Seit 1949 Bremische Ev. Kirche | Patrozinium: – | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Aumund wird bei Adam von Bremen für die Zeit um 1040 als Aunon erstmals erwähnt.1 Es war Besitz der in Blumenthal ansässigen Ritter von Oumunde und kam später unter die Landesherrschaft des Erzstifts Bremen (1648 schwedisch, 1712 dänisch besetzt, 1715 an Kurhannover). Die Landgemeinde gehörte in hannoverscher und preußischer Zeit zum Amt/Kr. Blumenthal (ab 1932 Kr. Osterholz) und wurde 1939 in die Stadt Bremen eingegliedert. Die Einwohner waren überwiegend Seeleute oder im Schiffsbau beschäftigt.
Kirchlich gehörte Aumund von alters her zur Parochie Lesum. Die Einwohner des Ortsteils Fähr waren teilweise auch nach Blumenthal eingepfarrt. Das Bedürfnis nach Bildung einer eigenen KG ergab sich mit dem Auf- und Ausbau der Werftindustrie (Bremer Vulkan, 1893 gegründet, seit 1895 in Fähr-Lobbendorf; 1875 bis 1918 Friedrich-Lürssen-Werft in Aumund) und dem damit verbundenen Bevölkerungszuwachs. Am 12. August 1872 wurde das Ksp. Aumund von Lesum getrennt. 1876/77 entstand das neugotische KGb nach Plänen des Baurats Ludwig Wege aus Oldenburg i. O. (Einweihung 2. Dezember 1877). In ihrem Gründungsjahr hatte die Gemeinde 1.800 Glieder; 1912 etwa 5.000, davon 225 in Beckedorf. Nach der Umgliederung der bisher zu Blumenthal gehörigen Gebiete von Alt-Fähr und Hammersbeck (1925) stieg die Zahl auf 6.800 (bei etwa 10.000 Einwohnern) an. Die KG verfügte seit 1878 mit dem Elisabethstift über den ersten KiGa in der Region (in der NS-Zeit geschlossen, Gebäude 1996 saniert und an die ev. Stadtteilschule vermietet) und seit 1905 über eine Gemeindeschwesternstation (1996 geschlossen).
Unter den Pfarrern besonders bedeutend: P. Ernst Hahn (amt. 1925-1935), der seit 1925 die „Aumunder Briefe“ als Gemeindeblatt herausgab (1933 verboten). Während der Weltwirtschaftskrise rief er ein Hilfswerk zur Unterstützung Bedürftiger durch Kleidersammlung, Einrichtung einer Wärmestube sowie Abgabe von Lebensmittel- und Kohlengutscheinen ins Leben. Sein Einsatz für eine Bodenreform führte zu Auseinandersetzungen mit dem Hausbesitzerverein. Ebenso führte er, u. a. wegen der Jugendweihe, einen Dauerkonflikt mit Freidenkern und Kommunisten. Die Jugendarbeit war ihm ein besonderes Anliegen. Hahns Nachfolger Eime Janssen Otten (1928 Hilfsprediger, 1932 zweiter Pfarrer, 1935-1968 erster Pfarrer) gelang es, die Gemeinde von nationalsozialistischen Einflüssen weitgehend frei zu halten. In seiner Amtszeit wurde die KG Aumund durch Vertrag vom 23. Dezember 1948 zum 1. Januar 1949 in die Bremische Ev. Kirche umgegliedert (jetzt KG Alt-Aumund).2 Sie bildet dort mit den anderen umgegliederten Gemeinden einen luth. Gemeindeverband, zu deren Senior P. Otten gewählt wurde (bis 1963).
Schon unter dem 1. November 1906 war für den Gemeindeteil Aumund-Fähr eine Pfarrkollaboratur errichtet worden.3 1928 wurde als kirchlicher Mittelpunkt des westlichen Gemeindegebiets in der Menkestraße für den Hilfsgeistlichen ein Pfarrhaus mit angrenzendem Konfirmandensaal erbaut (Architekt: Meyer, Fähr) und am 13. Januar 1929 eingeweiht. Am 1. April 1932 wurde die bisherige Hilfspredigerstelle in Fähr in eine zweite Pfarrstelle umgewandelt.4 Ab 1938 fanden in Fähr vierzehntäglich eigene GD statt. 1958 wurde die KG Aumund in die KG Aumund (Alt-Aumund/luth.) und Aumund-Fähr (Christophorus) aufgeteilt und noch im gleichen Jahr die Christophoruskirche in der Menkestraße eingeweiht.

Pfarrstellen

I: 1872. – II: 1. April 1932 (vorher Hilfspredigerstelle in Fähr), 1939-1947 vakant, 1. März 1959 als KG Aumund-Fähr verselbständigt, 1965 erneut Hilfspredigerstelle, 1969 Pfarrstelle.

