Sprengel Hannover, KK Nienburg | Patrozinium: Bartholomäus | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Dorf auf der Geest westlich der Weser zwischen Nienburg und Bücken/Hoya. Einen Haupthof (curia) in Balge schenkte Ks. Heinrich III. um 1047 dem Bremer Domkapitel.1 Die Einnahmen aus dem Haupthof, zwei weiteren Höfen und vier Hufen standen der Dompropstei zu. 1179 bestätigte Papst Alexander dem Bremer Stift St. Stephani und Willehadi Grundbesitz in Balge. Der Zehnte ging 1258 von der Mindener Kirche zu Lehen.
Balge war Sitz eines gleichnamigen Adelsgeschlechts. Im Zuge der Territorialisierung erwarben die Gf. von Hoya die Landesherrschaft; nach deren Erlöschen (1582) mit der Hoyaer Obergrafschaft an das Fsm. Lüneburg (Amt Nienburg).
Kirchlich gehörte Balge wohl zunächst zur Mutterkirche in (Mark-)Lohe. Das Bremer Domkapitel als Besitzer der curia veranlasste vermutlich den Bau einer Eigenkirche und die Ausstattung mit Parochialrechten.2 Die ältesten Bauabschnitte des KGb stammen aus romanischer Zeit. Ein Geistlicher ist erstmals 1349 mit Gerardus rector ecclesie in Balge3 nachgewiesen. Nach 1525 wurde in der Gft. Hoya die Reformation eingeführt. Als erster luth. Pfarrer ist um 1561 P. Liborius Hoysenius (Hoyser) nachgewiesen, dessen Nachkommen die Pfarrstelle bis 1748 innehatten.

Umfang

Die Dörfer Balge, Holzbalge, Sebbenhausen; Schweringen (KapG) mit Eitze; die Landgüter Straußwerder und Wiehe (Stand 1823). Heute Balge, Holzbalge, Sebbenhausen und Behlinger Mühle.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Lohe der Diözese Minden. – Nach der Reformation zur Insp. der Gft. Hoya; bei deren Teilung in den 1580er Jahren zur Insp. (1924: KK) Nienburg.

Patronat

Das Präsentationsrecht besaß der Bremer Dompropst4, wohl aufgrund der Besitzrechte des Domkapitels am Haupthof in Balge. Nach der Reformation der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, vor 1967

Kirche, Blick zum Altar, vor 1967

Zweijochiger, romanischer Saalbau in Quadermauerwerk aus Portasandstein (wohl spätes 12. Jh.). Mitte des 13. Jh. Einwölbung des ursprünglich flach gedeckten Schiffs mit einem gotischen Kreuzgratgewölbe und Vergrößerung der Fenster. Eingezogener, gerade geschlossener Chor mit Stützpfeilern aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. Die Außenmauern wurden nachträglich durch Stützpfeiler gesichert. 1872 Teilumbau. 1965/66 Renovierung. Die gotischen Strebepfeiler mussten 1995/96 aus statischen Gründen abgetragen und erneuert werden.

Turm

Westturm, im Kern romanisch, nachträglich in Backstein erhöht. Die ins Achteck überführte Spitze stammt wohl von einer Renovierung im Jahr 1742. Bekrönung mit Kugel, Kreuz und Hahn.

Grablege

In der Kirche befand sich ein Grabgewölbe der Familie von Koenemann.

Ausstattung

Massiver Altarblock, romanische Sandsteinmensa mit Reliquiengrube (um 1200). – Hölzerne Kanzel, 1967 umgebaut und mit Darstellung der vier Evangelisten und ihrer Symbole versehen. – Sandsteintaufe mit Rankendekor (etwa Mitte 13. Jh.) wohl im Zuge einer Renovierung um 1870 aus der Kirche entfernt und in Privathand verkauft. Die Kuppa diente bis um 1960 einem Gastwirt in Balge als Blumenschale, wurde dann in den Antikhandel verkauft und 1963 nach längeren Verhandlungen durch die KG zurück erworben; seit 1965 mit neuem Schaft und Einsatz für die Taufschale wieder in der Kirche.5

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

Der Bau einer Orgel war 1700 geplant und wurde wohl bald danach ausgeführt. Laut Disposition von 1752 10 I/P. Das Werk war 1772 stark reparaturbedürftig.6 Weiterer Fortgang unklar. 1872 Neubau auf der Westempore durch Bruno Christian Friedrich Becker (Hannover) [Müller: Folkert Becker], 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; dreiachsiger neugotischer Prospekt.7 1949 Instandsetzung und Umbau durch Lothar Wetzel (Hannover). 1968/70 Erneuerung und weitere Veränderungen durch Hans Wolf (Verden). 1997 Renovierung durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen).8

Geläut

Zwei LG, I: f’ (Bronze, Gj. 1954, Gebrüder Rincker, Sinn); II: as’ (14./15. Jh.). – Früherer Bestand: 1901 wird für die größere Glocke das Gj. 1724 angegeben; war wohl 1918 noch vorhanden9 und wurde vermutlich im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Das Pfarrhaus stammt von der Grundsubstanz her aus dem 17. Jh. und wurde 1905 um einen Neubau erweitert. – Pfarrwitwen- und Küsterhaus sowie ein älteres Gemeindehaus wurden nach dem Zweiten Weltkrieg verkauft bzw. abgebrochen.

Friedhof

An der Balger Straße. In kirchlicher Trägerschaft. FKap (Bj. 1972). – Eigener kirchlicher Friedhof in Schweringen (seit 1914).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 422-438 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 674 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 402-414 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 100-105 (Visitationen); D 60 (EphA Nienburg).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 181 f; Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz I, S. 30; Gade, Hoya und Diepholz I, S. 162-165; Heckmann, Kirchen und Kapellen, S. 10 f.; Holscher, Bisthum Minden, S. 288.


Fußnoten

  1. UB Hamburg I, Nr. 73.
  2. Möhlmann, Güterbesitz Domkapitel, S. 46 und 71.
  3. Bremisches UB II, Nr. 593.
  4. Hodenberg, Stader Copiar, S. 17.
  5. LkAH, B 2 G 9/Balge II.
  6. LkAH, D 60 Spec. Balge Rep A 513-1.
  7. LkAH, L 5a Nr. 36 (Balge, Visitation 1982).
  8. Müller, Orgeldenkmalpflege, S. 96 f.
  9. LkAH, D 60 Spec. Balge Rep. A 513-01.