Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Aurich | Patrozinium: Lambertus (von Maastricht) | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Die Besiedlung des Stadtgebiets von Aurich auf einer von Moor umgebenen Geestinsel setzt vermutlich im frühen 12. Jh. im Bereich um die heutige Lambertikirche ein. Möglicherweise setzte Lothar von Süpplingenburg als Hzg. von Sachsen in der ersten Hälfte des 12. Jh. die Gf. von Oldenburg als Amtsgrafen ein, die um Aurich einen neuen Herrschaftsstützpunkt schufen. Sein Aufstieg als politisches und wirtschaftliches Zentrum ging zu Lasten des früheren Zentralorts in Aurich-Kirchdorf. Noch vor 1379 kam das Auricher Land als oldenburgisches Lehen an die tom Brok, die die Oldenburger Gf. in der Herrschaftsausübung vollständig ablösten und um 1380 die erste Häuptlingsburg errichteten. 1427 wurden die tom Brok durch Focko Ukena, dieser seinerseits 1431 von den Cirksena verdrängt. 1464 wurde Ulrich Cirksena von Ks. Friedrich III. mit Ostfriesland als Reichs-Gft. belehnt. Gf. Edzard verlieh Aurich 1491 die Stadtrechte. Die Gf. (ab 1654 Fürsten) von Ostfriesland wählten 1561 die Stadt auch als Residenz. 1744 fiel sie mit dem Fsm. an Preußen, blieb aber ein wichtiger Verwaltungssitz.

Blick zur Orgel, um 1948, rechts Kanzelaltar

Blick zur Orgel, um 1948, rechts Kanzelaltar

Die Lambertikirche wurde wohl um 1200 durch Moritz I. von Oldenburg im Bereich eines ihm gehörigen Wirtschaftshofs als Eigenkirche errichtet und zur Sendkirche erhoben. Sie löste einerseits die ältere hölzerne Tauf- und Sendkirche in Aurich-Kirchdorf, andererseits einen älteren Kapellenbau in Aurich mit Gast-/Armenhaus und Kirchhof ab und entwickelte sich zum kirchlichen Zentrum der Auricher Geest. Ihr Parochialbezirk erstreckte sich über die sogenannten „negen Loogen“ (neun bäuerliche Siedlungen: Walle, Extum, Haxtum, Rahe, Sandhorst, Wallinghausen, Egels, Popens und Kirchdorf). Zum Sendbezirk gehörten auch die Ksp. Wiesens, Westerende und Weene, sowie seit dem Hochmittelalter die neu gebildeten Ksp. Bangstede und Barstede und im Süden im ausgehenden 15. Jh. die schon zum friesischen Archidiakonat des Bm. Münster gehörigen Ksp. Holtrop und Aurich-Oldendorf. Zwischen 1270 und 1340 wird die Lambertikirche im Brokmerbrief erstmals erwähnt.
Im Mittelalter sind die Stellen von zwei offenbar ranggleichen Hauptgeistlichen (rectores) belegt, für die das Besetzungsrecht bei den Gf. von Oldenburg lag. Die Investitur nahm der Bremer Domscholaster als Archidiakon vor.1 Daneben gab es Vikarsstellen an mindestens drei Nebenaltären (Altar der Heiligen Udalrich und Adauctus; Altar Corpus Christi und der 1408 durch den Pfarrer Johannes van Reden gestiftete Altar der Jungfrau Maria und des heiligen Laurentius2).
Von den Geistlichen wird 1402 her Johann kerchere to Aurikehove genannt3, eventuell identisch mit Johannes van Reden (1408/18 belegt, † vor 1438/40); Hinrik, kercher bzw. curet zu Aurich (1422, 1437/384), vielleicht identisch mit dem 1441 genannten Pfarrer Heinrich Harnschmecker; Egbert, capellan (1422)5; Tyard (Dietrich) to Awerke, wohl identisch mit dem 1472/81 genannten Dietrich; her Bernd (capellan, 1470/76); Hermannus/Hermann Gosevoert (vicarius, 1472). 1511 gab der Pfarrer Menso von Dornum sein Amt zugunsten des Johannes Twelchorn auf, ohne die Zustimmung des Patronatsherrn einzuholen. Der Gf. von Oldenburg übertrug daraufhin die freie Pfründe an M. Hermann von Arsten, der aber verzichtete, so dass Twelchorn zunächst im Amt blieb. Der daraufhin durch den Gf. präsentierte Dr. Martin Frede von Lochbernen wurde durch ein Urteil des Domscholasters bestätigt. Er übernahm die Pfründe, ohne das geistliche Amt auszuüben. Der 1512 erwähnte ständige Vikar Garlacus fungierte möglicherweise als sein mercenarius. Nur wenige Jahre später führte Gf. Edzard I. die Reformation ein. Als erster luth. Prediger amt. um 1518/22 Hinrich Bruns.
Seit dem 17. Jh. kam Aurich auch eine herausgehobene Stellung für die Kirchenleitung zu. Von 1631 bis 1643 bestand in Aurich ein luth. Coetus (für die Ämter Aurich, Stickhausen, Friedeburg, Pewsum und Leerort). 1643 wurde die Stadt Sitz des luth. Konsistoriums für Ostfriesland. 1766 bis 1788 und ab 1799 vertrat das Auricher Konsistorium auch die ref. Gemeinden. Von 1884 bis zur Auflösung 1924 bestand ein paritätisches Konsistorium unter ref. Leitung.

