Sprengel Hannover, KK Nienburg | Patrozinium: Laurentius | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Südöstlich des Ortes fanden zwischen 1953 und 1989 mehrere archäologische Grabungen auf einem altsächsischen Gräberfeld statt, dass durchgängig vom 4. bis zum 9. Jh. genutzt worden war (mehr als 500 Brand- und Körpergräber untersucht; mehrere Pferde- und Hundebestattungen).1 Das heutige Liebenau ist zusammengewachsen aus den Dörfern Bruchtorf (1167 Eilwardus de Bructhorp)2 links der Großen Aue und Liebenau (1331 Leuennouw)3 rechts davon, die seit dem 16./17. Jh. einen Ort bilden. Die Große Aue oder Warmenau bildete die Grenze zwischen dem Hochstift Minden und der Gft. Hoya. Von den Gf. von Oldenburg erwarb Bf. Wilhelm von Minden (amt. 1236–1242) 1241 das bei Bruchtorf gelegene Castrum in Venowe und ließ dort ein Castrum novum errichten (1243 Nova Domus, 1305: Nygenhus).4 Die Gf. von Hoya nahmen die Burg Neuhaus um 1336 ein und zerstörten sie (castrum Niehus […] captum et destructum est); aus dem Material ließen sie die Burg Liebenau errichten.5 Im 15. Jh. erhielt Liebenau Fleckenrechte; Borgermester und Rede […] tor Leuenouwe sind 1459 belegt; das älteste überlieferte Siegel trägt die Umschrift „Das Frei Wikbild Liebenow Anno 1558“ und zeigt den heiligen Laurentius.6 Liebenau war Sitz der gleichnamigen Vogtei in der Gft. Hoya, die neben dem Kirchspiel Liebenau noch die Orte Bokhop, Glissen, Holte und Pennigsehl umfasste.7 Mit dem Aussterben der Grafenfamilie in männlicher Linie fiel die Gft. Hoya 1582 an die welfischen Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg (größtenteils an das Fsm. Calenberg-Göttingen, seit 1692 Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. „Kurhannover“).8 Seit 1709 bildeten das Amt Steyerberg und die Vogtei Liebenau das Amt Steyerberg-Liebenau (Amtshof Liebenau 1712–28 abgebrochen), im Oktober 1715 zerstörte ein Feuer große Teile des Fleckens.9 In französischer Zeit gehörte Liebenau 1810 zunächst kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und war dann bis 1813/14 Sitz des Kantons Liebenau im Arrondissement Nienburg des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach war Liebenau, nun im Kgr. Hannover, zunächst wieder Teil des Amtes Steyerberg-Liebenau, das jedoch 1829 aufgelöst wurde; Liebenau kam zum Amt Nienburg. Mit der Annexion des Kgr. Hannovers fiel Liebenau 1866 an das Kgr. Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung gehört Liebenau zum Kr. Nienburg (1932 Lkr. Nienburg/Weser). Ab 1939 wurde südwestlich von Liebenau eine großflächige Pulverfabrik errichtet (Eibia Liebenau, 21 Quadratkilometer, 392 Werksgebäude).10 Um 1810 lebten etwa 1.575 Menschen in Liebenau, 1885 knapp 1.290, 1950 rund 2.830 und 2020 gut. 3.900.

