Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Holzminden-Bodenwerder | Patrozinium: Johannes | KO: Braunschweigische KO von 1709

Orts- und Kirchengeschichte

Marktflecken am Beverbach zwischen Holzminden und Eschershausen, erscheint 822/826 als Byueran in den Corveyer Traditionen.1 Bevern gehört damit zu den ältesten Siedlungen der Region. Die Vogtei kam 1245 durch Tausch von den Edelherren von Homburg an das Kloster Corvey.2 Der wohl vom Kloster belehnte Knappe von Haversvörde überließ die Hälfte von Vogtei und Gericht den Gf. von Everstein, die seit dem 13. Jh. nach und nach die Herrschaftsrechte übernahmen. Der Sattelhof in Bevern war Stammsitz des seit 1258 bezeugten und 1588 erloschenen Adelsgeschlechts von Bevern. 1594 wurde Statius von Münchhausen durch Hzg. Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel mit dem Sattelhof belehnt. Er ließ 1603 bis 1612 das Schloss im Stil der Weserrenaissance bauen, musste es jedoch wegen Überschuldung noch vor seinem Tod an Hzg. Friedrich Ulrich übertragen. Das Gut/Schloss blieb in der Folge in herzoglichem Besitz und diente seit 1667 als Apanagesitz der von Ferdinand Albrecht, dem dritten überlebenden Sohn Hzg. Augusts, begründeten, 1809 erloschenen Bevernschen Seitenlinie des Herzoglichen Hauses. Ort und Gut bildeten ein besonderes Amt, in dem nach dem bevernschen Erbregister von 1706 das Untergericht der fürstlichen Schlossherrschaft allein zustand. Fleckensrechte vor 1706.

ehem. Kirche, 1891 abgebrochen; Ansicht von Nordosten

ehem. Kirche, 1891 abgebrochen; Ansicht von Nordosten

Ob schon vor 1500 in Bevern eine Kirche bestanden hat, ist unbekannt. Nach Johann Letzner, dem Verfasser der „Dasselischen und Einbeckischen Chronica“, hat Bruno von Bevern, der das Haus und das Dorf Bevern als Lehen hatte, 1501 eine Kirche gestiftet. Bestätigt wird die Angabe jedenfalls durch ein Urkunde vom 22. Januar 1506, nach der Bruno von Bevern den hoghen Altaer in der parkerken sancti Johannis to beveren mit 30 Morgen Land und einem Meierhof von 40 Morgen ausstattete. Zugleich wurde Johannes Bodenhagen als Priester und erster Pfarrer der Kirche eingesetzt.3 Bodenhagen war 1542 bei Einführung der Reformation noch im Amt und nahm das luth. Bekenntnis an. 1566 wurde Johannes Sagittarius aus Dringenberg Pfarrer in Bevern. 1568/71 folgte der Neubau des Kirchturms, 1576 die Renovierung der Kirche durch Braunarndt von Bevern. Statius von Münchhausen ließ die alte Kirche 1595 abreißen und einen Neubau errichten (flachgedeckter einschiffiger Saalbau aus rotem Bruchstein). Durch die Einquartierung schwedischer Truppen wurden die kirchlichen Gebäude im Dreißigjährigen Krieg in Mitleidenschaft gezogen, waren aber 1648 bereits wieder instandgesetzt.4 Mit dem Einzug der fürstlichen Hofhaltung 1667 erhielt das Schloss einen eigenen Hofprediger für die GD in der Schlosskapelle, doch ist um die Mitte des 18. Jh. nur noch von einem Hofdiakon die Rede.5 Danach sind die Geschäfte von Ortspfarrer und benachbarten Geistlichen versehen worden. Mit dem Aussterben der Bevernschen Seitenlinie 1809 ging auch die Stelle des Hofgeistlichen ein.
Anfang der 1830er Jahre wurde auf Schloss Bevern eine „Besserungsanstalt“ für Erwachsene und Jugendliche eingerichtet und an dieser ein eigener Prediger angestellt. 1868 erfolgte die Umwandlung in eine Erziehungsanstalt für „verwahrloste“ Kinder (Wilhelmsstift). Der an ihrer Spitze stehende Geistliche nahm neben der Leitung der Anstalt auch ihre kirchlichen Geschäfte wahr. 1919 wurde die kirchliche Versorgung des Wilhelmsstifts nebenamtlich durch den Pfarrer von Bevern übernommen.6

