Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Aurich | Patrozinium: Petrus1 | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Oldendorf wird 1431 als Aldathorp erstmals erwähnt2, später auch als Oldendorp vor der Spetze bezeichnet. Es gehörte im Mittelalter zu den Hooge Loogen, das heißt den höher gelegenen Geestsiedlungen im Umkreis der Stadt Aurich. Im 13. Jh. ließ der Häuptling Ubbo Habben eine Burg errichten (vor 1725 abgängig). Mit dem Fsm. Ostfriesland wurde Aurich 1744 preußisch und kam 1815 an Hannover. – Seit 1972 ist Aurich-Oldendorf Ortsteil der wesentlich jüngeren Gemeinde Großefehn.

Orgel

Orgel

Die auf einer Warft gelegene Kirche stammt noch aus vorref. Zeit. Namen von Geistlichen sind aus dieser Zeit nicht überliefert. Die Reformation hielt wohl Ende des 16. Jh. Einzug. Als erster luth. P. wird 1598 Jacob Drentwede genannt3, nachher Anton Loscampius (Amtszeit unklar) und Gottfried Gottfriedi Ahrents (um 1606). Das Ksp. hat sich seit der ersten Hälfte des 17. Jh. durch die Fehnkolonisierung (Oldendorferfehn 1632/34; Teile von Großefehn) erheblich vergrößert. Bereits 1857 wurde Mittegroßefehn davon abgetrennt. Für Ostgroßefehn erreichten die Einwohner des 5. Schulbezirks 1867 zunächst die Schaffung einer Hilfspredigerstelle.4 Am 1. April 1890 wurde auch für die Realgemeinde Ostgroßefehn eine eigene KG errichtet.5

Umfang

Das Dorf Aurich-Oldendorf, die Kolonie Aurich-Oldendorferfehn und Großefehn (teilweise). Nach Verselbständigung der KG Mittegroßefehn und Ostgroßefehn sowie Umpfarrung der luth. Einwohner von Oldendorferfehn in die KG Großefehn (1. April 1950)6 umfasst die Gemeinde heute noch Aurich-Oldendorf, Moorlage sowie Teile von Ostgroßefehn und Spetzerfehn.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Friesland (Propstei Leer) der Diözese Münster. Um 1500 in einem Gemeindeverzeichnis zur Propstei Brokmerland gezählt.7 – Die Parochie unterstand ab 1631 dem luth. Coetus in Aurich und 1643 dem dortigen luth. Konsistorium Bei Erlass der Insp.-Ordnung von 1766 kam Aurich-Oldendorf zur 1. luth. Insp. in Ostfriesland, im Juli 1868 zur neu gebildeten 9. luth. Insp.8 (Insp., 1924: KK Großefehn) und war 1868 bis 1899 und ab 1928 Sitz der Suptur. Zum 1. Januar 1974 wurde der KK Großefehn aufgehoben und in den KK Aurich eingegliedert.9

Patronat

Genossenschaftspatronat der Gemeinde (Interessentenwahlrecht).

Kirchenbau

Einschiffige, rechteckige, frühgotische Saalkirche aus Backstein mit eingestreuten glasierten Bindern aus der zweiten Hälfte des 13. Jh. Der eingezogene gotische Rechteckchor mit drei rundbogigen Fenstern in der Ostwand entstand wohl im 15. oder 16. Jh. an Stelle einer früheren Apsis. Das Schiff wurde nach Einsturz der Westwand und von Teilen des westlichen Joches verkürzt wiederhergestellt (datiert 1755). Das ursprünglich dreijochige Gewölbe wurde durch eine flache Balkendecke ersetzt und darunter 1852 eine hölzerne Spiegeldecke eingezogen. Die Fenster der Nord- und Südseite wurden 1852 erheblich vergrößert. Neues Westportal. Wandgemälde mit der Kreuztragung des Simon von Cyrene an der Nordwand. Renovierung der Kirche 1970/71. Westgiebel 1984 neu aufgemauert.

