Frühere Gemeinde | Sprengel Lüneburg, KK Soltau | Urbanus | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Die erste urkundliche Erwähnung der am Heidefluss Örtze gelegenen Ortschaft findet sich in einem 1252 aufgestellten Tafelgutverzeichnis des Verdener Bf. Gerhard I. (amt. 1251–1269): Dort ist der decima in Monstere genannt (Zehnt in Munster).1 Der Name könnte in Verbindung mit dem Kloster St. Michael in Lüneburg stehen, das hier eine kleine Klosterkirche (monasterium) hatte erbauen lassen.2 Ab 952 übernahmen die Billunger die Landesherrschaft auch über das Munster umfassende Gebiet.3 Als diese Familie 1106 in männlicher Linie ausstarb, erbten die Welfen einen Teil ihres Besitzes. Munster zählte später zum welfischen Teilfsm. Lüneburg (1269 Teilung des welfischen Hzm. Braunschweig-Lüneburg). Wohl seit Mitte des 15. Jh. war der Go Munster im Besitz des Klosters Ebstorf. Während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) plünderten Truppen Hzg. Heinrichs des Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel den Ort und brannten Munster am Vorabend der Schlacht von Soltau (28. Juni 1519) nieder.4 1528 kam das Dorf zum neugegründeten Amt Ebstorf des Fsm. Lüneburg. Im kurzlebigen französischen Satelliten-Kgr. Westphalen (1810–1813) gehörte Munster zum Aller-Departement (Distrikt Uelzen, Kanton Ebstorf).5 Danach gehörte der Ort, nun im Kgr. Hannover, erneut zum Amt Ebstorf, bevor er 1852 zum neuen Amt Soltau kam.6 Nach der preußischen Annexion des Kgr. Hannover wurde Munster 1885 mit Einführung der Kreisverfassung Teil des Kr. Soltau (1977 Kr. Soltau-Fallingbostel, 2011 umbenannt in Heidekreis). 1967 erhielt Munster Stadtrechte, 1971 wurden Alvern, Ilster, Oerrel, Töpingen und Trauen eingemeindet, 1972 auch Breloh und Lopau.7 Über lange Jahrhunderte blieb Munster ein typisches Heidedorf von überschaubarer Größe, dessen Kern der Pfarrhof und die vier Vollhöfe mit sechs kleineren Hofstellen bildeten. Wichtigster Wirtschaftszweig war die Landwirtschaft, in der neben der Schaf- und Schnuckenhaltung die Imkerei eine wichtige Rolle spielte.8 1873 erhielt Munster Anschluss an die Bahnlinie Bremen–Stendal–Berlin, 1910 kam die Kleinbahn MunsterBeckedorf–Celle hinzu.9 Eine wichtige Rolle spielte die Kieselgur; das 1901 in Munster entdeckte, bis nach Breloh reichende Vorkommen, ist das größte in Deutschland (Förderung bis 1974).10 Die größte, bis heute prägende Veränderung, brachte die Errichtung des Truppenübungsplatzes ab 1892/93.11 Die Präsenz des Militärs veränderte das Ortsbild und die demographische Zusammensetzung der Bevölkerung. Im Jahre 1810 lebten knapp 180 Menschen in Munster, 1892/93 rund 490, 1939 gut 3.630 und 2019 etwa 15.160 (mit Eingemeindungen).

