Sprengel Lüneburg, KK Walsrode | Patrozinium: Frieden | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Seit 1974 Ortsteil der Gemeinde Bomlitz. – Bommelsen wird schon 826/876 in den Corveyer Traditionen erwähnt.1 Es war alter welfischer Allodialbesitz in der Amtsvogtei/Amt Fallingbostel. Verschiedene Hinweise deuten auf das Bestehen einer kleinen Kapelle zwischen Klein Harl und Bommelsen hin, die vielleicht im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Der Ort war allerdings bis ins 20. Jh. der Parochie Fallingbostel zugeordnet und bildete dort eine eigene Schulgemeinde.

Kirche, Ansicht von Südwesten, um 1953

Kirche, Ansicht von Südwesten, um 1953

1887 wurde in Bommelsen ein eigener Posaunenchor gegründet. Seit Anfang der 1920er Jahre gab es Pläne zum Bau einer Kirche. Die Realgemeinde stellte 1923 einen Vermögensgrundstock zur Verfügung, der allerdings durch die Inflation entwertet wurde. Konkreter wurde das Projekt erst wieder mit der Anlage eines neuen Friedhofs in Fallingbostel außerhalb des Orts in Richtung Oerbke, durch den sich für die Bewohner des überwiegend ländlich strukturierten Bomlitztals zwischen Woltem und Kroge der Weg zum Friedhof erheblich verlängerte. Zunächst gegen den Willen des LKA beschloss die Gemeinde die Anlage eines eigenen Friedhofs mit einer auch zu gottesdienstlichen Zwecken nutzbaren Kapelle. Der 1929/30 vollendete Bau mit Platz für 250 Personen war der erste Kirchenneubau in der Region nach dem Ersten Weltkrieg. Die Weihe am Himmelfahrtstag 1930 nahm Lbf. Marahrens vor. Mit dem 1. Juli 1930 wurden die im Bezirk der Landgemeinde Bommelsen wohnenden Mitglieder der KG Fallingbostel zu einer KapG zusammengeschlossen.2 1938 wurde in der Gemeinde eine Gruppe der Ev. Frauenhilfe gegründet. Zum 1. Oktober 1950 wurde die KapG aus der KG Fallingbostel ausgepfarrt und unter Errichtung einer Pfarrstelle in eine selbständige KG umgewandelt.3 Erster Geistlicher war P. Rudolf Schäffer (amt. 1950/51-1953).
2003 wurde aus dem Nachlass einer Tochter des in Bommelsen bestatteten Generalobersten Johannes Blaskowitz die Blaskowitz-Stiftung errichtet. Sie dient der Förderung der kirchengemeindlichen Arbeit sowie der Pflege des Friedhofs und der Friedenskirche.
Die Pfarrstelle in Bommelsen ist seit 1. Januar 2013 mit der Pfarrstelle zwei in Bad Fallingbostel verbunden.

Umfang

Bommelsen, Dehnbostel, Frielingen, Kleinharl, Kroge (mit Ausnahme der drei südlich der Bomlitz gelegenen Höfe), Löverschen, Westerharl (teilweise) und Woltem.

Aufsichtsbezirk

Seit Gründung zum KK Walsrode.

Kirchenbau

Fünfachsiger, einschiffiger Saalbau (1929/30, Architekt: W. D. A. Leuscher, Hildesheim) aus verputztem Ziegelmauerwerk mit eingezogener polygonaler gewölbter Apsis (5-/8-Schluss), die sich hinter einem breiten Rundbogen zum Schiff hin öffnet. Rundbogige Fenster. Holztonnengewölbe. Orgelempore über dem Eingang. Renovierung 1955/56, 1972/73 und 1990/92.

Fenster

In der Apsis drei Buntglasfenster (Christi Geburt, Himmelfahrt, Auferstehung). Weitere Buntglasfenster über dem Eingang.

Turm

Über dem Westgiebel ein dachreiterartiger quadratischer Turmaufsatz aus Ziegelmauerwerk mit rundbogigen Schallöffnungen und achtseitigem, verschiefertem Spitzhelm. Durch Artilleriebeschuss wurde der Turm im April 1945 schwer beschädigt und nach dem Krieg instandgesetzt.

Orgel, 1974

Orgel, 1974

Orgel

Die Gemeinde nutzte zunächst ein Harmonium bzw. eine gestiftete Hausorgel. 1940 Neubau durch die Firma Emil Hammer (Hannover), 10 II/P (OW, RP), mechanische Traktur, Schleifladen. 1977/78 Instandsetzung durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven). 2001 Instandsetzung durch Stefan Linke (Rotenburg).

Geläut

Drei LG, I: a’ (Bronze, Gj. 1958, Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher); II: c’’ (Bronze, Gj. 1930, Franz Schilling, Apolda); III: d’’ (Bronze, Gj. 1958, Petit & Gebrüder Edelbrock). – Eine SG in c’’’ (Eisen). – Früherer Bestand: Die große LG und die SG aus dem ursprünglich Geläut wurden 1942 eingeschmolzen.

Weitere kirchliche Gebäude

1952/53 erhielt die Gemeinde ein eigenes Pfarrhaus (Architekt: Hermann Lange, Stellichte), an das 1997/98 ein Raum für die Gemeindearbeit angebaut wurde.

Friedhof

Bei der Kirche, 1929/30 mit deren Bau angelegt und 1974 erweitert. In Trägerschaft der KG.

Literatur

A: Hahn, Heidekirchen, S. 120.
B: Dietrich Ehlermann und Kirchengemeinde Bommelsen (Hg.): 100 Jahre Posaunenchor Bommelsen, Walsrode, 1987; Kirchengemeinde Bommelsen, Adelheid und Volkhard Uhlig (Hg.): Friedenskirche Bommelsen. Eine kleine Chronik zum 75-jährigen Bestehen der KG 1930-2095, [Bommelsen 2005].


Fußnoten

  1. Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 106.
  2. KABl. 1930, S. 87.
  3. KABl. 1950, 83 f.