Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Harzer Land | Patrozinium: Paul Gerhardt (seit 1945)1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Im Jahr 1302 schenkte Gf. Heinrich VI. von Regenstein († etwa 1311/12) dem Goslarer Kloster Neuwerk sein Recht am Wald Laudandal (jus silve, que vulgariter Laudandal dicitur).2 In einem Verzeichnis des klösterlichen Waldbesitzes, zusammengestellt um 1355, ist dat Ludendal erneut erwähnt.3 Die Siedlung und spätere Bergstadt Lautenthal entstand in der ersten Hälfte des 16. Jh., vermutlich um 1538, im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme des Bergbaus im Oberharz.4 Das Gebiet zählte zum welfischen Teilfsm. Wolfenbüttel. Lautenthal ist die jüngste der sieben freien Bergstädte im Harz; in der Bergfreiheit von 1556 ist sie noch nicht erwähnt.5 In seiner Harzer Bergchronik, verfasst in den 1570er und 1580er Jahren, zählt Hardanus Hake Lautenthal erstmals beim Regierungsantritt Hzg. Julius’ zu Braunschweig-Wolfenbüttel im Jahr 1568 zu den Bergstädten; der erste belegte Richter war 1580 Heinrich Bitter; 1590 ist Lautenthal erstmals in der Bergfreiheit genannt (seit 1596 mit Wochen- und Jahrmarkt).6 Eine erste Ortsansicht ist aus dem Jahr 1606 überliefert (Zacharias Koch, Daniel Lindemeier), eine weitere von etwa 1654 (Matthäus Merian).7 Von 1635 bis 1788/89 gehörte die Stadt Lautenthal zum Kommunionharz, der unter der gemeinsamen Verwaltung der welfischen Herzöge stand.8 Nach der weitgehenden Auflösung des Kommunionharzes 1789 kam Lautenthal zum Kfm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover). In französischer Zeit zählte die Bergstadt von 1807 bis 1813/14 zum Kanton Zellerfeld im Distrikt Osterode des Harzdepartements im Kgr. Westphalen. Seit 1815 gehörte Lautenthal zum Kgr. Hannover und war seit 1823 Teil der Berghauptmannschaft Clausthal, einem „bergwirtschaftlichen Sonderverwaltungsgebiet“ außerhalb der Struktur der Landdrosteien.9 Im Jahr 1842 kam die Stadt Lautenthal zum Amt Zellerfeld. Seit der Annexion des Kgr. