Sprengel Lüneburg, KK Gifhorn | Patrozinium: Stephanus1 | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist der Ort erstmals als Meynum in einer Urkunde Ks. Heinrichs II. aus dem Jahr 1007 nachgewiesen.2 Meine lag nahe der alten Heer- und Handelsstraße von Braunschweig nach Lüneburg. Das Dorf gehörte zum Papenteich (nachweislich 1489), der bei der welfischen Landesteilung von 1267/69 an das Teilfsm. Braunschweig gefallen war.3 Die Zugehörigkeit des Papenteichs – und damit auch Meines – wechselte im 14./15. Jh. wiederholt zwischen den welfischen Teilfsm., bevor er 1428 endgültig an Lüneburg kam; das Gebiet bildete hier einen Teil des Amtes Gifhorn. Das welfische Teilfsm. Lüneburg fiel 1705 an das Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover). In französischer Zeit gehörte Meine 1810 bis 1813 zum Kanton Rötgesbüttel im Distrikt Braunschweig des Departements der Oker im Kgr. Westphalen. Danach war das Dorf wieder Teil des Amtes Gifhorn (1852–59 beim kurzlebigen Amt Papenteich zu Gifhorn), zunächst im Kgr. Hannover und nach der Annexion von 1866 im Kgr. Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 gehört Meine zum Lkr. Gifhorn. Seit 1970 ist der Ort Teil der Samtgemeinde Papenteich und 1974 wurden die Ortschaften Abbesbüttel, Bechtsbüttel, Grassel, Gravenhorst, Ohnhorst, Wedelheine und Wedesbüttel eingemeindet. Seit 1890 besitzt Meine einen Bahnhof (zunächst Stichbahn Triangel–Gifhorn–Meine, seit 1894 Strecke Braunschweig–Gifhorn, seit 1993 Haltepunkt).4 Von 1883 bis 1990 bestand eine Zuckerfabrik am Ort.5 1979 charakterisierte der Ortspastor Meine als „Stadtrandgemeinde von Braunschweig geprägt“.6 Im Jahr 1821 lebten gut 330 Menschen in Meine, 1905 fast 1.010, 1950 gut 1.710 und 2018 rund 4.170 (ohne Eingemeindungen).

