Seit 1949 Bremische Ev. Kirche | Patrozinium: – | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich lässt sich der heutige Stadtteil von Bremen erstmals 1238 als Hemelinge belegen.1 Der Ort gehörte zum Gogericht Achim des Erzstifts Bremen (dat richte twischen Langwedel unde Bremen).2 Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde das Erzstift Bremen säkularisiert und kam zusammen mit dem ebenfalls säkularisierten Hochstift Verden unter schwedische Herrschaft (vereinigte Herzogtümer Bremen-Verden). Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Dänemark 1712 Bremen-Verden und 1715 konnte das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) die beiden Herzogtümer erwerben (1719 von Schweden gegen weitere Zahlung anerkannt) und Hemelingen kam somit zusammen mit dem gesamten Gogericht Achim unter welfische Herrschaft. In französischer Zeit gehörte Hemelingen 1810 kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und zählte dann bis 1813 zum Kanton Achim im Arrondissement Bremen des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach zählte der Ort, nun im Kgr. Hannover, zunächst wieder zum Gogericht Achim, ab 1852 zum Amt Achim. Mit der Annexion des Kgr. Hannover wurde Hemelingen 1866 preußisch und kam bei Einführung der Kreisverfassung 1885 zum Lkr. Achim. 1929 wurde Arbergen nach Hemelingen eingemeindet und 1939 Hemelingen nach Bremen; der gleichnamige Stadtteil umfasst außer Hemelingen noch die Ortsteile Arbergen, Hastedt, Mahndorf und Sebaldsbrück. Bis zur Mitte des 19. Jh. war Hemelingen ein „reines Bauerndorf“; beginnend mit dem Umzug der bremischen Zigarrenindustrie wandelte sich das Dorf zum Fabrikort.3 1902 wurde der Weserhafen Hemelingen eröffnet. 1924 beschrieben die Ortspfarrer die Gemeinde als „Vorortgemeinde einer Grossstadt“, als „Fabrikort mit fluktunierender [sic] Bevölkerung“ sowie als „Industriegemeinde“ und sprachen zudem von der „Buntscheckigkeit der Bevölkerung“.4 1930 heißt es: „Die Gemeinde besteht zum allergrössten Teile aus Arbeitern […] Die Fabrikanten wohnen aber zum grössten Teil auf Bremer Gebiet.“5 Im Jahr 1813 lebten knapp 390 Menschen in Hemelingen, 1845 knapp 680, 1858 rund 2.275, 1905 gut 7.210, 1955 etwa 12.000 und 2017 knapp 11.090.
Kirchlich gehörte Hemelingen ursprünglich zum Kirchspiel Arbergen. Als seit Mitte des 19. Jh. die Bevölkerung Hemelingens schnell wuchs, beschloss der KV Arbergen auf Druck des Konsistoriums in Stade die Einrichtung einer eigenen Pfarrkollaboratur für diesen Teil des Kirchspiels. Errichtet im August 1878 übernahm als erster P. coll. Adolf Heinrich Otto Armknecht (amt. 1880–1883) die neue Stelle.6 Die Gottesdienste fanden zunächst in der Schule statt. Schon 1878 hatte sich ein Kirchenverein gegründet, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, „die Unterhaltung eines evangelischen Gottesdienstes am hiesigen Orte“ sicherzustellen.7 1880 kam ein ev. Männer- und Jünglingsverein hinzu, zu dem später auch ein Posaunenchor und ein gemischter Chor gehörten.
Die Gründung einer eigenständigen KG Hemelingen, zu der es 1890 kam, hatte die ref. und aus Bremen stammende Unternehmerfamilie Wilkens wesentlich unterstützt (Silberwarenfabrik M. H. Wilkens & Söhne). Sie schenkte das Grundstück für Kirche und Pfarrhaus, finanzierte 1886 den Pfarrhausbau und nahm auch den Kirchenbau in Angriff. Wilhelm Wilkens ließ den Hannoveraner Architekten Karl Börgemann einen Entwurf anfertigen und stimmte das Bauprojekt mit den staatlichen Behörden ab. Da er den Kirchenbau jedoch ohne das Konsistorium in Stade plante und auch keine kirchliche Genehmigung eingeholt hatte, stellte sich das Konsistorium zunächst gegen das Projekt und verbot den Kirchenkommissarien die Teilnahme an der Feier zur Grundsteinlegung am 10. Juni 1888. Den Sup. des KK Verden erreichte das Verbot jedoch zu spät. P. Otto Oeters (amt. 1910–1930, ab 1917 erster Pfarrer) nahm „eine Auswirkung von reformierter Grundeinstellung und Bremischen Individualismus“ als Grund für Wilkens’ Distanz zur Kirchenbehörde an. „Etwas wie eine Kirchenbehörde hat es in Bremen bis etwa 1925 in nachreformatorischer Zeit nicht gegeben. Auf eigene Faust baute man in Hemelingen eine evang. Kirche. Als die Kirchenbehörde in Hannover davon Kunde erhalten und sich in der Angelegenheit eine Anfrage erlaubte, antwortete Herr Wilkens, dem Konsistorium könne es ganz gleichgültig sein, ob man in Hemelingen eine Scheune oder Kirche baue.