Seit 1949 Bremische Ev. Kirche | Patrozinium: Johannes der Täufer1 | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Haufendorf an der Straße zwischen Bremen und Verden, 1230 als Ortschaft erstmals erwähnt. Das nach A. benannte Adelsgeschlecht erscheint erstmals 1158 mit Fremold von Arbergen und seinen Söhnen Heinrich und Konrad und ist wohl im 14. Jh. erloschen.2 Seit dem frühen 13. Jh. besaß das Bremer Domkapitel in Arbergen ein Haus3, dessen Verwaltung der erzbischöflichen Vogtei Langwedel oblag. Die Bremer Ebf. übten später auch die Landesherrschaft aus, wenngleich sich die Stadt Bremen nachweislich seit dem 15. Jh. (vergeblich) um die Einbeziehung des Dorfes in ihren Hoheitsbereich bemühte. Mit dem Territorium des Erzstifts Bremen kam Arbergen 1648 an Schweden, 1715 an Dänemark und 1715 an Kurhannover.
Die Send- und Taufkirche in Arbergen gehörte zu den ältesten Kirchen des Bremer Umlands. Ein erster Kirchenbau aus Holz wurde wohl Ende des 12. Jh./um 1200 auf Veranlassung des Domherrn Dietrich Clüver durch einen Massivbau ersetzt. 1331 wurde der Pfarrer von Arbergen verpflichtet, wöchentlich eine Heilige Messe sowie an den Festtagen des Apostel Jakobus und der Heiligen Nikolaus und Stephanus ein Hochamt zu feiern. Für die Dotierung traten ihm die Einwohner von Mahndorf einige Gemeindeländereien ab.4 Später wird Johannes Berken, Priester in Arbergen, als Zeuge genannt.

Kirche, Ansicht von Südosten, 1948, Zeichnung von Herbert van Dam

Kirche, Ansicht von Südosten, 1948, Zeichnung von Herbert van Dam

In vorref. Zeit gab es zwei Kapellen in Mahndorf (St. Nicolai) und Uphusen (St. Jacobus), für die die Clüver als mutmaßliche Stifter das Präsentationsrecht ausübten. Beide gingen nach der Reformation ein. Die Güter der Kapelle in Mahndorf fielen an die dortigen Einwohner, die von Uphusen wurden von den Clüver vereinnahmt. Die Kapelle in Mahndorf wurde in ein Wohnhaus umgebaut, die in Uphusen abgebrochen.
Die Reformation fand in Arbergen 1556 Eingang. In diesem Jahr gab der kath. Priester Heinrich von Lübbeken seinen Dienst auf. Als Pfründeinhaber wurde er mit einer Geldzahlung abgefunden. Sein in der Pfründeeinsetzungsurkunde vom 18. Dezember 1556 noch als kath. bezeichneter Nachfolger Hilmer Hilmers, vordem schon als mercenarius in Arbergen tätig, wechselte wenig später zum luth. Bekenntnis. Ihm folgten 1582 sein Sohn Georg Hilmers und 1627 dessen gleichnamiger Sohn († 1664).
Die romanische Kirche des 12. Jh. war um 1700 abgängig. An ihrer Stelle errichtete die Gemeinde unter P. Gerhard Heisius mit finanzieller Unterstützung des auf Gut Clüverswerder ansässigen Generalleutnants von Klinkowström und unter Nutzung vorhandener Fundamente einen Neubau, für den der Landbaumeister Georg Vick (Hannover) die Pläne fertigte. Einweihung am 12. November 1719.
Mit zunehmender Industrialisierung entwickelte sich Arbergen ab etwa 1860 zu einer Arbeitervorstadt Bremens. Daneben wuchs auch das benachbarte und nach Arbergen eingepfarrte Hemelingen mit seinem Weserhafen zu einem bedeutenden Industriestandort heran. Um den veränderten Verhältnissen Rechnung zu tragen, wurde in Hemelingen 1878 eine Pfarrkollaboratur eingerichtet und die Gemeinde 1890 verselbständigt. Arbergen selbst wurde 1939 in das Bremer Staatsgebiet eingegliedert. Infolgedessen wechselte auch die KG zum 1. Januar 1949 in die Bremische Ev. Kirche (Vertrag vom 23. Dezember 1948). Sie bildet dort mit anderen umgegliederten Gemeinden einen luth. Gemeindeverband.5

Umfang

Die Dörfer Arbergen, Bollen, Borstel, Hemelingen, Mahndorf und Uphusen, das Landgut Collshorn und die Höfe und einzelnen Häuser Boller Esch, Boller Grummenstrich, Hemelinger Bracke, Hemelinger Windmühle, Mahndorfer Grummenstrich, Mahndorfer Clümoor, Sonnenberg, Stackkamp und Uphuser Ellern [1823]. Die Gemeinde Hemelingen wurde mit dem 9. November 1890 verselbständigt.6

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Dompropstes. – 1652 zum Bremischen KK, dessen Sitz mit der Abtretung des Bremer Doms an die Stadt Bremen 1803 nach Achim verlegt wurde. Durch Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Hzm. Bremen und Verden ab 1. Januar 1827 zur Insp. (1924: KK) Verden.7 1. Januar 1949 in die Bremische Ev. Kirche umgegliedert.

