Sprengel Lüneburg, KK Gifhorn | Patrozinium: Michael (seit 2017)1 | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Die älteste schriftliche Erwähnung des Dorfes findet sich als Rotlekesbutle im Lehnregister Luthards II. von Meinersen, niedergeschrieben um 1218/20.2 Rötgesbüttel gehörte zum Papenteich (nachweislich 1489), der bei der welfischen Landesteilung von 1267/69 an das Teilfsm. Braunschweig gefallen war.3 Die Zugehörigkeit des Papenteichs – und damit auch Rötgesbüttels – wechselte im 14./15. Jh. wiederholt zwischen den welfischen Teilfsm., bevor er 1428 endgültig an Lüneburg kam; das Gebiet bildete hier einen Teil des Amtes Gifhorn. Das welfische Teilfsm. Lüneburg fiel 1705 an das Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover). In französischer Zeit gehörte Rötgesbüttel zum gleichnamigen Kanton im Distrikt Braunschweig des Departements der Oker im Kgr. Westphalen. Danach war das Dorf wieder Teil des Amtes Gifhorn (1852–59 beim kurzlebigen Amt Papenteich zu Gifhorn), zunächst im Kgr. Hannover und nach der Annexion von 1866 im Kgr. Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 gehört Rötgesbüttel zum Lkr. Gifhorn und seit 1970 ist der Ort Teil der Samtgemeinde Papenteich. Anfang der 1890er Jahren erhielt Rötgesbüttel einen Bahnhof (Strecke Braunschweig–Wieren, vollendet 1900). 1949 beschrieb der Ortspastor Rötgesbüttel als dörflich geprägten Ort, in dem überdies „allerlei Arbeiter u[nd] einige Eisenbahner“ wohnten.4 Im Jahr 1821 lebten etwa 355 Menschen in Rötgesbüttel, 1905 gut 610, 1950 knapp 1.060 und 2018 rund 2.330.

Kirche, Ansicht von Südosten

Kirche, Ansicht von Südostenht

Kirchlich gehörte Rötgesbüttel ursprünglich zum Kirchspiel Meine. Die Dorfkapelle lässt sich schriftlich erstmals im Lüneburger Pfründenregister von 1534 nachweisen: Beim Eintrag zu Meyne ist 1 Capelle Rotheßbüttell verzeichnet – neben drei weiteren Kapellen in Gravenhorst, Vordorf und Wedesdorf.5 Seinerzeit war Rötgesbüttel gemeinsam mit der Muttergemeinde Meine bereits zur luth. Konfession gewechselt. Der im Pfründenregister genannte P. Hinricus Kadenhusen ist vermutlich als erster ev. Prediger des Kirchspiels anzusehen. Nach den Angaben im Corpus bonorum der KG Meine aus dem Jahr 1734 wurde in der Kapelle Rötgesbüttel „quartaliter in der Woche gepredigt, auch denen alten und Schwachen leuten Zu gute communion gehalten“.6
Erst 1925, nachdem die KapG im Jahr zuvor das Kirchspiel Meine verlassen hatte und in die KG Ribbesbüttel eingepfarrt worden war, gründete das Landeskirchenamt Hannover zum 1. April die KG Rötgesbüttel und verband sie pfarramtlich mit der KG Ribbesbüttel.7 Sitz des Pfarramts blieb Ribbesbüttel. 1928/29 erweiterte die Gemeinde die kleine mittelalterliche Kapelle um einen größeren Kirchsaal, der sich als Querbau westlich an den älteren Bau anschließt. Als mit dem Zuzug Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Zahl der Katholiken in den beiden Gemeinden stieg, fanden in Rötgesbüttel auch kath. GD statt, „wofür nach Vertrag unsere Kirche zur Verfügung gestellt wird“, wie P. Friedrich Schulze (amt. 1933–1951) in den Unterlagen zur Visitation 1949 angab.8
Seit den 1980er Jahren findet in den Gemeinden Ribbesbüttel und Rötgesbüttel „abwechselnd von Sonntag zu Sonntag Gottesdienst“ statt.9 Zu den Schwerpunkten der Gemeindearbeit zählten in den 1990er Jahren Glaubenskurse für Erwachsene (sogenannte Alpha Kurse) sowie die Kinder- und Jugendarbeit. Gerade zur Förderung letzterer gründete sich 1989 der „Verein Innere Mission in Ribbesbüttel-Rötgesbüttel e. V.“, der eine Diakonenstelle zunächst teilweise und später ganz finanzierte. In der langen Amtszeit von P. Elmar Below (amt. 1978–2006), Mitglied des Marburger Kreises, entwickelten die KG Ribbesbüttel und Rötgesbüttel ein missionarisches Profil, das auch in den Folgejahren prägend für das kirchliche Leben blieb.10