“8 Nachdem ein Stader Kirchenbaurat bei der Besichtigung des Baus nichts zu beanstanden hatte finden können, gab das Konsitorium seinen Widerstand auf. Im Frühjahr 1890 war die Hemelinger Kirche fertig; die Baukosten beliefen sich auf etwa 106.000 Mark, von denen die Gemeinde 7.500 übernahm und die Familie Wilkens den Rest.
Die Einweihung der neuen Kirche verzögerte sich noch, da zunächst verschiedene Fragen mit dem Konsistorium geklärt werden mussten. Der Hemelinger Kirchenverein hatte die Eigentumsübertragung von Pfarrhaus und Kirche an die zu gründende KG Hemelingen zunächst an mehrere Bedingungen knüpfen wollen: eine Beihilfe des Konsistoriums zur Dotation der Pfarrstelle, eine Nichtverpfändungsgarantie sowie hinsichtlich des KV sowohl aktives als auch passives Wahlrecht für Angehöriger anderer ev. Konfessionen.9 Die letzte Bedingung bezog sich in erster Linie auf die etwa 350 ref. Einwohnerinnen und Einwohner Hemelingens (Lutheraner: rund 2.000). Der Verein ließ diese Bedingungen schließlich fallen und bestand lediglich auf die Zusage, dass die ref. Gemeindeglieder außerhalb der Hauptgottesdienstzeiten die neue Kirche auf alle Zeiten für ref. Gottesdienste und Abendmahlsfeiern nutzen durfte.10
Am 1. Juni 1890 weihte GSup. Hermann Steinmetz (Generaldiözese Bremen-Verden), zusammen mit Sup. Heinrich Wilhelm Dieckmann (Insp. Verden) und P. coll. Johann Rudolf Konrad Visbeck (amt. 1890) die Hemelinger Kirche ein.11 Der Chor und der Posaunenchor des ev. Männer- und Jünglingsvereins wirkte am Festgottesdienst mit. Am 19. Oktober wählten die Hemelinger ihren KV; am 9. November 1890 schied Hemelingen aus wurde dem Kirchspiel Arbergen aus und die neue ev.-luth. KG Hemelingen wurde gegründet.12 Die Pfarrstelle übernahm als erster P. Hermann Heinrich Wilhelm Brinkmann (amt. 1891–1907).
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. war auch die Zahl der kath. Christen in Hemelingen gestiegen. Seit 1863 versorgte ein Missionar der Diözese Hildesheim die seinerzeit etwa 300 kath. Einwohner.13 1866 übernahm der Missionar Carl Otto die kath. Gemeinde, der 1873/74 zusammen mit seinem Bruder Franz die Glockengießerei F. Otto gründete.14 Im Jahre 1898 begann der Bau der Kirche, die 1900 als St. Joseph Kirche geweiht wurde (seit 1969 St. Godehard). 1907 wurde Hemelingen zur Pfarrei erhoben.
Aufgrund der wachsenden Zahl der ev. Gemeindeglieder erhielt die ev. KG Hemelingen 1903 eine Pfarrkollaboratur, die 1910 in eine zweite Pfarrstelle umgewandelt wurde.15 Als 1914 das Eisenbahnausbesserungswerk mit etwa 3.000 Angestellten und Arbeitern nach Sebaldsbrück umzog, nahm der KV noch während des Ersten Weltkriegs Verhandlungen über die Errichtung einer dritten Pfarrstelle und den Bau einer Kirche auf. Verwirklicht werden konnten die Pläne vorerst nicht. Für die Gottesdienste in der Eisenbahnkolonie diente behelfsmäßig eine „Baracke, die die Eisenbahnverwaltung nicht mehr brauchte“.16
In Trägerschaft des überkonfessionellen Armen- und Kranken-Pflegevereins, in dem der ev. Pfarrer den Vorsitz innehatte, war 1902 die Gemeindeschwesternstation entstanden (zwei Schwestern, ab 1930 drei; eine erste Schwesternstation war bereits 1880 auf Initiative von Minna Wilkens gegründet worden).17 Die Anfänge des ev. Kindergartens Hemelingen reichen ebenfalls zurück bis zur Jahrhundertwende: 1901 gründete Diedrich Wilkens eine Warteschule für Kinder, deren Mütter in der Silberwarenfabrik Hemelingen arbeiteten. In den 1920er Jahren betreute der Armen- und Kranken-Pflegeverein diese Einrichtung, die im Pfarrhaus Sonnenstraße untergebracht war und Kindern bis zum Alter von zehn Jahren offenstand. Zur gleichen Zeit unterhielt der Vaterländische Frauenverein, in dem der Pfarrer Schriftführer war, eine Krippe für Kinder bis zu zwei Jahren.18 Weitere kirchliche Vereine waren der 1902 gegründete Jungfrauenverein und der 1914 von P. Otto Oeters gegründete ev. Arbeiterverein (um 1933 aufgelöst).19 1904 erhielt die KG überdies das Vereinshaus des ev. Männer- und Jünglingsvereins zum Geschenk, das Heinrich Wilkens 1891 hatte bauen lassen (1944 zerstört).
