Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | Patrozinium: Margaretha1 | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes findet sich in einer Urkunde, die Ks. Heinrich II. 1022 für das Hildesheimer Michaeliskloster ausstellte. Er nahm das Kloster in seinen Schutz und bestätigte seine Besitzungen, u. a. zehn Hufen Land und eine Mühle in Sualonhuson.2 Der Ortsname veränderte sich in der zweiten Hälfte des 12. Jh.: Bf. Bruno von Hildesheim übertrug dem Zisterzienserkloster Amelungsborn 1158 zwei Hufen in dem Dorf namens Swalenhusen (duos mansos in villa que dicitur swalenhusen)3 und 1175 erhielt das Kloster von Bf. Adelog zwei Salinen hier (domus salis). Eine der Salzquellen in Swalenhusen (fontem salinarum in Swalenhusen) wird laut der Urkunde von 1175 parvus fons salis genannt (kleiner Salzbrunnen).4 Die gleiche Bezeichnung erscheint in einer Urkunde von 1198 für eine Saline bei Hemmendorf: salinas que dicuntur parvi fontis prope Hemmenthorp.5 Der Name Swalenhusen verschwindet und in den Quellen finden sich nurmehr Bezeichnungen wie Sali (um 1300)6 oder Solte bi Hemmendorpe (zweite Hälfte 14. Jh.)7 und schließlich Salzhemmendorf.8 Im Jahr 1445 ist ein Rat thom Solte Hemendorpe belegt, es ist jedoch nicht überliefert, wann der Ort Fleckenrechte erhielt.9 Um 1400 ist Solte im Güterverzeichnis der Herrschaft Homburg unter den Dörfern der Vogtei Lauenstein (advocacia Lowensteyne) aufgelistet.10 Lauenstein hatte zum Herrschaftsbereich der Spiegelberger Gf. gehört, die das Gebiet jedoch in der ersten Hälfte des 13. Jh. an die Herren von Homburg verloren. Die Homburger trugen die Vogtei Lauenstein 1247 dem Hzg. von Braunschweig-Lüneburg zu Lehen auf. Als sie 1409 in männlicher Linie ausgestorben waren, fiel die Herrschaft Homburg als erledigtes Lehen an Hzg. Bernhard von Braunschweig-Lüneburg. 1432 kam das Amt Lauenstein an das neue welfische Teilfsm. Calenberg und 1433 gelangte es als Pfandbesitz an den Bf. von Hildesheim, der es seinerseits weiter verpfändete (u. a. 1493 an die Herren von Saldern).11. Nach Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) fiel Salzhemmendorf zusammen mit den übrigen Dörfern des Amtes Lauenstein wieder an das Fsm. Calenberg (Kernlande Hannover), wo es – abgesehen von einigen Jahren während des Dreißigjährigen Krieges – bis Anfang des 19. Jh. blieb. Seit 1810 gehörte Salzhemmendorf zum französischen Satellitenkgr. Westphalen (1807–1813) und war Teil des Kantons Hemmendorf im Distrikt Rinteln (1810 Distrikt Hameln genannt) des Departements Leine. Ab 1815 war der Ort wieder Teil des Amtes Lauenstein, zunächst im Kgr. Hannover und nach der Annexion von 1866 im Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung kam Salzhemmendorf 1885 zum neuen Kr. Hameln (1922 Lkr. Hameln-Pyrmont). 1973 wurden die Orte Ahrenfeld, Benstorf, Hemmendorf, Lauenstein, Levedagsen, Ockensen, Oldendorf, Osterwald, Thüste und Wallensen nach Salzhemmendorf eingemeindet. Landwirtschaft betrieben die Salzhemmendorfer eher als Nebenerwerb, Haupterwerbszweig war die Salzgewinnung und seit Mitte des 19. Jh. die Kalkherstellung. Die letzte Saline schloss 1872, die Kalkwerke 1958.12 Mit der Eröffnung des Kurhauses 1874 begann die Entwicklung zum Kurort, die Kurbetriebsgesellschaft machte 1993 Konkurs. Von 1863 bis etwa 1940/45 war Salzhemmendorf Sitz der Orgelbaufirma Faber (1904 Faber & Greve, etwa 1918 Faber & Söhne, 1927 Faber & Dienes). Salzhemmendorf hat Mittelpunktfunktion für die umliegenden, 1973 eingemeindeten Ortschaften und ist darüber hinaus eine Pendlersiedlung. Um 1810 lebten in Salzhemmendorf knapp 840 Menschen, 1973 knapp 2.200 und 2017 knapp 2.000.

