Sprengel Stade, KK Verden | Patrozinium: Anna1 | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Der Ort lässt sich schriftlich zunächst als Personenname nachweisen: In der Zeugenliste einer undatierten Urkunde Ks. Friedrichs I., die im Februar 1160 ausgestellt wurde, ist ein Arnoldus quoque de Westene genannt.2 Sein Bruder Heinricus de Westen ist im Jahr 1162 urkundlich belegt; Arnold und seine Neffen Heinrich und Arnold – Heinricus de Westen, Arnoldus frater eius, Arnoldus patruus eorum – erscheinen als Zeugen in einer undatierten Urkunde Bf. Tammos von Verden (amt. 1180–1188).3 In einer Schriftquelle des 13. Jh. finden sich überdies Angaben zur Geschichte Westens im 11. Jh.: In den Annales Stadensis, niedergeschrieben vom Stader Abt Albertus (amt. 1232–1264), wird etwa zum Jahr 1055 eine curiam Wasten (Hof Westen) erwähnt; Ida von Elsdorf hatte den Hof von Mgf. Udo II. von Stade erhalten; nach ihrem Tod fiel er wieder an die Stader Grafen.4 Mitte des 12. Jh. erhielten die Herren von Westen den Hof als Lehen Heinrichs des Löwen.5 Im Jahr 1219 erwarb der Verdener Bf. Iso von Wölpe das Westener Erbe für das Hochstift Verden, es gehörte Anfang des 14. Jh. zur Vogtei Verden (später Amt Verden).6 Als Pfandgut kam Westen 1452 in den Besitz der Familie von Mandelsloh (bis 1540/45, dann weiter verpfändet, 1579 eingelöst).7 Mit dem Westfälischen Frieden kam das säkularisierte Hochstift Verden – und damit auch Westen – 1648 als Teil der vereinigten Hzm. Bremen und Verden unter schwedische Herrschaft. Nach Ende des Nordischen Kriegs fielen die Vogtei Dörverden, zu der Westen gehörte, und das Amt Thedinghausen an das Hzm. Braunschweig-Lüneburg (Frieden von Celle 1679).8 Westen gehörte zum welfischen Teilfsm. Lüneburg und wurde Sitz der kombinierten Ämter Westen und Thedinghausen (1697 zur Gft. Hoya). In französischer Zeit gehörte Westen 1810 kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und zählte dann bis 1813 zum Kanton Rethem im Arrondissement Nienburg des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach wurde Westen wieder Amtssitz, nun im Kgr. Hannover; 1852 wurde der nordwestliche Teil abgetrennt (Amt Schwarme) und 1859 ging das Amt Westen im Amt Verden auf. Mit der Annexion des Kgr. Hannover wurde Westen 1866 preußisch und kam bei Einführung der Kreisverfassung 1885 zum Lkr. Verden. 1971 wurde Barnstedt nach Westen eingemeindet und seit 1972 gehört Westen zur Einheitsgemeinde Dörverden. Im Jahr 1904 erhielt Westen einen Bahnhof an der Bahnstrecke Verden–Schwarmstedt (Allertalbahn, 1966 Personenverkehr eingestellt, 1994 Güterverkehr). In der Zeit des Kalibergbaus (1910–24) stieg die Zahl der Einwohner schnell an.9 Im Jahr 1961 schrieb der Ortspfarrer zur Sozialstruktur seiner Gemeinde: „Der Pfarrort Westen ist vorwiegend landwirtschaftlich, desgl[eichen] der Gemeindeteil Barnstedt, Hülsen dagegen zum größeren Teil industriell“ (Norddeutsche Kunststoff AG, NORKA, in Hülsen).10 Um 1810 lebten rund 580 Menschen in Westen, 1901 knapp 530, 1910 etwa 800, 2002 knapp 1.300.

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1938, Zeichnung von Sindel

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1938, Zeichnung von Sindel

Kirchlich gehörte Westen vermutlich zunächst zu Dörverden; die Kapelle war eine Filiale, also eine Tochterkirche, der Gemeinde Dörverden.11 Ältestes Zeugnis der örtlichen Kirchengeschichte ist der runde Turm der Kirche, der vermutlich um 1200 errichtet wurde; auch die an den Turm anschließende Nordwand stammt aus dieser Zeit.12 Wann Westen sich von Dörverden trennte und zur eigenständigen Pfarrei erhoben wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Ein Pfarrer ist zuerst 1339 belegen: Hermann Frambalch war Priester der Diözese Verden und rector in Westen.13 Zusammen mit seinen Amtskollegen aus Schneverdingen und Magelsen ist im Jahr 1378 ein Johannes als rector der Pfarrkirche in Westene nachgewiesen.14 Eine Quelle aus der Zeit um 1630 nennt mit P. Johann von Collen einen weiteren vorref. Geistlichen, der um 1461 in Westen amtierte.15 An gleicher Stelle finden sich weitere Angaben zur älteren Geschichte der Westener Kirche, die ursprünglich St. Ursula gewidmet gewesen sei: Die Herren von Westen hätten das Gotteshaus erbaut, in „welchem jahre, weiß man eigentlich nicht“. Nachdem Conrad von Wölpe Kirche und Dorf verwüstet hätte, habe Bf. Luder von Borch (amt. 1231–1251) die Kirche wieder instand setzen lassen, allerdings habe sie seinerzeit „etzliche jahre ohne tach offen gelegen“ und sei „durch den regen verdorben“ worden. 1461 sei das Gewölbe der Kirche eingestürzt und 1466 habe der Verdener Bf. Johannes III. von Asel (amt. 1426–1470) dabei geholfen, dass die Kirche „durch frommer leute zuelage ist wieder ufgebauwet“. Vermutlich ist damit gemeint, dass Bf. Johannes III. einen Ablassbrief zugunsten der Westener Kirche ausgestellt hat.16 P. Johann von Collen, so berichtet die Quelle weiter, habe, da er „stets schwach und zue hohem alter gekommen war“ die Kinder des Kirchspiels vom Dörverdener Pfarrer taufen lassen. Überdies habe er selbst Kinder gehabt: Die Quelle nennt einen Sohn und zwei Töchter, eine sei die concubin des Dörverdener Pfarrers „herrn N. Bokers“ gewesen. Nach P. Johann von Collen habe ein Verdener Domvikar die Pfarre übernommen und den eigentlichen Pfarrdienst in Westen einen mercenarius (Mietling) übertragen. Der kurze Bericht endet mit den Worten Obsignata documenta (besiegelte Dokumente), womit sicherlich betont werden soll, dass die Angaben auf Urkunden beruhen und dementsprechend verlässlich sind.
Die Reformation setzte sich im Hochstift Verden erst spät und nur allmählich durch.17 Der Verdener (und Bremer) Bf. Christoph von Braunschweig-Lüneburg (amt. 1502–1558) bekämpfte die luth. Lehre.18 Sein Bruder und Nachfolger in beiden Bistümern, Bf. Georg (amt. 1558–1566), duldete den neuen Glauben, hatte einen ev. Kanzler, berief vermutlich auch einen ev. Hofprediger und bestimmte im Jahr 1564 zusammen mit dem Verdener Domkapitel den Protestanten Eberhard von Holle zu seinem Nachfolger. Seinerzeit gehörten das Abendmahl in beiderlei Gestalt und die Priesterehe „im Stifte Verden schon zu rechtem Gebrauche“, wie das Domkapitel formulierte; gleichzeitig verlangte es von Holle jedoch eine päpstliche Bestätigung.19 In Zusammenarbeit mit dem Domkapitel förderte und festigte Bf. Eberhard von Holle (amt. 1566/67–1586) die luth. Lehre. Vermutlich kurz nach der Visitation von 1570 erhielt das Hochstift Verden eine ev. Kirchenordnung (nicht erhalten).20 Die erste gedruckte Kirchenordnung erließ schließlich Bf. Philipp Sigismund (amt. 1586–1623) im Jahr 1606.21 Als erster luth. Prediger in Westen gilt P. Johann Fischer, Angaben zu seiner Amtszeit fehlen jedoch.22 Bei der Visitation 1573 hatte P. Johann von Arsten die Pfarre inne.23 Während des Dreißigjährigen Krieges regierte mit Bf. Franz Wilhelm von Wartenberg (amt. 1630–1631) noch einmal kurzzeitig ein kath. Bf. im Bistum Verden und im Mai 1630 mussten die luth. Pfarrer ihre Gemeinden und das Land (also das Hochstift Verden) verlassen.24
In der zweiten Hälfte des 17. Jh. übernahm P. Gerhard Becker (amt. 1663–1704) das Pfarramt in Westen. Er musste ein neues Pfarrhaus errichten, nachdem das vorhandene zusammen mit fünf Hofstellen 1684 bei einem Dorfbrand zerstört worden war.25 Die Pfarre Westen blieb insgesamt drei Generationen lang in der Hand der Familie Becker: Auf P. Gerhard Becker folgte P. Heinrich Wilhelm Becker (amt. 1704–1768) und auf diesen dann P. Georg Heinrich Becker (amt. 1769–1782). Letzterer begann etwa 1780 mit der Vergrößerung der Kirche: Das Schiff erhielt eine breitere Verlängerung nach Osten und einen fünfseitigen Chorschluss. Die Arbeiten endeten 1786 und seitdem hat sich die äußere Gestalt der Kirche in Westen nicht mehr wesentlich verändert.
P. Friedrich Wilhelm Jesse (amt. 1797–1811), gründete 1800 eine „Industrieschule“ in Westen. Auf dem Lehrplan standen handwerkliche Dinge gelehrt (u. a. Spinnen, Nähen, Gemüsebau, Bienenzucht) aber auch Rechnen, Rechtschreibung sowie die „Anfangsgründe der Naturlehre, Naturgeschichte, Geographie und Geschichte, namentlich des Vaterlandes“.26 P. Jesse begründete zudem eine Lesegesellschaft für die Lehrer der Insp. Hoya, die sich viermal im Jahr in Westen traf.27
Während der NS-Zeit hatte P. Georg Friedrich Borcherding (amt. 1921–1946) das Pfarramt in Westen inne. Anlässlich der Visitation 1936 beklagte er sich, dass kaum Zeit für seelsorgerliche Arbeit in der Gemeinde bliebe: „Tagelang an den Schreibtisch gefesselt durch die Anträge auf Kirchenbuchforschung zum Zweck der Nachweisung der arischen Abstammung, habe ich nicht mehr so wie früher Hausbesuche machen können.“ Nach Eindruck des Sup. des KK Verden besaß die KG seinerzeit „eine Kerngemeinde treuer, betender Christen“, jedoch gelte noch immer die Einschätzung aus dem Jahr 1930: insgesamt zeige die Gemeinde „wenig Kraft und Frische“.28
Die Nachkriegszeit brachte Veränderungen für die KG. Die Zahl der Gemeindeglieder stieg von etwa 1.530 im Jahr 1942 auf fast 3.350 im Jahr 1949 (Flüchtlingslager Hülsen mit 700 Geflüchteten).29 Die Gemeinde stellte ihre Kirche auch für kath. Gottesdienste und Amtshandlungen zur Verfügung; zum kath. Kaplan bestehe ein „dankbar bestes Verhältnis“, wie P. Reinhardt Grußendorf (amt. 1946–1964) in den Unterlagen zur Visitation 1949 schrieb.30 Insgesamt zog der Sup. 1949 ein positives Fazit: „Hier regt sich etwas neues“; dem Pastor sei es gelungen, das gemeindliche Leben „beträchtlich ‚anzukurbeln‘ und auf Touren zu bringen“. 1946 hatte P. Grußendorf einen Kirchenchor gegründet, 1947 einen Posaunenchor, einen Kinderchor und einen Jungmädchenchor. Im gleichen Jahr fand sich eine Ev. Frauenhilfe zusammen und P. Grußendorf richtete monatliche Frühgottesdienste in Hülsen ein, die die Gemeinde zunächst in einer Gastwirtschaft feierte und seit 1959 in der kommunalen FKap.31 1954 eröffnete die KG Westen eine Gemeindebücherei, die mittlerweile in der ehemaligen Pfarrwohnung untergebracht ist (2020). Von 1992 bis 2017 bestand die „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Motoradfahrer/innen (ACM) Heavens Rider Westen“, gegründet von P. Gabriele Delaminsky (amt. 1991–2010). Seit 2009 betreibt die Gemeinde eine Kleiderstube.
Die Pfarrstelle der KG Westen wurde 2003 in eine Dreiviertelstelle umgewandelt32 und seit 2014 ist die KG Westen pfarramtlich mit der benachbarten KG Dörverden verbunden. Zur Unterstützung des kirchengemeindlichen Lebens gründete die Gemeinde 2008/09 die Stiftung „Etwas tun für St. Annen“. Seit dem Jahr 2000 trägt die Annenkirche das Signet „Verlässlich geöffnete Kirche“, seit 2014 ist sie „Radwegekirche“.

Umfang

Die Orte Westen und Hülsen, seit der ersten Hälfte des 19. Jh. auch Barnstedt (zuvor Andreasgemeinde Verden), die Höfe Nocke, Hiddinghausen und bis 1960 auch Donnerhorst (dann zur KG Rethem).33

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat der Dompropstei Verden der Diözese Verden. – 1651 wohl Insp. Verden. 1680 zur Insp. Nienburg. 1747 zur neuen Insp. Hoya (1924: KK). 1929 zum KK Verden.34

Patronat

Der Bischof von Verden, später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Romanischer Backsteinbau mit breiterem Chor (fünfseitig geschlossen) und Sakristeianbau im Osten, älteste Teile errichtet um 1200. Satteldach, über dem Chor abgewalmt. Zwei breite, geböschte Stützpfeiler mit Satteldach an Nordwand, Stützpfeiler an Nordseite des Chors; vermauerte Rundbogentür und vermauertes Rundbogenfenster nach Norden; spitzbogiges Portal nach Süden, rundbogige Portale am Chor, an südlicher Chorseite Treppe und Zugang zur Empore; breite, flachbogige Sprossenfenster. Im Innern flachgewölbte Decke, u-förmige Emporenanlage, Zugang zu Obergeschossen des Turms von Westempore aus. Im 14. Jh. Südwand erneuert. 1780–86 Kirche erweitert (Chor und Fachwerksakristei errichtet, Kreuzgewölbe durch flachgewölbte Tonne ersetzt). 1982–84 statische Sicherung und Renovierung (u. a. Außentreppe zur Empore an der Nordseite entfernt). 1989 Rundbogenportal an Nordseite des Chors angelegt.

Grablege

In der Turmhalle mehrere Amtmänner bestattet, 1960 umgebettet auf Friedhof.35

Turm

Runder Westturm aus Backsteinmauerwerk mit Sandsteinsockel, erbaut um 1200. Kegeldach bekrönt mit Kugel sowie Schiff (Allerkahn) mit Kreuz. Drei gekuppelte, rundbogige Schallöffnungen, Teilungssäulen mit Kapitellen. 1960 Dachsanierung und Turmhalle zu Gedenkkapelle für die Gefallenen der Weltkriege umgestaltet; seit 2014 Raum der Stille.

Ausstattung

Kanzelaltar im Régencestil (um 1786), Kanzelkorb flankiert von zwei korinthischen Säulen, die verkröpftes Gebälk mit Schalldeckel tragen, geschwungener Aufsatz mit Gottesauge, Kugel und Kreuz als Bekrönung, Kanzelkorb verziert mit Christusmonogramm, unterhalb des Kanzelkorbs Ölgemälde mit Abendmahlsdarstellung, seitliche Durchgänge, Altarschranken. – Schlichte Holztaufe (1963), achtseitiger Schaft und achtseitiges, kelchförmiges Becken, Deckel mit Inschrift „A[nno] 1963 D[omini]“. – An der Wand neben der Taufe zwei Putten (18. Jh.). –Epitaph für P. Heinrich Wilhelm Becker, Inschrift: „Vir mvneris dignitate meritis annisqve venerabilis Henricvs Wilhelmvs Becker, natvs Westeni a[nno] 1679 d[ie] 6. Sept. Digni, qvem pie Westenvm recordetvr, Gerhardi dignvs, qvia 1704 ei svccederet, filivs postqvam hvivs Gregis cvram cvm b. parente vltra secvlvm strenve gessisset, pie placideqve decessit d[ie] 27. Febr. 1768. A[nno] aet[atis] 89. scaerdotii 64“. – Hölzerner Opferstock (18. Jh.). – Außen an der Südwand: Mehrere Grabsteine des 18. Jh., u. a. für P. Gerhard Becker (amt. 1668–1704) und seine Ehefrau Adelheid Katharina Gerberin (Grabstein nach Tod P. Beckers gefertigt, Lücken in der Inschrift für Todesjahr und Alter der Ehefrau nicht ausgefüllt).

Orgel

1740 keine Orgel vorhanden.36 1768 stiftete Oberamtmann Wilhelm Isenbart der Gemeinde eine gebrauchte Orgel, 7 I/aP, mechanische Traktur, Orgelbauer unbekannt. Häufige Reparaturen, u. a. 1777 (Carl Friedrich Zuberbier), 1792/93 (Fr. Schneegaß), 1803 (Johann Christian Köster, Harpstedt), 1826 (Gottlob Möbius, Lauenau), 1846 (Peter Tappe, Verden). Orgelneubau 1870, ausgeführt von Folkert Becker (Hannover), 18 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Zinnpfeifen des Prospekts zu Rüstungszwecken abgegeben, 1925 als Ersatz Zinkpfeifen eingebaut.37 Zustand 1944: 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1972/73 Reparatur und Restaurierung, ausgeführt von Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.38 1984/85 Orgelreparatur, ausgeführt von Martin Haspelmath (Walsrode), Zustand 1985: 18 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.39 2002 Restaurierung, Orgelbaumeister Franz Rietzsch (Hemmingen-Hiddestorf). Denkmalorgel.

Geläut

Zwei LG, I: gisʼ (Stahl, Gj. 1954, Bochumer Verein), Inschrift: „Du wollest uns, Herr, deinen Frieden geben, uns und den Toten, die in dir leben“; II: hʼ (Bronze, Gj. 1502), Inschrift: „anno d[omi]ni m ccccc ii santa anna“ (im Jahr des Herrn 1502. St. Anna), verziert mit hängenden Kreuzblättern und -blumen. – Frühere Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1791, Lieder Ahlers, Bremen), Inschrift: „Meister Lieder Ahlers hat mich gegossen in Bremen Anno 1791“, Bild: Wappen Kurhannover; Glocke im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.

Friedhof

Alter, kirchlicher Friedhof rund um die Kirche, 1835 aufgegeben. Kirchlicher Friedhof am östlichen Rand von Westen, seit 1831, FKap (Bj. 1980). Kommunaler Friedhof in Hülsen, angelegt 1959, FKap (Bj. 1959).

