Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Holzminden-Bodenwerder | Patrozinium: Nikolaus | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Dielmissen wird am 23. August 1151 als Thiedelmissen in einer Urkunde des Bf. von Hildesheim für das dortige Moritzstift erstmals urkundlich erwähnt.1 In benachbarten Orten ist 1194 bis 1401 eine mutmaßlich ritterliche Familie de Didilmessen nachgewiesen, zuletzt als Bürger der Stadt Bodenwerder. Dielmissen kam später in den Besitz der Edelherren von Homburg (Vogtei Homburg)2 und nach deren Erlöschen (1409) mit der Herrschaft Homburg an die Welfen (Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel; Amt Wickensen, 1832 Kr. Holzminden).

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1948

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1948

Um die Kirche lag vermutlich der älteste Siedlungskern des Dorfs. Das wehrhafte KGb stammt im Kern aus romanischer Zeit. Über die vorref. Geschichte liegen nur wenige Angaben vor. 1397 bestätigte Bf. Otto von Minden die Stiftung eines Altars durch den Geistlichen Florinus von Hupede und dessen Bruder, den Knappen Bernhard von Hupede. 1526 war Heinrich Ludering Pfarrer in Dielmissen. Mit der Besetzung des Landes durch die Truppen des Schmalkaldischen Bundes (1542) wurde die Reformation eingeführt. Zur Zeit der im gleichen Jahr durchgeführten Visitation amtierte ein Pastor verus namens Schwerthelm.3 Bereits 1544 war Dielmissen wegen der schlechten finanziellen Ausstattung mit Hunzen vereinigt.4 Nach der Rückkehr Heinrichs des Jüngeren wurde die Pfarre wohl zunächst wieder kath. Endgültig setzte sich das luth. Bekenntnis mit dem Regierungsantritt Hzg. Julius (1568) durch. Im gleichen Jahr wird Johann Wedigen als P. genannt, dem allerdings schon die Pfarre in Salzdetfurth verliehen war.
Am 1. Oktober 1942 wurde die KG von der braunschweigischen in die hannoversche Landeskirche umgegliedert.5 1976 beantragte der KKV eine Ausnahmegenehmigung für die Besetzung der seit 1970 vakanten Pfarrstelle. Politisch war Dielmissen seit der Kommunalreform der 1970er Jahre Teil der Samtgemeinde Eschershausen. Einen kirchlichen Zusammenschluss lehnte die Gemeinde hingegen ab. Die in Dielmissen favorisierte Umgliederung der KapG Lüerdissen/Oelkassen aus der KG Eschershausen in die KG Dielmissen führte ebenso wenig zum Ziel.6 Mit dem 1. Januar 1979 wurde Dielmissen zunächst mit Kirchbrak7 und nach Lösung der Verbindung mit Kirchbrak und Hunzen zum 1. Februar 2001 mit der Martins-KG in Eschershausen unter einem gemeinsamen Pfarramt verbunden.8 Zum 1. April 2003 erfolgte die zusätzliche pfarramtliche Verbindung mit der Nicolai-KG in Vorwohle.9

Aufsichtsbezirk
Kirche, Blick zum Altar, nach 1953

Kirche, Blick zum Altar, nach 1953

Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden. – 1569 zur Suptur. (Insp.) Halle der Generaldiözese Alfeld. Die Generaldiözese Alfeld wurde 1642 nach der Abtretung Alfelds an das Hochstift Hildesheim aufgelöst und 1648 aus den Insp. Halle und Holzminden die Generaldiözese Holzminden gebildet. Später wohl zur Insp. Stadtoldendorf, dann Insp. Halle. Von 1824 bis 1827 war Dielmissen Sitz der Suptur. der Insp. Halle. 1827 bat die Gemeinde um Rückgliederung in die Insp. Stadtoldendorf.10 Vor 1897 zur Insp. Stadtoldendorf; nach deren Aufhebung im Apr. 1914 in die Insp. Halle-Ottenstein umgegliedert. 1935 zur Propstei Eschershausen, nach Umgliederung in die hannoversche Landeskirche am 1. Oktober 1942 KK Eschershausen. Nach dessen Auflösung am 1. April 1947 zum neu gebildeten KK Bodenwerder, seit 1. Januar 1999 KK Holzminden-Bodenwerder.