Kirche, Turm, Ansicht von Nordosten, 1962

Kirche, Turm, Ansicht von Nordosten, 1962

Von 1760 bis 1769 war Salzhemmendorf Sitz der kurzlebigen II. Münderschen Insp., zu der die Dörfer des Amtes Lauenstein zählten. Einziger Sup. war P. Georg Christoph Volger (amt. 1740-1769).13
Kirchlich gehörte Salzhemmendorf in vorref. Zeit zum Kirchspiel Oldendorf. Ältestes Zeugnis der örtlichen Kirchengeschichte ist der mittelalterliche Kirchturm (ein seltener Ostturm), der vielleicht aus dem 13. Jh. stammt. Der Altar im Chorraum des Turms ist laut Inschrift 1427 erbaut worden. Die Kirche besaß anscheinend mehrere Altäre: die Salzhemmendorfer Sander Negenborn und Burchardus Karras (oder Harras) stifteten 1463 eine Vikarie in Sunte Margarete Capellen uppe dem Solte to Hemmendorpe, nomentlike by dat altar unser lewen fruwen (in der Sankt Margarethakapelle in Salzhemmendorf, namentlich am Marienaltar). 1474 stiftete Heinrich Blomberg Kapital für den Altar Sankt Katharina und Paulus.14 Im gleichen Jahr beschloss der Fleckenrat, eine Wohnung für einen Geistlichen zu stellen und dartho Bock, Kalck, Missewand, wien, oblaten zu stiften (dazu Buch, Kelch, Meßgewand, Wein, Oblaten).15 Am Status Salzhemmendorfs als Tochtergemeinde Oldendorfs änderte dies allerdings nichts. Das Präsentationsrecht für die Vikarie am Marienaltar ging 1554 auf den Rat über.
Zusammen mit der Muttergemeinde Oldendorf hatte Salzhemmendorf vermutlich um 1540 die luth. Lehre angenommen. Burchard von Saldern, seinerzeit Pfandbesitzer des Amtes Lauenstein</span<, war selbst zum Luthertum übergetreten und hatte die Reformation möglicherweise im gesamten Amtsgebiet durchgesetzt.16 Als Vormund ihres minderjährigen Sohnes führte Hzgn. Elisabeth von Calenberg-Göttingen 1542 den neuen Glauben offiziell im Fsm. Calenberg ein: Sie erließ eine von Antonius Corvinus verfasste Kirchenordnung und beauftragte Corvinus, die Gemeinden des Fsm. zu visitieren.17 Im April 1543 kamen die Visitatoren ins Amt Lauenstein und ordneten die Aufteilung des Kirchspiels Oldendorf an. Die Tochtergemeinden Solt und hemmendorp seien mittlerweile so groß geworden, dass ein Pfarrer allein die Dörfer nicht versorgen könne. „Also sol auch der fleck solt eine sonderliche phar sein vnd pleiben vnd alle Zeit einen sonderlichen Pastor haben.“18 Die Geschichte Salzhemmendorfs als eigenständige Kirchengemeinde beginnt also mit der Reformation. Ob die Visitatoren auch sogleich passende Geistliche fanden, um die neuen Pfarrstellen zu besetzen, ist nicht überliefert. 1545 übernahm Erich II. Sohn der Hzgn. Elisabeth, die Regierung, trat 1547 zum Katholizismus über und versuchte, auch sein Fsm. wieder zu rekatholisieren. Dies gelang ihm nicht und 1553/55 setzten die Calenbergischen Stände die Beibehaltung der Lehre Luthers durch. Vermutlich um diese Zeit berief der Salzhemmendorfer Rat P. Johann Quadschmidt (amt. etwa 1554-1585) auf die Pfarrstelle des Fleckens, einen ehemaligen Kartäusermönch aus Hildesheim.19 Im Jahr vor P. Quadschmidts Tod war das Fsm. Calenberg an Hzg. Julius, Fs. von Braunschweig Wolfenbüttel gefallen, da Erich II. ohne Erben verstorben war. Hzg. Julius führte seine 1569 aufgestellte KO auch im Calenbergischen ein und entsandte 1588 wiederum Visitatoren in die einzelnen Gemeinden.20 Um die Nachfolge Quadschmidts hatte es 1585 Streit zwischen dem Salzhemmendorfer Rat und dem Wolfenbütteler Konsistorium gegeben: Ersterer favorisierte den Harderoder P. Justus Hartung, letzteres jedoch setzte P. Laurentius Copicanus (Köpke) (amt. 1585-1594) ein, der aus dem mecklenburgischen Malchow stammte.21 Anlässlich der Visitation 1588 suchte der Rat noch einmal, sein Patronatsrecht für die Pfarre durchzusetzen, die Visitatoren entschieden jedoch, die Rechte des Rates beschränkten sich auf die Stiftungen von 1463 und 1474. Das Patronatsrecht über die Pfarre jedoch läge beim Landesherrn, da er auch Patron der ehemaligen Mutterkirche in Oldendorf sei.22