Umfang

Bei Gründung der KG die Ortschaften Aumund, Voraumund, Neufähr, Borchshöhe, Beckedorf und Lobbendorf. Unter Anpassung des Grenzverlaufs an die Abgrenzung der politischen Gemeinden wurden mit dem 1. September 1925 die Ortsteile Alt-Fähr und Hammersbeck aus der KG Blumenthal in die KG Aumund umgegliedert.5

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Dompropstes. – Nach der Reformation zum Bremischen KK (ab 1803 mit Sitz in Achim). Durch Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Hzm. Bremen und Verden ab 1. Januar 1827 zur Insp. Osterholz (mit Sitz in Ritterhude, ab 1846 in Lesum), 1924 KK Lesum (1948 umbenannt in KK Osterholz-Scharmbeck). Seit 1. Januar 1949 zur Bremischen Ev. Kirche.

Kirchenbau

Dreischiffige, neugotische Backstein-Hallenkirche zu sechs Jochen mit rundem Chorabschluss (1876/77). 1909/10 Ausmalung über dem Triumphbogen durch Karl Bohlmann (Hannover): Der thronende Christus mit Engeln, sowie Moses und Paulus (als Symbol für Gesetz und Evangelium); ornamentale Ausmalung des Chorgewölbes, ebenfalls durch Bohlmann. Die Malereien wurden 1952 durch Hermann Oetken (Delmenhorst) übermalt und in vereinfachter Form neu gestaltet. 2006/07 Freilegung der ursprünglichen Ausmalung. Die Kirche steht seit 1977 unter Denkmalschutz.

Fenster

Buntglasfenster im Chorraum.

Turm

Achtseitiger Backstein-Westturm mit Fialtürmchen und Walmgauben über den Zifferblättern der Turmuhr. Das ursprünglich verschieferte Turmdach erhielt 1928 eine Kupfereindeckung.

Ausstattung

Überwiegend aus der Erbauungszeit. Neugotisches Altarretabel mit Kreuzigungsgemälde von Prof. Ludwig Otto aus Dresden (1903). – Neugotische, hölzerne Kanzel. – Achtseitige kelchförmige Sandsteintaufe mit umlaufenden Bändern von stilisierten Lilien.

Orgel

1878 Neubau durch J. H. Röver & Söhne (Stade), 15 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Ausbau der Prospektpfeifen im Ersten Weltkrieg. 1925 Renovierung und Vervollständigung des Prospekts durch Lothar Wetzel (Hannover). 1957/60 Reparatur und Änderung der Disposition durch Gustav Brönstrup (Hude) bzw. Alfred Führer (Wilhelmshaven). 1967 Einbau eines elektrischen Gebläses. 1972 Neubau durch die Firma Alfred Führer Orgelbau (Wilhelmshaven), 23 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen. 1996/97 durch die Orgelbauwerkstatt von Berend Veeger und Winold van der Putten (Winschoten/NL) restauriert und umgebaut, 24 II/P.6

Geläut

Drei LG, I: es’ (Glaube), II: ges’ (Liebe); III: a’ (Hoffnung), alle Stahl (Gj. 1927, Bochumer Verein). – Früherer Bestand: Beim Neubau der Kirche beschaffte die Gemeinde zwei Bronzeglocken der Firma F. Otto (Bremen-Hemelingen), von denen die größere 1917 eingeschmolzen und die kleinere bei der Neubeschaffung des Geläuts 1927 abgegeben wurde.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus I, 1876/77 mit der Kirche errichtet. – Pfarrhaus II (Bj. 1928). – Gemeindehaus neben der Kirche (Bj. 1906, 1992/93 nach Plänen von Kurt Schulze-Herringen erweitert). – Gemeindezentrum in der Apoldaer Straße (Bj. 1968/69).

Friedhof

Am Johann-Fromm-Weg. Eigentum der KG. 1878 in Benutzung genommen. FKap (Umbau und Erweiterung 1984/85). – Neuer Aumunder Friedhof (1928, kommunal).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 2 Nr. 96-98 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 581 u. 589 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 339-342 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2592 (Visitationen).

Literatur

A: Heitmann, Bremische Kirche, S. 134-137; Pape/Topp, Orgeln Bremen, S. 353 f.
B: Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Aumund (Hg.): 125 Jahre Alt-Aumunder Kirche, [Bremen 2002]; Ingbert Lindemann: Vom Pfarrhaus zum Gemeindezentrum. Chronik der Christophorus-Gemeinde Bremen-Aumund/Fähr, Bremen 1983; Hermann Pleus: 100 Jahre Aumunder Kirche 1877-1977, [Bremen 1977].


Fußnoten

  1. Adam von Bremen, Kirchengeschichte, II. 74.
  2. KABl. 1948, S. 118-120.
  3. KABl. 1906, S. 133.
  4. KABl. 1932, S. 62.
  5. KABl. 1925, S. 76.
  6. Pape/Topp, Orgeln Bremen, S. 354.