Kirche, Ansicht von Südosten, 1949

Kirche, Ansicht von Südosten, 1949

Die örtliche Kirchengeschichte Munsters dürfte wohl bis in das 9. Jh. zurückreichen, als vermutlich Mindener Mönche im Örtzetal den christlichen Glauben zu verbreiten suchten und im südlich gelegenen Hermannsburg ein kirchliches Zentrum entstanden war.12 Der von Louis Harms genannte Mindener Mönch Landolf, der die Örtze hinaufziehend auch in Munster gewirkt und ein Kloster gegründet haben soll, ist wohl eher ein Ergebnis der Erzählkunst Harmsʼ.13 Sicher ist, dass das 936 gegründete Lüneburger Michaeliskloster bis zur Mitte des 19. Jh. das Patronat über die Kirche in Munster ausübte. Möglicherweise hatten Mönche des Klosters um 1100 eine Art klösterliches Stift in Munster angelegt, das aber keinen langen Bestand gehabt haben dürfte.14 Vermutlich in den ersten Jahrzehnten des 13. Jh. erfolgte dann, wohl ebenfalls mit Hilfe des St. Michael-Klosters, der Bau einer steinernen Dorfkirche, die Papst Urban I. (amt. 223–230) geweiht wurde.15 Wohl seit Mitte des 13. Jh. hatte Munster einen eigenen Pfarrer.16 Im 15. Jh. lassen sich zwei Geistliche der Pfarrkirche Munster urkundlich belegen: Nachdem Conradus Vltius gestorben war, übergab Ulrich, Abt des Michaelisklosters, im Januar 1412 die Pfarrpfründe an Johannes Rebbeken.17 Pfarrer Rebbeken (oder Ribbeke) verstarb vor dem 1. Juli 1440.18 Als das Heer Hzg. Heinrichs des Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel während der Hildesheimer Stiftsfehde Munster niederbrannte, wurden auch Kirche und Pfarrhaus zerstört.19 Der Wiederaufbau zog sich mindestens über ein Jahrzehnt hin, auch weil die Einführung der Reformation im Fsm. Lüneburg die kirchlichen Verhältnisse und das Leben des Patrons, des Lüneburger Michaelisklosters, stark veränderte. Zunächst wurde der Backsteinbau der Kirche wieder hergestellt, während der Bau des hölzernen Glockenturms erst nach 1530 folgte; die Arbeiten am Kirchturm waren erst 1589 vollendet.20
Die Einführung der Reformation erlebte Munster wie die allermeisten Dörfer und Städte im Fsm. Lüneburg als sogenannte ‚Reformation von oben‘. Die Initiative ging vom Landesherrn Hzg. Ernst I. aus.21 Nachdem er 1527 mit der Vorlage des sogenannten Artikelbuchs erste Maßnahmen zur Neuordnung des kirchlichen Lebens im Sinne der Reformation angestoßen hatte, folgten im Zuge der Visitationen von 1529 eine Predigtinstruktion und schließlich eine Ordnung betreffend das Einkommen der Pfarrer sowie Ehe- und Familiensachen.22 Zugleich sorgte der von Hzg. Ernst I. nach Celle geholte Reformator Urbanus Rhegius als GSup. (amt. 1531–1541) neben dem Aufbau kirchlicher Strukturen auch für die inhaltliche Festigung der ev. Landeskirche, u. a. durch seine Schrift „Wie man fürsichtiglich und ohne Ärgernis reden soll von den fürnemesten Artikeln christlicher Lehre“ (1536).23 Um 1529/30 muss dann wohl die Einführung der Reformation in Munster erfolgt sein.24 Für 1534 nennt das Lüneburgische Pfründenregister für Munster einen Herrn Hinrich als Pastoren und einen Küster namens Johannes.25 1543 werden P. Henrich van Zwolle und P. Henricus Proelmann als Pastoren in Munster genannt.26 Als weitere nachref. Geistliche sind P. Johannes Grubenhagen (amt. 1559–1572) und P. Ludolphus Roffsack (amt. 1572–15..) bekannt.27 Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) hatten auch Kirche und Pfarrhaus zu leiden und um 1626 starb der alte P. Conrad Dedekind (amt. 15..–1626) infolge der von marodierenden Soldaten verursachten Aufregung. Das Pfarramt übernahm sein Sohn Conrad Dedekind (amt. 1626–1668).28 Von den späteren Pastoren in Munster machte P. Anton Paul Ludwig Carstens (amt. 1744–1747) eine steile Karriere: Nach zwölf Jahren in Wietzendorf wurde er 1759 Sup. in Einbeck und anschließend im Jahr 1762 GSup. in Clausthal, wo er 1769 verstarb.29 Auch P. Dr. Friedrich August Christian Heinrich Ziel (amt. 1849–1855) erreichte mit seiner Berufung zum Stiftsprediger in Loccum am 24. Juni 1855 eine angesehene Predigerstelle.30