Kirche, Ansicht von Südosten, Teilansicht

Kirche, Ansicht von Südosten, Teilansicht

Meine war im Mittelalter Sitz eines Archidiakonats des Bistums Halberstadt, zu dem um 1400 u. a. folgende Orte gehörten: Bevenrode, Bienrode, Ehmen, Essenrode, Fallersleben, Gifhorn, Grassel, Isenbüttel, Jelpke, Meine, Ribbesbüttel, Süllfeld, Waggum und Wettmershagen.7 Der erste, urkundlich nachgewiesene archidiaconus in Meinim war der Halberstädter vicedominus Burchardus.8
Die Kirche in Meine wird gern zu den 35 Kirchen gerechnet, die Hildegrim († 827), Bf. von Châlon-sur-Marne und Missionar im späteren Bistum Halberstadt, angeblich bauen ließ und alle dem hl. Stephanus widmete.9 Als ehemalige Archidiakonatskirche zählt sie zweifellos zu den älteren Kirchen der Region; dies verdeutlichen auch die Kapellen in den umliegenden Dörfern (etwa Gravenhorst, Rötgesbüttel und Vordorf), die sich in vorref. Zeit nicht zu eigenständigen Pfarrkirchen entwickelten. Ein erster Geistlicher lässt sich 1340 mit her Jorden Stapel, de pernere to Meynum belegen.10 In einer Urkunde des Osnabrücker Domdekans Konrad aus dem Jahr 1364 erscheint ein Iohannem plebanum in Meynum als Zeuge.11 Auch 1376 ist ein her Jan van Meynum urkundlich belegt, der laut Siegelumschrift pl[e]ba[n]i i[n] Meynem war.12 Vermutlich ist er identisch mit dem 1378 nachgewiesenen hern Jane van Gylde pernere to Meynem.13 Ein weiterer – oder noch immer der gleiche – Iohannes plebanus in Meynem war 1380/81 Dombaumeister in Hildesheim.14 Vermutlich Mitte des 15. Jh. ließ die Gemeinde Meine den Kirchturm errichten, dessen Unterbau sich bis heute erhalten hat. Die älteste Glocke der Kirche stammt ebenfalls aus vorref. Zeit: Der bekannte Glocken- und Geschützgießer Geert van Wou fertigte sie im Jahr 1502.15
Seit 1527 betrieb Hzg. Ernst I., später der Bekenner genannt, die Einführung der Reformation im Fsm. Lüneburg (Landtag in Scharnebeck). Das in diesem Jahr gedruckte Artikelbuch diente dabei, obwohl die Landstände es abgelehnt hatten, als Leitfaden.16 Der im Lüneburger Pfründenregister von 1534 genannte P. Hinricus Kadenhusen ist vermutlich als erster ev. Prediger in Meine anzusehen. Das Pfründenregister listet auch die KapG auf, die seinerzeit zum Kirchspiel zählten: 1 Capelle to Fordorpe, 1 Capelle to Rotheßbüttell, 1 Capelle Wedeßbüttell, 1 Capelle Gravenhorsth horen alle to Meyne In.17 Die Pfarre war zudem recht gut ausgestattet, was nicht zuletzt daran deutlich wird, dass die Pastoren des 16. bis 19. Jh. in der Regel lange in Meine blieben: u. a. P. Conrad Dammann (amt. 1585–1637), P. Wilhelm Dannemann (amt. 1638–1678), P. Johann Henrich Rhan (amt. 1678–1715), P. Andreas Jacobus Weigel (amt. 1732–1769) und P. Heinrich Friedrich Martin Probst (amt. 1888–1924).18
Neben den sonntäglichen Gottesdiensten in der Meiner Kirche lud der Pastor jeweils vierteljährlich zu einem Gottesdienst in die Kapellen des Kirchspiels ein, wie er bei der Visitation 1668 angab.19 Auch 1734 notierte P. Weigel im Corpus bonorum: „In einer jeden capelle wird quartaliter in der Woche gepredigt, auch denen alten und Schwachen leuten Zu gute communion gehalten“.20 Das Corpus bonorum betont auch die Sonderstellung Wedesbüttels unter den Kapellen des Kirchspiels: Sie „gehört S[eine]r Excellence dem Herrn Geheimen Rath Grote, von welchem dieselbe im Stande erhalten und mit allem nöthigen versorget wird“.21 Da es sich also um eine Guts- bzw. Privatkapelle handelt, gab es in Wedesbüttel keine Kapellenvorsteher und später keine KapG.22
In die Amtszeit von P. Daniel Isenberg (amt. 1845–1860) fiel der Neubau der Kirche in Meine; lediglich der Unterbau des mittelalterlichen Turms wurde beibehalten.23 Als Grundlage dienten die Entwürfe, die Konsistorialbaumeister Friedrich August Ludwig Hellner (1791–1862) 1836 für den Neubau der Kirche in Uetze gezeichnet hatte. Die Arbeiten begannen im Frühjahr 1854. Im September jedoch verfügte das Konsistorium einen Baustopp, da die Position der Kanzel oberhalb des Altars als nicht mehr zeitgemäß empfunden wurde. Der Bau war jedoch zu weit fortgeschritten, um noch Änderungen vornehmen zu können, wie Hellner bei einem Besuch im November feststellte. Im April 1855 erlaubte das Konsistorium die Fortsetzung der Arbeiten; allerdings sollte der Altar etwa anderthalb Meter vor der Altarwand aufgestellt werden, damit der Pastor „den Altar nicht mit den Füßen träte“.24 Im November 1855 konnte die Gemeinde die Einweihung ihrer neuen Kirche feiern.

Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Während der NS-Zeit hatte zunächst P. Rudolf Gurland (amt. 1930–1939) das Pfarramt in Meine inne; er galt nach den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 als Halbjude.25 Seine Berufung hatte Patron Karl von Schwartz 1930 gegen den Willen des KV durchgesetzt. Dem Karfreitagsabendmahl – kurz nach P. Gurlands Amtsübernahme – blieben viele Gemeindeglieder wohl aufgrund antisemitischer Ressentiments fern („Bei einem Juden geht man nicht zum Abendmahl“).26 P. Gurland gründete 1930 die ev. Frauenhilfe, die trotz Auseinandersetzungen mit der 1932 eingerichteten NS-Frauenschaft bestehen blieb. Die ev. Schwesternstation hingegen, 1925 zusammen mit den KG Adenbüttel und Rethen gegründet, wurde 1936 aufgelöst. Das 1930 erstmals herausgegebene Gemeindeblatt „Pfarrgruß“ musste im Herbst 1933 eingestellt werden, da nur noch Personen „arischer Abstammung“ publizieren durften (Schriftleitergesetz).27 1931 richtete P. Gurland einen Posaunenchor ein. In seiner „Chronik meines Erlebens in Meine 1930–1939“ schrieb P. Gurland: „Mit dem April 1933 beginnt die Leidenszeit für mich, die durch die Abstammungsfrage bedingt ist.“28 Nach der Neuwahl des KV 1933 gehörten fünf der sieben Kirchenvorsteher der NSDAP an, die „sich aber fest zur Kirche hielten und zum grossen Teil der Bekenntnisgemeinschaft nahe standen“, wie P. Paul Rauterberg (amt. 1939–1950) rückblickend in seinen Antworten zum „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ angab.29 Der Kreisleiter NSDAP stellte diese Kirchenvorsteher 1939 vor die Wahl, entweder aus der Partei oder aus dem KV auszutreten, da irgendwelche „Beziehungen zu dem Nichtarier P. Gurland“ nicht mit den Grundsätzen der Partei vereinbar seien.30 Alle entschieden sich daraufhin für die Partei.31 Sup. Adolf Chappuzeau berichtete dem LSup. Wilfried Wolters wenige Tage später: „Hier steht es mit der Haltung der Kv [Kirchenvorsteher] einfach trostlos. Hinterher sind sie dann allerdings erbost, daß man sie so vergewaltigt habe.“32 Etwa einen Monat später stand für das LKA fest, dass „ein weiteres Verbleiben des Amtsbruders Gurland in Meine leider ausgeschlossen ist“ und Lbf. August Marahrens riet ihm, in den Wartestand zu treten.33 P. Gurland bat daraufhin, „das gesetzliche Verfahren zur zwangsweisen Versetzung in den einstweiligen Ruhestand einzuleiten“, was ihm als freiwilliges Ruhestandsgesuch ausgelegt wurde.34 Vor dem letzten Gottesdienst in Meine ließ er einige seiner Predigten vervielfältigen und verteilte sie als Abschiedsgruß an seine Gemeinde.35 Zum 1. Juni 1939 trat P. Gurland in den vorläufigen Ruhestand und zog nach Hermannsburg, wo er von 1941 bis 1944 im Missionswerk tätig war.36

Orgel

Orgel

In Meine übernahm P. Paul Rauterberg (amt. 1939–1950) das Pfarramt; kirchenpolitisch gehörte er seit 1934 zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft.37 Nach der Visitation 1940 resümierte Sup. Chappuzeau: „Der Ort Meine ist für kirchliche Arbeit nicht günstig. Die Außenorte haben ihren kirchlichen Sinn besser gewahrt“.38 Sieben Jahre schrieb er konkreter: „es war betrüblich, in welch hohem Maße sich der Einfluss der NSDAP und vor ihm der Einfluss des Tannenberg-Bundes durchsetzen konnte“; dementsprechend habe „die Aufhebung der nazistischen Gewaltherrschaft […] in Meine besonders erleichternd gewirkt“.39
Mit dem Zuzug Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg auch die Zahl der Katholiken in Meine. Die kath. Gemeinde, seit 1948 Pfarrvikarie mit eigenem Geistlichen, versammelte sich zur Messe in der ev. Kirche, bis der Hildesheimer Bf. 1971 die kath. St. Andreas Kirche Meine weihte.40 Das Verhältnis der beiden christlichen Gemeinden blieb gut; die 1973 geplante Zusammenlegung der beiden Kirchenchöre kam allerdings nicht zustande.41
Schon 1945 hatte die KG Meine wieder eine kirchliche Schwesternstation eingerichtet, die 1983 in der Diakoniestation Meine aufging (Träger KG Adenbüttel/Rethen, Isenbüttel und Meine, mittlerweile Filiale der Diakoniestation Gifhorn gGmbH und mit dieser seit 2016 Teil der Diakoniestationen Harz-Heide gGmbH). Bis in die erste Hälfte der 1970er Jahre hinein blieb es bei den üblichen Quartalsgottesdiensten in den Abbesbüttel, Vordorf und Wedesbüttel (die Kapelle in Gravenhorst hatte 1966 geschlossen werden müssen). 1979 lag die Zahl der Gottesdienste schon höher und 1985 fand in den Kapellen in Vordorf und Wedesbüttel jeden Monat ein Gottesdienst statt und in Abbesbüttel fünf im Jahr.42 2010 gründete sich zur finanziellen Unterstützung des gemeindlichen Lebens ein Förderverein und 2011 die Stiftung „Lebendige St.-Stephani-Gemeinde“. Seit Dezember 2019 sind die KG Meine und Grassel pfarramtlich verbunden.