Kirche, Ansicht von Nordosten, Teilansicht, 1973

Kirche, Ansicht von Nordosten, Teilansicht, 1973

Während der Amtszeit von P. Philippus Salzmann (amt. 1595-1625) ließ die Gemeinde ihre Kirche umbauen. Der alte Ostturm blieb erhalten, aber das bisherige Kirchenschiff musste 1609/10 einem nach Süden hin verbreiterten Neubau weichen. Die Kirche erhielt 1610 einen neuen Taufstein, der bis heute in Gebrauch ist, vermutlich eine neue Orgel, denn 1644 sind Zahlungen an einen Organisten und einen Bälgetreter belegt, sowie 1620 ein neues Altarretabel. Von diesem ist lediglich die Predella mit einer ungewöhnlichen Abendmahlsdarstellung erhalten: links teilt ein Pfarrer im luth. Talar das Brot aus, rechts ein Priester in kath. Ornat den Wein.23 Als das Amt Lauenstein und damit auch Salzhemmendorf während des Dreißigjährigen Krieges für einige Jahre noch einmal unter stifthildesheimischer Herrschaft stand (1630-1633), musste P. Heinrich Fricke (amt. 1626-1661) den Ort verlassen, konnte aber später zurückkehren.24 Bis in die erste Hälfte des 19. Jh. hinein blieben die einzelnen Pfarrer jeweils weit über 20 Jahre in Salzhemmendorf.25
Mitte des 19. Jh. gründete sich in Salzhemmendorf eine Synagogengemeinde, die auch für die jüd. Familien in Banteln, Duingen, Eime, Hemmendorf, Lauenstein und Wallensen zuständig war. Eine Synagoge richtete die Gemeinde 1844 ein. Mit sechs Familien erreichte die jüd. Bevölkerung 1852 ihren höchsten Stand; die letzte Familie floh nach der Reichspogromnacht im November 1938 aus Salzhemmendorf.26

Kirche, Blick zum Altar, Postkarte (Ausschnitt)

Kirche, Blick zum Altar, Postkarte (Ausschnitt)

