KG Meinerdingen in die KG Bomlitz-Benefeld umgegliedert5, am 1. Januar 1961 auch die bislang zur KG Meinerdingen gehörigen Einwohner der politischen Gemeinde Bomlitz.6 Im Zuge einer Grenzänderung zwischen den KG Walsrode und Bomlitz wurden die Kirchenmitglieder der St.-Johannes-der-Täufer-KG in Walsrode, die in einigen zu den Wohnplätzen Cordingen und Jarlingen der politischen Gemeinde Bomlitz gehörenden Straßen wohnten, zum 1. Januar 1986 in die KG Bomlitz umgegliedert.7

Aufsichtsbezirk

Seit Gründung zum KK Walsrode.

Kirchenbau

Saalkirche aus verputztem Ziegelmauerwerk in Nordwest/Südost-Ausrichtung. Orgelempore im Westen. Flache, in der Mitte erhöhte Holzdecke.

Fenster

Im Chorraum hinter dem Altar Buntglasfenster mit Motiven aus dem Leben Jesu, gestiftet von Gerd Wolff, hergestellt in der Werkstatt für kirchliche Kunst in Bremen nach Entwurf von Heinz Lilienthal (Bremen).

Turm

Viereckiger Turm aus Ziegelmauerwerk, an der Westseite an das Schiff angebaut. Dacheindeckung aus Kupferblech. Offener Aufsatz aus Stahl mit Kugel/Kreuz-Bekrönung.

Ausstattung

Altar, Kanzel, Lesepult und Taufstein einheitlich aus hellem Kunststein. – Engelsskulptur der Bildhauerin Stephanie Link.

Orgel

1968 Neubau durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), 20 II/P (HW, BW), mechanische Traktur. 1993 Renovierung.

Geläut

Drei LG, I: as’; II: b’; III: des’’ (alle Bronze, Gj. 1957, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg).

Friedhof

Der Friedhof in Bomlitz war noch nach dem Krieg Privateigentum von Gerd Wolff und wurde später der politischen Gemeinde übereignet. Kommunaler Friedhof in Benefeld.

Literatur

A: Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 165-167.


Fußnoten

  1. Ubbelohde, Repertorium, IV. Abt., S. 16.
  2. KABl. 1953, S. 169.
  3. KABl. 1978, S. 83.
  4. KABl. 1973, S. 110.
  5. KABl. 1959, S. 113.
  6. KABl. 1961, S. 9 f.
  7. KABl. 1986, S. 3.