Patronat

Der Bremer Dompropst. Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Einfache, fünfachsige Saalkirche aus verputztem Ziegelmauerwerk (1719). Korbbogengewölbe. Große rundbogige Sprossenfenster, in der Mitte der Langseiten Eingänge aus Portasandstein mit darüberliegenden Rundfenstern. Im Osten ein halbrund vorstehender Sakristeianbau. Dreiseitige Empore.

Fenster

Die Kirche erhielt 1944 neue Fenster (hergestellt durch die Firma Otzo Brenneisen, Hannnover), dargestellt sind der familiensegnende Christus und Christus beim Segnen eines Soldaten; beide im völkisch-nationalen Stil der Zeit.

Turm

Turm aus Feldsteinmauerwerk auf quadratischem Grundriss, in den ältesten Teilen Ende 12. Jh., teilweise erneuert (Sanierung 1865). Vierseitiger Pyramidenhelm.

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar (vielleicht 1719). – Romanischer Taufstein. – Grabstein des Kavallerieobersten Johann Adolf Kaufmann († 1773) – An der Nordwand das Altarbild der alten Kirche mit einer Abendmahlsdarstellung (16./17. Jh.).

Orgel

Vor 1719 unbekannt. Für den Kirchenneubau wurde 1721 eine Orgel aus der Pankratiuskirche in Stade angekauft (erbaut 1672/73 durch Hans Christoph Fritzsche, Hamburg, ursprünglich mit 21 II/P für die Kirche in Neuenfeld, 1682 von Arp Schnitger auf 34 Stimmen erweitert und nach Stade umgesetzt). Nach der Aufstellung in Arbergen durch Nathanael Krusewitz (Stade) wird ihr Umfang noch mit 19 II/P angegeben; mechanische Traktur, Schleifladen. 1757 Reparatur durch Dietrich Christoph Gloger (Stade), 21 II/P. 1765 bis 1774 Reparaturen durch Johann Andreas Zuberbier (Obernkirchen) und Markus Hinrich Petersen (Soltau). 1867/68 abgebaut und Neubau durch P. Furtwängler & Söhne (Elze), 23 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1954 Reparatur durch Alfred Führer (Wilhelmshaven). 1959 Abbruch der Furtwängler-Orgel. 1962 Neubau durch Alfred Führer (Wilhelmshaven), 18 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen. 1963 um einen Zimbelstern erweitert. 2001 restauriert.

Geläut

Drei LG, I: es’ (Bronze, Gj. 1956, F. Otto, Bremen-Hemelingen); II: ges’ (Bronze, Gießer unbekannt; historisch); III: as’ (Bronze, Gj. 1956, F. Otto, Bremen-Hemelingen). – Früherer Bestand: Eine LG wurde 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert und 1936 durch einen Neuguss (dis’, Bronze, F. Otto, Bremen-Hemelingen) ersetzt; 1942 ebenfalls eingeschmolzen.

Friedhof

Bei der Kirche Eigentum der KG. FKap.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 2 Nr. 47-83 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 281-286 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 2590 (Visitationen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 54; Pape/Topp, Orgeln Bremen, S. 266-269; Schomburg, Ortsverzeichnis Land Bremen, S. 2; Stein, Dorfkirchen, S. 71-76.
B: Friedhelm Blüthner: Das Arberger Kirchspiel im „Dritten Reich“. Versuch einer historisch-kritischen Untersuchung, Bremen 2009; Friedhelm Blüthner: Der Bauer und der Pastor. Versuch einer Landwirtschafts- und Kirchengeschichte vom Mittelalter bis zur Industrialisierung am Beispiel des Kirchspiels Arbergen, Bremen 2003; Friedrich Seebode: Festschrift zum 200jährigen Jubiläum der Kirche zu Arbergen am 23. Sonntag nach Trinitatis 1919, Achim [1919].


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 24. Nach Stein, Dorfkirchen, S. 72, Johannes der Evangelist.
  2. Düring, Adelssitze Kr. Achim, S. 163.
  3. Möhlmann, Güterbesitz Domkapitel, S. 71.
  4. Regesten Ebf. Bremen II,2, Nr. 440.
  5. KABl. 1948, S. 118-120.
  6. KABl. 1890, S. 49 und 76.
  7. LkAH, S 8 d, 1826-1836 (Bekanntmachung des Königlichen Consistorii zu Stade die Superintendenturen und Kirchen-Commissionen betreffend, Stade, 19.10.1826).