In seinen etwa Mitte der 1930er Jahre verfassten Erinnerungen beschreibt P. Otto Oeters (amt. 1910–1930, ab 1917 erster Pfarrer) auch die konfessionelle Situation in Hemelingen in den 1920er Jahren. Innerhalb der ev.-luth. Gemeinde (1910: 6.500 Gemeindeglieder, 1930: 8.000) existierte eine kleine ev.-ref. Gruppe. „Ausserdem bestand seit 1863 eine römisch-katholische Gemeinde von etwa 1500 Seelen mit angegliederten Angehörigen der griechisch-katholischen Kirche. Daneben fanden sich mannigfaltige Sektierer: Baptisten, Angehörige der hessischen Pfingstgemeinschaft, Adventisten, Mitglieder der Rönnebecker Mission. Wiederholt machte die Heilsarmee mit ihrer Bekehrungspraxis Werbeversuche, jedoch ohne Erfolg. Endlich ga[b] es aus der Kirche Ausgetretene. 1910 waren es nur einige Wenige, bis 1930 steigerte sich ihre Zahl auf etwa 600.“20 Nachdem die KG Hemelingen ihre große Glocke im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben hatte, schaffte sie 1927 ein neues Geläut aus insgesamt drei Glocken an, das harmonisch auf die vier Glocken der kath. Kirche abgestimmt war: „So hatte Hemelingen ein grösseres Geläute als der Bremer Dom“, wie P. Oeters formuliert.21
Am Anfang der NS-Zeit hatten P. Ernst Karl Röbbelen (amt. 1931–1936, wieder 1955–1962) und P. Hermann Heinrich Christoph Kruse (amt. 1933–1948) die beiden Hemelinger Pfarrstellen inne. Kurz nach der Reichstagswahl 1936 nahm die Gestapo P. Röbbelen kurzzeitig in Schutzhaft und verbot ihm anschließend den Aufenthalt in Hemelingen. Im Bericht über die Visitation 1937 umriss der Sup. der KK Verden knapp die Hintergründe: „Pastor Röbbelen hatte bei einer politischen Wahl eine schriftliche, von ihm unterzeichnete Erklärung abgegeben, des Inhalts, dass er zwar zum Führer des Reiches stehe, vor allem auch seine Aussenpolitik vertrete, aber Baldur v. Schirach und Rosenberg, den Kündern einer neuen Weltanschauung seine Stimme nicht geben könne.“ Als das bekannt wurde, oder vielmehr als das durch Laufzettel usw. in Hemelingen verbreitet wurde, entstanden Tumulte vor der Pfarrwohnung.“22 Eine Rückkehr P. Röbbelens in seine Gemeinde konnte die Kirchenleitung nicht durchsetzen. Ebenfalls im Visitationsbericht 1937 charakterisierte der Sup. die KG Hemelingen als „eine der schwierigsten unserer Landeskirche“, die „früher zu einem nicht geringen Teil aus kirchenfeindlichen Kommunisten“ bestanden hätte.23 Zur kirchenpolitischen Situation schrieb P. Kruse: „Die Gegensätze sind ja jetzt auch nicht mehr positiv und lieberal [sic] sondern D. C. und bekennende Gemeinde. In der Bremer Nachbarschaft sind durchweg D. Cer, wenn auch scheinbar in milderer Form“.24
Nachdem Hemelingen 1939 in die Stadt Bremen eingemeindet worden war, übernahm ein Jahr später Hanns Kerrl, Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten, die Neuordnung auch für den kirchlichen Bereich. Kirchenrechtlich wurde der Landeskirchenwechsel erst 1949 wirksam: Zusammen mit den KG Arbergen, Aumund, Blumenthal, Grohn und Lesum verließ die KG Hemelingen die Landeskirche Hannovers und schloss sich der Bremischen Ev. Kirche an.25 Die ehemals hannoverschen Gemeinden gehören zum Ev.-Luth. Gemeindeverband in der Bremischen Ev. Kirche. 1956 konnte in Sebaldsbrück ein Kirchsaal eingeweiht werden und 1958 wurde für diesen dritten Pfarrbezirk die schon während des Ersten Weltkriegs gewünschte Pfarrstelle, die der bisheriger Vikar P. Hartwig Amman (amt. 1956/58–1978) übernahm.26 1959 erhielt der Kirchsaal den Namen „Notkirche des Guten Hirten“ und im Februar konnte der Grundstein für das Gemeindezentrum gelegt werden. Zum 1. April 1962 trennte sich der dritte Pfarrbezirk von der KG Hemelingen und machte sich als KG des Guten Hirten eigenständig. Am 11. November konnte die neue Gemeinde ihr Gemeindezentrum einweihen.

