Frühere Gemeinde | KapG der KG Wallensen | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | Patrozinium: Jakob1 | KO: Calenberger KO von 1569

Karte wird geladen, bitte warten...
Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist das Dorf wohl erstmals um 1300 im Homburger Lehnregister als Lefdagessen erwähnt.2 Etwa hundert Jahre später erscheint Leyffdagessen im Homburger Güterverzeichnis unter den Dörfern der Vogtei Lauenstein (advocacia Lowensteyne).3 Die Vogtei gehörte seit der ersten Hälfte des 13. Jh. zum Herrschaftsbereich der Herren von Homburg, die die Gf. von Spiegelberg verdrängt hatten. Mitte des 13. Jh. trugen die Homburger Lauenstein den welfischen Hzg. von Braunschweig-Wolfenbüttel zu Lehen auf. Nachdem sie 1409 in männlicher Linie ausgestorben waren, fiel die Herrschaft Homburg daher als erledigtes Lehen an Hzg. Bernhard von Braunschweig-Lüneburg. Seit 1432 gehörte das Gebiet zum neuen Teilfsm. Calenberg, gelangte jedoch 1433 in den Pfandbesitz des Hildesheimer Bf., der das Amt Lauenstein seinerseits weiterverpfändete (seit 1493 an die Herren von Saldern).4 Nach Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) kam Levedagsen zusammen mit den übrigen Lauensteinschen Dörfern wieder unter die Landesherrschaft des Fs. von Calenberg. Ab 1630 konnte das Hochstift Hildesheim kurzzeitig noch einmal die Kontrolle über Lauenstein gewinnen, ab 1633 zählte das Amt wieder zum Fsm. Calenberg (Kernlande Hannover). Seit 1810 war Levedagsen Teil des französischen Satellitenkgr. Westphalen (1807–1813) und zählte zum Kanton Hemmendorf des Distrikts Rinteln (1810 Distrikt Hameln genannt) im Departement Leine. Ab 1815 gehörte das Dorf wieder zum Amt Lauenstein, zunächst im Kgr. Hannover und nach der Annexion von 1866 im Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung kam Levedagsen 1885 zum neuen Kr. Hameln (1922 Lkr. Hameln-Pyrmont). Seit 1973 ist das Dorf Ortsteil des Fleckens Salzhemmendorf. Das ländlich geprägte Straßendorf entwickelte sich im 20. Jh. zu einer Pendlersiedlung. Die Schule wurde 1970 geschlossen. Um 1810 lebten in Levedagsen gut 110 Menschen, 1905 knapp 190, 1946 knapp 500, 1970 etwa 210 und 2017 knapp 140.

Kapelle, Ansicht von Südwesten, 1973

Kapelle, Ansicht von Südwesten, 1973

Kirchlich gehörte Levedagsen vermutlich schon in vorref. Zeit zum Kirchspiel Wallensen und nahm zusammen mit der Muttergemeinde um 1540 die luth. Lehre an. In den Protokollen zur Kirchenvisitation der calenbergischen Dörfer im Jahr 1588 ist Levedagsen unter den Filials (Tochtergemeinden) der Gemeinde Wallensen genannt, die einen eigenen Kaplan hatten.5 Die älteste Kapellenrechnung stammt aus dem Jahr 1645. In der ersten Hälfte der 1840er Jahre musste die Gemeinde ihr altes Kapellengebäude wegen Baufälligkeit abreißen. 1845 begannen die Arbeiten am Neubau, den P. Johann Justus Jatho (amt. 1808-1859) im November 1846 einweihen konnte. Seit 1946 predigte P. Ludwig Schwabe (amt. 1930-1973) alle zwei Wochen in den KapG seines Kirchspiels. Zuvor waren eher drei Gottesdienste pro Jahr üblich gewesen. Sein Nachfolger reduzierte die Zahl wieder und gab 1977 an, in Levedagsen werde „jeden 4. Sonntag i[m] Monat + Festtage“ ein Gottesdienst gefeiert.6
Pläne, die KapG Levedagsen in die KG Salzhemmendorf umzupfarren, stießen um 1978 auf Widerstand im KV und wurden nicht verwirklicht.7 Mit Einrichtung der zweiten Pfarrstelle des Kirchspiels 1981 in Thüste kam Levedagsen zusammen mit Ockensen und später Marienhagen (1993) zum zweiten Pfarrbezirk der Gemeinde. Aufgrund sinkender Gemeindegliederzahlen blieb nach der Jahrtausendwende zunächst eine und 2013 auch die zweite der beiden Pfarrstellen unbesetzt. Das verkleinerte Kirchspiel Wallensen mit den KapG Ockensen, Levedagsen und Thüste schloss sich daher zum 1. Januar 2014 dem Gemeindeverband Saaletal an.8 Zusammen mit der KG Salzhemmendorf (Pfarrsitz) bildet Wallensen einen Pfarrbezirk.
Zum 1. Juni 2018 löste sich die KapG Levedagsen auf, Rechtsnachfolgerin ist die KG Wallensen.9