Umfang

Neben Meine (mit Zellberg und Meiner Sand) die Dörfer Abbesbüttel, Bechtsbüttel, Gravenhorst (KapG bis 1987), Ohnhorst, Vordorf (KapG) sowie Wedesbüttel und Wedelheine. Bis 1705 auch Bevenrode, Bienrode und Waggum, dann zum Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel. Bis 1924 auch KapG Rötgesbüttel, dann zur KG Ribbesbüttel. Ab 1926 auch Martinsbüttel, vorher KG Isenbüttel.43

Aufsichtsbezirk

Sitz eines Archidiakonats der Diözese Halberstadt. – Nach der Reformation zur Insp. Gifhorn (1924: KK Gifhorn).

Patronat

Mitte des 15. Jh. war das Patronat über die Kirche in Meine als Lehen der Hzg. von Braunschweig und Lüneburg in der Hand der Familie von Wenden.44 Im 17. Jh. lassen sich verschieden hohe Amtsträger der welfischen Hzg. als Patrone nachweisen: als erster Hofmarschall Wilhelm von Hodenberg († 1625), gefolgt von seinem Schwiegersohn Friedrich Schenck von Winterstädt († 1659), gefolgt von dessen Sohn Georg Wilhelm Schenck von Winterstädt, Oberhauptmann in Danneberg († um 1695).45 Um 1695 übernahm die Familie Grote das Patronat, nachdem sie der Gemeinde ein jährliches Legat von 12 Reichstalern zur Besoldung des Pfarrers gestiftet hatte. 1877 wird das Patronat als erbliches Familienpatronat beschrieben, das „weder mit einem bestimmten Grundeigenthum noch mit einem Amte verbunden“ sei.46 Im Vertrag über den Verkauf der Güter Wedesbüttel und Martinsbüttel 1913 an die Familie von Schwartz ist das Patronat jedoch ausdrücklich erwähnt. Da weder KG noch Konsistorium Einspruch erhoben, wurde das ursprünglich persönliche Patronat damit faktisch in ein dingliches Patronat umgewandelt. Nach dem Verkauf des Gutes Martinsbüttel 1967 an die Familie von Graevemeyer, ging die KG zunächst davon aus, dass damit auch das Patronat auf den neuen Eigentümer übergegangen war. Nach Absprache zwischen Pfarramt, LKA und Familie von Schwartz wurde 1977 jedoch festgestellt, „daß das Patronat seit alters [her] auf dem Gut Wedesbüttel liegt“.47 Das Patronat ist daher heute an den Besitz des Gutes Wedesbüttel gebunden und ging Mitte des 20. Jh. per Heirat auf die Familie von Knobelsdorff über (bis 1993 jedoch ausgeübt von Carl Heinrich von Schwartz).48

Kirchenbau

Breiter, sechsachsiger, klassizistischer Rechteckbau, errichtet 1854/55 auf Grundlage des Entwurfs von Friedrich August Ludwig Hellner für die 1836–38 erbaute Kirche in Uetze.49 Flaches Satteldach mit Walm im Osten; Bruchsteinmauerwerk, grauer Zementputz mit eingeritzten Fugen; an den Ecken leicht vorspringende Risalite. Hohe, rundbogige Sprossenfenster; in Ostwand rundbogiger Eingang (Sakristei), darüber Inschriftenstein: „Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. 1854“, darüber drei kleinere Rundbogenfenster; nach Westen zwei Nebeneingänge, Haupteingang durch Turm. Im Innern u-förmige Emporenanlage, Emporenstützen reichen bis zur Decke; flache, verschalte Decke mit seitlichen Vouten über dem Schiff, flache Decken über den Emporen; im Osten klassizistische Altarwand mit Durchgängen zur Sakristei, die Ecken daneben abgerundet und mit Fenstern. 1900, 1928 und 1978 Innenrenovierungen (jeweils neue Farbgestaltung).