Turm

Nordwestlich der Kirche ein Glockenturm des geschlossenen Typs aus rotem Ziegelmauerwerk (erste Hälfte 13. Jh.), 1955 saniert.

Ausstattung

Neuer, hölzerner Blockaltar aus der Zeit der Wiederherstellung der Kirche 1970/71. Ein älterer gotischer Aufsatz von 1895 wurde damals entfernt. Standkreuz von Joachim Schubotz (Hannover) hinter dem Altar. – Kanzel, vermutlich von H. Vellage aus Aurich (datiert 1698), mit geschnitzter Darstellung Christi und der vier Evangelisten, auf dem Schalldeckel der Auferstandene. – Taufstein des Bentheimer Typs mit viereckigem Sockel auf vier Löwen (13. Jh., 1792 aus der Kirche entfernt, seit 1959 wieder in Benutzung). Taufschale aus Messing. – Freistehendes Lesepult/Epistelstuhl (dat. 1697). – An der Nordwand ein Abendmahlsgemälde (ehemaliges Altarbild, 17. Jh.). – Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Orgel

Im Osten hinter dem Altar (Chorraum). 1791/94 beschaffte die Gemeinde eine Orgel, die 1691 durch den Orgelbauer Valentin Ulrich Grotrian (Aurich) für die Kirche in Bunde gebaut worden war; 17 II/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. Aufbau in Aurich-Oldendorf durch Hinrich Just Müller (Wittmund). Weitere Baumaßnahmen 1893 und 1897 durch die Orgelbauer Rohlfs (Esens) und Diepenbrock (Norden). Die Orgel hatte zu dieser Zeit 15 klingende Stimmen. 1915/16 Neubau eines pneumatischen Werks hinter dem historischen Prospekt durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover). 1970/73 weiterer Neubau hinter dem historischen Prospekt durch Gebrüder Jehmlich (VEB Orgelbau Dresden), 8 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1991 Erweiterung um ein Pedalregister auf 9 I/P.

Geläut

Drei LG, I: ges’ (Bronze, Gj. 1950, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); II: as’ (Bronze, Gj. 1968, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); III: b’ (Bronze, Gj. 1837, H. van Bergen und C. Fremy, Burhafe). – Früherer Bestand: Das Geläut umfasste früher drei Glocken, von denen zwei aus dem Jahr 1518 stammten und 1837 durch Fremy/Van Bergen umgegossen wurden. Die beiden größeren Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert, davon die kleinere später zurückgegeben, nach Beschädigung aber 1950 umgegossen.

Weitere kirchliche Gebäude

Das 1836 erbaute Pfarrhaus (Suptur.) wurde aufgrund eines Gutachtens des damaligen Konsistorialbaumeisters Ernst Witt nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben. An seiner Stelle wurde 1969 ein Neubau mit anschließendem Gemeindesaal errichtet.

Friedhof

In Aurich-Oldendorf (auf dem Kirchhof) und Ostgroßefehn, beide Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 348-350 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 80 (EphA Aurich).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 146; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 67 f.; Schoolmann, Altkreis Aurich, Ergänzung; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 120; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 33; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 42.
B: Ludwig Harfst (Hg.): 555 Jahre Aurich-Oldendorf 1431-1986, Großefehn 1986; Ludwig Janssen: Die Familien der Kirchengemeinde Aurich-Oldendorf (1700-1900) (= Ostfrieslands Ortssippenbücher 5), Aurich 1968.


Fußnoten

  1. Ursprünglich vielleicht Jakobus.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 33.
  3. Meyer, Pastoren I, S. 41.
  4. LkAH, A 6, Nr. 350 b.
  5. KABl. 1890, S. 7.
  6. KABl. 1950, S. 21.
  7. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 43.
  8. Vierteljährliche Nachrichten 1869, S. 30.
  9. KABl. 1974, S. 34.