Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | Patrozinium: Petrus und Paulus | KO: Braunschweigische KO von 1709

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Orts- und Kirchengeschichte

Das an der Remte am Fuß des Ith gelegene Rodungsdorf erscheint erstmals 1219 anlässlich seiner Verlehnung an den aus Kemnade stammenden Landwirt Heinricus, dessen Familie sich seither de Biscopingerothe nannte (im 15. Jh. erloschen). 1300 wird Bisperode in einer Urkunde des Gf. Gerhard von Hoya als villa Biscopesrothe intra diocesin Mindensen. erwähnt.1 Den kleinen Zehnten zu Bisperode besaß Gf. Gerhard von Hoya als Lehen des Mindener Bf. und schenkte ihn 1378 dem Kloster Amelungsborn. Die Landeshoheit hatten später die Hzge. von Braunschweig und Lüneburg (Fsm. Wolfenbüttel). Bis Mitte des 16. Jh. wurde Bisperode zur Herrschaft Homburg (Amt Wickensen) gerechnet; die niedere Gerichtsbarkeit lag seit 1580 beim adeligen Gericht Bisperode. Nachher zum Amt Wickensen, unter westphälischer Herrschaft 1807 Kanton Halle, 1810 Kanton Börry, 1814 Kreisgericht Eschershausen, 1825 Kreisamt/Amt Eschershausen, 1850 Landkreis Holzminden. – Seit 1. Januar 1973 Ortsteil des Fleckens Coppenbrügge.

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1961

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1961

1259 wird Arnoldus de Bispingerothe als Priester (sacerdos) 1259 genannt2, 1297 Hildebrandus plebanus in Biscopinche(ro)dh(en).3 Der Pfarrstelleninhaber unterhielt aus dem von der Familie von Werder (damals Besitzer des Edelhofs) gestifteten St.-Georgs-und-St.-Annen-Lehen zwei Kaplane zum Lesen der Wochenmessen und kirchlichen Versorgung der Dörfer Bessingen und Bäntorf. Die beiden letzten Kaplane waren Johann Schwieshelm (später P. in Dielmissen) und Johann Römer (später P. in Voremberg). Zu Bisperode gehörte seit vorref. Zeit die Kapelle in Diedersen. Die Einführung der Reformation erfolgte 1542/44 nach der Vertreibung Hzg. Heinrichs des Jüngeren durch die Schmalkaldischen Bundestruppen. Erster luth. P. war Tilemann Knockstedt.4
Von 1542 bis 1622 und von 1816 bis 1821 verwalteten die Pfarrer von Bisperode auch die Nachbarpfarre in Bessingen. Umgekehrt wurde Bisperode 1756 bis 1761 und 1872 bis 1875 von Bessingen aus versehen. Während der letzten Vakanz in Bessingen gab es Überlegungen, die beiden Metternichschen Patronatpfarren auch dauerhaft zu verbinden.5 Das Vorhaben wurde aber nicht umgesetzt. Am 1. Januar 2001 ging die KG Bisperode in der neu gebildeten KG Am Ith auf.6

Umfang

Bisperode, Diedersen (KapG), die Bavenser Mühle und das Vorwerk „das neue Haus“. Mit dem 1. Januar 1995 wurde die bisherige KG Harderode in eine KapG umgewandelt und gemeinsam mit der zugehörigen KapG Bremke in die KG Bisperode eingegliedert.7

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden. – 1569 zur Suptur. (Insp.) Halle der Generaldiözese Alfeld; letztere nach der Abtretung Alfelds an das Hochstift Hildesheim (1642) aufgelöst. Im Zuge der Neuordnung der kirchlichen Verwaltung wurde 1648 aus den Insp. Halle und Holzminden die Generaldiözese Holzminden gebildet. 1759 wurde Bisperode von der Insp. Stadtoldendorf in die neu gegründete Insp. Halle (Ottenstein) umgegliedert und war 1878–1884 dort Suptur.-Sitz. Seit 1. Oktober 1942 zur hannoverschen Landeskirche8 und dort zunächst zum KK Eschershausen; nach dessen Auflösung am 1. April 1947 zum KK Coppenbrügge9, ab 1. Januar 1975 KK Elze-Coppenbrügge (1. Januar 2005 im KK Hildesheimer Land aufgegangen; seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze).

Patronat

Die Besitzer des Guts Bisperode (dingliches Patronat): Mit dem erst nach 1400 belegten Edelhof war seit 1453 die Familie von Werder belehnt. Sie verkauften ihn 1614 an den Obristen und Statthalter Michael Viktor von Wustrow († 1615), nach dessen Tod der Oberhofmeister und Hofrichter Anton von Streithorst damit belehnt wurde (1622 entzogen). Ab 1623 war der Edelhof wieder Lehnsbesitz der von Werder, deren Bisperoder Linie 1665 mit dem Tod des Jobst von dem Werder ausgestorben ist. 1665 belehnte Bf. Maximilian Heinrich seinen Kämmerer Johann Adolph Frhr. Wolff-Metternich zur Gracht mit Bisperode. Das Reichskammergericht wies 1720 Ansprüche der anhaltischen Linie der von Werder zurück und bestätigte Bisperode als Besitz der von Wolff-Metternich. Nach mehreren Eigentümerwechseln (1875: Buresch, 1879: Mummy) befindet sich das Schloss10 seit 1901 im Eigentum der Familie Voss.11 Das Patronatsrecht besteht auch nach Überführung der KG Bisperode in die KG Am Ith fort.

