Frühere Gemeinde | Sprengel Hannover, KK Nienburg | Patrozinium: Nicht bekannt1 | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Der Ort ist seit dem 13. Jh. bekannt. 1251 übertrug Hzg. Otto von Braunschweig dem Kloster Nenndorf einen Oberhof in Binnen, die Landeshoheit erlangten später die Gf. von Hoya. Sie fiel nach deren Aussterben 1582 an die Hzg. von Braunschweig und Lüneburg. – Die Kirche entstand wohl im späten 13. Jh. als adelige Eigenkirche. 1342 traten der Knappe Heinrich von Wede und sein Sohn Otto das Lehnsrecht über die kercken to bynnen an die Gf. von Hoya ab (erste urkundliche Erwähnung).2 Der heutige Bau wird im Kern auf das ausgehende 14. Jh. datiert, wobei unklar ist, ob es sich um einen vollständigen Neubau handelt, oder Teile des Vorgängerbaus einbezogen wurden. Die Reformation dürfte bald nach 1525 (Auftreten des Reformators Adrian Buxschott am Hof zu Hoya) eingeführt worden sein. Seit 1532 war Binnen als mater combinata mit dem benachbarten Bühren verbunden. Nach dem Visitationsprotokoll von 1674 befand die der Dienstsitz des Pfarrers in Binnen, der des Küsters in Bühren. Eine eigene Schule erhielt Binnen erst 1891.
Die rückläufigen Gemeindegliederzahlen (Mitte der 1970er Jahre noch rund 670) führten nach dem Zweiten Weltkrieg zur Aufgabe der Pfarrstelle. Ein vom KV unterbreiteter Vorschlag, die zu Marklohe gehörenden Dörfer Glissen und/oder Oyle der Parochie Binnen zuzulegen und so die Pfarrstelle zu erhalten (1971) fand keine Zustimmung.3 Mit dem 1. Juli 1976 wurden die KG Binnen und Bühren zur neuen KG Binnen zusammengeschlossen und mit der St.-Laurentii-KG in Liebenau pfarramtlich verbunden.4 – Zur Förderung des Gemeindelebens wurde 2007 der Verein „Kirche im Dorf e. V.“ gegründet.

Umfang

Das Dorf Binnen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Lohe der Diözese Minden. – Nach der Reformation zur Insp. der Gft. Hoya; bei deren Teilung in den 1580er Jahren zur Insp. (1924: KK) Nienburg.

Patronat

Die von Wede. Ab 1342 die Gf. von Hoya bzw. der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Ursprünglich romanischer, später gotisierter Backsteinsaalbau auf asymmetrischem Grundriss mit dreiseitigem Ostschluss (14. Jh.); geschlossen durch eine flache Balkendecke. Dach wohl aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. 1842 Sanierung und Umbau. Aus dieser Zeit stammen vermutlich die westlich an den Turm angrenzende Eingangshalle, die östlich angefügte Sakristei und die Erweiterung des Kirchensaals nach Norden sowie die neoklassizistische Innenraumgestaltung. Weitere Renovierungen 1983 und 1993.5

Turm

Aus der Mittelachse des Schiffs nach Süden verschobener Westturm mit Turmobergeschoß von 1842. Ins Achteck überführter, kupferverkleideter Helm.

Ausstattung

Klassizistischer Kanzelaltar.

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

Laut CB von 1777 damals noch ohne Orgel.6 1872 Neubau durch Heinrich Schaper (Hildesheim) auf der Westempore, 8 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1966 Um-/Neubau durch Schmidt & Thiemann (Hannover), 7 (9) I/P; Gehäuse und zwei Reg. wurden wieder verwendet.7 2007 Renovierung durch die Orgelbauwerkstatt Erwin Schmidt (Langenhagen). – Denkmalorgel. Das Gehäuse von Schaper ist erhalten.

Geläut

Eine LG in c’’ (Bronze, Gj. 1720, Johann Heinrich Grove). – Eine SG in g’’ (wohl 18. Jh.) – Früherer Bestand: Vermutlich verfügte die Kirche früher über drei LG. Eine LG in a’ wurde 1898 durch die Firma J. J. Radler & Sohn (Hildesheim) neu gegossen und 1917 zu Rüstungszwecken abgegeben.

Friedhof

In kirchliche Trägerschaft. Am nordöstl. Dorfrand (Friedhofsweg).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1055-1071 (Pfarroffizialsachen); A 8 (CB); A 9 Nr. 220-223 (Visitationen); D 60 (EphA Nienburg).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 75, Nr. 43; Gade, Hoya und Diepholz I, S. 202-205; Heckmann, Kirchen und Kapellen, S. 12 f.; Pape, Schaper, S. 221.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 105.
  2. Hoyer UB I, Nr. 105.
  3. LkAH, B 2 G 1/Binnen.
  4. KABl. 1976, S. 118.
  5. Amt, Dorfkirchen, S. 11.
  6. LkAH, A 8/Binnen.
  7. Müller, Orgeldenkmalpflege, S. 98 f.