Sprengel Lüneburg, KK Gifhorn | Patrozinium: Christus (seit 1993) | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Das 1318 als Kaluerlege erstmals urkundlich erwähnte Dorf lag in der Gft. im Papenteich, die 1318 als Lehen an die Gf. von Wohldenberg kam und von diesen 1337 den Hzg. Otto und Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg verkauft wurde. Seither unter welfischer Landesherrschaft (Amt Gifhorn, 1852-1859 Amt Papenteich).
Caberlah war von alters her nach Isenbüttel eingepfarrt, verfügte aber laut Pfründenverzeichnis von 1534 über eine eigene, offenbar schon ältere Kapelle.1 In der zweiten Hälfte des 19. Jh. ging von der Eröffnung des Bahnhofs Caberlah an der Berlin-Lehrter Eisenbahn und der Erschließung des Kali-Bergbaus im benachbarten Ehmen ein starker wirtschaftlicher Impuls aus, der für steigende Einwohnerzahlen sorgte. Für die wachsende Ortschaft wurde mit dem 1. Januar 1909 eine eigene KapG gebildet.2 Durch die Integration von Heimatvertriebenen kam es nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal zu einem Wachstumsschub von 550 auf über 2.000 Einwohner, von denen etwa 1.800 der ev.-luth. Landeskirche angehörten (1988: 2.360 Gemeindeglieder bei etwa 3.300 Einwohnern insgesamt3).
1947 wurde zunächst das zwischenzeitlich als Lagerraum verwendete KapGb wieder nutzbar gemacht. Da es nur für 95 Personen Platz bot, beantragte der KapV einen Neubau, der von der Muttergemeinde Isenbüttel allerdings nicht unterstützt wurde. Zur Vorbereitung der Abtrennung von der Muttergemeinde erwarb die KapG 1963 einen Bauplatz für eine Kirche. Mit dem 1. Juli 1964 wurde eine Pfarrvikarstelle mit Sitz in Caberlah geschaffen.4 Im Oktober des Jahres kam P. Hermann Rübel als erster Seelsorger in den Ort (amt. bis 1972). 1966 wurde ein Kirchbauverein gegründet. Am 1. Januar 1968 wurde die bisherige KapG als KG mit eigener Pfarrstelle verselbständigt.5 1971/72 wurde gegenüber dem Friedhof ein modernes, multifunktionales Gemeindezentrum errichtet (Architekt: Rudolf Pramann, Braunschweig; Einweihung am 26. Juni 1972), entgegen den ursprünglich Planungen zunächst noch ohne Pfarrhaus. Letzteres folgte 1983/84.
Die alte Kapelle blieb erhalten. Sie war zuletzt 1960 auf Veranlassung des VW-Generaldirektors Heinrich Nordhoff mit finanzieller Unterstützung des VW-Werks saniert worden. Die Absicht des AfBuK, die Kapelle nach der Einweihung des Gemeindezentrums abzubrechen, stieß auf erheblichen Widerstand.
Auf Wunsch der dortigen luth. Einwohner wurden 1974 die politischen Gemeinden Allerbüttel und Edesbüttel der KG Caberlah angeschlossen. In Allerbüttel fanden bis 1999 zusätzliche GD in der alten Schule statt, nach deren Verkauf in der FKap.
Neben der 1968 begründeten Partnerschaft mit der KG Wiesa (Erzgebirge) bestehen Beziehungen zu ev. Christen im indischen Bundesstaat Tamil Nadu.

Umfang

Ursprünglich nur die politische Gemeinde Caberlah, seit 1. Januar 1974 auch die luth. Einwohner der früher zur KG Sülfeld gehörigen politischen Gemeinden Allerbüttel und Edesbüttel.6

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Meine. – Kam 1534 mit Isenbüttel zur neu gebildeten Insp. (ab 1924: KK) Gifhorn.

Kirchenbau – Christuskirche (Gemeindezentrum)

Asymmetrischer, fünfseitiger Baukörper aus Stahlbetonskelett und Ziegelmauerwerk (1970/71). Ursprünglich unter Flachdach, 1988/92 erweitert und mit einem Satteldach versehen. 2005 Anbau an der Nordseite.

Turm

Freistehender Glockenträger aus Stahlbeton (1974).

Fenster

Buntglasfenster 1996 nach Entwurf von Hermann Lindner (Stralsund).

Ausstattung

Tischaltar und Kanzel aus Holz.

Orgel

1972 beschafft; erbaut um 1967 durch Rudolf Janke (Bovenden), 5 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG in e’’ und g’’ (beide Bronze, Gj. 1974, Glockengießerei Heidelberg).

Kirchenbau – Alte Kapelle

Verputzter, rechteckiger Saalbau aus Feld- und Backsteinen mit dreiseitigem, polygonalem Ostschluss, 1576 Neu- oder Umbau (inschriftlich datiert). Im 18. Jh. vielleicht nach Westen vergrößert. Innenraum durch eine flache Balkendecke geschlossen. 1960, 1975/76 und 2011 saniert.

Turm

Dachreiter aus Eichenfachwerk über der westlichen Giebelwand (ursprünglich vmtl. 18. Jh.; der Westgiebel mit dem Turm wurde 1989/90 neu aufgebaut). Turmuhr 1883 von Weule (Bockenem).

Ausstattung

Auf einem gemauerten Unterbau ein spätgotischer, zweiflügeliger Klappaltar ohne Predella, wohl ehemals Teil eines Triptychons, in den beiden Flügeln insgesamt acht Heiligenfiguren in zwei Reihen (erste Hälfte 15. Jh.) – Geschnitzte Kanzel mit drei Wappen der Familien von der Schulenburg, von Campe und von Dalldorf (1621), nach Kiecker/LütGens ursprünglich aus der Kirche in Wolfsburg.

Orgel

Das Orgelgehäuse aus der Schule von Arp Schnitger (wohl vor 1750) gelangte über Celle und das Kloster Isenbüttel 1876 nach Caberlah, 8 I/-, mechanische Traktur, Schleiflade. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. Nach dem Zweiten Weltkrieg Instandsetzung durch Firma Weißenborn (Braunschweig). 1967 durch Rudolf Janke (Bovenden) restauriert. Denkmalorgel.7

Geläut

Eine LG in h’’ (Bronze, Gj. 1485).

Friedhof

Gegenüber dem Gemeindezentrum an der Mittelstraße; eingeweiht 1903, 1967 vergrößert. Eigentum der KG. FKap (Bj. 1960, 1999 erweitert). – Eigene (kommunale) Friedhöfe in Allerbüttel und Edesbüttel.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 256 (Spec. Landeskons.); D 40 (EphA Gifhorn).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 337; Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 34-39; Piper, Orgeln, S. 5 f.; Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 54.
B: Im Vertrauen unterwegs. 40 Jahre Ev.-luth. Christus-KG Calberlah, [Calberlah] o. J.; Ernst-Henning Cohrs u. a.: Calberlah – Unser Dorf, [Calberlah 2008].


Fußnoten

  1. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 515.
  2. KABl. 1909, S. 7.
  3. LkAH, L 5e, unverz., Caberlah, Visitation 1988.
  4. KABl. 1964, S. 116 f.
  5. KABl. 1968, S. 4.
  6. KABl. 1974, S. 22.
  7. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).