Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Rhauderfehn | Patrozinium: Emmaus | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte
Altarkreuz, Postkarte, Foto: Photo Brants, Weener, um 1950

Altarkreuz, Postkarte, Foto: Photo Brants, Weener, um 1950

In der ursprünglich einparochial ref. Gemeinde Bunde ließen sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend Heimatvertriebene luth. Bekenntnisses nieder, die nach ostfriesischem Sonderrecht der ref. Gemeinde zugewiesen wurden. 1952/53 entstand für die Lutheraner des westlichen Rheiderlands die Erlöserkirche in Weener. Mitte der 1950er Jahre gab es erste Ansätze zur Gründung einer eigenen KG in Bunde. Sie stießen aber auf entschiedenen Widerstand der ref. Gemeinde, die sich auf die Bestimmungen des Konkordats von 1599 berief. Ein Vergleich vom 23. Oktober 1954 und eine örtliche Übereinkunft vom 29. Mai 1955 sollten lediglich eine ungehinderte Entfaltung des luth. Gemeindelebens in Bunde und den umliegenden Ortschaften im Verbund der KG Weener ermöglichen. Die Ausweitung der Zoll- und Grenzverwaltung und der Zuzug von Industriearbeitern aus anderen Teilen Niedersachsens sorgten jedoch für einen weiteren Anstieg des luth. Bevölkerungsanteils. Der KV in Weener setzte sich deshalb in den 1960er Jahren mit Unterstützung des KKV erneut für die Bildung einer eigenen Gemeinde Bunde ein.1 Die ref. KG betrieb ihrerseits die vollständige Integration der luth. Gemeindeglieder. So ließen luth. Bauern aus der Gegend von Wilhelmshaven, die in Bunde angesiedelt worden waren, ihre Kinder teilweise in der ref. Kirche taufen und konfirmieren.2
Der aus Russland stammende P. Torinus in Weener brachte schließlich den Bau eines Gemeindezentrums (Martin-Luther-Gemeindehaus und Kirche) auf den Weg, das in den Jahren 1964/67 realisiert wurde (Architekt: Bernd Hillrichs, Loga; Einweihung der Kirche am 2. Juli 1967). Das LKA entsandte zum 1. Januar 1965 einen P. der Landeskirche, der für die etwa 800 Lutheraner in Bunde und Umgebung seither regelmäßige Sonntagsgottesdienste im Gemeindehaus abhielt. Mit dem 1. Januar 1969 wurde Bunde selbständige ev.-luth. KG mit eigener Pfarrstelle.3
Partnerschaften bestehen mit der KG Schnarrtanne im Vogtland und der Ev.-luth. KG Winschoten (Niederlande).

Umfang

Bunde, Bunderhee, Bunderhammrich, Bunderneuland, Boen, Ditzumerhammrich, Heinitzpolder, Charlottenpolder, Landschaftspolder und Wymeer.

Aufsichtsbezirk

Bei Errichtung der KG zum KK Leer. 1. Januar 2013 in den KK Rhauderfehn umgegliedert.4

Kirchenbau

Schlichter, rechteckiger Klinkerbau (1967). Künstlerische Ausgestaltung (Altarwand mit einem mit Blattgold verziertem Kruzifix) von E. Lindner (Stuttgart).

Turm

Freistehender verklinkerter Glockenträger unter Satteldach.

Ausstattung

Tischaltar, runder Taufstein (in der ehemaligen Taukapelle) und pultartige Kanzel mit der Darstellung der Emmaus-Geschichte, alles in Sichtbeton. Eine weitere, schlichte achtseitige Holztaufe wurde 1995 beschafft. – Paramente von Helge Michael Breig (1970).

Orgel

1969/72 Neubau durch Firma Paul Ott (Göttingen), 12 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen; Prospekt nach Entwurf von Bernd Hillrichs.

Geläut

Drei LG, I: gis’ (Erlösungsglocke, Bronze, Gj. 1969, Karlsruher Glockengießerei Gebrüder Bachert); II: cis’’ (Missionsglocke, Bronze, Gj. 1969, Karlsruher Glockengießerei Gebrüder Bachert); III: dis’’ (Betglocke, Bronze, Gj. 1971, Karlsruher Glockengießerei Gebrüder Bachert).

Friedhof

Kein eigener Friedhof.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 1306 (Pfarrbestallungsakten); D 81 (EphA Leer).

Literatur

B: Bernhard Memenga: Von Zöllnern und Sündern. Geschichte und Geschichten der Evangelisch-luth. Kirchengemeinde Bunde, Bunde 2005.


Fußnoten

  1. LkAH, Best G 1/Bunde, Bl. 11.
  2. LkAH, B 2 G 1/Bunde, Bl. 12 (KV Weener an LKA, 13.06.1961).
  3. KABl. 1969, S. 12.
  4. KABl. 2013, S. 31.