Sprengel Lüneburg, KK Gifhorn | Patrozinium: Johannes | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Rodungsdorf, entstanden um 900 und 1196 in einer Urkunde des Pfalz-Gf. Heinrich für das Stift St. Cyriakus in Braunschweig erstmals erwähnt. Essenrode war welfischer Besitz (Fsm. Lüneburg, Amt Gifhorn, 1852-1859 Amt Papenteich, nachher wieder Amt Gifhorn). 1326 wurde Widukind von Garßenbüttel mit dem adeligen Gut belehnt, das nach dem Erlöschen der von Garßenbüttel (1625) in den Besitz der Familie von Bülow kam und 1837 an die von Lüneburg, eine im 17. Jh. begründete morganatische Seitenlinie des Welfenhauses. Das Dorf ist seit 1972 Ortsteil der Gemeinde Lehre.
Das KGb wurde wohl im 12. Jh., vielleicht auch wenig früher, errichtet, doch schied Essenrode erst 1248 aus dem Parochialverband von Wettmershagen aus, wurde selbständige KG und durch die Brüder von Esbeke mit drei Hufen in Essenrode dotiert. 1334 lösten in einem durch Hzg. Otto von Braunschweig als Patron und Bf. Albrecht von Halberstadt bestätigten Vergleich die cives et incole ville edzenrode durch Abtretung von Gemeindegrund die für ihre Exemtion von Wettmarshagen an die dortige Kirche zu zahlenden Korn- und Geldgefälle ab.1 Die Einführung der Reformation erfolgte wohl 1527 mit dem Fsm. Lüneburg. Die Durchführung vor Ort ist nicht weiter belegt. Als erster luth. P. erscheint 1534 Peter Vayldick2, 1539 Dietrich Winkelmann, 1543 Petrus Remeling.
Die von Garßenbüttel waren als Besitzer des Guts in Essenrode bedeutende Förderer des Kirchen- und Schulwesens. U. a. stiftete Hartwich von Garßenbüttel 1606 das Kapital zur Finanzierung einer Schullehrerstelle3 und veranlasste 1611 den Bau des Schulhauses. Im Dreißigjährigen Krieg wurde 1625 das halbe Dorf einschließlich des Pfarrhauses von dänischen Söldnern niedergebrannt. Die Kirche blieb verschont, wurde aber ausgeraubt. 1633 begann der Wiederaufbau des Pfarrhauses. Christian von Bülow stiftete 1640 insgesamt 120 Reichstaler für die Neubeschaffung des Geläuts. Wegen der Finanzierung der Schadensbeseitigung kam es zu einem ersten Konflikt mit den Bauern von Grassel, dessen Pfarre seit Mitte des 16. Jh. von Essenrode aus versehen wurde. Ab 1736 prozessierten die Grasseler gegen die von Bülow, die auch dort das Patronatsrecht in Anspruch nehmen wollten. 1739 wurde Grassel als eigenständige mater combinata unter landesherrlichem Patronat anerkannt. Etwa zur gleichen Zeit wurde das KGb im barocken Zeitgeschmack umgestaltet. 1880 erhielt die Gemeinde ein neues Pfarr- und Gemeindehaus.
P. Lachmund (bis 1935), war vermutlich Mitglied der NSDAP und DC-Sympathisant, in beidem allerdings gemäßigt. P. Münther (ab 1935 Spezialvikar, ab 1936 P.) war seit 1933 Mitglied der BK. 1936/39 fanden regelmäßig BK-Vorträge mit teilweise gutem Zuspruch statt, entfalteten aber keine nachhaltige Wirkung. Gruppen und Kreise bestanden 1933 noch nicht. Weibliche Jugendarbeit und Volksmission wurden 1936 aufgenommen, jedoch mit sinkenden Teilnehmerzahlen.

Umfang

Das Dorf Essenrode.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Meine der Diözese Halberstadt. – 1534 zur neu gegründeten Insp. (1924: KK) Gifhorn, 1. April 1927 in den KK Fallersleben4 (ab 1. Oktober 1965 KK Wolfsburg) umgegliedert, 1. April 1984 wieder in den KK Gifhorn.5

Patronat

Den von Garßenbüttel stand das Patronat vermutlich nicht zu. Es wurde bis ins 17. Jh. durch den Landesherrn als Oberlehnsherrn selbst wahrgenommen.6 1388/1400 erscheint Essenrode im Verzeichnis der durch Hzg. Friedrich I. verliehenen Pfründen der Diözese Halberstadt im Hzm. Braunschweig.7 Auch 1556 waren die Hzg. von Braunschweig und Lüneburg Patronatsinhaber. Nach Übernahme des Guts wurden jedoch 1633 die von Bülow mit dem Patronatsrecht belehnt, das seither als dingliches Patronat mit dem Gut verbunden blieb. 1837 kauften die von Lüneburg das Gut und üben das Patronatsrecht bis heute aus.

Kirchenbau

Romanischer Rechtecksaal mit breitem, querrechteckigem Westturm aus Bruch- und Werkstein (um 1100/12. Jh.). Vom ersten Bau sind nur noch geringe Reste im unteren Teil des Turms und dem sich anschließenden Mauerwerk des Schiffs erhalten. In gotischer Zeit (um 1400) wurde der Turm durch einen Backsteinaufsatz erhöht und das Schiff nach Osten verlängert. Auf Veranlassung des Patronatsherrn Gotthard Heinrich von Bülow wurde 1737-44 der Innenraum barock umgestaltet. Die Seitenwände wurden erhöht, die ursprüngliche Holzbalkendecke durch ein hölzernes Tonnengewölbe ersetzt. Neuer Eingang durch den Turm. An der Nordseite wurde ein Fachwerkanbau mit Sitzen für die Gutsbewohner angefügt. 1841-44 weitere Reparaturen an Schiff und Turm, Einbau einer neuen Prieche. 1987-89 grundlegende Renovierung der Kirche und Freilegung von gotischen Wandmalereien (um 1400).