Während der NS-Zeit versah zunächst P. Hermann Heinrich Christian Kottmeier (amt. 1931-1936) die Pfarrstelle, der Mitglied der NSDAP war. Ihm folgte P. Paul Hermann Heinrich Rümenapf (amt. 1937-1952), der bis etwa 1936 zu den DC gehört hatte.27 Die 1933 gewählten Kirchvorsteher gehörten alle der NSDAP an, wie P. Rümenapf 1946 in seinen Antworten zum „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ angab.28 Zudem hätten „die Ludendorffer“ (Bund für Deutsche Gotterkenntnis), in den 1930er Jahren einen gewissen, aber kleinen Einfluß in Salzhemmendorf gehabt.29 Abschließend merkte P. Rümenapf im Fragebogen von 1946 an: „Eine starke Förderung hat das innerkirchliche Leben durch die Vertriebenen aus den von Polen besetzten Gebieten erfahren.“30 1952 gründete sich ein Kreis der Landeskirchlichen Gemeinschaft im Salzhemmendorf, den einer der Kirchenvorsteher leitete („Flüchtling aus Ostpreussen“). Die Einstellung der Gruppe zu Kirche und Gottesdienst sei „betont positiv“.31
Seit den 1950er Jahren beschäftigte die KG eine Gemeindeschwester; die Schwesternstation ging später in der Sozialstation Hemmendorf-Coppenbrügge auf (gemeinsame Trägerschaft der KG Osterwald, Salzhemmendorf und des Deutschen Roten Kreuzes).
Sinkende Gemeindegliederzahlen in Salzhemmendorf und in den umliegenden Ortschaften führten Ende der 1990er Jahren zu Umstrukturierungen in der Gemeindeorganisation. 1998 gründete sich die Arbeitsgemeinschaft der Ev.-luth. Kirchengemeinden Benstorf, Hemmendorf, Oldendorf, Osterwald, Lauenstein und Salzhemmendorf, aus der 2004 der „Ev.-luth. Gemeindeverband Saaletal“ hervor ging (seit 2014 auch KG Wallensen).32 Inhaltlich, personell und finanziell wollen die KG des Gemeindeverbandes eng zusammenarbeiten, um ihre gemeindlichen Aufgaben besser erfüllen zu können. Die „Ev.-luth. Stiftung Saaletal“, 2003 in Hemmendorf gegründet, unterstützt das kirchliche Leben im Gemeindeverband.

Umfang

Salzhemmendorf.

Aufsichtsbezirk

Als Tochtergemeinde Oldendorfs Teil des Archidiakonats Oldendorf der Diözese Hildesheim.33 – Unterstand 1542 bis 1556 dem LSup. des Fsm. Calenberg, 1564 wohl dem Sup. der Ämter Gronau, Poppenburg und Lauenstein.34 1588/89 zur neuen Insp. Gronau, 1636 zur Insp. Münder.35 Von 1760 bis 1769 bestand in Salzhemmendorf eine eigene Suptur. für das Amt Lauenstein (II. Mündersche Insp.).36 1794 zur neuen Insp. Oldendorf, deren Sitz 1913 nach Coppenbrügge verlegt, seitdem Insp. (1924: KK) Coppenbrügge37 (1936-46 von Sup. des KK Springe verwaltet, ab 1950 Sitz in Hemmendorf). KK Coppenbrügge 1974 in KK Elze eingegliedert, 1975 umbenannt in KK Elze-Coppenbrügge.38 Nach dessen Vereinigung mit KK Bockenem-Hoheneggelsen ab 1. Januar 2005 KK Hildesheimer Land.39 Nach dessen Vereinigung mit KK Alfeld seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze.40

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1937

Kirche, Grundriss, 1937

Breiter Saalbau mit zweigeschossiger Eingangshalle im Westen, erbaut etwa 1610 (Bauinschrift an Eingangshalle). Nordseite des Schiffs möglicherweise auf Fundamenten des Vorgängerbaus, der nach Süden hin verbreitert wurde, Ostturm daher nicht in Mittelachse des Schiffs. An Südseite des Turms Sakristeianbau mit Fachwerkobergeschoss (1688). Satteldach, Sakristei mit Pultdach; Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung; hochrechteckige Sprossenfenster, leicht unterhalb der Traufe kleine, quadratische Fenster; Nordportal („Hochzeitstür“), darüber eingelassenes Epitaph mit Kreuzigungsrelief sowie Inschriften „Harmen Gudereise 1610“ und „Got allein die Ehr“; Eingangshalle mit Bauinschrift „1610“ und verzierenden Renaissanceformen (Postamente mit geflügelten Engelsköpfen; Pilaster, teilweise mit Löwenkopfzier, darüber umlaufendes Gebälk; rundbogiges Portal mit Diamantquaderverzierung). Im Innern ruht die hölzerne, kassettierte Flachdecke auf einer zentralen, marmorierten Holzsäule auf hohem Sockel, Säule verziert mit Ranken, Blüten und Früchten; u-förmige Emporenanlage; Gestühl mit zwei Zwischengängen; Untergeschoss des Sakristeianbaus mit Tonnengewölbe, 1704 neue Innenausmalung, Mitte 18. Jh. Kirchenwände teilweise neu aufgemauert (baufällig), 1812 Gruft unter Kirche geschlossen. 1820 Neugestaltung Innenraum. Gesamtsanierung 1963. Sanierung 1991-94.