Umfang

Rötgesbüttel, seit 1930 auch der ehemalige Gutsbezirk Maseler Wald.11

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG Rötgesbüttel 1925 zum KK Gifhorn.12

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, vor 1999

Kirche, Blick zum Altar, vor 1999

Nach Süden ausgerichteter Rechteckbau mit dreiseitigem Chorschluss, erbaut 1928; an der Ostseite schließt sich der mittelalterliche Kapellenbau an, erbaut Mitte des 13. Jh. Altbau: Satteldach. Bruchsteinmauerwerk, zwei große, rundbogige Sprossenfenster nach Süden, ein kleines, hochliegendes Fenster nach Norden; spitzbogiges Portal nach Süden; östliche Giebelwand bekrönt mit steinernem Kreuz, darunter Uhrziffernblatt, rechteckiges Schartenfenster und zwei kleine, gekuppelte Spitzbogenfenster. Im Innern flache Decke, Sakramentsnische in Ostwand; im Westen Glaswand und -tür zum Neubau (gestaltet mit farbigen Streifen und Kalligraphie, 2010, Andreas Wolff, Berlin). Neubau: Satteldach, im Süden abgewalmt und bekrönt mit Kreuz. Verputztes Ziegelmauerwerk. An den Langhauswänden pilasterartige Strebepfeiler, dazwischen je zwei rundbogige Sprossenfenster, unter den nördlichsten der Westwand zwei kleine Rechteckfenster; rundbogige Sprossenfenster nach Norden; Rundbogenfenster am Chor; am Nordende des Schiffs Eingänge nach Westen und Osten. Im Innern holzverschalte, trapezförmige Decke; Westempore; im Osten Glaswand und -tür zum Altbau.

Fenster

Drei Buntglasfenster im Chor (links: Bibel mit Inschrift „Das Alte Testament“, „Das Neue Testament“, darunter „Dein Wort ist meines Fvszes Levchte“; Mitte: Christuskopf, darunter „Ich bin der Weinstock ihr seid die Reben“; rechts: Kelch, darunter „In dir ist die Quelle des Lebens“, kleiner: „Die Chorfenster sind gestiftet v. Ackermann Chr. Reinecke“). Bei Neubau 1928 Empore der Kapelle entfernt (Inschrift an Brüstung: „Sophia Agnese Baars hat zv Andenken ihres sehl[igen] eheliebstnes Christian Krack gewesenen Gogrefens Alhier diesen Stvel bawen lassen Anno 1672 den 17 Dec[ember]“), Kapelle zu Gemeinderaum umgestaltet, Westwand als Verbindung zum Neubau durchbrochen und mit Bretterwand geschlossen (konnte fensterartig zum Neubau geöffnet werden). 2010 Sanierung (Glaswand mit Tür zwischen Alt- und Neubau).

Turm

Viereckiger, verschieferter Dachreiter auf der mittelalterlichen Kapelle, neu erbaut 1928. Turmhelm mit eingezogener, über Eck gestellter Spitze, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne; Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Südosten. Rechteckige Schallfenster mit waagerechten Lamellen. Turmuhr (Firma Weule, Bockenem).

Ausstattung

Hölzerner Altar, verziert mit neugotischen Blendbögen, seitliche Schranken nach 1999 entfernt. – Hölzerner Kanzel (1928), Kanzelkorb mit neugotischen Blendbögen verziert, Kanzel gestiftet von Kotsass Heinrich Bosse. – Säulenartige, achtseitige Holztaufe (1928, Wilhelm Schliewe, Rötgesbüttel). – Eingemauert in Südwand: Grabstein für Hans Ziegener († 1678); Doppelgrabstein für Christian Krack († 1672) und Ehefrau Sophia Agnese Baars († nach 1672).

