Sprengel Hannover, KK Neustadt-Wunstorf | Patrozinium: Cyriakus, Simon Zelotes und Judas Thaddäus | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Das Haufendorf Basse wird um 980 erstmals urkundlich erwähnt. Es war Zentrum einer Gografschaft (später Vogtei) im Süden des Loingaus und kam als Teil der Gft. Wölpe 1302 unter die Herrschaft der Hzg. von Braunschweig und Lüneburg (Amt Neustadt a. Rbge. ). – Seit 1974 Ortsteil der Stadt Neustadt a. Rbge.

Kirche, Ansicht von Süden, Foto: Arnold Nöldecke, 1927-37

Kirche, Ansicht von Süden, Foto: Arnold Nöldecke, 1927-37

Die am südlichen Dorfrand auf einer Anhöhe unmittelbar an der Leine gelegene Kirche St. Cyriakus, Judas und Simon war der geistliche Mittelpunkt der Gografschaft. Sie wurde um 1100 von den Gf. von Wölpe als Filial der Taufkirche in Mandelsloh gestiftet und durch den Gf. Bernhard von Wölpe samt dem Patronatsrecht am 27. Dezember 1214 dem von ihm gegründeten Kloster Mariensee übereignet (Ersterwähnung).1 Unter Bf. Gottfried von Minden (amt. 1304-1324) wurde sie dem Kloster inkorporiert, unter seinem Nachfolger Ludwig diese Bindung im April 1331 jedoch wieder gelöst.2 Eine Kollekte im Bm. Minden ermöglichte 1423 eine Renovierung des KGb
Als erster Priester ist 1216 (31. Dezember) Helmoldus sacerdos de Bassen nachgewiesen.3 1237 tritt Ludolfus plebanus in basse als Zeuge in einer Urkunde des Stifts Wunstorf auf.4 1361 waren her Johan van Wendensen und her Johan van Volkersen Priester (wohl Messpriester) in Basse. Am 14. April 1368 tauscht Johannes Elecop, Pfarrer in Basse, mit dem Kloster Mariensee Äcker bei Oldendorf gegen Äcker, die zum Klosterhof in Kirchhorst gehören, sowie Äcker in der Flur Bydenhope.5 1423 wird der Pleban Johannes erwähnt.

Kirche, Blick zum Altar, 1948

Kirche, Blick zum Altar, 1948

Erste luth. GD sollen in Basse schon 1539 durch den P. Dietrich Meyer abgehalten worden sein, der zuvor Mönch und Beichtvater im Kloster Mariensee war († 1572).6 Offiziell erfolgte die Einführung der Reformation unter Hzgn. Elisabeth von Calenberg 1542. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Kirche, Pfarrhaus und Küsterei verwüstet. Die Einwohner flüchteten überwiegend nach Metel, von wo aus bis 1631 der Pfarrdienst der Gemeinde versehen wurde. 1631 kehrte P. Flebbe nach Basse zurück. Noch während des Dreißigjährigen Krieges wird 1644 erstmals eine Schule in Basse erwähnt. Unter dem Amtmann Jacob Voigt wurde die kriegsbeschädigte Kirche 1688/89 auf den spätgotischen Fundamenten des Vorgängerbaus als barocker Saalbau neu errichtet. Die Finanzierung erfolgte teilweise durch Gelder, die schwedische Offiziere hierfür beim Amtmann hinterlegt hatten.
Von den späteren Pfarrern machte sich P. Friedrich Georg Heinrich Kühnhold (amt. 1901-1922) auch als Heimatforscher und Herausgeber einer Geschichte der Gografschaft B. einen Namen. P. Paul Voß (amt. 1932-1945), früher für die DNVP auch Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, war seit 1931 Mitglied der NSDAP, seit 1933 der DC. Der Kirchenkampf und Krieg hatten allerdings kaum Einfluss auf das Gemeindeleben. Die KG umfasste 1954 rund 1.800 Gemeindeglieder. Regelmäßige Predigtstätte wurde neben Basse und den beiden KapG Suttorf und Metel nach dem Krieg auch Scharrel.
Zum 1. Mai 2019 trat die KG Basse dem „Ev.-luth. Kirchengemeindeverband Neustadt-Nord“ bei, zu dem seit 2016 die KG Dudensen, Eilvese, Hagen (Neustadt am Rübenberge), Helstorf, Mandelsloh, Niedernstöcken und Otternhagen gehören.7