Kirche, Ansicht von Süden, 1938

Kirche, Ansicht von Süden, 1938

Die älteren Belege zur Kirchengeschichte des späteren Fleckens Liebenau beziehen sich auf die Kirche in Bruchtorf links der Aue. Ein Geistlicher ist erstmals 1181 nachgewiesen: Eilhardus in Bructorpe sacerdos.11 In einer undatierten Urkunde aus der Zeit zwischen 1221 und 1234 ist Heinricus sacerdos de Bructhorp genannt, 1272 Arnoldus de brucdhorpe sacerdos.12 Mitte des 13. Jh. ist auch ein Priester an der Kapelle der Burg Neuhaus belegt: Nicholaus sacerdos in Novo castro (1255).13 Mit Hinricus Wording rector parrochialis ecclesie in Bructorpe (1382) und Gherardus de Meyssen ecclesie rector in Bruchtorp (1422, † 1460) sind zwei weitere Namen vorref. Geistlicher überliefert.14 Die Inschrift auf dem gotischen Sakramentshäuschen in der Liebenauer Kirche nennt zudem für 1511 einen Heinrich van Schauenborch Pastor. Ältester Teil der Liebenauer Kirche ist der Chor, errichtet vermutlich im 13. Jh.; das dreischiffige Kirchenschiff ist wohl während der ersten Jahrzehnte des 16. Jh. errichtet worden. Die im Türsturz des Nordportals eingemeißelte Jahreszahl 1522 bezieht sich möglicherweise auf das Jahr der Kirchenweihe. Im Jahr 1525 bestanden in Liebenau mehrere Bruderschaften: Eine Fronleichnamsbruderschaft, eine Laurentiusbruderschaft, eine Bruderschaft Unser Lieben Frauen und eine Annenbruderschaft.15
Während der Reformationszeit regierte Gf. Jobst II. den größten Teil der Gft. Hoya; sein Bruder Gf. Erich IV. regierte in den Ämtern Stolzenau und Steyerberg. Etwa gleichzeitig führten die Brüder die luth. Lehre ein: Um 1527 holte Jobst II. den Lutherschüler Adrian Buxschott an seinen Hof, später Pastor in Hoya und erster Sup. der Gft. sowie um 1533 vermutlich Mitautor der ersten Hoyaer KO (Cristlike ordeninghe, yn der karken unser hersschup gestellt). Auch Erich IV. stellte um 1528 mit Nikolaus Krage einen Lutherschüler als Hofprediger an.16 Über die Entwicklung in Liebenau sind keine Einzelheiten bekannt. Als erster luth. Prediger gilt P. Henning Meyer (amt. 1577, bis um 1600).17 Ihm folgte P. Justus Werner (amt. um 1600–1614). Spätestens seit 1575 bestand mit der Kapelle in Wellie eine zweite Gottesdienststätte im Kirchspiel; die Liebenauer Pastoren hielten hier alle vier Wochen einen Nachmittagsgottesdienst (Katechismuslehre) und im Herbst einen Erntedankgottesdienst (Wellier Kirmes, um Michaelis).