Kirche, Innenansicht, 1960, Foto: Photo Günter

Kirche, Innenansicht, 1960, Foto: Photo Günter

Die Lamberti-KG war von alters her Träger der Volksschule (Küsterschule). Mit der Trennung von Kirche und Schule wurde 1895 das Schulgebäude in der Kirchstraße 5 der Stadt Aurich übertragen. Die übrigen kirchlichen Gebäude (Pfarrhäuser) gruppierten sich überwiegend um den Lambertushof. An dessen Westseite befanden sich seit dem Mittelalter mit dem Antoni- und St.-Andreas-Haus zwei geistliche Gebäude unbekannter Zweckbestimmung, die sich möglicherweise ursprünglich im Besitz von Bruderschaften befanden.
Während der NS-Zeit war Aurich eine Hochburg der DC. Gefördert wurde ihre Stellung, insbesondere durch P. Heinrich Meyer, der seit 1927 dort Hilfsprediger war und 1929 auf die dritte Pfarrstelle gewählt wurde. Meyer trat früh öffentlich für den Nationalsozialismus ein, war Gründungsmitglied der Ortsgruppe Aurich der NSDAP, als deren geistiger Führer er galt, und seit 1929 ehrenamtlicher Gau- und Reichsredner der Partei. Im Mai 1931 gründete er in Aurich die „Niedersächsische Arbeitsgemeinschaft evangelischer nationalsozialistischer Pfarrer.“ Als Führer der DC in Ostfriesland galt er als deren radikalster Vertreter. 1933 wurde er als Ersatz für den abgesetzten GSup. Schomerus zum Landespropst in Ostfriesland ernannt (im März 1935 vom Oberlandesgericht Celle für rechtswidrig erklärt). Seit Herbst 1935 veranstalteten die DC in der Aula des Auricher Gymnasiums eigene GD und nahmen Amtshandlungen vor. Die offizielle Gründung der DC-Gemeinde wurde am 13. August 1936 vollzogen. H. Meyer wurde aus dem Dienst der Landeskirche entlassen6. Im Gegensatz zu Meyer stand P. Eilhard Schütt (seit 1927 zweiter Pfarrer), der im September 1933 neben dem späteren LSup. zum Obmann der „Vereinigung kirchlich gesinnter Pfarrer“, der Keimzelle der späteren BK in Ostfriesland, gewählt wurde. 1938 wurde der der Auricher P. und Konsistorialrat Johannes Friedrich (seit 1900 als Hilfsgeistlicher in Aurich, 1902 zweiter Pfarrer, 1907 erster Pfarrer), eine führende Persönlichkeit der BK in Ostfriesland, wegen der Verweigerung der Teilnahme an der Abstimmung über den Anschluss Österreichs von der Gestapo in „Schutzhaft“ genommen und nach seiner Freilassung in den Ruhestand versetzt.
Nach dem Krieg kam es zu einem starken Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen, durch die die Zahl der Gemeindeglieder auf über 20.000 anstieg. In den ersten Jahren fanden eigene GD für verschiedene Landsmannschaften statt. Die englische Besatzungsmacht nutzte die Lambertikirche auch für anglikanische GD. Neben der seelsorgerlichen Betreuung der Flüchtlinge übernahmen die Pfarrer auch die Betreuung des Krankenhauses in Sandhorst, des Lazaretts in Tannenhausen, des Fürsorgeheims, des Reilstifts und des Gefängnisses. Um einer Überlastung entgegenzuwirken, genehmigte das LKA 1947 die Errichtung einer vierten Pfarrstelle. 1949 wurde Sup. Wilhelm Büning zum LSup. für Ostfriesland mit Dienstsitz und Predigtstelle in Aurich ernannt (2007 nach Emden verlegt).
Als weiterhin unzureichend erwies sich nach dem Krieg die Raumsituation für die Gemeindearbeit. Ein vom Amt für Bau und Kunstpflege empfohlener Umbau der Lambertikirche (1970/71), die durch Einziehen einer Zwischendecke in einen Gemeindeteil (Erdgeschoss) und Kirchensaal (Obergeschoss) getrennt werden sollte, stieß beim KV auf Widerstand. Gegen den Umbau wurde neben denkmalpflegerischen Aspekten auch vorgebracht, dass die Kirche als Hauptkirche von Aurich „angesichts der besonderen ostfriesischen Verhältnisse in Hinblick auf das nebeneinander mit der ref. Kirche auch gewissen repräsentativen Bedürfnissen zu dienen“ habe.7 1973/74 erhielt die KG neben dem alten Gemeindehaus in der ehemaligen Schulstraße (jetzt Lambertshof) ein neues Gemeindehaus (Architekt: Dirk Schumacher, Aurich).
Seit 1849 hatte ein Verein zur Förderung einer Warteschule am Mühlenwall den ersten KiGa der Gemeinde eingerichtet (1910 geschlossen). 1881 konstituierte sich der Auricher Diakonissenverein, der sich der Hauskrankenpflege widmete. Am 1. Januar 1979 verschmolz die Gemeindeschwesternstation mit diakonischen Einrichtungen anderer KG und freier Wohlfahrtsverbände in der Diakonie-Sozialstation.