Turm

Quadratischer, teilweise umbauter Westturm, errichtet Mitte des 15. Jh., erhöht und instandgesetzt 1870/71 (Baumeister Lohmann, Hannover).50 Unterbau aus Bruch- und Werksteinen, obere Geschosse aus Ziegelmauerwerk, verschieferter Turmhelm mit viereckigem Ansatz und achteckig ausgezogener Spitze, bekrönt mit Kugel und Wetterhahn. An den Seiten je drei Schallfenster, über dem mittleren Uhrziffernblätter (Süden, Westen, Norden) bzw. Auslegestuhl für Uhrschlagglocke (Osten).

Vorgängerbau

Rechteckbau mit Satteldach, nach den Angaben im Corpus bonorum von 1734 war die Kirche 94 Fuß lang und 26 Fuß breit, der Chor war gewölbt, das Schiff hatte eine flache Decke.51

Ausstattung

Klassizistische Kanzelaltarwand, gegliedert durch vier Pilaster mit korinthischen Kapitellen; Gebälk mit zentralem Dreiecksgiebel, bekrönt mit Kreuz; Kanzel mit Schalldeckel; unterhalb der Kanzel Inschrift: „Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für! Ps 90,1“, darunter Abendmahlsgemälde (Öl auf Leinwand, 1858, I. Pellens). – Schlichter Altar mit angedeuteten seitlichen Schranken. – Taufe (um 1855), viereckiger Sockel, achtseitiger, verzierter Schaft, achtseitiges Becken.

Orgel

Orgel

Orgel

1734 keine Orgel vorhanden.52 Orgelneubau 1857, ausgeführt von Ph. Furtwängler (Elze), 21 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 44). 1917 Zinnpfeifen des Prospekts zu Rüstungszwecken abgegeben, 1923 durch Zinkpfeifen ersetzt, Orgelbauer H. Sander (Braunschweig). 1947 Reparatur und Änderung der Disposition (bislang romantisch disponiertes zweites Manual neobarockisiert), ausgeführt von Friedrich Weißenborn (Braunschweig), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1971 Reparatur, ausgeführt von Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen). 1992 Reparatur und Änderung der Disposition, ausgeführt von Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen). 2016 Restaurierung und Dispositionsänderung, ausgeführt von Orgelbau Waltershausen (Waltershausen), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Denkmalorgel (seit 1968).

Geläut

Zwei LG, I: e’, Jakobusglocke (Bronze, Gj. 1502, Geert van Wou), Inschrift: „annos post mille quingentos accipe binos iacobum gerdt wou plevit ut arte capis“ (Als man eintausend und fünfhundert und zwei als Jahreszahl führte, goß Jacobus Gerdt Wou [diese Glocke], wie du am Kunstwerk ersiehst53), 1955 schrieb der KV, die Glocke sei „der kostbarste irdische Besitz der Gemeinde“54 ; II: g’ (Bronze, Gj. 1990, Gießerei Alfred Bachert, Heilbronn), Inschriften: „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“ und „Meine 1990“. Eine SG, h’’ (Bronze, Gj. um 1900), ohne Inschrift, im Zweiten Weltkrieg abgeliefert, nicht eingeschmolzen und 1947 zurück in Meine.55 Eine geborstene LG, h’’ (Bronze, Gj. 13./14. Jh.), ohne Inschrift, ursprünglich in Kapelle Gravenhorst, im Zweiten Weltkrieg abgeliefert, nicht eingeschmolzen und beschädigt zurückgegeben, geschweißt (Firma Lachenmeyer, Nördlingen), seit etwa 1967 in FKap Meine, 1975 gesprungen und im Vorraum der Kirche in Meine aufgestellt (später dort aufgehängt). – Früherer Bestand: Eine LG, g’ (Bronze, Gj. 1929), im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeben.56

Kapellenbau – Wedesbüttel
Kapelle, Ansicht von Nordwesten

Kapelle Wedesbüttel, Ansicht von Nordwesten

Guts- bzw. Privatkapelle, die regelmäßig für Gottesdienste genutzt wird, jedoch nicht Eigentum der KG ist.57 Rechteckiger Bruch- und Werksteinbau, errichtet um 1500. Satteldach, im Osten abgewalmt. Spitzbogige Fenster; spitzbogige Tür nach Süden. Im Innern flache Decke. Ab 1854 Renovierung (u. a. Fenster vergrößert). 1898 Westgiebel erneuert. 1979 Renovierung. 2008 Sanierung.