Glockenturm, Ansicht von Nordwesten, um 1938

Glockenturm, Ansicht von Nordwesten, um 1938

Während der Amtszeit von P. Paul Kelp (amt. 1616–1620) erfuhr der Innenraum der Liebenauer Kirche eine Umgestaltung: Die bis heute erhaltene Kanzel stammt aus dem Jahr 1618, vermutlich etwa gleichzeitig erhielt das Altarretabel seine Renaissancerahmung) und bereits 1617 war im Westen eine neue Prieche für die Orgel errichtet worden, die bislang auf der nordöstlichen Prieche gestanden hatte. Mit „Christian Dahlemann, gewesener Schulmeister“ lässt sich 1631 erstmals eine Schule in Liebenau nachweisen.18
P. Meinard Otto Philipp König (amt. 1789–1820) beklagte sich Ende des 18. Jh. über die Ausmalung der Liebenauer Kirche, über die „krassen, zum Teil unrichtige Religionsideen begünstigende und immer fortpflanzende, zum Teil sogar unanständigen Figuren, womit die sonst gut gewölbte steinerne Decke und alle Wände verunstaltet sind“. Besonders unpassend sei das Bild zweier „unanständig nackter Menschengestalten in Lebensgröße, welche Adam und Eva darstellen sollen. Vor ihnen sitzet die richtende Gottheit zwar in der Gestalt eines alten Mannes, übrigens aber ungefähr im päpstlichen Ornate“.19 Zudem sei die Kirche zu dunkel. In der Folgezeit wurden die Wand- und Gewölbemalereien in der Kirche übertüncht.
Nachdem in den Steuerlisten von 1713 erstmals ein jüd. Einwohner in Liebenau nachgewiesen ist, lebten hier 1817 insgesamt elf jüd. Familien.20 Das Bürgerrecht, das einige von ihnen während der französischen Zeit erworben hatten, wurde ihnen nach 1815 wieder aberkannt. 1843 konstituierte sich die Synagogengemeinde, zu der auch Steyerberg gehörte. Mitte des 19. Jh. hatte Liebenau knapp 130 jüd. Einwohner*innen; 1856 weihte die jüd. Gemeinde eine neue Synagoge ein. Die Zahl der Gemeindeglieder war zu dieser Zeit bereits rückläufig. 1933 wurde die Synagoge verkauft; seinerzeit lebten noch zwei Familien in Liebenau, die den Flecken vor 1939 verließen.21
Während der Amtszeit von P. August Carl Friedrich (amt. 1836–1863) richteten die beiden Kirchspieldörfer Pennigsehl und Wellie in den 1846 und 1848 Jahren eigene Friedhöfe ein und in Liebenau legte die KG 1856 vor dem Wellier Tor einen neuen Friedhof an. Im gleichen Jahr wurde ein neues Schulhaus errichtet. Nachdem der Kirchturm 1861 bei einem Gewitter in Brand geraten und ausgebrannt war, ließ die Gemeinde 1863 den bis heute erhaltenen, neugotischen Backsteinturm errichten.22 1909 weihte die KG Liebenau den neuen Gemeinde- und Konfirmandensaal ein (umgebaute Pfarrscheune).

Kirche, Blick zum Altar, nach 1820, vor 1972

Kirche, Blick zum Altar, nach 1820, vor 1972

Während der NS-Zeit hatten P. Friedrich Adolph Meier (amt. 1913–1939) und P. Heinrich Voges (amt. 1940–1961) das Liebenauer Pfarramt inne; kirchenpolitisch stand P. Meier aufseiten der sogenannten Bischofsfront, die Lbf. August Marahrens (amt. 1925–1947) gegen den DC-dominierten Kirchensenat unterstützte.23 Nach der Visitation der Gemeinde 1934 beschrieb der Nienburger Sup. die Kirchlichkeit im Flecken Liebenau als „schwach und brüchig“, hob jedoch 1943 hervor, dass „die Einführung der Kirchensteuer im Jahr 1942 weder eine erhebliche Anzahl von Austritten noch eine ablehnende Haltung der Gemeindeglieder ausgelöst“ habe.24
In den 1930er Jahren lag die Zahl der Gemeindeglieder im Kirchspiel bei 2.350, nach 1945 stieg sie mit dem Zuzug Geflüchteter auf mehr als 4.000.25 Schon 1943 hatte der Sup. des KK Nienburg den Bau einer Kapelle in Pennigsehl in den Blick genommen und 1949, als dort gut 1.000 Gemeindeglieder lebten, erneut dessen Notwendigkeit betont.26 Verwirklicht wurde das Vorhaben erst 1964/65. Ein Jahr später pfarrte das LKA Hannover Pennigsehl um in die KG Borstel und errichtete dort die KapG Pennigsehl.27 In der Nachkriegszeit wuchs auch die kath. Bevölkerung im Gebiet des Kirchspiels (1949: 560). Bis zum Bau der kath. St. Stephanus Kirche in Liebenau im Jahr 1953 nutzte die kath. Gemeinde die ev. Laurentiuskirche und die ev. Kapelle in Wellie.
Seit 1976 ist die KG Liebenau pfarramtlich verbunden mit der neugegründeten KG Binnen.28 Die zweite Liebenauer Pfarrstelle mit Sitz in Binnen blieb jedoch unbesetzt und der Kirchenkreis übertrug die seelsorgerliche Betreuung der Gemeinde Ende der 1970er Jahre einem Diakon.29 Seit 2004 wird Binnen von Wietzen aus versehen. Die KG Liebenau kooperiert mit ihren Nachbargemeinden Balge, Binnen, Borstel-Pennigsehl, Marklohe, Staffhorst und Wietzen in der „Arbeitsgemeinschaft links der Weser“ (u. a. Gottesdienstprojekt „Licht in Sicht“30); 2021 beschlossen die Gemeinden, ihre Zusammenarbeit zu vertiefen und gemeinsam den „Kirchengemeindeverband links der Weser“ zu gründen.