Turm

Annähernd quadratischer Ostturm, erbaut vor 1427. Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, Zeltdach mit sechsseitigem, verkupfertem Dachreiter aus offener Laterne und hoch ausgezogenem Helm, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne. Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Westen; schmale, spitzbogige Schallöffnungen im Glockengeschoss (nach Süden gekuppelt, nach Osten eins, nach Norden zwei), Uhrziffernblätter nach Norden und Süden. Turmuhr wohl 1635 vorhanden.41 Im Innern Chorraum mit Kreuzrippengewölbe, eine der Konsolen verziert mit Darstellung eines hockenden Mannes; Gewölbe mit Fresken ausgemalt (wohl zweite Hälfte 15. Jh.42, zwölf Apostel, Schöpfungsgeschichte, Kreuzigung und Auferstehung Christi, Jüngstes Gericht, 1991/92 freigelegt und gesichert); spitzbogiger Durchgang zum Schiff, verstellt mit Kanzelwand; in den Wänden mehrere Nischen. 1781 Turmspitze erneuert. 1833 neue Turmuhr (Firma Furtwängler, Elze). 1960 Turmdach erneuert.

Kanzelaltar, 1973

Kanzelaltar, 1973

Ausstattung

Altar im alten Chorraum (Turm): Sandsteinmensa mit fünf Weihekreuzen, Reliquiengrube und Inschriften: „werner’s blamen“ sowie „an[n]o d[omi]ni m cccc xx vii e[st] edificatum“ (Gebaut im Jahr des Herrn 1427) auf gemauertem Stipes aus Bruchsteinen. – Kanzelaltarwand mit hölzernem Altar (1830), in Form einer Tempelfassade, vier Pilaster tragen Gebälk mit Dreiecksgiebel, zentraler Kanzelkorb mit geschrägten Ecken, seitliche, rundbogige Durchgänge zu Sakristei und Chorraum im Turm. – Sandsteintaufe (1610), achtseitiger Taufkessel, verziert u. a. mit geflügelten Engelsköpfen und Fruchtbündeln, Inschrift; „Wer glevbet vnd gedaavft wirt der wirt selig, wer aber nicht glevbet der wirt verdammet werden. 1610“. – Kruzifix (18. Jh.), zeitweise vor Giebel der Kanzelaltarwand, jetzt an Nordwand. – Predella eines Altarretabels (um 1620) mit Abendmahlsbild: ein luth. Pfarrer teilt Brot aus, ein kath. Priester den Wein. – Mehrere Grabsteine: Grabplatte für Leutnant Andreas Leine († 1660), mit Relief des Verstorbenen, Inschrift, nur teilweise erhalten: „… seelig entschlafen seines Alters 57 Iahr a[nn]o 1660 den 25 Febrvary morgens zwischen 9 vnd 10 Vhr ist der edler vnd manvest …“; Grabplatte für Ilse Margaretha geb. Rust († 1668); Grabplatte für Dorothea Elisabeth Niebecker († 1691), Inschrift: „Ierem[ias] Cap[itel] 31. Ich habe die ie und e geliebet darvmb hab ich dich zv mir gezogen avs lavter Gvte“ und „Anno 1689 den 21 t[en] Novemb[er] ist Dorothea Elisabeth Niebecker in diese Weldt gebohren vnd A[nn]o 1691 den 26 t[en] Ian[uar] in Gott seelig entschlafen ihr[es] Alters 1 Iahr 9 Wochen 4 Tage.“; Grabstele für Johann Conrad Bierdemann und seine Frau Anna Maria, Inschrift: „Herr Joh. Conr. Bierdemann gebohren zu Dudensen im Amt Neustad am Rubenberge Ano 1655 ward Subrector in hannover 1683, im Martio Stabsprediger des Hannoverschen Erbprinzen Georgii Ludovici in ungarn 1685, Prediger alhier zu Saltzhemmendorf 1686, starb bey seinen H’ Schwiegersohn dem Amtmann in Thedinghausen und ist alda in der Kirche begraben d. 4. Octr. 1732 Alt. 78 Iahr. Dessen Ehefrau Anna Maria Mavors seel. M. Hennia Mavors Superintendenten zu Staterburg im Wolffenbuttelschen Eickgerichte Tochter gebohren zu Bruggen Gestorben d. 9. April 1721 Alt 56 Iahr und ruhet mit unter diesen Steine“; Grabstein eines unbekannten Schmieds, beschädigte Inschrift: „anno d[omi]ni m ccc xc vii“ (Im Jahr des Herrn 1397).

