Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hameln-Pyrmont | Patrozinium: kein mittelalterliches Patrozinium bekannt1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist der Ort erstmals in einem Verzeichnis von Schenkungen (Traditionen) an das KlosterFulda erwähnt, das sich auf das 8./9. Jh. datieren lässt: Ein Gibicho de Saxonia und seine Frau übertrugen dem Kloster Güter in villa Hagen.2 In einer Urkunde des Kg. und späteren Ks. Heinrich II († 1024) aus dem Jahr 1004 ist der Ort als Hegen erwähnt.3 Hajen gehörte später zum Zubehör der Burg Grohnde, die seit Anfang der 1420er Jahre welfischer Besitz war (1428 Fsm. Lüneburg, 1495 Fsm. Calenberg-Göttingen, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Burg und Amt Grohnde dienten bis ins 17. Jh. als Pfandobjekt (Bf. von Hildesheim, Familie von Münchhausen) und erst 1619 kam das Amt, und damit auch Hajen, in direkte landesherrliche Verwaltung.4 In französischer Zeit zählte Hajen von 1810 bis 1813/14 zum Kanton Börry im Distrikt Rinteln des Leinedepartements im Kgr. Westphalen. Danach war Hajen, nun im Kgr. Hannover, Teil des neuen Amtes Grohnde-Ohsen (1852: Amt Grohnde), das 1859 im Amt Hameln aufging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Hajen 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung kam der Ort 1885 zum Kr. Hameln, der 1922 im Lkr. Hameln-Pyrmont aufging. Seit 1973 gehört Hajen zur neugegründeten Gemeinde Emmerthal. Zur Sozialstruktur der KG schrieb der Ortspastor 1960: „Die Gemeinde ist eine fast rein bäuerliche Gemeinde. Wohl fährt eine Anzahl junger Leute in die Fabriken und Teppichwebereien von Hameln. Etliche sind als Maurer tätig. Im Dorf gibt es mehrere Gaststätten, 5 Kaufmannschaften und einige Handwerksbetriebe.“5 Um 1810 lebten knapp 380 Menschen in Hajen, 1910 rund 565, 1939 etwa 530, 1946 um 1.040 und 2014 knapp 400.
Bei archäologischen Untersuchungen während der Sanierung der Kirche in Hajen (1975 bis 1987) konnten unterhalb der heutigen Orgelempore ein Baptisterium (Taufbassin) sowie Pfostenlöcher einer Holzkirche nachgewiesen werden.6 Die ältesten Teile der heutigen Steinkirche – der Turm bis zu einer Höhe von zwei Dritteln sowie die Wände der beiden Westjoche – gehen wohl auf die zweite Hälfte des 12. Jh. zurück.7 Auch das romanische Taufbecken sowie die romanische Säulenbasis, die ihm mittlerweile als Fuß dient, stammen vielleicht aus dieser Zeit oder sind möglicherweise älter.8 Namen von Geistlichen an der Kirche in Hajen sollen seit 1373 urkundlich nachweisbar sein.9 Vielleicht Mitte des 15. Jh. wurde die kleine, zweijochige Kirche eingewölbt und der Turm erhielt ein weiteres Stockwerk.