Kirchenbau

Das KGb wurde unter den von Wolff-Metternich als Patronatsherren 1716 neu errichtet. Verputzter, barocker Bruchsteinsaalbau mit Eckquaderung, an den Längsseiten durch quadratische Sprossenfenster zu zwei Reihen in sieben Achsen gegliedert. Innenraum mit umlaufender Empore, deren Stützen den Saal in drei Schiffe teilen. Der Saal, ursprünglich mit hölzernem Tonnengewölbe, wird jetzt von einer flachen Kassettendecke geschlossen. 1962/63 renoviert.

Fenster

Zehn Glasfenster des Glaskünstlers Werner Kothe (2011).

Turm

Der im 11./12. Jh. errichtete wuchtige Westturm stammt noch von einem romanischen Vorgängerbau der heutigen Kirche. Die achtseitige, verschieferte Barockhaube wurde nachträglich aufgesetzt.

Kanzelaltar, Foto: W. Röpke, 1907

Kanzelaltar, Foto: W. Röpke, 1907

Grablege

Südlich am Turm Anbau aus geputztem Bruchstein mit Sichtfachwerkgiebel als Erbbegräbnis der Frhr. von Hake-Diedersen (1770). Ein älteres Grabgewölbe befand sich unter dem Schiff vor dem Altarraum.

Ausstattung

Barocke Kanzelaltarwand mit korinthischer Ädikula (zweite Hälfte des 18. Jh.) hinter einem massiven Stipes mit Sandsteinmensa. – Runde Sandsteintaufe auf quadratischer Plinthe (nach 1716). Taufschale und Deckel neu. –Epitaphien der Anna Katharina von Haxthausen († 1610), des P. Heinrich Gosmanus († 1626, rechts der Altarwand) und des Amtsschreibers Conrad Caspar Schumacher († 1663, in der Turmhalle).

Orgel, 1974

Orgel, 1974

Orgel

1785 Beschaffung einer Orgel. Um 1830 Neubau durch Firma Euler (Gottsbüren). 1909 Neubau hinter dem Euler-Prospekt durch Firma Faber & Greve (Salzhemmendorf), 26 (davon 11 Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Fabersche Membranlade. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (vor 1965 durch neue, stumme Prospektpfeifen ersetzt). 2009 Erneuerung und Umbau durch Firma Romanus Seifert & Sohn (Kevelaer), 14 II/P (HW, NW), mechanische Traktur, Schleifladen. Das Fabersches Pfeifenmaterial und der Prospekt von 1830 wurden übernommen. – Prospekt unter Denkmalschutz.

Geläut

Drei LG, I: f’ (Bronze, Gj. 1659, Hans Meyer, Braunschweig); II: g’ (Bronze, Gj. 1415); III: e’’ (Bronze, Gj. 1540). – LG I war im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert worden und konnte 1947 vom Glockenfriedhof in Hamburg zurückgeführt werden.

Weitere kirchliche Gebäude

Ein Pfarrhaus wurde 1754 neu errichtet (zweigeschossiger Fachwerkbau). – Gemeindehaus (Bj. 1994/96). – KiGa (Bj. 1994).

Friedhof

Am südlichen Ortsausgang (Lange Straße). In Trägerschaft der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 85 (Spec. Landeskons.); D 22a (EphA Coppenbrügge).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 76, Nr. 45; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 225; Holscher, Bisthum Minden, S. 85; Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig I, S. 69 f.; Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 229–237.
B: Wilhelm Wöbbecke: Beiträge zur Ortsgeschichte von Bisperode, [Holzminden 1933].


Fußnoten

  1. Wöbbecke, S. 4.
  2. UB Barsinghausen, Nr. 47.
  3. UB HS Hildesheim III, Nr. 1148; Cal. UB XI, Wülfinghausen I, Nr. 61.
  4. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 233.
  5. LkAH, B 22 a, Spec. Behrensen 100.
  6. KABl. 2001, S. 11 f.
  7. KABl. 1995, S. 40 f.
  8. KABl. 1943, S. 1–4.
  9. KABl. 1947, S. 13.
  10. Das barocke Wasserschloss wurde 1694/1700 durch den Paderborner Fbf. Hermann Werner von Wolff-Metternich zur Gracht errichtet.
  11. LKA, G 15/Ith-Nesselberg.