Umfang

Das Ksp. war ursprünglich deckungsgleich mit der Gografschaft und umfasste die Dörfer Averhoy, Basse, Metel (KapG), Scharnhorst, Scharrel und Suttorf (KapG) sowie früher auch Empede (KapG), das 1630 nach Mariensee umgegliedert wurde (1681 bestätigt, endgültiger Vergleich 1903) und das untergegangene Oldendorf mit dem Hohenhof.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Mandelsloh der Diözese Minden. – Nach der Reformation zur Insp. (1924: KK) Neustadt a. Rbge. (seit 1. Januar 2001 KK Neustadt-Wunstorf).

Patronat

Das Kloster Mariensee (1214 bis 1889).

Kirchenbau

Von einem flachen, holzverschalten Muldengewölbe geschlossenes, saalartiges Langhaus aus Bruchsteinen (1688/89). Im Osten ursprünglich romanischer Chor aus mindestens zwei querrechteckigen Jochen; nach 1423 mit 5/8-Chorschluss gotisch erneuert (Chorwölbung mit Bandrippen). Die Seitenwände des Chors stammen vermutlich noch aus dem 13. Jh. Die Chorgewölbe wurden wohl 1689 mit Szenen aus dem AT und NT ausgemalt (Schwarz-weiß-Malerei in Grisaille-Technik; später übermalt, dann wieder restauriert). 1889 wurde an den Ostschluss ein Sakristeianbau angefügt. Barockes Brauthaus im Norden des Schiffs, wohl von 1688/89 (1927 durch einen Säulenvorbau zur Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs umgestaltet, 1956 zur Gedenkstätte für beide Weltkriege erweitert). Fenster mit Darstellung des Erzengels Michael; darunter Pult mit dem Gedenkbuch, das die Namen aller Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs enthält. Links und rechts Steintafeln mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs). U-förmige Emporenanlage; Orgelempore im Westen. Das Kircheninnere wurde 1839, 1878 und 1891 renoviert. 1931 erhielt der Raum durch den Kirchenmaler Wildt eine neue Ausmalung. Gesamtrestaurierung 1968/73 mit Erneuerung des Kirchendachs, Anbau eines Heizungshauses und einer neuen Sakristei, Freilegung und Restaurierung des Chorraums sowie Erneuerung der Fenster.

Fenster

Farbiges Chorfenster (Darstellung der Trinität) von Helge Michael Breig (1970).

Turm

Wuchtiger romanischer Westturm auf quadratischem Grundriss. Quadermauerwerk mit Bruchsteinhintermauerung (um 1100). Pyramidenhelm. 1589 Anschaffung einer Turmuhr des Uhrmachers Hans Schrader (Hildesheim), 1890 ersetzt.

Ausstattung

Altar mit gemauertem Unterbau und Mensa aus Sandstein (1972). Früher verfügte die Kirche über einen neugotischen Holzaufbau (1880) mit eingelassener plastischer Abendmahlsdarstellung von Prof. H. Schaper; in der Predella das heilige Abendmahl nach dem Bildhauer Hurtzig. Ein noch früherer Barockaltar aus Basse wurde 1878 in der Kapelle von Metel aufgestellt. – Hölzerne Kanzel (Ende 17. Jh.) mit Schalldeckel von 1831. – Alte Sandsteintaufe (um 1100). Farbig gefasste achteckige Sandsteintaufe in Kelchform (1652). – Gotisches Wandtabernakel mit Evangelistensymbolen in den Ecken (1499). Holztür aus späterer Zeit.8 – Himmelfahrtsgemälde von Eduard von Gebhardt (Ende 19. Jh.).