Kirche, Blick zur Orgel, 1973

Kirche, Blick zur Orgel, 1973

Orgel

1644 Orgel vorhanden, denn der Rat zahlt teilweise Gehalt für Bälgetreter und Organist.43 1704 Orgel verbessert und vergrößert. 1824 neue Orgel, Firma Meyer, Hannover. Neue Orgel 1870, Firma Faber (Salzhemmendorf); altes Gehäuse mit Dreiecksgiebel erhalten. 1912 Neubau einer Transmissionsorgel, Faber & Greve (Salzhemmendorf), 46 (davon 28 Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Fabersche Membranenlade; altes Gehäuse mit Dreiecksgiebel erhalten.44 1951 „nur in ganz beschränktem Umfang“ spielbar; Reparatur und Umdisponierung, ausgeführt von August Faber (Salzhemmendorf), letzte Arbeit August Fabers.45 Nach Gutachten des Orgelrevisors 1973: „25 Register aus 10 Pfeifenreihen“.46 Instandsetzung 1985. Orgelneubau 2010, unter Wiederverwendung eines Teils der Pfeifen und hinter dem historischen Prospekt, ausgeführt von Orgelbau Romanus Seifert & Sohn (Kevelaer), 29 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I d’, Inschrift: „Wieder erstanden künde ich Frieden 1924 Im Weltkriege zerschlagen Waffen zu schmieden 1917. Carl Schatte, Marie Schatte. Unserm einzigen Sohne Karl Schatte, gefallen am 11.6.1918.“, Bild: Christi Himmelfahrt (Bronze, Gj. 1925, J. J. Radler, Hildesheim); II: g’, Inschrift: „Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango. St. Kunibert O.P.N. 1954“, Die Lebenden rufe, ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich (Bronze, Gj. 1954, F. Otto, Bremen-Hemelingen), seit 1972 in Salzhemmendorf. Zwei SG, I: e’’ (Eisen, Gj. 1948, Firma J. W. Weule, Bockenem); II: f’’ (Bronze, Gj. 1653 oder 1657). – Früherer Bestand: Drei LG und eine SG (alle Bronze) bei Brand des Kirchturms 1652 geschmolzen. Drei LG und eine SG (alle Bronze, Gj. 1654, Christoph Kleimann, Lemgo).47 1789: Kirche hat „seit undenklichen Jahren“ keine Glocken, Anschaffung von drei LG. 1880 drei neue LG, I: h’; II: d’; III: gis’ (alle Bronze, Gj. 1880, J. J. Radler & Söhne, Hildesheim). Zwei LG 1917 zu Kriegszwecken abgegeben, als Ersatz 1925 zwei neue LG (beide Bronze, Gj. 1925, Firma Radler, Hildesheim). Zwei Glocken 1942 zu Kriegszwecken abgegeben, als Ersatz eine LG f’ (Eisen, Gj. 1948, J. W. Weule, Bockenem), 1969 abgenommen (klanglich unzureichend, Rostschäden).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1824, zweigeschossiger Bau). – Küsterhaus (Bj. Mitte 18. Jh., zweigeschossiger Fachwerkbau). – Gemeindehaus (Bj. 1994).