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht

Als im 19. Jh. die Seelenzahl der Gemeinde um 1860 auf 1.150 angewachsen war, wurde intensiv über eine Erweiterung der Kirche und die Anschaffung einer Orgel nachgedacht, nachdem zuvor die Gemeinde nach einem Feuer den Neubau des Pfarr- und des Küsterhauses zu leisten gehabt hatte.31 Ab 1868 kam es zu konkreten Planungen für Umbauten an der Kirche, die in den folgenden Jahren mehrfach Änderungen erfuhren. 1878 schließlich fand der schon im Jahr 1870 vom Hannoveraner Konsistorialbaurat Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) entworfene Plan eine deutliche Mehrheit. Hase sah den Bau eines Querschiffs vor, womit die Kirche eine Kreuzform erhielt.32 Am 18. Juni 1880 wurde der Grundstein für den Erweiterungsbau gelegt und am 25. Oktober 1881 die umgebaute Kirche, die nun auch eine Orgel besaß, feierlich eingeweiht.33
In den heftigen Auseinandersetzungen um den Katechismus von 186234 und die Hermannsburger Separation35 von 1878 stand die Gemeinde mit ihrem langjährigen Pastor Konrad Eberhard Adolph Weniger (amt. 1855–1892) eng zusammen, der sein Amt bis ins hohe Alter versah.36 Zugleich begann zum Ende seiner Amtszeit die tiefgreifende Verwandlung Munsters vom abgelegenen Heidedorf in einen wichtigen Militärstandort, der vielen Menschen von auswärts neue Arbeitsmöglichkeiten bot.37 Diese Entwicklung prägte die Amtszeit von P. Heinrich Theodor Hugo Thiede (amt. 1893–1924). Die konservativen Alteingesessenen mussten sich mit dem oft ganz anderen Lebensstil der Neuzugezogenen auseinandersetzen, blieben aber der harte Kern derer, die das kirchliche Leben trugen.38 Die Kirchengemeinde baute um die Jahrhundertwende und bald darauf eine neue Leichenhalle (1900), ein größeres Konfirmandenzimmer im Pfarrhaus (1902) und schließlich 1913/14 ein Jugendheim nebst Gemeindesaal, um auf die durch die wachsende Bevölkerung entstandenen neuen Anforderungen reagieren zu können. Nach dem Ersten Weltkrieg schaffte die Gemeinde Anfang 1923 schließlich das Recht auf besondere Kirchenstände ab, also das Eigentum an bestimmten Sitzplätzen in der Kirche.
Unter P. Georg Wilhelm Störing (amt. 1925–1939) erlebte die Gemeinde die letzten Jahre der Weimarer Republik und den Aufstieg sowie die Konsolidierung des Dritten Reiches und die damit einhergehenden Eingriffe des neuen Regimes in das kirchliche Leben, wozu auch das Wirken der „Deutschen Christen“ beitrug.39 Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerungszahl der damaligen Gemeinde Munster und der zum Kirchspiel gehörenden Dörfer ganz erheblich durch Flüchtlinge und Vertriebenen, ehemalige Wehrmachtsangehörige und schließlich ab 1956 durch den Aufbau der Bundeswehr, der erneut viele Menschen nach Munster führte.40 Dieser Bevölkerungszuwachs ließ auch die Zahl der ev.-luth. Gemeindeglieder wachsen, wodurch die KG für einen einzelnen Pastor zu groß wurde; 1949 hatte das Landeskirchenamt daher eine Pfarrhelferstelle errichtet, die 1955 in der zweiten Pfarrstelle aufging.41 1960 zählte die KG 16.000 Gemeindeglieder und erhielt zum 1. April 1964 eine dritte Pfarrstelle.42

Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Zudem war 1959 mit der Gründung der St. Stephanus-KG im Rahmen der ev. Militärseelsorge ein eigener kirchlicher Ort für die ev. Angehörigen der Bundeswehr und ihre Familien in Munster entstanden, der 1960 ein Gemeindezentrum und 1961 ein Kirchengebäude erhielt.43 Die KG Munster selbst nahm im August 1960 den Namen „Ev.-luth. St. Urbani-Kirchengemeinde zu Munster“ an und griff damit das vorref. Patrozinium wieder auf.44 Als weiterer Schritt zur Verkleinerung des großen Kirchspiels Munster erfolgte zum 1. Januar 1964 nach langjährigen Vorarbeiten der Urbanigemeinde die Bildung der Ev.-luth. KG Breloh.45 Diese Gemeinde blieb pfarramtlich zunächst mit der Mutterkirche St. Urbani verbunden (mater combinata); diese Verbindung endete zum 1. Juni 1966.46 Die neue KG Breloh übernahm mit der pfarramtlichen Trennung die dritte Pfarrstelle von St. Urbani; gleichzeitig erhielt die Urbanigemeinde eine neue dritte Pfarrstelle.47 Da die Gemeinde in den folgenden Jahren weiterhin zu groß erschien, plante der KV in den 1970er Jahren die Gründung einer weiteren selbständigen Kirchengemeinde im Westen der Stadt Munster, die zum 1. Januar 1980 als „Ev.-luth. St. Martin-Kirchengemeinde“ errichtet wurde und die bisherige erste Pfarrstelle von der Muttergemeinde übernahm.48 Die seit 1973 bestehende vierte Pfarrstelle in St. Urbani wurde dort nun zur ersten Pfarrstelle.49
Neben der Neustrukturierung der Gemeinde und ihrer Pfarrstellen erfolgten Planungen zur Erneuerung des 1914 erbauten Jugendheimes mit Gemeindesaal. Am 7. März 1965 konnte die Gemeinde einen Neubau einweihen, der den Namen „Ludwig-Harms-Haus“ erhielt.50 Wenige Jahre später ging man an die Planung eines Gemeindezentrums im Westen Munsters, das 1973 mit Pfarrwohnung und Gottesdienstraum fertiggestellt wurde.51 Es sollte die Keimzelle für die Arbeit der 1980 gegründeten St. Martin-KG werden.
Nach der Bildung der Martinsgemeinde im Jahr 1980 blieb die kirchliche Struktur in Munster mit drei bzw. vier eigenständigen KG für gut dreißig Jahre stabil. Rückläufige Gemeindegliederzahlen und schrumpfende Finanzmittel machten nach der Jahrtausendwende schließlich eine Neuordnung notwendig. Zum 1. Januar 2012 schloss sich die St. Urbani-Kirchengemeinde mit ihren beiden Tochtergemeinden, der Friedenskirchengemeinde Breloh und der St. Martin-KG Munster, zusammen. Gemeinsam gründeten sie die „Ev.-luth. Kirchengemeinde Munster“.52

Pfarrstellen

I: vorref., 1980 an die neu gegründete St. Martin-KG Munster gegangen, gleichzeitig neu aus IV.53 – II: 1955.54 – III: 1964 errichtet, 1966 an die neu gegründete KG Breloh übergegangen, zugleich neu errichtet. 55 – IV: 1973 errichtet, 1980 umgewandelt in I.56

Umfang

Munster mit den Orten Alvern, Breloh (bis 1966, dann KG Breloh)57, Ilster (teilweise, bis 1980, dann zur Martinsgemeinde Munster)58, Oerrel, Töpingen und Trauen.

Aufsichtsbezirk

Präpositur Ebstorf der Diözese Verden.59 – Bei Auflösung der Präpositur Ebstorf 1534 zur Insp. Uelzen. Vor 1564 zur neuen Insp. Ebstorf.60 Um 1869 zur Insp. Soltau (1924: KK Soltau).

Patronat

Michaeliskloster zu Lüneburg bis 1850, dann der Landesherr bis 1871.

Kirchenbau
Flügelaltar, 1949

Flügelaltar, 1949

Vierjochiger, kreuzförmiger Bau mit fünfseitigem Chor, Querhaus mit südöstlichem Sakristeianbau und nordwestlichem Treppenturm, älteste Teile 13./14. Jh., verändert im 15. Jh., erweitert 1880/81 (Architekt: Conrad Wilhelm Hase, Hannover).61 Satteldächer über Lang- und Querhaus, über dem Chor nach Osten abgewalmt; Lang- und Querhaus weitgehend mit Ziegelmauerwerk verblendet, an der Nordseite Granitmauerwerk sichtbar; Strebepfeiler an Lang- und Querhaus sowie am Chor; zweibahnige Spitzbogenfenster mit einfachem Backsteinmaßwerk; Giebeldreiecke der Querhäuser mit mehreren Blendnischen. Im Innern Kreuzrippengewölbe, im Chor mit sternförmigem Schlussstein; Westempore und Empore im nördlichen Querhaus. Kirche ursprünglich erbaut im 13./14. Jh. als Feldsteinbau. Etwa im 15. Jh. erweitert und verändert zu überwölbter Backsteinkirche mit fünfseitigem Ostabschluss. Bau 1519 beschädigt während der Hildesheimer Stiftsfehde. 1880/81 mit Errichtung des Querhauses erweitert zu Kreuzbau.