Pfarrstellen

I: (1878) 1891, „Pfarrstelle in Alt-Hemelingen“.27 – II: (1903) 1910, „Pfarrstelle in Neu-Hemelingen“.28 – III: 1958.

Umfang

Hemelingen.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1890 zum KK Verden. Seit 1949 Teil der Bremischen Ev. Landeskirche.

Kirchenbau

Neugotischer Backsteinbau mit kreuzförmigem Grundriss, niedrigerem Polygonalchor und Sakristeianbau an der Westseite des Chors, nordnordöstlich ausgerichtet, erbaut 1888–90 (Architekt: Karl Börgemann, Hannover), seit 1996 unter Denkmalschutz. Kupfergedeckte Sattel- und Querdächer, Walmdach über dem Chor. Strebepfeiler; reicher Trauffries, zweigeschossige Fenstergliederung: an den beiden Langhausjochen unten zwei kleine Spitzbogenfenster, darüber zweibahniges Spitzbogenfesnter mit Backsteinmaßwerk, an den Giebelseiten der Querhausarme unten vier kleine Spitzbogenfenster, darüber großes, vierbahniges Spitzbogenfenster mit Backsteinmaßwerk; am Chor einbahnige Spitzbogenfenster. Im Innern holvertäfelte, trapezförmige Decke, Apsis gewölbt; spitzer Triumphbogen zwischen Chor und Schiff; in Lang- und Querhaus u-förmige Emporenanlage auf schlanken Stützen, die gleichzeitig die Deckenkonstruktion tragen, Empore im Süden zweistöckig. 1930 Neuausmalung. August 1944 Kirche bei Luftangriff getroffen.29

Fenster

Fenster in Chor, Quer- und Langhaus mit figürlichen Glasmalereien verziert, ursprünglich gestiftet 1890 von Friedrich Wilhelm Wilkens (mittleres Chorfenster mit Auferstehungsszene). 1923 wurden „die bunten Kirchenfenster nach der Straßenseite zu zertrümmert“.30 Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs neue Fenster eingebaut: Ein farbiges Glasfenster, gestiftet 1959 von Installationsfirma Erich Osmers. Ein farbiges Glasfenster (1960, Ruth Elisabeth van Beeck, Bremen), gestiftet von der ev. Frauenhilfe. Zwei farbige Glasfenster (1960, Ruth Elisabeth van Beeck, Bremen), gestiftet von Margaret und Johann Weigmann sowie von Heinrich Bunge. Zwei farbige Glasfenster (1961, Ruth Elisabeth van Beeck, Bremen), gestiftet von der Familie Wellhausen sowie von Adolf Wragge. Zwei farbige Glasfenster (1962, Ruth Elisabeth van Beeck, Bremen), gestiftet von einem Handwerksmeister und mehreren Gemeindegliedern. Ein farbiges Glasfenster (1966, Ruth Elisabeth van Beeck, Bremen), gestiftet von einem Gemeindeglied.