Pfarrstellen

I: vorref. – II: 1976 (Sitz in Binnen, vakant).31

Umfang

Liebenau sowie die Orte Arkenberg (jetzt KG Binnen), Hemmeringhausen (aufgegebener Wohnplatz)32, Eickhof, Spelshausen und Wellie (KapG). Seit der ersten Hälfte des 19. Jh. bis 1966 auch Pennigsehl (1823 noch KG Staffhorst, 1848 schon KG Liebenau, 1966 als KapG Pennigsehl umgepfarrt in KG Borstel).33

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Lohe der Diözese Minden.34 – Nach der Reformation Suptur. der Gft. Hoya. Seit 1581/82 Insp. Nienburg (1924: KK).

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, vor 1878

Kirche, Grundriss, vor 1878

Spätgotische, dreischiffige und dreijochige Hallenkirche, errichtet Anfang des 16. Jh., mit querrechteckigem Chor etwa aus der zweiten Hälfte des 13. Jh.35 sowie nördlichem Sakristeianbau aus der Mitte des 19. Jh. Satteldächer, Sakristei mit Schleppdach. Bruchsteinmauerwerk, Chor aus Backsteinmauerwerk, Sakristei Fachwerk mit Ziegelausfachung. Strebepfeiler; am Langhaus dreibahnige Spitzbogenfenster, mittlere Bahn mit Kielbogen, die äußeren mit Rundbögen geschlossen; im Westjoch Eingänge nach Norden und Süden („Wellier Kirchtür“)36, Nordeingang mit Konsolensturz und Wappenstein mit Inschrift „M D XX II“ (vielleicht Jahr der Weihe). Am Chor je ein Spitzbogenfenster ohne Maßwerk nach Osten und Süden. Im Innern Kreuzrippengewölbe in den quadratischen Mittelschiff-, den längsrechteckigen Seitenschiffjochen und im Chor; achteckige Pfeiler; fünf Priechen, Brüstungen verziert mit Bibelzitaten und Gemälden (Kg. David an der Wellier Prieche, Mariä Verkündigung an der Prieche von Reden).37 Mittelalterliche Ausmalungsreste: Chorwände mit Apostelzyklus (zwei Malschichten übereinander: ältere wohl 13. Jh., jüngere zweite Hälfte 15. Jh.)38, in der östlichen Gewölbekappe des Chors Maiestas Domini (erste Hälfte 15. Jh.), an Ostwand des nördlichen Seitenschiffs Christophorus-Figur, im Mitteljoch Inschrift: „Anno Domini m ccccc xxx viii“; im Chorgewölbe vegetabiles Dekor; Ausmalung 1972 freigelegt, Christophorusfigur restauriert und ergänzt.39 Im 16. Jh. Wellier Prieche (Nordostecke) und Amtsprieche (Südostecke) erbaut. Um 1600 Familienprieche von Reden (Südseite, ursprünglich direkt anschließend an Amtsprieche, mit eigenem Zugang von außen, Inschrift darüber: „Ernst von Reden, Berndes Sohn. Maria geborene von Staffhorst, E v. R. eheliche Hausfrawe. Anno 1598 15. September“). 1617 Westempore (Orgelprieche). 1662 Hasberger oder Eickhöfer Prieche (Nordseite). Nach 1795/um 1820 Neuausmalung (Wand- und Gewölbemalereien im Schiff übertüncht). 1970–73 Innen- und Außenrestaurierung (u. a. von Redensche Empore an der Südseite weiter nach Westen versetzt, Ausmalungsreste teilweise freigelegt). 2002 Renovierung Sakristei.