Turm

Mittelalterlicher Westturm aus lagerhaftem Granit-Feldsteinmauerwerk sowie Backsteinmauerwerk. Vierseitiger, schiefergedeckter Pyramidenhelm, bekrönt mit Kugel und Kreuz; gemauerte Strebepfeiler an den Ecken; nach Süden flachbogiges Hauptportal in Spitzbogennische, nach Westen Spitzbogenfenster, Uhrziffernblatt, unterhalb der Traufe Auslegestuhl mit den beiden SG, nach Norden Flachbogenfenster. Wohl 1519 Mauerwerk im oberen Teil des Turms durch Backsteine ergänzt. 1881 Ecken in Backstein erneuert und Westfenster gebrochen.62 2003–15 Turmsanierung.

Glockenturm, 1949

Glockenturm, 1949

Glockenturm

Freistehender, hölzerner Glockenturm südlich der Kirche, erbaut vermutlich nach 1530 (gilt als einer der ältesten erhaltenen Holztürme in der Lüneburger Heide).63 Eichenholzstuhl mit quadratischem Grundriss, vertikaler Verschalung und hohem Zeltdach mit Holzschindeldeckung; Verschalung führt nur bis zur Brüstung des Glockengeschosses und lässt die Turmwände nach oben offen, so dass Ständer, Kopfbalken und Konsolen sichtbar sind.

Ausstattung

Schlichter Altar mit gemauertem Stipes und steinerner Mensa; auf neuerer Predella dreiflügeliges Altarretabel mit geschnitzten und farbig gefassten Reliefs (Mitte 15. Jh., vielleicht Volkmar Klovesten, Lüneburg), im Mittelfeld Grablegung: um den Leichnam Christi stehen bzw. knien Maria Magdalena, Maria (Mutter des Jakobus), Maria Salome, Joseph von Arimathia und Nikodemus, im Hintergrund zwei Soldaten; im linken Flügel Kreuztragung; im rechten Flügel Jesus mit Siegesfahne in Vorhölle; oberhalb der Reliefs feingliedriges Maßwerk; oberhalb des Schreins geschnitzte Kreuzigungsgruppe; Rückseiten der Flügel ursprünglich bemalt (Weisen aus dem Morgenland, Taufe Christi, Kreuzigung Christi, Weltgericht), Bemalung 1881 entfernt; Reliefs 1881 farblich neu gefasst.64 – Schlichte, hölzerne Kanzel (um 1600), Wandungen des Kanzelkorbs mit Arkadenfüllungen.65 – Bronzener Taufkessel (dat. 1432, vielleicht Cord Fribusch, Lüneburg), auf einem Bodenring stehen vier Stützfiguren, die den Taufkessel tragen; Kessel mit umlaufenden Zierfriesen und zwei rechteckigen Reliefs: zum einen Kreuzigungsszene, kaum leserliche Umschrift beginnt mit „cristus est pro nobis“ (Christus ist für uns), zum anderen thronende Maria mit Kind, flankiert von der hl. Barbara und der hl. Katharina (vermutlich), in Umschrift ist „michael-gabriel“ lesbar und „ora pro nobis“ (bete für uns); neben der Kreuzigungsgruppe Inschrift „M CCCC XXX II“; Deckel neu.66 – Grabstein für Meineke Töbing († 1485) und seiner Frau Wubbeke, Umschrift: „Anno domini M CCCC LXXXV obiit Meineke Tobing et uxor Wubbeke orate pro eis Dominus Ludolf Tobing consul Lüneburgensis h. hic sepult“, in den Ecken Evangelistensymbole; Grabstein wiederverwendet und mit neuer Inschrift versehen: „Fried. Wilh. Berlin. Lüneburg natus d. 2. Sept. 1698, Pastor vicarius d. 15. Sept. 1747, introductus Munster 12. Mart. 1748. – 1. Uxor Margreta Catarina nata Haurigs obiit 24. Aug. 1748. – 2. Uxor Mar. Christine Neufeldten Lüneburg nata 2. Apr. 1707, nupsit 1751 obiit d. 17… Johann XI. 25.26. gestorben zum Leben C S B 1786 1770 F. Berlin Pastor“.67 – Grabstein für Wilhelm Ludewig Christoph Becker (1788–1791). – Hölzerner Geldkasten in Truhenform (17. Jh.), Eisenbeschläge, Schraubschloss.68 – Außen an der Kirche Skulpturenkomposition „Außenaltar“ (1995–2003, Wladimir Rudolf, Munster), mehrere Holzplastiken an den Stirnseiten des Querhauses (u. a. Evangelistensymbole, Petrus, Marta, Weinranken, Lutherrosen) und an einem Strebepfeiler des Turms (Kirchenpatron St. Urban).69 – Außen vor der Kirche hölzerne Bank mit Engel (2015, Wladimir Rudolf, Munster).

