Sprengel Hannover, KK Neustadt-Wunstorf | Patrozinium: Ursula | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Ort im ehemals sächsischen Loingau, 1128 als Duotdenhusen erstmals erwähnt. In Dudensen befanden sich der Haupthof einer bischöflich-mindenschen Villikation und ein Haupthof der von Mandelsloh (sogenannter Edelhof). Die Landesherrschaft übten schon seit Anfang des 14. Jh. die Welfen aus (ab 1495 Fsm. Calenberg, Amt Neustadt a. Rbge). – Seit 1974 Ortsteil der Stadt Neustadt a. Rbge.

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Die Entstehungszeit der Pfarre ist unklar (vielleicht im 13. Jh., jedenfalls vorref.). Die Reformation wurde unter Elisabeth von Calenberg mit der Visitation von 1543 eingeführt. P. war zu diesem Zeitpunkt Henrich Fricke (amt. bis nach 1565, später P. in Hagen).1
Dudensen wurde schon bald nach der Reformation mater combinata von Büren. Diese Verbindung wurde am 1. Juli 1977 gelöst. Stattdessen wurden die KG Dudensen und Hagen (Neustadt am Rübenberge) pfarramtlich verbunden. Die Pfarrstelle von Dudensen wurde zweite Pfarrstelle der KG Hagen (mit Sitz in Dudensen)2 und am 1. Juli 1983 mit der ersten Pfarrstelle vereinigt.3 Zum 1. Dezember 2016 gründeten die KG Dudensen, Eilvese, Hagen (Neustadt am Rübenberge), Helstorf, Mandelsloh, Niedernstöcken und Otternhagen gemeinsam den „Ev.-luth. Kirchengemeindeverband Neustadt-Nord“. 2019 trat auch die KG Basse bei.4

Umfang

Das Dorf Dudensen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Mandelsloh des Bm. Minden. – 1589 zur Insp. (1924: KK) Neustadt a. Rbge, seit 1. Januar 2001 KK Neustadt-Wunstorf.

Patronat

Die Besitzer des Edelhofs in Dudensen (die von Mandelsloh noch 15435; im 18. Jh. die von Holle). 1725 an die Klosterkammer verkauft, die damit auch das Patronatsrecht erwarb. Mit der Aufgabe des Edelhofs 1874 erloschen.

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, vor 1958

Kirche, Grundriss, vor 1958

Mittelalterlicher Feldsteinbau mit unregelmäßig rechteckigem Grundriss, vermutlich errichtet um 1350. Die Strebepfeiler an den Außenwänden wurden erst nachträglich errichtet. Rechteckige Sprossenfenster. Sakristeianbau aus dem 19. Jh. 1827 Vergrößerung der Prieche. Der ursprünglich flachgedeckte Innenraum wurde 1827 durch ein Holztonnengewölbe geschlossen. 2007/08 wurde die Kirche gründlich renoviert und im Innern neu gestaltet.

Turm

Achtseitiger Dachreiter (18. Jh.) mit Ziegelbehang; Glockenausleger an der Ostseite.

Grablege

Die Kirche in Dudensen war Erbbegräbnis der Besitzer des Edelhofs.

Ausstattung

Altar mit barockem Aufsatz (um 1650), verkröpfte, säulengestützte Umrahmung; in der ersten Hälfte des 19. Jh. um den Kanzelkorb ergänzt. Kein Schalldeckel. – Hölzerner Taufständer (18./19. Jh.). – Grabplatte des Georg Ludewig Ernst von Wangenheim († 1694) im Fußboden der Kirche.

Orgel, vor 1978

Orgel, vor 1978

Orgel

Bei der Restaurierung der Klosterkirche Mariensee erwarb die Gemeinde Dudensen 1871 die dortige, 1754 in der Werkstatt von Johann Andreas Zuberbier (Obernkirchen) gebaute, Orgel und ließ sie in der eigenen Kirche aufstellen (erste Orgel in Dudensen), wobei aus Platzmangel mehrere Reg. und das Pedal weggelassen wurden; 5 (9) I/–. Spätbarocker Prospekt. 1911 Instandsetzung. 1948 Einbau eines elektrischen Gebläses. 1952 von Firma Emil Hammer (Hannover) restauriert und durch Einbau klanggerechter Reg. verbessert; 8 (9) I/–. 1978 erneute Restaurierung durch Firma Hammer und um das fehlende 9. Reg. ergänzt. 2010/11 Renovierung durch Jörg Bente (Helsinghausen), 9 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen. – Denkmalorgel.6

Geläut

Zwei LG, I: c’’ (Bronze, Gj. 1837, I. H. Dreyer, Linden/Hannover); II: d’’ (Bronze, Gj. 1973, Gebrüder Bachert, Bad Friedrichshall). – Früherer Bestand: Eine SG in c’’’ (Stahl, Gj. um 1870, Bochum) wurde vor 1979 außer Betrieb genommen und bislang nicht ersetzt.7

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1964–66) und Gemeindehaus (Bj. 1968) wurden 2008 veräußert, um die Sanierung der Kirche zu finanzieren. Die Kirche wird nach einem entsprechenden Umbau auch als Gemeindehaus genutzt.

Friedhof

Südwestlich vor dem Ort an der Streitfeldstraße. In kirchliche Trägerschaft.

Liste der Pastoren (bis 1940)

Vor 1543– nach 1565 Heinrich Fricke. – 1565–1615 Friedrich Fricke. – 1615–1639 Heinrich Homeier. – 1639–1674 Franz Bierdemann. – 1675–1726 Werner Wilhelm Bierdemann. – 1726–1753 Erich Wilhelm Bierdemann. – 1753–1796 Joachim Christoph Becker. – 1798–1815 Friedrich Ludwig Erichs. – 1815–1824 Heinrich Carl Fiedler. – 1824–1841 Heinrich Philipp Hermann Habenicht. – 1841–1858 Eduard Friedrich Theodor Schlaegel. – 1858–1869 Thedel Friedrich Adolf Eduard Gottlieb Stalmann. – 1869–1884 Heinrich Friedrich Eduard Erhardt. – 1885–1896 Wilhelm Ludwig Johannes Pfotenhauer. – 1897–1901 Georg Christian Wilhelm Hans Reuter. – 1901–1920 Arthur Karl Wilhelm Meyer. – 1921–1934 Rudolf Friedrich Wilhelm Karl Warnecke.
Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 213

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2399–2409 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 669 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1842–1851 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 480–484 (Visitationen); B 18 Nr. 154 u. 364 (Orgelsachverständiger).

Literatur

A: 400 Jahre KK Neustadt a. Rbge., S. 46–48; Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 99 f., Nr. 86; Nöldeke/Karpa, KD Kr. Neustadt, S. 28–30.


Fußnoten

  1. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 402.
  2. KABl. 1977, S. 107.
  3. KABl. 1983, S. 43.
  4. KABl. 2017, S. 13 ff.; KABl. 2019, S. 58.
  5. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 402.
  6. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).
  7. LKA, G 9 B/Dudensen (Bericht des Glockenrevisors Dr. Waack, 17.09.1979; Schreiben des Pfarramts vom 05.02.2016).