Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | KO: Braunschweigische KO von 1709

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Orts- und Kirchengeschichte

Dorf in der ehemaligen Herrschaft Homburg, seit 1409 unter der Herrschaft der Hzg. von Braunschweig und Lüneburg (Amt Wickensen, seit der Erbteilung von 1495 zum Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel). Eine ritterliche Familie de Bessinge ist 1216 bis 1344 urkundlich nachweisbar. Im 16. Jh. waren die von Werder Grundherren und Besitzer sämtlicher Höfe in Bessingen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Ort zur Pendlergemeinde der nahegelegenen Kreisstadt Hameln.1 – Seit 1973 Ortsteil von Coppenbrügge.

Orgel

Orgel

In kirchlicher Beziehung gehörte Bessingen ursprünglich wohl zur Parochie Bisperode. Jedenfalls unterhielt der Bisperöder Pfarrer in vorref. Zeit zunächst einen Kaplan in Bessingen, worauf auch das gemeinsame Patronat des Guts Bisperode zurückzuführen ist.2 Die Verselbständigung muss in der ersten Hälfte des 15. Jh. oder früher erfolgt sein. Auf einer (nicht erhaltenen) Glockeninschrift von 1426 wird J. Barghausen als Pfarrer genannt. 1427 erscheint Johann de Bessingensen ecclesie rector. Bei der Visitation von 1542 war die Pfarre unbesetzt.3 Sie war bis 1622 mater combinata von Bisperode und wurde auch von 1816 bis 1821 und von 1931 bis 1936 während vorübergehender Vakanzen von dort aus verwaltet.
Der ab 1936 zunächst als Vikar, ab 1939 als Pfarrer amtierende P. Knorr war ab 1944 Mitglied der BK. Kirchenkampf fand in der Gemeinde nicht statt.
Durch Zuzug von Ostflüchtlingen und Heimatvertriebenen wuchs die Zahl der Gemeindeglieder nach dem Zweiten Weltkrieg vorübergehend stark an, ging aber bis 1955 wieder auf etwa 430 (ohne KapG Behrensen) zurück.
Zum 1. Juli 1976 wurde die KG Bessingen mit der KG Hohnsen pfarramtlich verbunden.4 Zum 1. Juni 2000 wurden die KG Bessingen, Hohnsen und Brünnighausen-Bäntorf sowie die KapG Behrensen zur Ev.-luth. KG Ith-Nesselberg vereinigt.5

Umfang

Bessingen und Behrensen (KapG).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden. – 1569 zur Suptur. (Insp.) Halle der Generaldiözese Alfeld. Mit der Abtretung Alfelds an das Hochstift Hildesheim (1642) wurde die Generaldiözese Alfeld aufgelöst. Im Zuge der Neuordnung der kirchlichen Verwaltung kam Bessingen 1648 zur Insp. Halle der Generaldiözese Holminden. Der Sitz der Spezial-Suptur. wurde 1653 nach Stadtoldendorf verlegt. 1759 wurde Bessingen aus der Insp. Stadtoldendorf in die neu gegründete Insp. Halle (Ottenstein) umgegliedert, die bei der Neuorganisation der braunschweigischen Aufsichtsbezirke 1935 in der Propstei Eschershausen aufging. Seit 1. Oktober 1942 zur hannoverschen Landeskirche (KK Eschershausen) und dort am 1. April 1947 aus dem aufgelösten KK Eschershausen in den KK Coppenbrügge umgegliedert6 (1. Januar 1975 umbenannt in KK Elze-Coppenbrügge, am 1. Januar 2005 im KK Hildesheimer Land aufgegangen; seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze).

Patronat

Der Besitzer des Guts Bisperode (dingliches Patronat, Bisperode). Das Patronatsverhältnis besteht auch nach der Eingliederung in die KG Ith-Nesselberg fort.

Kirchenbau

Rechteckiger Bruchsteinbau mit geputzten Außenflächen (1746/50). Fenster- und Türengewände aus Werkstein. Das früher mit Sollingplatten, seit 1963 mit Ziegeln eingedeckte Dach ist im Osten abgewalmt. Der Innenraum schließt mit einer Flachdecke ab. U-förmige Emporenanlage an der Nord-, Süd- und Westseite. Bei umfangreichen Renovierungsarbeiten wurden 1962/63 u. a. die Emporen verkürzt. Weitere Innenrenovierung 1993/94.

Turm

Eingerückter Westturm, dessen Unterbau mit der gewölbten Turmhalle bis in die romanische Zeit zurückreicht. Das Glockengeschoss in Eichenfachwerk (seit 1963 mit einer Verbretterung versehen) und der mit Sollingplatten gedeckte Pyramidenhelm stammen aus dem Jahr 1783.

Grablege

Unter dem Turm befindet sich eine gewölbte Grabkammer.

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar mit seitlichen Durchgängen aus der Erbauungszeit der Kirche (1746/50). Kanzelkorb zwischen korinth. Säulenstellung. Reiches Knorpelwerk. Engelsdarstellungen auf den Brüstungsfeldern der Kanzel. – Achteckige Sandsteintaufe (dat. 1663).

Orgel

1863 Neubau durch Firma Euler (Gottsbüren), 10 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (später durch Zinkpfeifen ersetzt). 1950 Instandsetzung durch den Orgelbauer W. Wiegmann (Hameln). 1965 Instandsetzung durch Ludwig Hoffmann (Betheln). 1976 Instandsetzung durch Firma Emil Hammer (Arnum), u. a. Austausch der Prospektpfeifen. 1996/97 Instandsetzung durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen).

Geläut

Eine LG in b’ (Bronze, 14. Jh. oder 1426). – Eine SG in b’’ (Bronze, Gj. 1574?). – Früherer Bestand. Laut CB von 1753 stammten die beiden damals vorhandenen LG aus dem Jahr 1426. Eine von beiden wurde 1852 umgegossen und im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert. Im April 1971 wurde eine verrostete eiserne SG in e’’ (wohl Gj. 1934, J. F. Weule, Bockenem) durch einen Neuguss von Friedrich Wilhelm Schilling (Heidelberg) ersetzt.7

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (zweigeschossiger Ziegelrohbau, Bj. um 1890), 1963 Einrichtung eines Gemeinderaums.

Friedhof

Am nördlichen Ortsausgang. In Trägerschaft der KG. Um 1966 neu gestaltet.8 FKap (Bj. 1971).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 956–958 (Pfarroffizialsachen); D 22a (EphA Coppenbrügge).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 72 f., Nr. 38; Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig I, S. 56; Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 225–228.
B: Aus der Vergangenheit der Kirche in Bisperode, in: Saalechronik. Beiblatt zur Botschaft, 8. April 1962.


Fußnoten

  1. LkAH, L 5h, unverz., Bessingen, Visitation 1969.
  2. Vergangenheit der Kirche.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 234.
  4. KABl. 1976, S. 78.
  5. KABl. 1999, S. 170–173.
  6. KABl. 1947, S. 13.
  7. LKA, G 9 B/Bessingen (KV Bessingen an LKA, 29.04.1972).
  8. LkAH, L 5h, unverz., Bessingen, Visitation 1969.