Grablege

In einem älteren Grabgewölbe unter dem Altar fanden u. a. der Amtshauptmann Hartwig von Garßenbüttel und P. Heinrich Matthäus Bertram († 1622) ihre letzte Ruhestätte. Ebenfalls unter dem Altarraum befindet sich ein Erbbegräbnis der von Bülow (1679, 1737-44 erweitert). Im Zuge des Umbaus 1737-44 ließ G. H. A. von Bülow unter der Gutsprieche ein neues Grabgewölbe der Patronatsfamilie anlegen, das später auch durch die von Lüneburg genutzt wurde. Beigesetzt wurde in der Kirche neben Gotthard Heinrich August von Bülow (Landrat in Celle, Erblehnsherr zu Essenrode und Beyernaumburg, † 1769) u. a. General Carl Gottlieb von Bülow († 1821). Die Grabgewölbe wurden später beräumt und die Gebeine der von Bülow in einem Gemeinschaftsgrab neben der Kirche beigesetzt.

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar mit reichem Schnitzwerk und Sprenggiebel, Bekrönung durch den triumphierenden Christus. Gestiftet von Gotthard Heinrich August von Bülow, geschaffen 1744 vermutlich von Vincenz Georg Haborg (Braunschweig) oder Johann Friedrich Blasius Ziesenis (Hannover); ebenso der aus Holz geschnitzte, farbig gefasste, dreifüßige Taufständer. – Hölzernes Epitaph in Form eines Flügelaltars, vermutlich von A. Offinger. In der Mitte eine Kreuzigungsgruppe vor einem landschaftlichen Hintergrund, außen Christi Geburt und Himmelfahrt. Die Brustbilder des Hartwig von Garßenbüttel († 1625) und seiner Frau Ermengard, geb. von Wallmoden († 1601), sind heute separat aufgehängt. – In der Gutsprieche ein Gemälde „Christus und Veronika“ (Anfang 19. Jh.).

Orgel

In Essenrode war 1734 eine Orgel noch nicht vorhanden. Erst 1760 wurde das 1702 durch Johann Friedrich Kochau und Abraham Südekum (Braunschweig) für die Schlosskapelle in Beyernaumburg erbaute, barocke Instrument in der Kirche von Essenrode aufgestellt; 9 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1849 Renovierung durch B. Blasse (Gotha).8 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1920 Einbau eines neuen Werks hinter dem Barockprospekt durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 11 II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen. 1954-63 Umbau durch Firma Weißenborn (Braunschweig), 16 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Schleifladen. 2002/03 Renovierung und Teilerneuerung durch Orgelbaumeister Bartelt Immer (Norden). Wiedereinweihung 12. Januar 2003.

Geläut

Zwei LG, I: g’ (Bronze, Gj. 1795, Johann Conrad Grete, Braunschweig); II: b’ (Bronze, Gj. 1956, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg). – Früherer Bestand: Zwei Glocken wurden 1625 durch dänische Söldner geraubt. Christian von Bülow stiftete daraufhin 1640 als Patronatsherr das Kapital für die Anschaffung von zwei Ersatzglocken, die wohl noch im gleichen Jahr gegossen wurden. Beide wurden mehrfach um- bzw. neu gegossen: LG I 1675, 1730 (durch Johann Christian, Braunschweig), 1795 (Johann Conrad Grete, Braunschweig); LG II ebenfalls 1730, 1896 (J. J. Radler, Hildesheim), 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert, 1928 durch Karl Radler (Hildesheim) neu gegossen, 1942 erneut abgeliefert und 1956 durch die heutige Glocke ersetzt.

Friedhof

Der alte Friedhof bei der Kirche wurde 1868 durch eine Neuanlage weiter im Westen (Am Friedhof) ersetzt. FKap (Bj. 1966). Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3263-3276 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2339-2347 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 669-672 (Visitationen); D 10 Nr. 117-122 (Urkunden); D 64 (EphA Fallersleben-Wolfsburg).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 108 f., Nr. 101; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 458; Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 50-58; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 374.
B: Hartmut Bosse: Kirche zu Essenrode. Ein Beitrag zu deren Geschichte, [Essenrode 1991]; Johannes Klingsing (Hg.): Die Kirche zu Essenrode (= Beiträge zur Geschichte des Kreises Gifhorn 4), Gifhorn 1968; P. J. Meier: Ein Epitaph in der Dorfkirche zu Essenrode, in: Hannoversche Geschichtsblätter 1 (1898), S. 14 f.


Fußnoten

  1. UB Sudendorf I, Nr. 569.
  2. Salfeld, Pfründenregister, S. 97.
  3. LkAH, D 10, Nr. 118.
  4. KABl. 1926, S. 201.
  5. KABl. 1984, S. 19.
  6. Hennecke, Patronate, S. 154.
  7. UB HS Halberstadt IV, Nr. 3153 a.
  8. LkAH, B 18, Nr. 123 (Orgelfragebogen).