Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Rhauderfehn | Patrozinium: Emmaus | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte
Turm, Südostansicht

Kirchturm, Ansicht von Südosten, 2015, Foto: fentjer, CC BY-NC-ND 4.0

In der ursprünglich einparochial ref. Gemeinde Bunde ließen sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend Heimatvertriebene luth. Bekenntnisses nieder, die nach ostfriesischem Sonderrecht der ref. Gemeinde zugewiesen wurden. 1952/53 entstand für die Lutheraner des westlichen Rheiderlands die Erlöserkirche in Weener. Mitte der 1950er Jahre gab es erste Ansätze zur Gründung einer eigenen KG in Bunde. Sie stießen aber auf entschiedenen Widerstand der ref. Gemeinde, die sich auf die Bestimmungen des Konkordats von 1599 berief. Ein Vergleich vom 23. Oktober 1954 und eine örtliche Übereinkunft vom 29. Mai 1955 sollten lediglich eine ungehinderte Entfaltung des luth. Gemeindelebens in Bunde und den umliegenden Ortschaften im Verbund der KG Weener ermöglichen. Die Ausweitung der Zoll- und Grenzverwaltung und der Zuzug von Industriearbeitern aus anderen Teilen Niedersachsens sorgten jedoch für einen weiteren Anstieg des luth. Bevölkerungsanteils. Der KV in Weener setzte sich deshalb in den 1960er Jahren mit Unterstützung des KKV erneut für die Bildung einer eigenen Gemeinde Bunde ein.1 Die ref. KG betrieb ihrerseits die vollständige Integration der luth. Gemeindeglieder. So ließen luth. Bauern aus der Gegend von Wilhelmshaven, die in Bunde angesiedelt worden waren, ihre Kinder teilweise in der ref. Kirche taufen und konfirmieren.2
Der aus der Ukraine stammende P. Leo Torinus in Weener brachte schließlich den Bau eines Gemeindezentrums (Martin-Luther-Gemeindehaus und Kirche) auf den Weg, das in den Jahren 1964/67 realisiert wurde (Architekt: Bernd Hillrichs, Loga; Einweihung der Kirche am 2. Juli 1967). Das LKA entsandte zum 1. Januar 1965 einen P. der Landeskirche, der für die etwa 800 Lutheraner in Bunde und Umgebung seither regelmäßige Sonntagsgottesdienste im Gemeindehaus abhielt. Mit dem 1. Januar 1969 wurde Bunde selbständige ev.-luth. KG mit eigener Pfarrstelle.3
Partnerschaften bestehen mit der KG Schnarrtanne im Vogtland und der Ev.-luth. KG Winschoten (Niederlande).

Umfang

Bunde, Bunderhee, Bunderhammrich, Bunderneuland, Boen, Ditzumerhammrich, Heinitzpolder, Charlottenpolder, Landschaftspolder und Wymeer.

Aufsichtsbezirk

Bei Errichtung der KG zum KK Leer. 1. Januar 2013 in den KK Rhauderfehn umgegliedert.4

Kirchenbau
Kirchsaal, Westansicht

Kirchsaal, Ansicht von Westen, 2015, Foto: fentjer, CC BY-NC-ND 4.0

Schlichter, rechteckiger Klinkerbau (1967). Künstlerische Ausgestaltung (Altarwand mit einem mit Blattgold verziertem Kruzifix) von Elmar Lindner (Stuttgart).

Turm

Freistehender verklinkerter Glockenträger unter Satteldach.

Ausstattung

Tischaltar, runder Taufstein (in der ehemaligen Taukapelle) und pultartige Kanzel mit der Darstellung der Emmaus-Geschichte, alles in Sichtbeton. Eine weitere, schlichte achtseitige Holztaufe wurde 1995 beschafft. – Paramente von Helge Michael Breig (1970).

Orgel

1969/72 Neubau durch Firma Paul Ott (Göttingen), 12 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen; Prospekt nach Entwurf von Bernd Hillrichs.

Geläut

Drei LG, I: gis’ (Erlösungsglocke, Bronze, Gj. 1969, Karlsruher Glockengießerei Gebrüder Bachert); II: cis’’ (Missionsglocke, Bronze, Gj. 1969, Karlsruher Glockengießerei Gebrüder Bachert); III: dis’’ (Betglocke, Bronze, Gj. 1971, Karlsruher Glockengießerei Gebrüder Bachert).

Friedhof

Kein eigener Friedhof.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1531–1537 Folkert Gerrolts. – Um 1538 Johann van Hoorn. – 1545–1565 Johannes Coll (Call). – 1566–1596 Gerhard Oldenborg. – 1596–1605 Conrad Dux. – 1605–1624 Helmer Henrici Krone. – 1625–1666 Rudolf Kenniken. – 1662–1676 Johann Tielemann Kenniken. – 1683–1687 Johann Friedrich Knottnerus. – 1688–1692 Jacob Sparringa. – 1693–1712 Edzard Sparringa. – 1713–1742 Henricus Eissonius. – 1744–1745 Petrus Orsingha. – 1747–1753 Johann Rummerink. – 1754–1777 Bernardus Harmannus Venekamp. – 1777–1808 Hermann Beekhuis. – 1808–1825 Lukretius Bernardus Folmer. – 1826–1835 Rüürt van der Sluis. – 1636–1845 Evert Heikes Sikkes. – 1846–1854 Klaas Cornelis Knotnerus Klaaßen. – 1855–1881 Hermann Tholens. – 1874–1908 Ludwig Meyeringh. – 1884–1892 Friedrich Voget. – 1893–1905 Erich Riedlin. – 1905–1920 Carl Oktavius Voget. – 1909–1931 August Lötter. – 1920–1930 Julius Gustav Voget. – 1930 Berend Frerich Behrends. – 1934 Ludwig Ļopmann.
Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 148

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 1306 (Pfarrbestallungsakten); D 81 (EphA Leer).

Literatur

B: Bernhard Memenga: Von Zöllnern und Sündern. Geschichte und Geschichten der Evangelisch-luth. Kirchengemeinde Bunde, Bunde 2005; Menno Smid: Die evangelisch-lutherischen Gemeinden in Weener und Bunde. Ihr Zustandekommen in der Erinnerung eines Beteiligten, in: Tota Frisia in Teilansichten. Hajo van Lengen zum 65. Geburtstag, Aurich 2005, S. 473–480;.

Weitere Bilder

Fußnoten

  1. LkAH, Best G 1/Bunde, Bl. 11.
  2. LkAH, B 2 G 1/Bunde, Bl. 12 (KV Weener an LKA, 13.06.1961).
  3. KABl. 1969, S. 12.
  4. KABl. 2013, S. 31.