Grablege

Gruft der Familie von Hasberg, letzte Beisetzung 1828.40

Kirche, Ansicht von Nordosten, Teilansicht

Kirche, Ansicht von Nordosten, Teilansicht

Turm

Quadratischer Westturm mit kleinem Treppenturm an Nordseite, errichtet 1863 (Architekt: Wilhelm Tochtermann, Hildesheim). Backsteinmauerwerk, Turmhelm mit vierseitigem Ansatz und achteckig ausgezogener Spitze, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne. Im Glockengeschoss nach Norden, Süden und Westen je zwei Spitzbogennischen, darin gekuppelte Schallöffnungen mit Teilungssäulchen und Dreipassbögen. Vorheriger Turm nach Blitzeinschlag 1861 ausgebrannt, 1862 abgebrochen. Bei Neubau Steine des Vorgängerturms für Unterbau verwendet. 2005 Renovierung Turmhalle.

Vorgängerbau

Wohl kleinerer Rechteckbau; ehemaliger Giebelverlauf am 1861 abgebrannten Turm noch erkennbar.

Kanzel, um 1950

Kanzel, um 1950

Ausstattung

Blockaltar mit geschnitztem Retabel (Anfang 16. Jh., Rahmung Anfang 17. Jh.), figurenreiche Kreuzigungsszene. – Hölzerner Tischaltar. – Reich verzierte Kanzel (dat. 1618), Herme als Kanzelfuß, an den Wandungen des Kanzelkorbs Gemälde der Evangelisten, am oberen Rand Inschrift „Verbum Domini manet in aeternum“ (Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit). – Runder Taufstein (13./14. Jh.), Rankenfries am Beckenrand, Wandungen des Beckens kanneliert (wohl erst um 1976), Fuß neu; seit 1976 in der Kirche, Geschenk des Schuhmachermeisters Otto Krickmann (Liebenau), diente zuvor zeitweise als Viehtränke. – Taufengel (um 1700), nicht mehr in Benutzung.41 – Reich gestaltetes gotisches Sakramentshäuschen (1511), mehrere Heiligenfiguren; Inschrift: „m d xi he[r] henni va[n] Schowe[n]borch pastor“. – Kastengestühl (Anfang 17. Jh.). – Reich gestaltetes Holzepitaph für Cordt von Haßbergen († 1612) und seine Ehefrau Giese von Visbeck († 1651), im Hauptfeld Kreuzigungsszene mit den Verstorbenen und ihren Kindern. – Ölgemälde mit Ansicht der Kirche vor 1861 (Heinrich Gade), „der Kirche zur Vergegenwärtigung des alten Turms geschenkt“. – Lutherporträt.42 – Ehemalige Ausstattung: Lebensgroße Gemälde der Pastoren Heinrich Rittbergen (amt. 1620–1644) und Johann Heinrich Werner (amt. 1664–1675).