Kapellenbau
Kapelle, Grundriss, 1937

Kapelle, Grundriss, 1937

Werksteinbau mit Eckquaderung, errichtet 1845-46 (Entwurf: Amtszimmermeister Johann Heinrich Woltemath, Coppenbrügge, Innenausbau: Friedrich August Ludwig Hellner10). Walmdach; hohe, rundbogige Sprossenfenster, zentraler Eingang an Südwestseite mit Jahreszahl 1846 in Türsturz. Im Innern flache Decke. Innenrenovierung 1963 und 1982.

Turm

Zentraler, viereckiger, verschieferter Dachreiter mit Zeltdach, bekrönt mit Kugel und Wetterhahn. Rechteckige Schallfenster, Uhrziffernblatt. Turmuhr 1947.

Vorgängerbau

Rechteckbau aus „unförmlichen Steinen“, zwei Strebepfeiler an der Nordseite, schiefergedecktes Satteldach, drei Fenster, ein Eingang. 1839 stürzte ein Strebpfeiler ein, 1841 ein Teil der östlichen Giebelwand. 1842 Abbruch des Gebäudes.11

Ausstattung

Hölzerner Altar vor Kanzelaltarwand in Form einer Tempelfassade (1846), gegliedert mit vier kannelierten Lisenen, darüber hoher Architrav und Abschlussgesims; zentraler, fünfseitiger Kanzelkorb; seitlich des Altars rundbogige Durchgänge.

Orgel

Harmonium.

Geläut

Eine LG, e’’, Inschrift: „Zum Dienst des Herrn lad’ ich ein. Wer christlich denkt wird folgsam sein“ und „K[apellen] V[orstand] K[onrad] Meyer, Wassmann, Knoke, H[einrich] Schoerell, Lehrer“, Bild: Christusdarstellung und Pastorenbüste (Bronze, Gj. 1911, Johann Jacob Radler, Hildesheim). – Früherer Bestand: Hans Vespermann wurde 1645 „für glockes zu leuten“ bezahlt.12 Eine LG (Bronze), geborsten und ersetzt durch eine LG (Bronze, Gj. 1750, Jobst Ludolph Lampe, Hameln).

Friedhof

Am südöstlichen Dorfrand, Eigentum der politischen Gemeinde. FKap. (Bj. 1970).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 22a (EphA Coppenbrügge); S 11a Nr. 7236 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont I, S. 379-381 und II, Abb. 97.
B: Kurt Wattendorff: Chronik Levedagsen, Salzhemmendorf 1993.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 124.
  2. Wattendorff, S. 11 f. Ohainski, Lehnregister, S. 72, Nr. 6, liest Lencgessen und merkt an: „Ortslage unbekannt“. Das in den Corveyer Traditionen genannte Liuttingeshem ist eher nicht auf Levedagsen zu beziehen (Mönchslisten I, § 141; Mönchslisten II, S. 158 f.; Wattendorff, S. 11).
  3. Ohainski, Lehnregister, S. 25.
  4. Schwabe, Hausbuch Lauenstein, S. 1 f.; Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 49 und 118 f.
  5. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 220: „Pfarre hat vier Filials: Ockensen, Levedagsen, Tuiste und Wentzen, und zwei Dörfer: Capelnhagen und Völtzinghausen, die keinen sonderlichen Kaplan haben.“
  6. LkAH, L 5h unverz., Wallensen, Visitation 1952 und Visitation 1977.
  7. Wattendorff, S. 96.
  8. KABl. 2014, S. 66 ff.
  9. KABl. 2018, S. 35.
  10. Müller, Kirchenbauten, S. 149.
  11. Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont I, S. 379.
  12. Wattendorff, S. 93.