Kirche, Blick zur Orgel, 1949

Kirche, Blick zur Orgel, 1949

Orgel

Die alte Kirche besaß keine Orgel.70 Orgelneubau 1881, ausgeführt von Heinrich Vieth (Celle), Gehäuse entworfen von Conrad Wilhelm Hase (Hannover), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleif- und Kastenladen. 1929 und 1940 Überholung und Instandsetzung, Firma Furtwängler & Hammer (Hannover). Orgelneubau 1963, ausgeführt von Emil Hammer Orgelbau (Hannover), 21 oder 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 1535). 1996/97 Instandsetzung, ausgeführt von Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 23 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Im Glockenturm eine LG, dʼ (Bronze, Gj. 1900, F. Otto, Bremen-Hemelingen). Im Kirchturm zwei SG, I: eʼʼʼ (Bronze, Gj. 1989, Firma Bachert, Karlsruhe); II: gʼʼʼ, (Bronze, Gj. 1508), Inschrift: „Anno domini m ccccc un VIII. help uns Jesus und Maria“. – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1639, Paul Voss, Lüneburg), 1900 umgegossen zu heutiger LG.71 Eine SG, cʼʼʼ (Eisen, Gj. um 1917, vielleicht Firma Weule, Bockenem), 1988 wegen schwerer Rostschäden durch heutige SG I ersetzt.72

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus I (Bj. 1859). – Pfarrhaus II (Bj. 1960). – Pfarrhaus III (Bj. 1973, 1980 an St. Martin-KG übergegangen). – Gemeindehaus „Ludwig-Harms-Haus“ (Bj. 1964/65), Vorgängerbau: sogenanntes Jugendheim (Bj. 1914). – Gemeindehaus-West (Bj. 1973, seit 1980 Gemeindezentrum der Ev.-luth. St. Martin-Kirchengemeinde).

Friedhof

Bis 1850 lag der Friedhof rund um die St. Urbani-Kirche.73 Ab 1850/51 wurde er an den Südrand des Dorfes verlegt und erhielt später eine kleine Kapelle. Bis 1957 Eigentum der St. Urbani-Kirchengemeinde. Seitdem ist der Friedhof Eigentum der Kommune, die nach 1958 auf einem anderen Grundstück einen neuen Friedhof anlegte, FKap (Bj. 1960).

Liste der Pastoren (bis 1940)

1543 Henrick van Zwolle. – 1543 Henricus Proelmann. – 1559–1572 Magister Johann Grubenhagen. – 1572–15.. Ludolphus Roffsack. – 15..–1626 Conrad Dedekind. – 1626–1668 Conrad Dedekind. – 1668–1701 Justinus Rothard. – 1701–1709 Johann Friedrich Rothard. – 1710–1711 Heinrich Bernhard(i). – 1711–1715 Magister Werner Heinrich Strauß. – 1715–1724 David Scharff. – 1724–1733 Johann Just Hoffmeyer. – 1734–1744 Conrad Ernst Holtzmann. – 1744–1747 Anton Paul Ludwig Carstens. – 1748–1770 Friedrich Wilhelm Berlin. – 1770–1781 Christian Friedrich Unger. – 1782–1792 Johann Dietrich Becker. – 1792–1797 Johann Christoph Mehlis. – 1798–1809 Ernst Christian Culemann. – 1809–1820 Friedrich (Dietrich) Anton Gläser. – 1821–1837 Carl Friedrich Eduard Schmidt. – 1837–1848 Georg Friedrich Rudolf Kettler. – 1849–1855 Dr. Friedrich August Christian Heinrich Ziel. – 1855–1892 Konrad Eberhard Adolf Weniger. – 1893– 1924 Heinrich Theodor Hugo Thiede. – 1925–1939 Georg Wilhelm Storing.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 163–164