Pfarrstellen

I und II: Vorref. – III: 1929. – IV: 15. Dezember 19478 (1. Januar 1966 aufgehoben9) und neu errichtet aus V; 1. Juli 1967 aufgehoben10; 1. Januar 1974 neu errichtet.11 – V: 1. Juni 195612, ab 1. Januar 1966 IV.

Umfang

Die Stadt Aurich, die Dörfer Egels (mit dem Egelster Forsthaus), Extum, Haxtum, Kirchdorf, Popens, Rahe (mit dem Rehester Verlaathaus), Sandhorst (mit dem Sandhorster Forsthaus), Walle und Wallinghausen; die Kolonien Bernuthsfeld, Plaggenburg, Neu-pfalzdorf und Tannenhausen; die Landgüter Wilhelminenholz und Westerfeld; die Wirtshäuser Coldehoern, Eschen und Mittelboerg; die Fabrik Catharinenfeld; die Sägemühle Meyersvliet; die Papiermühle Stallingslust sowie die einzelnen Häuser und Höfe Hassenborg, Kükenshütten, Meerhusen und Palmshof. Mit dem 9. Mai 1899 wurden die seit 1892 durch einen eigenen Hilfsgeistlichen versorgten Einwohner der Ortschaften Plaggenburg, Diedrichsfeld und Pfalzdorf zu einer KG Plaggenburg vereint, die als Tochtergemeinde zunächst mit der KG Aurich verbunden blieb13 und zum 1. April 1930 unter Errichtung einer eigenen Pfarrstelle verselbständigt wurde.14 Mit dem 1. September 1913 und 1. Dezember 1913 wurden die ev.-luth. Einwohner der bisher keiner KG angehörenden Grundstücke des fiskalischen Gutsbezirks Meerhusen-Victorbur-Tannenhausener Moor nach Aurich eingepfarrt.15 Abgetrennt wurden außerdem die KG Tannenhausen-Georgsfeld (1. Januar 1961)16, Sandhorst (1. Januar 1963)17, Wallinghausen (1. Januar 1964, für die politischen Gemeinden Egels, Popens und Wallinghausen)18, Walle (1. Januar 1966, für die politischen Gemeinden Walle und Extum)19 sowie die zum 1. Januar 1967 errichtete Paulus-KG in Aurich (Aurich-Kirchdorf).20 Mit dem 1. Januar 1968 wurden die Lutheraner der politischen Gemeinde Extum aus der KG Walle in die Lamberti-KG umgepfarrt.21