Grablege

Gruftanbau der Familie Grote.

Turm

Sechseitiger, verschieferter Dachreiter, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne.

Kapelle, Blick zum Altar, nach 1900

Kapelle Wedesbüttel, Blick zum Altar, nach 1900

Ausstattung

Altar aus gemauertem Stipes und Sandsteinmensa. – Kanzel (Anfang 17. Jh.), Wandungen des Kanzelkorbs bemalt (St. Paulus, Christus, St. Petrus). – Säulenartige Holztaufe. – Grabstein für Margareta von Campe, geb. von Adrum († 1594). – Ehemalige Ausstattung: Spätgotischer Flügelaltar, um 1900 verschenkt an Ks. Wilhelm II. und aufgestellt in der Marienburg (heute Zamek w Malborku); Figuren der Predella noch dort, Schrein und Flügel in der St.-Jakobi-Kirche Olsztyn (Polen).58 – Kelch und Patene (um 1656), nach 1902 verkauft.

Geläut

Früher eine LG (Bronze, Gj. 1646, Heinrich Borstelman, Braunschweig), Inschrift: „Heinrich Borstelman in Bravnschweig me fecit an[n]o MDCXLVI“, Bild: Wappen der Familie von Grote, Initialen „T. G.“ (Thomas Grote); im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.59

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarr- und Gemeindehaus (Bj. 1816/17, saniert 1997–2000). – Gemeindehaus, ehemalige Schule (Bj. um 1875). – Pfarrwitwenhaus (Bj. 1930), ab 1984 Diakoniestation.