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A1 Nr. 8146–8170 (Pfarroffizialakten); A6 Nr. 5772–5783 (Pfarrbestellungsakten); A 9 Nr. 1626 (Visitationsakten, Visitation 1609 unter Ebstorf A9 Nr. 512–516); S 11a Nr. 7010 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Bachmann, Heimatchronik, S. 91–95; Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 32–37; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 962; Hahn, Heidekirchen, S. 60–62; Harms, Äpfel, S. 30; Hassel, Repertorium, S. 75; Kayser, Kirchenvisitationen, S. 522–523; Manecke, Beschreibungen II, S. 15–16; Meyer, Pastoren II, S. 163–164; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 233–240; Salfeld, Pfründenregister, S. 88.
B: Karl-Heinz Grotjahn: Meiler, Mühlen und Monarchen. Kleine Geschichte des Kieselgurbergbaus in der Lüneburger Heide (1836–1994), Unterlüß 1999; Heinrich Peters: Munster. Unsere kleine Stadt und ihre Bürger, Munster 1997; Wolfgang Sterner: Militär, Gesellschaft, Kommune. Munster 1893 bis 1993, Osnabrück 2004; Wilhelm Wolter, Fritz Alvermann: Geschichte der St.-Urbani-Kirche zu Munster. Kirche und kirchliches Leben, Munster 1981.

GND

2110625-3, Ev.-Luth. St.-Urbani-Kirchengemeinde Munster; 1028224230, Sankt Urbani (Munster, Heidekreis)