Aufsichtsbezirk

Die Kirche in Aurich war Sendkirche im Archidiakonatssprengel des Bremer Domscholasters. –1631 bis 1643 Sitz des Coetus für die für die Ämter Aurich, Stickhausen, Friedeburg, Pewsum und Leerort und ab 1643 des luth. Konsistoriums für Ostfriesland. Nach der Insp.-Ordnung von 1766 gehörte Aurich als Stadtgemeinde zunächst keiner Insp. an, wurde aber 1868/69 zur Teilnahme an den Bezirkssynoden der 1. luth. Insp. in Ostfriesland zugewiesen, mit dem 1. April 1925 dem 1. luth. Aufsichtsbezirk (Aurich) zugeteilt und zum Sitz der Suptur. bestimmt.22 Zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben wurden die KK Aurich und Harlingerland mit dem 1. Januar 2009 zum Ev.-luth. Kirchenkreisverband Ostfriesland-Nord zusammengeschlossen.23

Patronat

Ursprünglich die Gf. von Oldenburg als Stifter der Kirche. Nach der Reformation die Gf. und Fürsten von Ostfriesland (d. h. der Landesherr). Später die Gemeinde.

Kirchenbau
Flügelaltar, Kanzel, nach 1961

Flügelaltar, Kanzel, nach 1961

Der älteste Kirchenbau in Aurich war eine flachgedeckte Backsteinsaalkirche auf einem Fundament aus Feldsteinen (erster vollständiger Steinbau auf der Auricher Geest), die vermutlich im zweiten Viertel des 13. Jh. in drei Jochen eingewölbt wurde. Der zweijochige Choranbau entstammte dem 14. Jh. Unter Gf. Edzard I. wurde 1498/99 an der Südseite ein Parallelschiff (Süderkirche) errichtet, zunächst ohne Vergrößerung des Altarraums. Bei einem Stadtbrand wurde die Kirche 1514 schwer beschädigt (Einsturz der Gewölbe, Wiederaufbau mit einer Bogenreihe). Als der Raum für die Grablege im Altarbereich nicht mehr ausreichte, wurde 1648/49 das südliche Schiff für die Einrichtung einer Fürstengruft auf die gleichen Maße verlängert. Wegen Baufälligkeit wurde die Kirche 1823 geschlossen und nach Einsturz des Westgiebels 1826 abgebrochen. GD fanden vorläufig in der ref. Kirche und in der Schlosskapelle statt. Der heutige klassizistische Neubau wurde 1833/35 im Wesentlichen nach einem Entwurf des 1830 verstorbenen Auricher Architekten Conrad Bernhard Meyer erbaut, der bis zu seinem Tod einer der maßgeblichen Betreiber des Bauprojekts gewesen war. Der endgültige Entwurf stammt von dem Bauinspektor Reinhold (Leer). Einweihung war am 15. November 1835. Rechteckige, klassizistische Backsteinsaalkirche mit hohen Rundbogenfenstern und Walmdach. Haupteingang an der südlichen Langseite. An der Ostseite wurde 1899 ein Treppenhaus zur Erschließung der obersten Empore angebaut und später als „Ehrenhalle“ mit Gedenktafeln für die 1870/71 und 1914/18 gefallenen Gemeindeglieder ausgestattet; dort befinden sich auch mehrere Ölgemälde, u. a. von Luther und P. des 18. und 19. Jh. Sakristei an der Nordseite der Kirche. 1960/61 grundlegende Renovierung der Kirche nach Entwurf von Dietrich Müller-Stüler, dabei u. a. Beseitigung der oberen Empore und des Kanzelaltars; die beiden Fenster hinter dem Altar wurden vermauert.

Grablege

Die Lambertikirche ist seit 1565 Erbbegräbnis des Hauses Cirksena. Beim Neubau von 1833/35 entstand zwar unter dem Ostende der Kirche eine neue Grablege. 1880 wurden die Särge aber in das neue Mausoleum auf dem Friedhof überführt.