Orgel, um 1950

Orgel, um 1950

Orgel

Vor 1617 Neubau, Orgelbauer unbekannt, wohl I/P, mechanische Traktur, auf der Wellier Prieche. Um 1619 Orgelerneuerung oder -neubau, Instrument aufgestellt auf der 1617 errichteten Westempore. Um 1700 Bau des Rückpositivs. 1725 Orgelreparatur, ausgeführt von Erasmus Bielefeldt, vielleicht 16 II/P, mechanische Traktur. 1828 Register Posaune und Bordun eingebaut, Orgelbauer Gottlob Möbius (Lauenau), gestiftet von den Herren Honebein und Hegermann aus Wellie.43 1831 Orgelreparatur, Wilhelm Meyer & Söhne (Hannover).44 1909 Neubau des Orgelwerks, ausgeführt von P. Furtwängler& Hammer (Hannover), 23 II/P, pneumatische Traktur (Opus 663), Gehäuse erhalten; Orgelbau u. a. finanziert aus Hauskollekten sowie Stiftungen von Anna Brunkhorst († 1909), Schwester des P. Franz Jakob Wilhelm Brunkhorst (amt. 1905–1913), von Eduard Oskar von Eickhof genannt Reitzenstein, von Herrn Rüdemann aus Louisville (Kentucky), Bruder eines Kirchenvorstehers.45 1968 und 1975 in zwei Bauabschnitten Neubau der Orgel unter Verwendung vorhandener Prospektteile, ausgeführt von Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 1968: 8 I/aP, 1975: 20 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2008 Instandsetzung und Dispositionsänderung, ausgeführt von Claus Sebastian (Geesthacht), 20 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: dʼ (Bronze. Gj. 1925, Firma Radler, Hildesheim); II: fisʼ (Bronze, Gj. 1870, Firma Radler, Hildesheim), Inschrift: „Kommt denn es ist alles bereit. L[ukas] 14 V[ers] 17. Ehre sei Gott in der Höhe L[ukas] 2 V[ers] 14. Mich goss J. J. Radler in Hildesheim 1870. Schmidt Heitmüller Conradis Müller Z. L. Siedenberg Z. W. Wehrenberg Z. P. A. Tietz Pastor Rathge“. – Früherer Bestand: Eine große LG (Bronze), umgegossen zu einer neuen großen LG (Bronze, Gj. 1785, Peter August Becker, Hannover), bei Totengeläut für Bürgermeister Johann Albrecht Leiding kurze Zeit später gerissen, ein Stück herausgebrochen und genutzt bis 1833, dann umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1833, Heinrich Albrecht Bock, Linden).46 Diese und eine weitere Glocke 1861 bei Turmbrand zerstört. Aus den Resten Guss einer neuen LG (Bronze, Gj. 1862 Johann Jacob Radler, Hildesheim), zunächst in provisorischem Glockenstuhl neben der Kirche, seit Dezember 1863 im Turm; im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1961). – Küsterhaus (Bj. 18. Jh. Fachwerk). – Gemeindehaus (Bj. 1964). – Alter Gemeindesaal (Bj. 1720 als Pfarrscheune, 1907–09 zu Gemeindesaal umgebaut, seit 1965 ungenutzt, 1998 abgebaut und versetzt in die Nähe von Hermannsburg).

Friedhof

Ursprünglich Friedhof bei der Kirche. Kirchlicher Friedhof am südöstlichen Ortsrand Liebenaus, angelegt 1856, FKap (Bj. 1953/54) mit einem Orgelpositiv, erbaut 1971 von Paul Ott (Göttingen), 3 I/– mechanische Traktur, Schleifladen.47

Liste der Pastoren (bis 1940)
Altaraufsatz

Altaraufsatz

15..–1575 (?) Henning Meiger (Meyer). – 1…–1614 Magister Justus Werner. – 1616–1620 Paul Kelp. – 1620 Henrich Rithbergen. – 1664–1680 Johann Henrich Werner. – 1680–1714 Friedrich Christoph Topp (Toppius). – 1714–1738 Johann Bernward Owen (Owenius). – 1738–1746 Heinrich Werner Palm. – 1746–1780 Johann Christian Heimann. – 1781–1784 Ernst Christian Tegetmeyer. – 1785–1789 Johann Georg Holscher. – 1789–1820 Meinard Otto Philipp König. – 1821–1832 Ludwig Karl Albers. – 1833– 1836 Rudolph Ludwig Fischer. – 1836–1863 August (Justus) Karl Friedrich. – 1864–1874 Johann August Tietz. – 1874–1886 Johann Christian Wilhelm Schädla. – 1887–1904 Anthon Philipp Büning. – 1905–1913 Franz Jacob Wilhelm Brunkhorst. – 1913–1939 Friedrich Adolph Meier – 1940–1961 Heinrich Voges
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 78