Friedhof

Kirchlicher Friedhof in Meine, FKap (Bj. 1960), eine Lg, a’’ (Bronze, Gj. 1976, Glockengiesserei Heidelberg), Bild: Kreuz. Ehemals kirchliche Friedhöfe in Vordorf (geschlossen) sowie in Wedelheine und Abbesbüttel (in der zweiten Hälfte des 20. Jh. in kommunales Eigentum übergegangen). Kommunale Friedhöfe in Bechtsbüttel, Wedesbüttel, Ohnhorst und Vordorf.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 7770–7782 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 5464–5466 (Pfarrbestallungsakten); A 8 Nr. 281 (CB); A 9 Nr. 1561 (Visitationen); D 40 (EphA Gifhorn); N 5 (Nachlass Heinrich Grimm); S 09 rep Nr. 1676 (Presseausschnittsammlung); S 10 Nr. 158 (Archivaliendokumentation); S 11a Nr. 7889 (Findbuch PfA). – NLA Hannover: Hann. 74 Gifhorn Nr. 4017 (Bau- und Reparationssachen der Kapellen zu Gamsen, Gravenhorst, Röttgesbüttel, Vordorf und Wedesbüttel).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 937; Gemeindebuch KK Gifhorn, S. 36–41 [mit Ergänzungen wieder in Meier, S. 152 ff.]; Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 212–214; Meyer, Pastoren II, S. 134; Müller, Kirchenbauten, S. 137–139; Piper, Orgeln, S. 18–20; Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 148–151.
B: Festschrift zur Wiedereinweihung der Furtwängler-Orgel an St. Stephani in Meine am 5. November 2016, hrsg. von der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Stephani, Meine 2016; Stephan Bitter & Hans-Heinrich Gurland (Hg.): Unsichtbare Kirche. Rudolf Gurlands Erleben der Bolschewismus und des Nationalsozialismus (= Dokumente aus Theologie und Kirche 1), Rheinbach ²2000, bes. S. 94–309; Henning Meier: Meine. Das Zentrum im Papenteich (= Chronik Meine. Geschichte und wirtschaftliche Entwicklung des Ortes Meine), Suderburg [2007], bes. S. 148–163; Karl Heinrich von Schwartz: Kapelle Wedesbüttel, in: Geschichtliches aus dem Papenteich, bearb. von Heinz Klose, Berlin 1983, S. 223–225.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 19.
  2. MGH DD H II 126 (als Abschrift des 14. Jh. erhalten).
  3. Zum Papenteich vgl. knapp: Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 172 ff.; zu den welfischen Landesteilung 1267/69 Pischke, Landesteilungen, S. 35 ff. Die Gf. von Wohldenberg besaßen Grafschaftsrechte im Papenteich, die sie 1338 an die Welfenherzöge verkauften und als Lehen zurück erhielten.
  4. Meier, S. 190 ff.
  5. Meier, S. 124 ff.
  6. LkAH, L 5h, unverz., Meine, Visitation 1979.
  7. Strombeck, Archidiakonat-Eintheilung Halberstadt, S. 80 ff.; vgl. auch Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 150 f.
  8. UB HS Halberstadt II, Nr. 1114. Weitere Archidiakone genannt bei Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 149 (3b).
  9. Meier, S. 149; Gemeindebuch KK Gifhorn, S. 37 f.
  10. UB Braunschweig III, Nr. 614 (S. 494).
  11. UB HS Hildesheim V, Nr. 1097.
  12. UB Dorstadt, Nr. 233; UB HS Hildesheim VI, Nr. 209.
  13. UB HS Hildesheim VI, Nr. 326.
  14. UB HS Hildesheim VI, Nr. 444, Verzeichnis der Einnahmen und Ausgaben als Hildesheimer Dombaumeister 1380/81.
  15. Zu Wou vgl.: Karl Bund: Gerd van Wou in seiner Zeit und seine Nachwirkung. Versuch einer historischen Würdigung, in: Jahrbuch für Glockenkunde 17/18 (2005/06), S. 29–56.
  16. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 484 und 492 ff.
  17. Salfeld, Pfründenregister, S. 98.
  18. Meyer, Pastoren II, S. 134.
  19. NLA HA Hann. 74 Gifhorn, Nr. 4012/1 (Teilkopie in: LkAH, S 10, Nr. 158).
  20. LkAH, A 8, Nr. 281, Bl. 10r.
  21. LkAH, A 8, Nr. 281, Bl. 11v.
  22. Vgl. ausführlich: LkAH, S 10, Nr. 158 (Gutachten zu Besitz- und Baulastverhältnissen an der Gutskapelle in Wedesbüttel und zum Patronat der Gutsherren von Wedesbüttel über die Kirchengemeinde Meine; Belege als Kopien beigefügt); siehe auch Schwartz, S. 223 f.
  23. Vgl. zum Folgenden Müller, Kirchenbauten, S. 137 ff.
  24. Müller, Kirchenbauten, S. 138.
  25. Zu Gurland vgl. Bitter & Gurland, dort bes. die „Chronik meines Erlebens in Meine 1930–1939“, die P. Gurland 1939 auf Grundlage seines Terminkalenders, seiner Notizen und Briefe niedergeschrieben hat, ebd., S. 100 ff. Vgl. zudem Lindemann, Stellung, S. 114 ff., 316 ff., 498 ff., 570 ff. und 807 ff.