Orgel, 1974

Orgel, 1974

Orgel

1928 Orgelneubau, ausgeführt von Firma Gebrüder Rohlfing (Osnabrück), 6 I/P, pneumatische Traktur, Kegellade.13 1965 Orgelneubau in Auftrag gegeben bei Klaus Becker (Kupfermühle), zunächst Interimsorgel aufgestellt, 4 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen; 1968 Lieferung der neuen Orgel, 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.14

Geläut

Drei LG, I: e’’, Gedächtnisglocke (Bronze, Gj. 1957, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); II: g’’ (Bronze, Gj. 1613, Otto Relinck, Gifhorn), Inschriften: „J. P. D. H. Curt Damman Pastor zu Meine, Cort Honstein Hogrefe, Hans Witten, Harmen Seriver B. Altarleute zu Rötgesbüttel“ und „Otto Relinck zu Gifhoren gos mich. S. Anna heis ich Anno 1613“, Bilder: Medaillon mit Männerkopf, zwei Löwen, stehende Frau; III: a’’ (Bronze, Gj. 14. Jh.), ohne Inschrift. Eine SG, des’’’ (Bronze). – Früherer Bestand: Eine SG (Gj. vermutlich um 1948), Geschenk der KG Ribbesbüttel zum 20jährigen Kirchenjubiläum, 1949 abgestürzt und geborsten.

Friedhof

Kirchlicher Friedhof am Nordwestrand des Dorfes, FKap (Bj. 1976).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 40 (EphA Gifhorn); L 5a Nr. 1712 (LSuptur. Calenberg-Hoya); S 11a Nr. 7037 (Findbuch PfA). – NLA Hannover: Hann. 74 Gifhorn Nr. 4017 (Bau- und Reparationssachen der Kapellen zu Gamsen, Gravenhorst, Röttgesbüttel, Vordorf und Wedesbüttel).

Literatur

A: Gemeindebuch KK Gifhorn, S. 43; Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 288–290; Piper, Orgeln, S. 26–27; Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 183–185.
B: Ribbesbüttel, ein Dorf schreibt 1000-jährige Geschichte. 1007–2007, hrsg. von der Gemeinde Ribbesbüttel, Groß Oesingen 2007, bes. S. 41–47; Uwe Niederstraßer: Wirtschafts- und Sozialentwicklung des Dorfes Rötgesbüttel (seit dem 2. Weltkrieg), mit Kartenband, [Gifhorn 1978].


Fußnoten

  1. Mittelalterliches Patrozinium vielleicht Maria, vgl. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 21.
  2. Przybilla, Edelherren von Meinersen, S. 574 (zur Datierung ebd., S. 447 ff.); Sudendorf UB I, Nr. 10 (ältere Edition).
  3. Zum Papenteich vgl. knapp: Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 172 ff.; zu den welfischen Landesteilung 1267/69 Pischke, Landesteilungen, S. 35 ff. Die Gf. von Wohldenberg besaßen Grafschaftsrechte im Papenteich, die sie 1338 an die Welfenherzöge verkauften und als Lehen zurück erhielten.
  4. LkAH, L 5b, unverz., Spez. Ribbesbüttel, Visitation 1949.
  5. Salfeld, Pfründenregister, S. 98.
  6. LkAH, A 8, Nr. 281, Bl. 10r.
  7. KABl. 1925, S. 24.
  8. LkAH, L 5b, unverz., Spez. Ribbesbüttel, Visitation 1949.
  9. LkAH, L 5h, unverz., Visitation Ribbesbüttel-Rötgesbüttel 1986.
  10. Ribbesbüttel, S. 47.
  11. KABl. 1930, S. 38.
  12. KABl. 1925, S. 24.
  13. Zum Folgenden: Piper, Orgeln, S. 26 f.
  14. LKA, G 9 B/Rötgesbüttel Bd. I, Bl. 32 und Tasche.