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 7232–7247 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 5011–5020 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1456–1458 (Visitationen); D 60 (EphA Nienburg); L 5a Nr. 256–258 (LSuptur. Calenberg-Hoya mit Verden-Hoya und Celle); S 09 rep Nr. 1585 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7514 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1715
Trauungen: ab 1715
Begräbnisse: ab 1715
Kommunikanten: ab 1821 (Lücken: 1847, 1850–1864)
Konfirmationen: ab 1716 (Lücken: 1736)

Literatur

A: Amt, Dorfkirchen, S. 41–43; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 847–848; Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 83–84 (Bruchtorf), II, S. 380–383 (Liebenau), II, S. 423–424 (Burg Neuhaus) und II, S. 535 (Venowe); Gade, Hoya und Diepholz I, S. 557–588; Grote/van der Ploeg/Kellner, Wandmalerei, Katalogband, Nr. 173; Heckmann, Kirchen und Kapellen, S. 34–35; Kupetz, 900 Jahre, S. 358–361; Meyer, Pastoren I, S. 78; Müller, Orgeldenkmalpflege, S. 81 und 142–143.
B: Friedrich Bomhoff: Liebenau. Geschichte eines Weserfleckens, Nienburg [1979], bes. S. 42–53; Friedel Bomhoff: Die St.-Laurentiuskirche in Liebenau/Hann. Eine kurze Zusammenfassung [um 1970]; Heinrich Gade: Geschichte des Fleckens Liebenau an der Weser, in: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen 29 (1863), S. 289–346 [online]; Hans-Jürgen Häßler: Das sächsische Gräberfeld bei Liebenau, Ldkr. Nienburg (Weser), in: Archäologie | Land | Niedersachsen. 400 000 Jahre Geschichte, hrsg. von Mamoun Fansa, Frank Both und Henning Haßmann (Begleitbuch zur Sonderausstellung Archäologie | Land | Niedersachsen. 25 Jahre Denkmalschutz – 400 000 Jahre Geschichte), Stuttgart 2004, S. 447–451.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche, Wandmalerei, Altar, Kanzel, Orgel, Südempore, Küsterhaus.

GND

2114047-9, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Sankt Laurentius (Liebenau, Nienburg); 1223665232, Evangelische Kirche Sankt Laurentius (Liebenau (Landkreis Nienburg/Weser))