Turm

Freistehender Glockenturm südöstlich der Kirche, der untere Teil wohl vom Ende des 13. Jh., 1656/62 durch Aufbau eines zweiten Stockwerks und Aufsetzen der achtseitigen Turmgalerie mit offener Laterne und Spitzhelm (1682) auf seine heutige Höhe von rund 35m gebracht. 1995/96 renoviert.24

Ausstattung

Passionsaltar (sogenannter Ihlower Altar), Werk der Lukasgilde in Antwerpen. Hergestellt zwischen 1490 und 1505 für das damalige Zisterzienserkloster Ihlow. Nach dem Abbruch des Klosters (1529) von Gf. Enno II. in die Schlosskapelle in A. überführt, später von Gf. Ulrich II. der Lambertikirche geschenkt. Klapp- und Wandelaltar; Schrein und bemalte Flügel waren bis 1923 getrennt. 1928 Wiederherstellung durch den Restaurator Koch, 1984 durch Johann Holstein renoviert.25 Bis 1959/60 war der Altar in den klassizistischen Kanzelaltar eingefügt, danach Neuaufstellung auf einem neuen Stipes. Die Predella mit der Offenbarung des Johannes (1,17b-18) und den Einsetzungsworten zum Abendmahl wurde erst hierbei 1961 ergänzt. – Barocke Kanzel mit korinthischen Säulen (Stiftung des Amtmanns H. A. von Lengering aus Emden, 1692), ursprünglich oberhalb des Altars angebracht, seit 1960/61 seitlich des Altars. – Taufe und Lesepult (1974) sowie Osterleuchter (1990) von Bildhauer Siegfried Zimmer (Hannover). Eine ältere Taufe war 1915 Prof. Bernhard Winter (Oldenburg) entworfen worden (jetzt im Vorraum aufgestellt26). – Dornbuschleuchter/Fürbittenleuchter von Hilko Schomerus aus Hannover (2004). – Ehemaliges Triumphkreuz (um 1500), in der Sakristei. – Das Gestühl wurde bei der Renovierung von 1960/61 erneuert.

Orgel, nach 1961

Orgel, nach 1961

Orgel

1529 erwarb die KG ein um 1505 erbautes einmanualiges Werk aus der Ihlower Klosterkirche, das vermutlich an der Nordseite der Kirche aufgestellt wurde. 1651/62 Renovierung durch Lukas Königsmarck. 1675 Erweiterung um ein Rückpositiv durch Joachim Kayser (Jever). 1750/60 Neubau durch Johann Friedrich Constabel (Wittmund) und Ernst Berner27 (Jever), 27 II/P. Die Orgel wurde während des Neubaus der Kirche eingelagert und 1835 durch Rohlfs wieder aufgestellt. 1898/99 Neubau des Werks hinter dem historischen Gehäuse durch Furtwängler & Hammer (Hannover), 29 oder 32 II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen. 1939 Veränderungen im Sinne der Orgelbewegung (Barockisierung). Weiterer Neubau 1956 bis 1961/63 durch Jürgen Ahrend und Gerhard Brunzema (Leer-Loga), 25 II/P (HW, RP), mechanische Traktur, Schleifladen; Prospekt nach Entwurf von D. Müller-Stüler. Es handelt sich um den ersten größeren Neubau von Ahrend und Brunzema in Ostfriesland.28 Einweihung am 8. Juni 1961. – Zusätzlich wurde 1993 ein transportables Positiv beschafft (Truhenorgel, gebaut von Orgelbauer Peter Reichmann, Braunschweig, 3 I/-, mechanische Traktur, Schleifladen). – Orgel in der FKap: 1967 Neubau durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), 3 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Vier LG, I: d’ (Bronze, Gj. 1717, Mammeus Fremy, Burhafe); II: e’ (Bronze, Gj. 1969, F. Otto, Bremen-Hemelingen); III: g’ (Bronze, Gj. 1969, F. Otto, Bremen-Hemelingen); IV: a’ (Bronze, Gj. 1969, F. Otto, Bremen-Hemelingen). – Zwei SG in der Laterne: I: b’ (Bronze, Gj. 1766, Claudius Fremy, Burhafe); II: d’’ (Bronze, Gj. 1634, um 1965 aus Mitte-Großefehn überführt). – Früherer Bestand: 1917 wurden drei von fünf LG (die älteste Gj. 1634/1840 umgegossen, die beiden anderen Gj. 1880) zu Rüstungszwecken abgeliefert. 1924 Beschaffung von drei neuen LG in c’, e’ und g’ (Bronze, Firma Franz Schilling Söhne, Apolda). 1942 werden fünf der sechs Glocken abgenommen. Im Turm verbleibt nur die heutige LG I. Eine SG kann durch einen Kirchenvorsteher versteckt werden. 1949 drei neue LG in c’, e’ und g’ (Eisen, J. F. Weule, Bockenem), die 1967 wegen eines Materialfehlers stillgelegt wurden. Die Kirche verfügte außerdem über eine 1641 eingefügte Betglocke, die in den 1960er Jahren ebenfalls stillgelegt wurde. – Eine weitere Glocke auf dem Friedhof: a’ (Bronze, Gj. 1966, Gebrüder Rincker, Sinn).