Kirche, Blick zur Orgel, 1975

Kirche, Blick zur Orgel, 1975

Orgel

Erste Orgel 1865 (Prospekt erhalten). 1893/94 Neubau durch Firma Becker (Hannover), 12 II/P, pneumatische Traktur, Kegellade9; ab 1968 nicht mehr bespielbar. 1971 Neubau durch Firma Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 10 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1650, M. Ludolf Siegfried, Hannover); II: f’ (Bronze, Gj. 1836, H. A. Bock, Linden/Hannover); III: g’ (Bronze, Gj. 1927, Gebrüder Radler, Hildesheim). – Eine SG in fis’’ (Bronze, Gj. 1890). – Früherer Bestand: Die älteren Glocken gingen im Dreißigjährigen Krieg verloren. 1650 Neuguss von I, später um zwei kleinere Glocken ergänzt (Gj. 1770 und 1836, letztere Umguss aus einer älteren), von denen die kleinste im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen und 1927 nach Gipsabdrücken neu gegossen wurde. Drei im Zweiten Weltkrieg abgegebene Glocken kehrten unbeschädigt zurück. – Eine um 1400 gegossene Marienglocke diente seit 1589 als SG und kam 1892 im Zuge der Anschaffung einer neuen Turmuhr für das Tagesläuten und als Schulglocke auf das Schulgebäude in Scharrel. 1979 ging sie wieder in das Eigentum der KG über und wurde in einem freistehenden Glockenträger neben der FKap in Scharrel aufgehängt.10

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus aus Eichenfachwerk mit Ziegelausfachung, erbaut 1844.11 Beim Neubau wurden zwei historische Inschriften von 1580 und 1631 aus dem alten Pfarrhaus integriert. Mehrfach umgebaut. 1964 Erweiterung der Pfarrstube für die Gemeindearbeit. Die Pfarrscheune von 1892 wurde für die Jugendarbeit genutzt. – Ein Küster- und Schulhaus wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtet und 1865 durch einen Neubau ersetzt. 1960 verkauft. – 1985/86 Bau eines Gemeindehauses (Pastor-Heinrich-Kühnhold-Haus).

Friedhof

Am südlichen Ortsausgang, in Trägerschaft der KG FKap (Bj. 1963/64). – Eigene kirchliche Friedhöfe in Metel und Scharrel, letzterer 1978 von der Stadt Neustadt a. Rbge. übernommen.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 688-692 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 665 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 599-609 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 159-162 (Visitationen).

Literatur

A: 400 Jahre KK Neustadt a. Rbge., S. 35-39; Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 70 f., Nr. 34; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 196 f.; Holscher, Bisthum Minden, S. 240; Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 345; Nöldeke/Karpa, KD Kr. Neustadt, S. 9-13.
B: Friedrich Lothar Kolesch: 1689-1989. 300jähriges Jubiläum. Wiederaufbau der Simon und Judas Kirche zu Basse, [Basse 1989]; Heinrich Kühnhold: Basse. Gohgrafschaft – Vogtei – Kirchspiel, Neustadt a. Rbge. 1909; Armin Mandel: Basse. Dorf im Leinebogen, [Basse 1985].


Fußnoten

  1. Cal. UB V, Nr. 7 [dort falsch 1215]; Fesche/Boetticher, Urkunden Neustädter Land I, Nr. 27.
  2. Fesche/Boetticher, Urkunden Neustädter Land II, Nr. 249.
  3. Cal. UB V, Nr. 9 [mit Jahr 1217]; Fesche/Boetticher, Urkunden Neustädter Land I, Nr. 31.
  4. Cal. UB V, Nr. 35; Fesche/Boetticher, Urkunden Neustädter Land I, Nr. 65.
  5. Fesche/Boetticher, Urkunden Neustädter Land II, Nr. 373.
  6. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 391, Anm. 781.
  7. KABl. 2019, S. 58.
  8. Müller, Sakramentsnischen, B 26.
  9. LkAH, B 2 G 9/Basse I (Vermerk, 25.06.1968).
  10. LKA, G 9 B/Basse.
  11. LkAH, B 2 G 9/Basse II (Vermerk, 08.04.1959).