Turm

Südturm mit seitlichen Treppentürmen, verkupferter Turmhelm mit rechteckigem Ansatz und achteckig ausgezogener Spitze, bekrönt mit Kugel und Wetterhahn; vier Uhrerker. Backsteinmauerwerk, an den Seitentürmen schlichte Spitzbogenfenster, Nebenportale nach Süden; im Glockengeschoss je zwei lanzettartige, spitzbogige Schallfenster, an der Südseite darunter fünf spitzbogige Blendnischen; nach Süden Wimperg mit flachbogigem Hauptportal, darüber Rosettenfenster. Turmuhr (1901, J. F. Weule, Bockenem), gestiftet von der Hemelinger Jutespinnerei. 1928/29 Schieferdeckung durch Kupferdeckung ersetzt. 1982 neues Kupferdach.

Ausstattung

Altartisch aus Sandstein, neugotisches Altarretabel aus Eichenholz (1890), verziert mit Wimperg und Fialen, in der Mitte Mandorla mit Kreuz und Inschrift: „Christus ist durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden“, in den kleinen Nebenfeldern Schnitzfiguren (Moses und Johannes der Täufer), darüber zwei Engelsfiguren mit Patene und Kelch, in der Predella vier geschnitzte Brustbilder (Abel, Melchisedek, Isaak, Aaron), Altar gestiftet von Heinrich Wilkens. – Leicht erhöhte Kanzel aus Eichenholz (1890), an den Wandungen des Kanzelkorbs geschnitzte Figuren der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, Kanzel, gestiftet von Heinrich Wilkens. – Taufe mit achtseitigem Schaft und achtseitigem Becken, am Beckenrand Blendnischen mit Dreipassbögen.

Orgel

Zunächst kleine Orgel der Firma Estey (bei Einweihung der Kirche).31 1890 Orgelneubau, ausgeführt von P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 16 II/P, mechanische Traktur, Kegelladen (Opus 261), Instrument aufgestellt auf der oberen Südempore, gestiftet von Martin Wilkens.32 1913 Umbau und Erweiterung auf 19 II/P, Manual II mit pneumatischer Traktur, Manual I und Pedal mechanisch. 1917 Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken abgegeben, um 1926/27 neue Pfeifen eingesetzt. Um 1931 Umbau und Änderung der Disposition, ausgeführt von Ernst Josef Schindler (Bremen), 19 II/P, pneumatische und mechanische Traktur; Instrument 1965 abgebaut. 1964/65 Orgelneubau, ausgeführt von Alfred Führer (Wilhelmshaven), 26 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 454), Instrument aufgestellt auf der Empore im westlichen Querhausarm.

Geläut

Vier LG, I: cisʼ, Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe“; II: eʼ, Inschrift: „Liebet euch untereinander“; III: fisʼ, Inschrift: „Seid fröhlich in der Hoffnung, haltet an am Gebet“ (alle Bronze, Gj. 1954, F. Otto, Bremen-Hemelingen); IV: gisʼ (Bronze, Gj. 1962, F. Otto, Bremen-Hemelingen), gewidmet den Opfern beider Weltkriege, gestiftet von den Torfitwerken.33 –Früherer Bestand: Eine LG, esʼ (Bronze, Gj. 1889, F. Otto, Hemelingen), 1901 umgegossen bei Herstellung des neuen Geläuts.34 Zwei LG, I: eʼ, Inschrift: „Geschenkt von der Familie Thier, Ostern 1901. O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“; II: fʼ, Inschrift: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe in Ewigkeit“ (beide Bronze, Gj. 1901, F. Otto, Hemelingen), LG I im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben; LG II 1927 bei Herstellung des neuen Geläuts umgegossen.35 Drei LG, I: cisʼ, Inschriften: „Ehre sei Gott in der Höhe“ und „Ich wurde gegossen 1927“; II: eʼ, Inschriften: „Liebet euch untereinander“ und „Ich wurde infolge des Weltkrieges gegossen 1927“; III: fisʼ, Inschriften: „Seid fröhlich in der Hoffnung, haltet an am Gebet“ und „Ich wurde Ostern 1901 von der Familie Thier als F-Glocke geschenkt; O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort! Ich wurde infolge des Weltkrieges 1927 umgegossen als Fis-Glocke“ (alle Bronze, Gj. 1927, F. Otto, Hemelingen), LG I und II im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, LG III erhalten, wohl 1954 bei Anschaffung des neuen Geläuts eingeschmolzen.36