Kirche, Ansicht von Nordwesten, um 1948, Spendenpostkarte für Glocken

Kirche, Ansicht von Nordwesten, um 1948, Spendenpostkarte für Glocken

Über die Einführung der Reformation in Hajen sind keine Details bekannt, als erster luth. Geistlicher gilt 1542 P. Henning Leveken. Als Vormund ihres minderjährigen Sohnes Erich hatte Hzgn. Elisabeth († 1558) die luth. Lehre im Fsm. Calenberg-Göttingen eingeführt: 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus († 1553) verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden des Fürstentums visitieren.10 Im Jahr 1545 übernahm der nunmehr volljährige Hzg. Erich II. († 1584) die Regierungsgeschäfte und wechselte 1547 zum kath. Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich jedoch seinen Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der luth. Lehre in den Kirchspielen des Fürstentums sicherstellen. Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fsm. Calenberg-Göttingen 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Hzg. Julius († 1589) führte seine 1569 aufgestellte ev. KO auch hier ein.11 1588 ließ er die Gemeinden visitieren.
Der seinerzeitige Geistliche, P. Conradus Lamberti (amt. 1567–16..), gab bei dieser Visitation an, er und sein Vorgänger seien von der Gemeinde gewählt bzw. belehnt worden, „doch mit Bewilligung der Obrigkeit“. Im Visitationsprotokoll ist vermerkt: „Die Leute sagen, sie haben Jus patronatus, allegant veterem consuetudinem“ (nach altem Brauch). Der Grohnder Amtmann hingegen meinte, „es solle wohl Illustrissimo zustehen“. Dementsprechend ist im „Nachrichtungß-Buch von allen Pfarren in Fürstenthumb Braunschweig“, zusammengestellt um 1600, der Landesherr als Patron genannt.12 P. Lamberti predigte 1588 sowohl in Hajen als auch in der Burgkapelle Grohnde, „an jedem Orte Sonntags einmal, desgleichen in der Woche, also viermal jede Woche“.13 Er war allerdings nur für die Gemeinde der Burg zuständig; der Flecken Grohnde gehörte zum Kirchspiel Ohsen. Sein Nachfolger P. Vitus Ulrici (amt. 1610–1618) bemühte sich vergeblich, die Pfarrrechte auf den Flecken Grohnde auszuweiten. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) kontrollierten ab 1629 zeitweise kaiserliche Truppen das Amtsgebiet und der luth. P. Ulrikus Unverzagt (amt. 1626–1633) musste Hajen verlassen.14 Das Pfarramt übernahmen jesuitische Geistliche; 1633 nahmen hessische und schwedische Truppen das Gebiet ein und die kurze Phase der Rekatholisierung endete wieder.
Im Jahr 1645 erhielt die Kirche ein neues Altarretabel mit einem Abendmahlsgemälde sowie lateinischen und deutschen Inschriften zum Abendmahl. Einige Jahre später ließ die Familie von Behling-Volger die Kirche umbauen und vergrößern: 1653 wurde die mittelalterliche Apsis abgebrochen, die Kirche um zwei weitere Joche nach Osten verlängert, an der Ostseite eine neue Apsis errichtet und an der Nordseite eine Prieche für die Adelsfamilie. Die beiden neuen Joche der Kirche erhielten, ungewöhnlich für das 17. Jh., gotische Kreuzrippengewölbe.15 1692 ließ die Gemeinde ein neues Pfarrhaus errichten (der Vorgängerbau ist im Protokoll von 1588 als neu bezeichnet).16 Ab 1730 war das Pfarramt Hajen schließlich auch für die Fleckensgemeinde Grohnde zuständig. Diese pfarramtliche Verbindung bestand bis September 1914.17 Zum 1. Oktober 1932 stellte das LKA Hannover eine pfarramtliche Verbindung zwischen Hajen und Frenke her mit Sitz des Pfarramts in Hajen.18

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juli 1951

Juli 1951, Foto: E. Witt

Während der NS-Zeit hatte P. Walter Gehrig (amt. 1927–1965) das Pfarramt Hajen-Frenke inne. Kirchenpolitisch schloss er sich 1933 den DC an und im Bericht über die Visitation 1937 merkte Sup. Heinrich August Wilhelm Gieseke (amt. 1926–1944), KK Börry, an, P. Gehrig habe sich aus „kirchenpolitischen Gründen […] längere Zeit von der Pfarrkonferenz ferngehalten“.19 Die Zahl der Gemeindeglieder, die 1937 bei 550 gelegen hatte, war nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf etwa 1.180 im Jahr 1948 gestiegen und bis 1960 wieder auf 780 gefallen. Die Versehung der beiden kleinen Gemeinden – Frenke hatte rund 200 Gemeindeglieder – übernahm nach einer zweijährigen Vakanz der Gemeindehelfer (später Diakon) Bruno Schmitz (amt. 1967–1985).20 1972 bestand ein Frauenkreis, ein Mütterkreis und ein Flötenkreis in der KG Hajen, letzterer „aktiv bei Altenbesuchen in der Adventszeit“.21 Im gleichen Jahr konnte die Gemeinde ein kleines Gemeindehaus einweihen. Von 1975 bis 1987 fanden hier auch die sonntäglichen Gottesdienste statt: Wegen Einsturzgefahr des Turmdachs hatte die Kirche geschlossen werden müssen. Nach langjähriger Sanierung und Restaurierung feierte die Gemeinde am 1. Februar 1987 erstmals wieder einen Gottesdienst in der Kirche. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche unterhielten Hajen und Frenke Kontakte zur Kirchgemeinde Großschönau (Kirchenbezirk Zittau).22
Im Bericht zur Visitation 1990 attestierte der Sup. des KK Bodenwerder den beiden verbundenen KG „ein bescheidenes aber überzeugendes gemeindliches Leben“.23 Die Versehung der dauervakanten Pfarrstelle war seit Mitte der 1980er Jahren mit anderen Aufgaben kombiniert: P. Horst Metje (amt. 1986–1990) war gleichzeitig Öffentlichkeitsbeauftragter im KK Bodenwerder, Pn. Sylke Knust (amt. 1990–1996) war in der Jugendarbeit des KK tätig.24 1996 übernahm das Pfarramt Börry die Versorgung der beiden kleinen Gemeinden (Frenke 105 Gemeindeglieder, Hajen 420).
Zusammen mit der KG Esperde bildeten die KG Börry, Frenke und Hajen seit 1997 die Arbeitsgemeinschaft Ilsetal. Im Januar 2013 gründete die AG Ilsetal zusammen mit Grohnde, Lüntorf und Ohsen das Verbundene Pfarramt in Emmerthal (bzw. Verbundenes Pfarramt Ohsen). Zum 1. Januar 2022 schließlich entstand das Verbundene Pfarramt Emmer-Wesertal, zu dem alle Gemeinden der Region 5 des KK Hameln-Pyrmont gehören: Afferde, Börry, Esperde, Frenke, Grohnde, Hajen, Hämelschenburg, Hastenbeck-Voremberg, Lüntorf, Ohsen und Tündern.25 Die Gemeinden wollen inhaltlich und personell zusammenarbeiten; der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus 14 Delegierten der Gemeinden und drei Pastor*innen, leitet den Pfarrverbund.
Hajen liegt am 2005 eröffneten Pilgerweg Loccum–Volkenroda.26

Umfang

Hajen

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden.27 – Nach der Reformation zunächst zur Insp. Münder, 1634 zur neuen Insp. Aerzen, deren Sitz 1664 nach Oberbörry verlegt wurde (Insp. Börry, 1924 KK Börry).28 1947 ging der KK Börry im neuen KK Bodenwerder auf.29 1999 kam Hajen zum KK Hameln-Pyrmont.30

Patronat

1588 beanspruchte die Gemeinde das Patronatsrecht selbst, konnte diesen Anspruch jedoch nicht durchsetzen. Seitdem der Landesherr (bis 1871).31

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1936

Kirche, Grundriss, 1936

Vierjochiger Bau mit runder Apsis (Sakristei), älteste Teile wohl zweite Hälfte 12. Jh. (Wände der Westjoche).32 Satteldach (Sollingplatten), Apsis mit halbem Kegeldach. Verputztes Bruchsteinmauerwerk, Ostgiebel aus Fachwerk. Mehrere geböschte Stützpfeiler an den Längsseiten; an der Nordseite schmaler Anbau mit Priechenaufgang. Segmentbogige Sprossenfenster an den Längsseiten, Rechteckfenster am Anbau; ein segmentbogiges Sprossenfenster an der Apsis. Rechteckportal nach Süden, im Sturz Inschrift „1653“; Sonnenuhr mit Inschrift „1704“, im Sturz der Priechentür an der Nordseite Inschrift: „16 E[rich] B[ehling] M[agdalene] V[olger]. 53“. Im Innern Kreuzgrat- und Kreuzrippengewölbe; balkonartige Emporen im Westen (Orgel) und Norden (ursprünglich Adelsprieche); Holzwand vor Apsis; in den Westjochen ornamentale Ausmalung des 15. Jh. (u. a. gemalte Gewölberippen), in den Ostjochen ornamentale Ausmalung des 17. Jh., inschriftlich datiert: „Anno Domini 1653 E. B. M. V. me fieri fecerunt“ (Im Jahr des Herrn 1653 ließen Erich Behling und Magdalene Volger mich erbauen). Mitte 15. Jh. westliche Joch eingewölbt (zuvor Balkendecke). 1653/54 Ursprüngliche Halbkreisapsis abgebrochen (archäologisch belegt) und Kirche um zwei Joche und Segmentbogenapsis nach Osten verlängert. 1710 hölzerne Altarwand errichtet (Apsis abgetrennt). 1766 Dachreparatur. 1856 Neugestaltung Innenraum (u. a. Emporen vergrößert). 1950 Innenrenovierung. 1975 Kirche geschlossen (Einsturzgefahr Turmdach). 1975–87 Sanierung und Restaurierung (u. a. statische Sicherung; Neudeckung Dach; Emporen entfernt; neue, balkonartige West- und Nordempore, Ausmalung freigelegt und restauriert).

Grablege

Erbbegräbnis der Familie Behling-Volger unter dem Chor.

Kirchenfenster, nach 1952

Kirchenfenster, nach 1952

Fenster

Nach Westen figürliches Buntglasfenster mit Darstellung des auferstandenen, segnenden Christus (1952, Ferdy Horrmeyer, Hannover), Inschriften: „19 FH 52“ und „Ausführung: Arbeitsgemeinschaft F. Horrmeyer, Fr. Wenzel, Hannover“; Fenster „gestiftet von den Angehörigen der Gefallenen“.33

Turm

Vierseitiger Westturm aus steinsichtigem Bruchsteinmauerwerk, etwas schmaler als das Schiff, Unterbau wohl 12. Jh. Turmhelm mit vierseitigem Ansatz und achteckiger Spitze, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Hahn; gedeckt mit Sollingplatten; Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Westen. An der Nordseite im Glockengeschoss segmentbogige Nische mit gekuppelten rundbogigen Schallöffnungen mit Teilungssäulchen, darunter Uhrziffernblatt, darunter zwei romanische Schallfenster (rundbogige Nische mit gekuppelten rundbogigen Schallöffnungen); nach Süden ein schmaleres, segmentbogiges Schallfenster im Glockengeschoss, darunter ein romanisches Schallfenster; nach Westen ein romanisches Schallfenster, ein Spitzbogenfenster, segmentbogiges Portal. Mitte 15. Jh. Turm erhöht. 1884 bei Blitzeinschlag beschädigt, 1887 Neueindeckung Turmhelm. 1978 Instandsetzung (u. a. romanische Schallöffnungen freigelegt).

Vorgängerbau

Pfostenlöcher einer Holzkirche sowie Baptisterium (Taufbassin) archäologisch nachgewiesen.