Friedhof

Angelegt erste Hälfte 17. Jh.48, erst ganz, nach Erweiterungen nur noch teilweise in kirchlichem Besitz. Seit Mitte der 1970er Jahre kommunal. FKap.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 9855-9876 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 7283-7294 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1995-1999 (Visitationen); D 22a (EphA Coppenbrügge), S 11a, Nr. 7615 (Findbuch PfA)

Literatur

A: Baring, Descriptio Salae, S. 46-110; Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont I, S. 452-457 und II, Abb. 522-538; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1157-1158; Mathies, Taufbecken, S. 145-146; Meyer, Pastoren II, S. 337-338.
B: Herbert Six: 950 Jahre Salzhemmendorf. Ein Beitrag zur Geschichte des Fleckens Salzhemmendorf, 1972.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 132.
  2. UB HS Hildesheim I, Nr. 68. In den gleichfalls auf das Jahr 1022 datierten, jedoch im 12. Jh. gefälschten Urkunden zugunsten des Klosters ist der Ort ebenfalls erwähnt: Svalenhusen (ebd., Nr. 67) und Sualenhusen (ebd., Nr. 69).
  3. UB HS Hildesheim I, Nr. 310.
  4. UB HS Hildesheim I, Nr. 370.
  5. UB HS Hildesheim I, Nr. 537; vgl. auch ebd. Nr. 530. Erstmals erwähnt 1169: salinarum iuxta Hemmendorpe, ebd., Nr. 350.
  6. Ohainski, Lehnregister, S. 73, Nr. 14.
  7. Ohainski, Lehnregister, S. 89, Nr. 62.
  8. Six, S. 11.
  9. Six, S. 12 ff.
  10. Ohainski, Lehnregister, S. 24.
  11. Schwabe, Hausbuch Lauenstein, S. 1 f.; Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 49 und 118 f.
  12. Six, S. 91.
  13. Puhrsch, KK Elze-Coppenbrügge, S. 62.
  14. NLA HA Hann. 83 III Nr. 633, http://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2945281, 30.08.2018; Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont I, S. 452; Six, S. 49.
  15. Six, S. 51, Zitat ebd.
  16. Jarck, Kirchengeschichte Lauenstein, S. 172 f. [S. 18 f.].
  17. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, Herrschaft, S. 47 ff.
  18. Kayser, Kirchenvisitation, S. 360.
  19. Six, S. 51 ff.; Baring, Descriptio Salae, S. 92.
  20. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.; Butt, Herrschaft, S. 65 ff.
  21. Six, S. 53.
  22. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 221.
  23. Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont II, Abb. 531.
  24. Six, S. 55.
  25. Meyer, Pastoren II, S. 337 f. P. Heinrich Konrad Bierdemann (amt. 1732-1740) war vor seiner achtjährigen Amtszeit bereits 15 Jahre als Hilfspfarrer seines Vaters, P. Johann Konrad Bierdemann (amt. 1686-1732), in Salzhemmendorf tätig.
  26. Obenaus, Handbuch II, S. 1336-1344. Ausführlich: Gelderblom, Juden, S. 78 ff.
  27. LkAH, S 1 H III Nr. 112, Bl. 14; LkAH, L 5h unverz., Osterwald, Visitation 1936.
  28. LkAH, S 1 H III Nr. 112, Bl. 14.
  29. LkAH, L 5h, unverz., Salzhemmendorf, Visitation 1952.
  30. LkAH, S 1 H III Nr. 112, Bl. 15.
  31. LkAH, L 5h, unverz., Salzhemmendorf, Visitation 1952.
  32. KABl. 1998, S. 174 f.; KABl. 2004, S. 65 f.; KABl. 2014, S. 66 ff. und 68.
  33. Kleinau, Neuer Text, S. 93.
  34. Butt, Herrschaft, S. 50 und 65.
  35. Schlegel, Reformationsgeschichte II, S. 646 und 519.
  36. Puhrsch, KK Elze-Coppenbrügge, S. 62.
  37. KABl. 1913, S. 51.
  38. KABl. 1974, S. 115; KABl. 1975, S. 4.
  39. KABl. 2005, S. 5 ff.
  40. KABl. 2011, S. 70 ff.
  41. Six, S. 55.
  42. Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1157.
  43. Six, S. 55.
  44. LKA, G 9 B/Salzhemmendorf, Bl. 1.
  45. LKA, G 9 B/Salzhemmendorf, Bl. 9.
  46. LKA, G 9 B/Salzhemmendorf, Bl. 32.
  47. Six, S. 56.
  48. Six, S. 55.