  26. Bitter & Gurland, S. 95 ff. und 101 (Zitat).
  27. Bitter & Gurland, S. 146.
  28. Bitter & Gurland, S. 133.
  29. LkAH, S 1 H III, Nr. 515, Bl. 16.
  30. LkAH, L 5a, Nr. 1693 (Schreiben der NSDAP-Kreisleitung Gifhorn, 02.03.1939, Abschrift).
  31. Bitter & Gurland, S. 276 ff.
  32. LkAH, L 5a, Nr. 1693 (Schreiben Sup. Adolf Chappuzeau an LSup. Wilfried Wolters, 09.03.1939).
  33. LkAH, L 5a, Nr. 1693 (Schreiben des LKA Hannover an LSup. Wilfried Wolters, 15.04.1939). Sup. Chappuzeau war der Ansicht, weiterer Widerstand gegen die von der NSDAP betriebene Absetzung Gurlands wäre „gewiß ein Gewinn für die Kirche“, aber auch eine „starke Belastung Gurlands“ (Schreiben Sup. Adolf Chappuzeau an LSup. Wilfried Wolters, 21.04.1939).
  34. Bitter & Gurland, S. 285 (Zitat), 296 f. und 419 ff. Grundlage für die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand war die Verordnung vom 6. März 1937 (KABl. 1937, S. 25 f.), die für den Fall vorgesehen war, dass „die gedeihliche Fortführung des Pfarrdienstes“ nicht möglich sei.
  35. Bitter & Gurland, S. 294 f.; erhaltenes Exemplar in: LkAH, L 5a, Nr. 1693.
  36. Bitter & Gurland, S. 313; P. Gurland erstellte u. a. ein fünfbändiges Register zum Hermannsburger Missionsblatt und ordnete das Missionsarchiv sowie den Nachlass von Missionsdirektor Christoph Bernhard Schomerus. P. Gurland starb Ende Februar 1947; seine Bemühungen, nach 1945 wieder ein Pfarramt zu übernehmen, waren erfolglos geblieben, vgl. dazu Bitter & Gurland, S. 315 ff., Lindemann, Stellung, S. 811 ff.
  37. LkAH, S 1 H III, Nr. 515, Bl. 16.
  38. LkAH, L 5b, unverz., Spez. Meine, Visitation 1940.
  39. LkAH, L 5b, unverz., Spez. Meine, Visitation 1947.
  40. Meier, S. 161 ff. Seit 1973 gehörte die Pfarrvikarie Meine zur Gifhorner St. Altfridgemeinde, 1992 wurde sie zur Kuratie erhoben und ist seit 2004 wieder zu St. Altfrid Gifhorn.
  41. LkAH, L 5a, Nr. 1692 (Visitation 1973).
  42. Vgl. die Angaben in den Visitationsunterlagen: LkAH, L 5b, unverz., Spez. Meine, Visitation 1940; L 5a, Nr. 1692 (Visitation 1973); L 5h, unverz., Meine, Visitationen 1979 und 1985. Siehe auch Bitter & Gurland, S. 104.
  43. KABl. 1926, S. 171 f.; Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 146 (3a).
  44. Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 149.
  45. Vgl. dazu LkAH, S 10, Nr. 158 (Gutachten zu Besitz- und Baulastverhältnissen an der Gutskapelle in Wedesbüttel und zum Patronat der Gutsherren von Wedesbüttel über die Kirchengemeinde Meine; Belege als Kopien beigefügt). Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 149, schreibt unter Berufung auf Manecke, Beschreibungen II, S. 449, der jedoch keine Belege angibt: „das Patr[onat] steht dem jeweiligen Inhaber des Ad[e]l[s-]G[u]t[s] Schnega zu, das nach dem Aussterben der Fam[ilie] v[on] Bodenteich 1666 an die Fam[ilie] v[on] Hardenberg übergeht, die es jedoch gleich der Fam[ilie] Grote überläßt“. Im Gemeindebuch KK Gifhorn, S. 40, heißt es hingegen, ebenfalls ohne Belege: „Die Inhaber des Kirchenpatronats waren im 16. Jahrhundert die Herren von Langlingen, deren Geschlecht 1614 ausstarb. Ihnen folgten – bis zum Aussterben der Linie im Jahre 1639 – die von Campe-Wedesbüttel“.
  46. NLA HA Hann. 74 Gifhorn, Nr. 4019 (Teilkopie in: LkAH, S 10, Nr. 158).
  47. LKA, G 15/Meine, Bl. 7.
  48. LKA, G 15/Meine, Bl. 9 f.; Meier, S. 156.
  49. Müller, Kirchenbauten, S. 139: „Da der Kirchenvorstand in Meine eigenmächtig die 1837 in Uetze errichtete Kirche nachbaute, ist Hellner nicht für den ‚Stilrückschritt‘ verantwortlich zu machen.“
  50. Mithoff, Kunstdenkmale IV, S. 211: Turm „muthmasslich aus d. J. 1458“.
  51. LkAH, A 8, Nr. 281, Bl. 7r. Abb. der Kirche in Gemeindebuch KK Gifhorn, S. 37, und Meier, S. 155.
  52. LkAH, A8, Nr. 281, Bl. 7r. Zum Folgenden vgl. Piper, Orgeln, S. 18 ff.; Festschrift, S. 21 ff.
  53. Gemeindebuch KK Gifhorn, S. 40.
  54. LKA, G 9 B/Meine, Bl. 11.
  55. LKA, G 9 B/Meine, Bl. 5.
  56. LKA, G 9 B/Meine, Bl. 3. Laut Gemeindebuch KK Gifhorn, S. 40, stammte die Glocke von 1909.
  57. Vgl. Schwartz, S. 223; Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 320 ff.
  58. Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 319; Abb. ebd., Tafel 31.
  59. Schwartz, S. 223.