Altaraufsatz, Gemälde „Kreuzigung Christi“, 1978

Altaraufsatz, Gemälde „Kreuzigung Christi“, 1978

Ausstattung

Schlichter Blockaltar mit gemauertem Stipes und vorref. Mensa Sandstein (vier Weihekreuze); architektonisch gestaltetes, mehrstöckiges Holzretabel mit dorischen Säulen, Gemälden und Inschriften (1645, Bernhard Woltemate, Hameln), im Hauptfeld Abendmahlsgemälde, flankiert von zwei Inschriftenfeldern: „Paulus i cor ii v. 26. 27. Sooft ihr von diesem Brodt esset und von diesem Kelch trincket, solt ihr des Herren Todt verkündigen, biß das er kommt. Welcher unwürdig von diesem Brodt isset oder von diesem Kelch des Herren trincket, der ist schuldig an dem Leib und Blut des Herren“ und „Paulus i cor ii v. 28.29. Der Mensch prüffe aber sich selbs und also esse er von diesem Brod und trincke von diesem Kelche. Denn welcher unwürdig isset und trincket, der isset und trincket ihm selber das Gerichte, damit das er nicht unterscheidet den Leib des Herren.“ am Gebälk darüber Inschrift: „Indignussacram qui vult acceder mensam Corporis Jesu Christi sanguinis que reus Quare sume cibum domini potuma probalo corde non aterna morte perire debes“ (Wer unwürdig zum heiligen Mahl des Leibes und Blutes Jesu Christi hinzutreten und daher schuldig die Speise und den Trank des Herrn genießen will, der prüfe sich im Herzen, damit er nicht im ewigen Tod umkommen muss), im oberen Feld Kreuzigungsgemälde, flankiert von zwei Inschriftenmedaillons: „Ihr sollt heilig sein denn ich bin heilig der Herr euer Gott“ und „Das Evangelium ist eine Kraft Gottes die da selig macht alle die daran glauben“; am Gebälk darüber Inschrift: „Mein Fleisch ist die rechte Speise und mein Blut ist der rechte Trank“; im Giebel Inschrift: „Ich bin das Brodt des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubet, den wird nimmermehr dürsten Joh 6“; im Sockel Inschrift: „Hoc altare A[nno] C[hristi] MDCXLV qvo M[agister] Bernhardus Fresaeus D[ei]. G[ratia]. Pastor erat exstrvebat Johannes Schoff aeditvvs et colorabat Bernhard Woldtmate pictor“ (Diesen Altar errichtete im Jahr Christi 1645, als Magister Bernhard Frese von Gottes Gnaden Pastor war, der Küster Johannes Schoff und Maler Bernhard Woltmate bemalte ihn). – Holzwand hinter dem Altar (1710). – Leicht erhöhte Holzkanzel (um 1600), polygonaler Kanzelkorb, vor den Ecken dorische Säulchen, an den sieben Wandungen rundbogige Blendnischen; Kanzelfuß und Treppe von 1986; von 1951 bis zur Restaurierung 1985/86 waren an den Wandungen Gemälde der vier Evangelisten angebracht (1951, Ferdy Horrmeyer, Hannover). – Romanisches Taufbecken (wohl 12. Jh.), Ornamentfries am Beckenrand; romanische Säulenbasis als Fuß (diente noch 1975 als Kanzelfuß), aufgestellt im Turmraum.34 – Steinerne Taufe mit Holzdeckel (1646), achtseitiger Schaft, achtseitiges, kapitellförmiges Becken; am Deckel Inschrift: „A[nno] C[hristi] MDCXLVI [Hen]ningus Wichmann hoc baptisterion arae adstructum prompta mente manuque dedit“ (Im Jahr Christi 1646 stiftete Henning Wichmann diese dem Altar hinzugefügte Taufe mit bereitwilligem Sinn und großzügiger Hand). – Hölzernes Kruzifix (15. Jh.). – Grabplatte für Erich Behling († 1667, Platte angefertigt 1655), mit Relief des Verstorbenen, eingelassen in Nordwand, Reste von Rahmenmalerei. – Epitaph für Johann Georg Behling († 1679) und seine Ehefrau Ilsa Magdalena Storen († 1692), eingelassen in Südwand, mit Rahmenmalerei. – Hölzerner Opferkasten mit Eisenbeschlägen (um 1710). – Außen: Mittelalterlicher Kreuzstein (1972 entdeckt). – Mittelalterliche Grabplatte mit Kreuz. – Mehrere Grabplatten (16.–19. Jh.)