Liste der Pastoren (bis 1940)

15..–15.. Johann Fischer. – 15..–15.. Johann von Arsen. – 1603– 16.. Jürgen Greine. – 16..–1665 Andreas Grönhagen. – 1665–1704 Gerhard Becker. – 1704–1768 Hinrich Wilhelm Becker. – 1769–1782 Georg Heinrich Becker. – 1782–1796 Hans Karl Ströver. – 1797–1810 Friedrich Wilhelm Jesse. – 1810–1822 Heinrich Justus Schnehage. – 1822–1836 Johann Otto Ernst Friedrich Liep. – 1836–1847 Rudolph Ludwig Fischer. – 1847–1890 Christoph Adolph Theodor Seidel. – 1891–1920 Reinhard Hibben. – 1921–1946 Georg Friedrich Borcherding.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 495 (mit Ergänzungen)

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 11483–11517 (Pfarroffizialsachen); A 9 Nr. 2407 (Visitationen); A 12g Nr. 23 (GSuptur. Stade); D 7 (EphA Hoya); D 60 (EphA Nienburg); E 9 Nr. 1094, 1408–1410 (Amt für Bau- und Kunstpflege); Kons. Stade, A 2 Nr. 1559/02 (Akten des Konsistoriums in Stade); L 5g Nr. 330–331, 851 (LSuptur. Stade); S 09 rep Nr. 2228 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7782 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1346; Gade, Hoya und Diepholz II, S. 366–370; Meyer, Pastoren II, S. 494–495; Osmers, Kirchen, S. 174–179; Pape, Haspelmath, S. 179–180; Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 131–134; Topp, Orgelbau Lkr. Verden V, S. 274–277.
B: Johann Osmers: Amt und Dorf Westen. Mit einer Häuserliste von Friedhelm Bluhm, Bremen 1997; Johannes Spöhring: Westen an der Aller, in: Stader Jahrbuch 49 (1959), S. 137–151; Hans-Georg Umland: Die ev.-luth. Kirchengemeinde Westen, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 1986, S. 291–299 [weitgehend Text übernommen aus Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 131–134].