Weitere Bilder

Fußnoten

  1. Vgl. Häßler, S. 447 ff.
  2. MGH DD HL 75; Bomhoff, Liebenau, S. 19.
  3. Hoyer UB VIII, Nr. 144.
  4. Hoyer UB VII, Nr. 18; Cal. UB V, Mariensee, Nr. 47; Westfälisches UB VI, Nr. 382; Cal. UB IX, Wunstorf, Nr. 59.
  5. Löffler, Bischofschroniken, S. 72, mit Anm. 2.
  6. Hoyer UB I, Nr. 500; Gade, Hoya und Diepholz I, S. 577; Gade, S. 315. 1558 wurde in Liebenau ein Rathaus errichtet.
  7. Gade, S. 327.
  8. Detailliert: Gade, Hoya und Diepholz I, S. 114 ff.
  9. Gade, S. 326 ff.
  10. Bomhoff, Liebenau, S. 168 ff.
  11. Regesta Schaumburgensia, Nr. 69; zum Folgenden: Holscher, Bisthum Minden, S. 304 f.
  12. Hoyer UB VI, Nr. 12; Hoyer UB VII, Nr. 52.
  13. Hoyer UB VII, Nr. 36; siehe auch Cal. UB VII, Wennigsen, Nr. 38.
  14. Hoyer UB VII, Nr. 105; UB Obernkirchen, Nr. 402.
  15. Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz II, S. 381; Bomhoff, Liebenau, S. 52. NLA HA Celle Br. 72 Nr. 788: Dat Papen-Register im Ambt tho Nienborch.
  16. Vgl. zur Reformation in der Gft. Hoya zuletzt Bösche, Holste, S. 75 ff., zu Stolzenau, S. 91 f., zur KO, S. 115 f. Vgl. zudem Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,2, S. 1122 ff. Zeitgenössische Quellen zur Reformation in der Gft. Hoya fehlen weitgehend; die Kenntnisse stammen überwiegend aus historischen Arbeiten der zweiten Hälfte des 18. Jh., die „urkundlich und archivalisch nicht mehr belegt werden“ können (ebd., S. 1122).
  17. Bösche, Holste, S. 407, mit Anm. 96.
  18. Bomhoff, Liebenau, S. 122.
  19. Zit. bei Bomhoff, Liebenau, S. 45.
  20. Zum Folgenden: Bomhoff, Liebenau, S. 113 ff., Obenaus, Handbuch II, S. 985 ff.
  21. Obenaus, Handbuch II, S. 988: „Der Witwe Cohn gelang mit ihren zwei Söhnen die Emigration in die USA. Die Witwe Weinberg wanderte mit ihrer Nichte nach Holland aus, von wo beide während des Krieges nach Osten deportiert wurden. Sie gelten als verschollen.“
  22. Gade, S. 340; Aquarell der Kirche nach dem Brand bei Amt, Dorfkirchen, S. 42.
  23. LkAH, S 1 H III, Nr. 712, Bl. 07; vgl. zudem knapp Krumwiede, Kirchengeschichte II, S. 493 ff.
  24. LkAH, L 5a, Nr. 256 (Visitationen 1934 und 1943).
  25. LkAH, L 5a, Nr. 256 (Visitationen 1934 und 1949).
  26. LkAH, L 5a, Nr. 256 (Visitationen 1943 und 1949).
  27. KABl. 1966, S. 108.
  28. KABl. 1976, S. 118.
  29. LkAH, L 5a, Nr. 50 (Visitation 1979).
  30. Siehe: http://www.licht-in-sicht.net/, 23.09.2021.
  31. KABl. 1976, S. 118; LkAH, L 5a, Nr. 50 (Visitation 1979).
  32. Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 257 f.
  33. Ubbelohde, Repertorium, S. 23; Gade, S. 340; KABl. 1966, S. 108.
  34. Holscher, Bisthum Minden, S. 283 und S. 304 f.
  35. Datierung nach Amt, Dorfkirchen, S. 42. Bei Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 848: erste Hälfte 13. Jh.
  36. Gade, Hoya und Diepholz, S. 559.
  37. Bomhoff, Laurentiuskirche, S. 5 f. und S. 2 (Grundriss).
  38. Grote/van der Ploeg/Kellner, Wandmalerei, Katalogband, Nr. 173; Kupetz, S. 358 ff. [Außenansicht zeigt nicht die Liebenauer Kirche].
  39. Die Ausmalung der Kirche soll ein Schäfer Heinrich Mundt finanziert haben, der angeblich einen Schatz gefunden hatte; an der Südwand sollen er und sein Hund abgebildet gewesen sein, zusammen mit dem Vers „Heinrich Mundt, de dat Geld fund, Makt de Lebenauer Kerke bunt“, Gade, S. 320 f.
  40. Gade, Hoya und Diepholz, S. 562.
  41. Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 257, Nr. 48.
  42. Gade, Hoya und Diepholz, S. 562: „zeigt so wenig Ähnlichkeit, wie es Kunstwert hat“.
  43. LKA, G 9 B/Liebenau Bd. I, Bl. 24.
  44. LKA, G 9 B/Liebenau Bd. I, Bl. 24.
  45. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 121; LKA, G 9 B/Liebenau Bd. I, Bl. 25..
  46. Gade, S. 332 f.
  47. Gade, S. 340.