Fußnoten

  1. UB Verden I, Nr. 433,V
  2. Peters, S. 31 f.; zu den Anfängen Munsters vgl. ebd., S. 24 ff. Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 32, nennt die Ableitung des Ortsnamens von monasterium „unwahrscheinlich“.
  3. Peters, S. 28.
  4. Peters, S. 58. Zur Stiftsfehde vgl. Meyer, Kirchengeschichte, S. 70 f.
  5. Hassel, Repertorium, S. 75 (dort als „Münster“ verzeichnet); Peters, S. 68.
  6. Zum Ganzen Peters, S. 47 ff.; Bachmann, Heimatchronik, S. 217
  7. Peters, S. 230 f. und 226
  8. Peters, S. 33 ff. und 37 ff.
  9. Peters, S. 78 ff.
  10. Zum Ganzen siehe Peters, S. 47 ff.; Grotjahn.
  11. Zum ganzen Komplex siehe Sterner; Peters, S. 81 ff.
  12. Wolter/Alvermann, S. 17; Peters, S. 29.
  13. Harms, Goldene Äpfel, S. 30; dazu: Wolter/Alvermann, S. 18; Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 32; Peters, S. 29.
  14. Wolter/Alvermann, S. 20 ff.; Peters, S. 29. Nach Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 32, deutet jedoch „nichts auf das ehemalige Vorhandensein eines Klosters“ hin.
  15. Peters, S. 385 f.
  16. Wolter/Alvermann, S. 23; Peters, S. 29 f. und 31 f.
  17. RG Online, RG III 01366, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/3/1366, 07.01.2021.
  18. Lüneburger UB VII, St. Michaelis, Nr. 1085.
  19. Wolter/Alvermann, S. 31.
  20. Peters, S. 306 und S. 386 f.
  21. Zum Ganzen siehe Busch, Anfänge, S. 30–37; Krumwiede, Kirchengeschichte I, S. 130 ff.; Otte, Einführung Reformation, S. 8–27, besonders S. 11–16.
  22. Siehe dazu Bock, Lasst aber alles, S. 60–75.
  23. Bock, Lasst aber alles, S. 62 f.
  24. Wolter/Alvermann, S. 31.
  25. Salfeld, Pfründenverzeichnis, S. 88.
  26. Meyer, Pastoren II, S. 163; Kayser, Kirchenvisitationen, S. 523; Wolter/Alvermann, S. 154.
  27. Meyer, Pastoren II, S. 163; Wolter/Alvermann, S. 154.
  28. Wolter/Alvermann, S. 36 f.
  29. Wolter/Alvermann, S. 156.
  30. Wolter/Alvermann, S. 158.
  31. Wolter/Alvermann, S. 68 ff.
  32. Wolter/Alvermann, S. 70 ff.
  33. Wolter/Alvermann, S. 80 ff. Gesamtkosten: 23.509,12 Mark, davon 4.388 Mark für die Orgel.
  34. Siehe dazu Krumwiede, Kirchengeschichte II, S. 334 ff.
  35. Siehe dazu Krumwiede, Kirchengeschichte II, S. 374 ff.
  36. Wolter/Alvermann, S. 98 ff. und S. 158 f.
  37. Wolter/Alvermann, S. 98 und 105 ff.
  38. Zum Folgenden: Wolter/Alvermann, S. 107 ff.
  39. Wolter/Alvermann, S. 115.
  40. Vgl. Wolter/Alvermann, S. 119.
  41. KABl. 1955, S. 19. Wolter/Alvermann, S. 124 und 161 ff.
  42. Wolter/Alvermann, S. 125; KABl. 1964, S. 4 f.
  43. Wolter/Alvermann, S. 119 ff.
  44. KABl. 1960, S. 99.
  45. Wolter/Alvermann, S. 122 ff.; Peters, S. 358; KABl. 1964, S. 4 f.
  46. KABl. 1966, S. 109. Wolter/Alvermann, S. 124, Peters, S. 358.
  47. Wolter/Alvermann, S. 125 ff.; KABl. 1966, S. 109.
  48. Wolter/Alvermann, S. 126 ff.; Peters, S. 390; KABl. 1980, S. 14.
  49. Wolter/Alvermann, S. 128 und 133; KABl. 1980, S. 14.
  50. Wolter/Alvermann, S. 130.
  51. Wolter/Alvermann, S. 131 ff.
  52. KABl. 2011, S. 236 ff.
  53. KABl. 1980, S. 14.
  54. KABl. 1955, S. 19.
  55. KABl. 1964, S. 4 f.; KABl 1966, S. 109.
  56. KABl. 1973, S. 13; KABl 1980, S. 14.
  57. KABl. 1966, S. 109.
  58. KABl. 1980, S. 14.
  59. Gercke, Propsteien Uelzen und Lüchow, S. 124 mit Anm. 54. Burchhardt u. a., Bistum Verden, S. 34, nennt weiterhin das von Gercke als Irrtum erkannte Archidiakonat Holdenstedt.
  60. Lange, General-Kirchenvisitation, S. 58 mit Anm. 77; Gercke, Propsteien Uelzen und Lüchow, S. 138.
  61. Zum Ganzen siehe Pantel, Denkmaltopographie, S. 234; Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 32 ff.; Hahn, Heidekirchen, S. 60 f.; Peters, S. 386 f.
  62. Zum Ganzen Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 33; Hahn, Heidekirchen, S. 60.
  63. Wolter/Alvermann, S. 32; Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 35.
  64. Zum Altar: Wolter/Alvermann, S. 141 f.; Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 35 f.; Hahn, Heidekirchen, S. 61.
  65. Zur Kanzel: Wolter/Alvermann, S. 146 f.; Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 36; Hahn, Heidekirchen, S. 62.
  66. Zum Taufkessel Wolter/Alvermann, S. 142 ff.; Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 36; Hahn, Heidekirchen, S. 61 f.; Pantel, Denkmaltopographie, S. 234.
  67. Siehe Wolter/Alvermann, S. 93 f.; Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 36 f.
  68. Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 37.
  69. Hahn, Heidekirchen, S. 61.
  70. Vgl. zum Folgenden: Peters, S. 387; Wolter/Alvermann, S. 69 f. und 94 ff.; Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 36; Pape/Schloetmann, Hammer, S. 167.
  71. Vgl. Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 37.
  72. Siehe auch Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 37.
  73. Zum ganzen Friedhofswesen vgl. Peters, S. 262 f.