Kirche, Ansicht Nordosten, 1957

Kirche, Ansicht Nordosten, 1957

1880 drohte in der Kirche das Gewölbe über der Westempore einzustürzen. Wegen der hohen Kosten für die Instandsetzung wurde schon damals ein Neubau in Erwägung gezogen.7 Sie wurde aber erst 1891 abgebrochen und bis 1893 an gleicher Stelle ein Neubau errichtet (Entwurf: Kreis-Bauinspektor W. Müller, Holzminden. Einweihung am 19. November 1893). Von der alten Kirche blieb der Turm erhalten. Während der Bauphase fanden die GD in der Kirche des Wilhelmstifts statt.
P. Gebensleben (ab 1939) war Mitglied der NSDAP. Der Jungmädchenkreis bestand trotz Drucks des BDM weiter und nahm zahlenmäßig sogar zu. Der Jungmännerkreis ist nach 1933 schnell eingegangen. 1936 erfolgte die Umwandlung der ev. Bekenntnisschule in eine Gemeinschaftsschule, indem der Erste Lehrer seinen Kirchenaustritt erklärte und trotzdem weiter unterrichtete. Der Kirchenkampf wirkte sich insgesamt auf die Gemeinde nicht aus. Der Krieg brachte keine Stärkung der Kirchlichkeit unter Einheimischen, aber starken Zuzug von Flüchtlingen, die anschließend 75 Prozent der GD-Teilnehmer stellten. Die Seelenzahl verdoppelt sich auf etwa 3.000.

Umfang

Bevern, der Ortsteil Forst und das Dorf Lobach (KapG, zum 1. Januar 1974 aufgehoben8).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Höxter des Bm. Paderborn. – 1569 zur Suptur. (Insp.) Holzminden der Generaldiözese Alfeld. Mit dem Rückfall der Stadt Alfeld an das Stift Hildesheim (1642) wurde die GSuptur. zunächst aufgelöst und die Insp. Holzminden und Halle 1648 zur General-Insp. Holzminden vereinigt. Zugleich wurde der Sitz der Spezial-Insp. nach Bevern verlegt. Sie umfasste 1653 elf Pfarrbezirke, 1681 noch acht (Bevern, Golmbach, Rühle, Negenborn, Altendorf, Boffzen, Derental und Meinbrexen). 1692 kam der Sitz der Suptur. nach Halle, die Bezeichnung als Insp. Bevern blieb aber bestehen. 1734 Rückverlegung der Suptur. nach Bevern, später nach Deensen, 1788 nach Golmbach, 1823 wieder nach Bevern. 1866 wurde der Sup. von Bevern GSup. in Holzminden und der Sitz dorthin verlegt. 1881 wurden die Insp. Holzminden und Bevern zur Insp. Holzminden- Bevern vereinigt (ab 1914: Insp. Holzminden). 1935 Einführung der Amtsbezeichnung Propst. 1. Oktober 1942 Umgliederung von der braunschweigischen in die hannoversche Landeskirche9 als KK Holzminden. Seit der Vereinigung mit dem KK Bodenwerder zum 1. Januar 1999 KK Holzminden-Bodenwerder.

Patronat

Die von Bevern; später deren Erben als Besitzer des Guts Bevern. Ging vor 1800 auf den Landesherrn über.10

Kirchenbau

Neugotischer Bau auf kreuzförmigem Grundriss (1891/93), aus rotem Sandstein. Die frühere Ausmalung des Kirchenraums wurde 2004 teilweise restauriert.

Turm

Westturm von 1568/71, mit neuem Helm von 1891/93. Bekrönung mit Kugel, Kreuz und Hahn.

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1958

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1958

Fenster

In drei Chorfenstern die Anbetung der Weisen, der predigende Jesus, Auferstehung (gestiftet durch Amtsrat Baumgarten in Forst, gestaltet durch die Glasmalerei P. G. Heinersdorff & Co. in Berlin). Im Maßwerk der Kreuzschifffenster Medaillons mit den die vier Evangelisten; Lamm Gottes und Pelikan.