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1886), Inschrift: „Evangelisches Pfarrhaus 1886“, seit 1996 unter Denkmalschutz. – Gemeindehaus Christernstraße (Bj. 2017/18). – Altes Gemeindehaus (Bj. 1952). – Gemeindehaus Bultstraße (Bj. 1979).

Friedhof

Kommunaler Friedhof im Süden Hemelingens.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1. Pfarrstelle: 1891–1907 Hermann Heinrich Wilhelm Brinkmann. – 1907–1910 Heinrich Georg August Wellhausen. – 1911–1917 Johannes Kurt August Spanuth. – 1917–1930 Otto Franz Johann Oeters. – 1931–1936 Ernst Karl Röbbelen. – 1937– Walter Friedrich Wilhelm Nolte.
2. Pfarrstelle: 1910–1917 Otto Franz Johann Oeters. – 1917–1933 Karl Gustav Georg Heintze. – 1933–1948 Hermann Heinrich Christoph Adolf Kruse.
Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 486 (mit Ergänzungen)

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 5 Nr. 890, 894, 897 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 3524–3530 (Pfarrbestallungsakten); B 1 A Nr. 1511 (Generalakten LKA); Kons. Stade, A 6 Nr. 3524–3525 (Akten des Konsistoriums in Stade); L 5g Nr. 88–90 (LSuptur. Stade); N 51 (Nachlass Otto Oeters); N 89 (Nachlass Johannes Spanuth).

Literatur & Links

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 54; Heitmann, Bremische Kirche, S. 69–71; Meyer, Pastoren I, S. 486; Müller-Benedict/Amman, Bremer Pfarrerbuch I, S. 82; Pape/Topp, Orgeln Bremen, S. 264–265; Schomburg, Ortsverzeichnis Land Bremen, S. 25–26.
B: Glockenweihe in der evangelisch-lutherischen Kirche zu Hemelingen, Hemelingen 1927; Klaus Düwel: Die industrielle und kommunale Entwicklung des Fabrikortes Hemelingen, Göttingen 1958; Otto Oeters: Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Hemelingen bis 1930 (Auszug aus Familienbuch der Oeters), Typoscript, [nach 1934], bes. S. 17–54; Friedrich Rauer: Hemelingen. Notizen zur Vergangenheit, Bremen 1987; Johann Rudolf Konrad Visbeck: Andenken an die Einweihung der Kirche zu Hemelingen am Trinitatissonntage des Jahres 1890, Hannover 1890.
Internet: Denkmaldatenbank Bremen, OBJ-Dok-nr. 00001204, 00001206, 00001223