Fußnoten

  1. Bei Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 269, ist als mittelalterliches Patrozinum Ursula angegeben, vgl. auch Asmus, Verdener Akten, S. 37.
  2. RI IV,2,2 n. 843, in: Regesta Imperii Online,
    URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1160-02-00_1_0_4_2_2_285_843, 08.09.2020; Regesten Ebf. Bremen I, Nr. 547; Text der Urkunde in: Carl Ludwig Grotefend: Der Streit zwischen dem Erzbischof Gerhard II. von Bremen und dem Bischof Iso von Verden über das Schloß Ottersberg im Jahr 1226, in Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen 37/38 (1871/72), S. 1–45, S. 44–45.
  3. 1162: UB Hamburg I, Nr. 224; Mecklenburgisches UB I, Nr. 75; 1180/88: UB Verden I, Nr. 163. Zu den Herren von Westen vgl. Osmers, S. 17 ff.
  4. MGH SS 16, S. 320, vgl. dazu auch https://www.geschichtsquellen.de/werk/86, 08.09.2020. Die Datierung ergibt sich aus der Amtszeit Papst Leos IX (amt. 1049–1054), des Onkels Idas von Elsdorf. Vgl. auch Osmers, S. 16. Zu Ida von Elsdorf vgl. knapp Drögereit, Richard: „Ida von Elsdorf“, in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 115–116 [Online-Version] und ausführlich: Wolfgang Dörfler, Luise Knoop & Bernd Ulrich Hucker (Hrsg.): Das Jahr 1112 – Idas von Elsdorf und ihre Zeitgenossen (= Rotenburger Schriften 92), Rotenburg 2012.
  5. Osmers, S. 17.
  6. UB Verden I, Nr. 244; Abb. der Urkunde bei Osmers, S. 27. Der Erwerb der Herrschaft Westen ist auch in der Inschrift auf Bf. Isos Grabplatte erwähnt, die sich in der Andreaskirche Verden befindet, vgl. UB Verden I, Nr. 321; UB Verden II, Nr. 102 [A].[10].
  7. UB Verden IV, 2, Nr. 843 (2. Hälfte 16. Jh.); Osmers, S. 35 ff.
  8. Osmers, S. 51.
  9. Osmers, S. 114 ff.
  10. LkAH, L 5g, Nr. 330 (Visitation 1961).
  11. Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 131.
  12. Verschiedentlich wird angenommen, diese ältesten Teile der Kirche seien Überreste der Burg der Herren von Westen, vgl. etwa Osmers, S. 21 und Spöhring, S. 143. Anders Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1346: „Von der Burg der 1219 ausgestorbenen Herren v. Westen keine Reste erhalten“.
  13. Regesten Ebf. Bremen II, Nr. 650.
  14. UB Verden II, Nr. 1044: „Bernardus in Snewerding, Johannes in Westene ac Hermannus in Maghelsen ecclesiarum parrochialium rectores“.
  15. Asmus, Verdener Akten, S. 37 ff. Dort auch die folgenden Zitate. Die Quelle, die historische Notizen über Kirchen im Hochstift Verden und Verzeichnisse ihrer Einkünfte enthält, entstand, als Bf. Franz Wilhelm von Wartenberg (amt. 1630–1631) während des Dreißigjährigen Krieges kurzzeitig die Herrschaft in Verden übernahm und versuchte, das Bistum zu rekatholisieren, vgl. ebd., S. 29 ff. Osmers, S. 36, nimmt an, dass Westen erst zur Zeit von P. Johannes von Collen zur Pfarrkirche erhoben wurde.
  16. Vgl. UB Verden IV, 2, Nr. 1400, Anm. 1.
  17. Vgl. zum Folgenden: Jarecki, Reformation, S. 81 ff., sowie die Beiträge von Hans Otte, Matthias Nistal und Thomas Vogtherr in Dannenberg/Otte, Reformation.
  18. Zu Bf. Christoph vgl. den Beitrag von Matthias Nistal in Dannenberg/Otte, Reformation, S. 39 ff.
  19. Zit. bei Jarecki, Reformation, S. 94. Zu Holle vgl. den Beitrag von Thomas Vogtherr in Dannenberg/Otte, Reformation, S. 53 ff. Die päpstliche Bestätigung konnte Holle nicht beibringen.
  20. Bei der Visitation wurden nicht die einzelnen Gemeinden besucht; vielmehr fand für das jeweilige Amt eine Predigerversammlung in Rotenburg (Wümme) und eine in Verden statt, vgl. Jarecki, Reformation, S. 99 f.
  21. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 145 ff: „Kirchenordnung, wie es mit christlicher lehr und ceremonien, verreichung der h[eiligen], hoch[wirdigen] sacramenten und andern kirchensachen im stift Verden hinfort durch Gottes gnad und beystand ordentlich gehalten werden soll“.
  22. Osmers, S. 41 und 232, gibt 1563–1591 an, allerdings war 1573 Johann von Arsten Pastor in Westen, vgl. Dannenberg/Schulze, Geschichte III, S. 71. Als Beleg führt Osmers an: Meyer, Pastoren II, S. 494 f., dort finden sich jedoch keine genauen Angaben zur Amtszeit von P. Fischer.
  23. Dannenberg/Schulze, Geschichte III, S. 71.
  24. Asmus, Verdener Akten, S. 31.
  25. Osmers, S. 58.
  26. Zit. bei Osmers, S. 73 f.
  27. Osmers, S. 78.
  28. Alle Zitate: LkAH, L 5g, Nr. 330 (Visitation 1936).
  29. LkAH, L 5g, Nr. 330 (Visitationen 1942 und 1949).
  30. Dies und die folgenden Zitate: LkAH, L 5g, Nr. 330 (Visitation 1949).
  31. LkAH, L 5g, Nr. 330 (Visitation 1961).
  32. KABl. 2003, S. 50.
  33. KABl. 1960, S. 60.
  34. KABl. 1929, S. 70.
  35. Osmers, S. 165.
  36. Zum Folgenden: Topp, Orgelbau Lkr. Verden V, S. 274 ff.
  37. LKA, G 9 B/Westen Bd. I, Bl. 1.
  38. LKA, G 9 B/Westen Bd. I, Bl. 86.
  39. LKA, G 9 B/Westen Bd. I, Bl. 171 f.