Orgel

1856 Orgel aus Gronau erworben, bei Blitzeinschlag 1884 beschädigt.35 1888 Orgelneubau, ausgeführt von Heinrich Faber (Salzhemmendorf), Zustand 1944: 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, Zustand 1972: 20 II/P; Instrument wegen Sanierung der Kirche abgebaut, Teile später im Orgelmagazin Katlenburg eingelagert. 1986/87 Orgelneubau, ausgeführt von Gustav Steinmann (Vlotho), 10 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1988–90 Nacharbeiten und Veränderungen. 2016 Reinigung und Erweiterung, Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 11 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1958, Firma Rincker, Sinn), Inschrift: „Jesus Christus gestern und heute unde derselbe auch in Ewigkeit“; II: g’ (Bronze, Gj. 1927, Firma Radler, Hildesheim); III: a ’ (Bronze, Gj. 1958, Firma Rincker, Sinn), Inschrift: „Verleih uns Frieden gnädiglich Herr Gott zu unsern Zeiten“. Eine SG, h’’ (Bronze, Gj. 1977, Firma Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: 1877 drei Glocken vorhanden, zwei „ganz neu“ und eine mit der Inschrift „Anno a partv Virginis MDCCXLV“ (Im Jahr nach der Niederkunft der Jungfrau 1745)36, Geläut wohl teilweise im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. 1927 neues Dreiergeläut angeschafft, heutige LG II sowie zwei LG, d’ und f’ (alle Bronze, Gj. 1927, Firma Radler, Hildesheim), Inschriften: Namen von 28 im Ersten Weltkrieg getöteten Soldaten aus Hajen; d- und f-Glocke im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Eine LG, gis’ (Stahl, Gj. 1950, Bochumer Verein), 1958 ersetzt durch neue Bronzeglocken.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1878; Vorgängerbau Bj. 1692). – Gemeindehaus (Bj. 1972).

Friedhof

Ehemaliger kirchlicher Friedhof bei der Kirche, einige Grabsteine erhalten. Neuer kirchlicher Friedhof südöstlich des Ortes, angelegt Ende des 18. Jh., FKap.37

Liste der Pastoren (bis 1940)
Epitaph für Johann Georg Behling († 1679) und seine Ehefrau Ilsa Magdalena Storen († 1692), Foto: Ernst Witt, Hannover, Juli 1951

Epitaph, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juli 1951

1542 Henning Leveken. – 15..–1567 Rudolf Moller. – 1567–16.. Conradus Lamberti. – 1610–1618 Vitus Ulrici. – 1618–1625 Nikolaus Tierlier. – 1626–1633 Ulrikus Unverzagt. – 1633–16.. Jakobus Kühn. – 1636–1652 Magister Bernhard Frese. – 1653–1659 Henricus Fromann. – 1660–1689 Johann Contius (Cunz, Cuntz). – 1689–1739 Johann Kaspar Rudolphi. – 1722–1729 Johann Georg Mühlhahn. – 1729–1734 Jakob Gerhard Lünsen. – 1739–1753 Franziskus Heinrich Erhard. – 1753–1760 Johannes Henrikus Hüpeden. – 1760–1785 Johann Anton Siebold. – 1785–1794 Heinrich August Grütter. – 1794–1802 Johann Konrad Christoph Holscher. – 1802–1805 Georg Friedrich Hemrich Scheffsky. – 1805–1817 Franz Jakob Kutscher. – 1817–1825 Johann Andreas Mumhard. – 1826–1836 Friedrich Christian Bestenbostel. – 1836–1840 Karl Gottfried Theodor Stein. – 1840–1869 Heinrich August Blechschmidt. – 1874–1878 Heinrich Wilhelm Ludwig Hoffmann. – 1880 Heinrich Schrader. – 1881–1892 Karl Wilhelm Ludwig Oskar Buck. – 1892–1918 Karl Heinrich Blumenberg. – 1918–1926 Karl Wilhelm Ludwig Hanebuth. – 1927–1965 Hans Wilhelm August Walter Gehrig.
Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 387–388 und III, S. 22 (mit Ergänzungen nach Hölscher, Leben, S. 59)