GND

1029052778, Evanglische-Lutherische Kirchengemeinde Hemelingen


Fußnoten

  1. Bremisches UB I, Nr. 209.
  2. Lehe, Herzogtum Bremen, S. 102.
  3. Vgl. ausführlich Düwel, S. 13 ff. (Zitat: S. 10). Die Bremer Zigarrenfabrikanten verlagerten die Produktion ab 1854 nach Hemelingen, das zum Gebiet des Deutschen Zollvereins gehörte, dem die Hansestadt Bremen erst 1888 beitrat.
  4. LkAH, L 5g, Nr. 88 (Visitation 1924).
  5. LkAH, L 5g, Nr. 89 (Visitation 1930).
  6. Zum Folgenden: Düwel, S. 137 ff.; Rauer, S. 163 ff.; Oeters, S. 17 ff. Weitere Pfarrkollaboratoren: P. coll. Heinrich Friedrich Wilhelm Müller (amt. 1884–1885), P. coll. Hermann Reinhard Schädla (amt. 1884–1887), P. coll. Friedrich August Scheer (amt. 1888), P. coll. Ed. Harder (amt. 1888–1889).
  7. Oeters, S. 17 f.
  8. Oeters, S. 35. Er fährt fort: „Als dann der erste Geistliche von der Kirchenbehörde nach Hemelingen abgeordnet wurde, verschloss Herr Wilkens ihm das Pfarrhaus. ½ Jahre musste er woanders zur Miete wohnen.“ Vermutlich ist dies auf P. Hermann Heinrich Wilhelm Brinkmann (amt. 1891–1907) zu beziehen.
  9. Rauer, S. 166 f.
  10. Nach Ende des Ersten Weltkriegs machte die ref. Gemeinde keinen Gebrauch mehr von diesem Recht, LkAH, L 5g, Nr. 88 (Visitation 1924).
  11. Zur Einweihung vgl. Visbeck, S. 5 ff.
  12. KABl. 1890, S. 49 f. und 76 f.
  13. Zum Folgenden: Düwel, S. 135; Rauer, S. 184 ff.
  14. Reinhold, Kirchenglocken, S. 52 f.
  15. KABl. 1904, S. 20; KABl. 1910, S. 37.
  16. Oeters, S. 20.
  17. Oeters, S. 31 und 28; Rauer, S. 164; LkAH, L 5g, Nr. 89 (Visitation 1930).
  18. Oeters, S. 28. Zum bis heute bestehenden ev. Kindergarten kam 2010 die Krippe „Kinderhaus Bultstraße“ hinzu.
  19. Oeters, S. 36 und 38. Oeters lässt sich als „rechtsstehender“ Pfarrer einordnen: Er kritisierte das „verheerende Personalgemeinden-System“ in Bremen, das es jeder Gemeinde ermöglichte, den eigenen Pastor zu wählen. Über den Pfarrer der bremischen Nachbargemeinde schrieb Oeters, er sei „ein zugleich als sozialistischer Agitator sich betätigender religiös-sozialer Geistlicher“, der sich ohne seine Zustimmung auch innerhalb der KG Hemelingen betätigt habe und fasst zusammen: „Das wäre nicht so bedenklich gewesen, wenn es sich dabei um rechtsstehende Bremer Geistliche gehandelt hätte“, Oeters, S. 27.
  20. Oeters, S. 25 f. Höhepunkt der „Austrittsbewegung“ war 1923, als 140 Gemeindeglieder aus der Kirche austraten, vgl. ebd., S. 54. Grund war anscheinend die Einführung von Kirchensteuern in Bremen, die zur einer Kirchenaustrittsbewegung führt, die wiederum „ihre Wellen nach Hemelingen hinüberschlagen“ ließ, LkAH, L 5g, Nr. 88 (Visitation 1924).
  21. Oeters, S. 39.
  22. LkAH, L 5g, Nr. 90 (Visitation 1937). Die Visitation war eigentlich für 1936 vorgesehen gewesen und musste wegen des Aufenthaltsverbots für P. Röbbelen verschoben werden. P. Röbbelen übernahm 1937 die Pfarrstelle für Langenholzen, Sack und Hörsum; 1955 kehrte er nach Hemelingen zurück. Siehe auch: https://www.spurensuche-bremen.de/hemelinger-pastor-roebbelen-in-schutzhaft-genommen/, 29.10.2020.
  23. LkAH, L 5g, Nr. 90 (Visitation 1937).
  24. LkAH, L 5g, Nr. 90 (Visitation 1937).
  25. KABl. 1948, S. 118 ff. Müller-Benedict/Amman, Bremer Pfarrerbuch I, S. 77; Rauer, S. 181.
  26. Zum Folgenden: Rauer, S. 186.
  27. KABl. 1890, S. 49 f.; LkAH, L 5g, Nr. 88 (Visitation 1924).
  28. KABl. 1904, S. 20; KABl. 1910, S. 37; LkAH, L 5g, Nr. 88 (Visitation 1924).
  29. Rauer, S. 310.
  30. Oeters, S. 53.
  31. Visbeck, S. 8.
  32. Zum Folgenden: Pape/Topp, Orgeln Bremen, S. 264 f.
  33. Reinhold, Kirchenglocken, S. 508 und 512; Rauer, S. 182.
  34. Reinhold, Kirchenglocken, S. 471; zum Folgenden insgesamt: Glockenweihe, S. 3 ff. und Reinhold, Kirchenglocken, S. 238 f.
  35. Reinhold, Kirchenglocken, S. 477; Rauer, S. 181.
  36. Reinhold, Kirchenglocken, S. 491.