Ausstattung

Hölzernes, neugotische Retabel, mit plastischer Kreuzigung und Engelsfiguren. – Neugotische Kanzel, auf den Brüstungsfeldern Reliefs der vier Evangelisten. – Achtseitige pokalförmige Sandsteintaufe. 1749 ist ein Taufengel belegt (nicht mehr vorhanden).11 – Prieche aus der alten Kirche mit halbplastischer Darstellung des Stifters Statius von Münchhausen und 32 Ahnenwappen seiner Familie. – Grabsteine des Statius von Münchhausen († 1633) und seiner Frau Dorothee von Bothmer. – Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde an der Wand des südlichen Kreuzschiffs eine Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege aus Bevensen und Lobach angebracht.

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1958

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1958

Orgel

1867 Neubau unter Verwendung älterer Reg. durch Firma Euler (Gottsbüren).12 Das Werk wurde 1893 in den neuen Kirchenbau übernommen und erhielt einen neuen neugotischen Prospekt. 1948 Instandsetzung und Umbau durch Firma Emil Hammer (Hannover), 17 II/P (HW, OW), mechanische Traktur, Schleifladen. 1969 Renovierung und Umbau durch Firma Albrecht Frerichs (Göttingen), 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1992 Veränderung der Disposition (Einbau von Posaune 16’) durch Firma Albrecht Frerichs.

Geläut

Vier LG, I: f’ (Eisen, Gj. 1949, J. F. Weule, Bockenem); II: fis’ (Bronze, Gj. 1961, Gebrüder Rincker, Sinn); III: gis’ (Bronze, Gj. 1680, Nikolaus Greve, Hannover); IV: h’ (Bronze, Gj. 1961, Gebrüder Rincker, Sinn). – Eine SG in a’’ (Bronze, Gj. um 1350). – Früherer Bestand: Die größere LG wurde 1868 durch den Glockengießer Zach (Braunschweig) umgegossen13 und 1917 zu Kriegszwecken abgegeben. Ersatzglocke (fis’, Bronze) 1925 von Gebrüder Radler (Hildesheim), 1942 ebenfalls abgeliefert. 1949 beschaffte die KG eine neue LG in f’ aus Eisenhartgusse von der Firma J. F. Weule in Bockenem. Das Geläut wurde 1961 durch die beiden Bronzeglocken der Gießerei Rincker vervollständigt, die Eisenglocke von Weule seither nur noch als Gedenkglocke am ersten Sonntag im Monat nach dem Haupt-GD geläutet.14

Weitere kirchliche Gebäude

Das erste Pfarrhaus wurde bei Gründung der Pfarre 1501 errichtet. Neubauten 1566 (ebenso das Küsterhaus)., 1722/23 und 1855 (an anderer Stelle). Das alte Pfarrhaus von 1722/23 wurde 1893 abgerissen. – Gemeindesaal (Bj. 1952). – KiGa (Bj. 1966/67).

Friedhof

Am nördlichen Ortsrand (Forster Straße). In Trägerschaft der Samtgemeinde Bad Bevensen.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 795-798 (Pfarrbestallungsakten); D 48 (EphA Holzminden).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 220; Göhmann, Taufengel, S. 55 f.; Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig I, S. 62; Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 7-13.
B: Willi Honselmann: Kirchen- und familiengeschichtliche Notizen aus einem Missale der Pfarrei Bevern, in: Westfälische Zeitschrift 111 (1961), S. 287-300; Otto Uhden: Flecken und Schloß Bevern. Ortsgeschichte der ehemaligen Residenz der bevernschen Nebenlinie der Hzg. zu Braunschweig und Lüneburg, [Bevern] o. J.; Wilhelm Rauls: Deensen, Braak und Schorborn, drei Dörfer vor dem Solling, Holzminden 1983.


Fußnoten

  1. Mönchslisten I, § 38; Mönchslisten II, S. 96. Vgl. auch Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 73.
  2. Westfälisches UB IV, Nr. 356.
  3. Uhden, S. 128.
  4. Rauls, S. 99.
  5. LkAH, D 48 Spec. Bevern A 103.
  6. LkAH, D 48 Spec. Bevern A 103.
  7. LkAH, D 48 Spec. Bevern A 511.
  8. KABl. 1974, S. 24.
  9. KABl. 1943, S. 1-4.
  10. Stübner, Kirchenverfassung, S. 260.
  11. Göhmann, Taufengel, S. 56.
  12. LKA, G 9 B/Bevern (Gutachten von Hans Jendis, 14.09.1964).
  13. LkAH, D 48 Spec. Bevern A. 5131.
  14. LKA, G 9 B/Bevern (Bericht über die amtliche Glockenrevision in der Kirche St. Johannis zu Bevern, 26.03.1968).