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 4196–4206 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 84 (Spec. Landeskons.); A 9 Nr. 888Digitalisat, 889Digitalisat, 890Digitalisat, 891Digitalisat, 892Digitalisat (Visitationen); D 25 (EphA Bodenwerder); L 5a Nr. 1789 (LSuptur. Calenberg-Hoya mit Verden-Hoya und Celle); S 2 Witt Nr. 03 (Fotosammlung); S 09 rep Nr. 1166 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7493 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1645 (Lücken: 1649–1673)
Trauungen: ab 1674
Begräbnisse: ab 1674
Kommunikanten: ab 1689 (Lücken: 1779–1798)
Konfirmationen: ab 1786 (Lücken: 1794–1817)

Literatur

A: Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 247–253; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 584–585; Grote/van der Ploeg/Kellner, Wandmalerei, Katalogband, Nr. 82; Hölscher, Leben, S. 51–65; Meyer, Pastoren I, S. 387–388.
B: Kleiner Führer durch die Kirche zu Hajen, hrsg. vom Kirchenvorstand und Pastor der Kirchengemeinde Hajen, Hajen 1987. – Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche.

GND

2095390-2, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde (Hajen) 7685532-6, Kirche Hajen

Weitere Bilder

Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 206.
  2. Dronke, Trad. Fuld. § 41,100. Siehe auch Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 58. Berner, Amt Grohnde, S. 23, nennt zudem aus dem 9. Jh. Haion im Verzeichnis der Schenkungen an das Kloster Corvey, wobei es sich jedoch um einen Lesefehler in der älteren Edition handelt; richtig ist Haron, was wohl mit Haaren im Kr. Paderborn zu identifizieren ist (Mönchslisten I, § 33; Mönchslisten II, S. 91 f.).
  3. MGH DD H II 87 [Digitalisat].
  4. Berner, Amt Grohnde, S. 9 ff.
  5. LkAH, L 5h, unverz., Hajen, Visitation 1960.
  6. Kleiner Führer, S. 2.
  7. Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 584. Kleiner Führer, S. 3: „2. Hälfte des 13. Jahrhunderts“.
  8. Kleiner Führer, S. 2: „aus dem 10./11. Jahrhundert“.
  9. Hölscher, Leben, S. 51 (ohne Belege); Berner, Amt Grohnde, S. 29 (ohne Belege).
  10. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, Herrschaft, S. 47 ff.
  11. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.
  12. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 203; Nachrichtungß-Buch von allen Pfarren in Fürstenthumb Braunschweig sowoll Wolfenbüttelschen alß Calenbergischen theils, S. 71.
  13. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 203.
  14. Berner, Amt Grohnde, S. 15 f.
  15. Mithoff, Kunstdenkmale I, S. 44: hier liegt „der seltene Fall der Ausführung gothischer Kreuzgewölbe in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. vor“ (wie auch in Hastenbeck).
  16. Hölscher, Leben, S. 51; Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 203.
  17. KABl. 1914, S. 62.
  18. KABl. 1932, S. 93.
  19. LkAH, L 5h, unverz., Hajen, Visitation 1937. Siehe auch LkAH, L 5h, unverz., Hajen, Visitation 1960.
  20. Hölscher, Leben, S. 122 mit Anm. 479.
  21. LkAH, L 5h, unverz., Hajen, Visitation 1972.
  22. LkAH, L 5h, unverz., Hajen, Visitation 1990. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  23. LkAH, L 5h, unverz., Hajen, Visitation 1990.
  24. Hölscher, Leben, S. 122, mit Anm. 480.
  25. Siehe: https://region5.kirche-hameln-pyrmont.de/, 28.06.2022.
  26. Siehe: https://www.loccum-volkenroda.de, 06.05.2022.
  27. Holscher, Bisthum Minden, S. 54 und S. 91.
  28. Schlegel, Kirchenrecht II, S. 214.
  29. KABl. 1947, S. 13.
  30. KABl. 1998, S. 213 f.
  31. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 203; Nachrichtungß-Buch, S. 71.
  32. Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 584. Kleiner Führer, S. 3: 13. Jh.
  33. LkAH, L 5h, unverz., Hajen, Visitation 1960.
  34. Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 247.
  35. Hölscher, Leben, S. 56.
  36. Mithoff, Kunstdenkmale I, S. 45.
  37. Hölscher, Leben, S. 64 f.