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche. Nach Vollbelegung 1805 Neuanlage außerhalb der Stadt auf dem zur ersten Pastorei gehörenden Papenkamp; später mehrfach erweitert. Torgebäude an der Von-Ihering-Straße nach Entwurf von C. B. Meyer (1806). Mausoleum der Ostfries. Gf. und Fürsten aus dem Hause Cirksena (1880). Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 19-20 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 343-347 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 80 (EphA Aurich).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 144 f.; Delbanco, Kirchenkampf; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 60-64; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 120; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 31 f.; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 39 f.; Orgelstadt Aurich, S. 64 f.; Robra, Holzplastik, passim; Vogel u. a., Orgeln Niedersachsen, S. 316 f.
B: 150 Jahre Lamberti-Kirche in Aurich 1835-1985. Festschrift zum Kirchenjubiläum 4.-20. Oktober 1985, hrsg. vom Kirchenvorstand der Ev.-luth. Lamberti-Kirchengemeinde, [Aurich 1985]; 175 Jahre Lambertikirche in Aurich 1835-2010. Festschrift zum Kirchenjubiläum, hrsg. von der Evangelisch-Lutherischen Lamberti-Kirchengemeinde Aurich, Aurich 2010; Hillard Delbanco: Die Evangelisch-lutherische Lamberti-Kirchengemeinde Aurich in den Auseinandersetzungen von 1933-1945, in: Herbert Reyer (Hg.): Aurich im Nationalsozialismus, Aurich 1989, S. 301-338; Hillard Delbanco: Die Lamberti-Kirche in Aurich, [Aurich 2006]; C. H. Edskes: Orgelbau in Ostfriesland heute, in: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr 2/1978; Kirchlicher Alltag im Geiste der Reformation – am Beispiel Aurich [Ausstellungskatalog], hrsg. von der Evangelisch-Lutherischen Lamberti-Kirchengemeinde Aurich, [Aurich] 1983; Robert Noah: Die Lambertikirche in Aurich (= Ostfriesische Kunstführer 4), Aurich 1982; Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr 2/1984; Heinz Ramm: Die Anfänge von Aurich, in: Hajo van Lengen (Hg.): Collectanea Frisica. Beiträge zur historischen Landeskunde Ostfrieslands, Aurich [1995], S. 101-162; Heinz Ramm: Untersuchungen zur Baugeschichte und Versuch einer Rekonstruktion der mittelalterlichen Lambertikirche in Aurich (Masch. Prüfungsarbeit), Kiel 1998; Edeltrud Schoen: Historisches über die Lambertikirche zu Aurich, in: Unser Ostfriesland 15 (1961); E. Starcke: Der Altarschrein in der Lambertikirche zu Aurich, in: Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst Emden. 9,2 (1890), S. 67-72.


Fußnoten

  1. Hodenberg, Stader Copiar, S. 53.
  2. Ostfriesisches UB I, Nr. 214.
  3. Ostfriesisches UB I, Nr. 189.
  4. Ostfriesisches UB I, Nr. 715, 468 und 493.
  5. Ostfriesisches UB I, Nr. 715.
  6. Vgl. auch BLO II, S. 239-242.
  7. LkAH, B 2 G 9/Aurich IV, Bl. 9.
  8. KABl. 1947, S. 78 f.
  9. KABl. 1966, S. 11 f.
  10. KABl. 1967, S. 186.
  11. KABl. 1974, S. 34.
  12. KABl. 1956, S. 73.
  13. KABl. 1899, S. 28 f.
  14. KABl. 1930, S. 49.
  15. KABl. 1913, S. 36 und 83.
  16. KABl. 1961, S. 6.
  17. KABl. 1963, S. 10.
  18. KABl. 1964, S. 10 f.
  19. KABl. 1966, S. 8.
  20. KABl. 1967, 20 f.
  21. KABl. 1968, 8 f.
  22. KABl. 1925, S. 28.
  23. KABl. 2009, S. 133.
  24. 175 Jahre, S. 43-47.
  25. Ostfriesland, S. 31.
  26. 175 Jahre, S. 64.
  27. Ernst Berner übernahm die Arbeiten für seinen Bruder Johann Berner, einen Schwiegersohn Constabels.
  28. Edskes, S. 33.