Patronat

Der Bf. von Minden, dann der Landesherr (Kg. von Preußen als Fürst von Minden). Gemäß Vertrag von 1818 stand das Präsentationsrecht in zwei Besetzungsfällen dem Konsistorium in Münster als Rechtsnachfolger des Bf. von Minden zu, im dritten Fall der Familie von Münchhausen-Bodenwerder als Patron der kombinierten Pfarre Hunzen.11 Durch Verzicht des Konsistoriums in Münster sowie Aussterben der Linie von Münchhausen-Bodenwerder und Dismembration des ehemaligen Guts ist das Patronat erloschen.12

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, vor 1907

Kirche, Grundriss, vor 1907

Durch eine Flachdecke geschlossener Bruchsteinsaal mit gequaderten Ecken, überwiegend aus romanischer Zeit (um 1200). Ostgiebel aus Fachwerk; im Osten ein Sakristeianbau aus Eichenfachwerk. Bei einer Erneuerung des Schiffs wurden 1594 die Fenster vergrößert und im Westen und den Längsseiten Emporen eingebaut. 1724 wurde das Schiff nach Osten erweitert. Sanierung 2011.

Turm

Querrechteckiger, zum Schiff gleichbreiter Turm mit kreuzgratgewölbter Halle und Satteldach.

Ausstattung

Hölzerner Renaissance-Kanzelaltar; zwischen Kanzel und Mensa ein derbes Abendmahlsbild in dorisierender Pilastereinfassung (16. Jh.). 1952/53 restauriert. – Ein früherer Taufstein aus rotem Sandstein dient jetzt als Opferstock. – Beiderseits des Altars an der Wand Apostelfiguren von einem früheren Schnitzaltar (um 1500). – Christusfigur (um 1400) und Figuren der Maria und des heilige Johannes (um 1500) von einer Kreuzigungsgruppe; 1905 an das Braunschweigische Landesmuseum (später Hzg.-Anton-Ulrich-Museum), 1952 in die Kirche zurückgebracht.

Orgel

Auf der Westempore. 1857/58 Neubau durch Conrad Euler (Gottsbüren), 10 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1951 Instandsetzung durch Firma Emil Hammer (Hannover). 1981 Restaurierung durch Martin Haspelmath (Walsrode). Wiedereinweihung am 8. November 1981. Denkmalorgel.

Geläut

Zwei LG, I: as’ (Bronze, Gj. 1782, Johann Meyer, Celle); II: b’’ (Bronze, Gj. um 1300, Betglocke). – Früherer Bestand: Von dem ehemals dreiteiligen Geläut war nach der Glockenabgabe in den beiden Weltkriegen nur die kleinste LG (um 1300) erhalten. Sie wurde um die neue LG I (angekauft von einer Gemeinde im Kr. Celle) ergänzt. Zum Altbestand gehörte 1907 noch eine 1774 gegossene LG von Johann Heinrich Christian Weidemann (Hannover).

Friedhof

Der älteste Begräbnisplatz befand sich bei der Kirche und wurde wohl bis 1778 genutzt. Ab 1779 neben der Schule, 1851 auf dem Tropenanger (heute Ithstraße); ab 1901 an der Straße nach Hunzen im Norden des Dorfs. FKap (Bj. 1965/66). In Trägerschaft der Samtgemeinde Eschershausen-Stadtoldendorf. Der alte Friedhof wurde 1921/26 an die politische Gemeinde verkauft.

Landeskirchliches Archiv Hannover

D 25 (EphA Bodenwerder).

Literatur

A: Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 259-264; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 386 f.; Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig I, S. 152; Pape, Haspelmath, S. 158.
B: Brunhilde Ebrecht: Chronik von Dielmissen, Kreis Holzminden, [Holzminden 2012].


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 275.
  2. Ohainski, Lehnregister, S. 23.
  3. Seebaß/Freist, Pastoren, S. 75.
  4. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 230.
  5. KABl. 1942, S. 1-4.
  6. LkAH, B 2 K 1/Bodenwerder I, Bl. 83 (KKV Bodenwerder an LKA, 16.08.1976).
  7. KABl. 1979, S. 7.
  8. KABl. 2001, S. 27.
  9. KABl. 2003, S. 49 f.
  10. LkAH, D 48, Gen. Stadtold. A 140.
  11. LkAH, B 1 A Nr. 11168.
  12. LKA, G 15/Dielmissen.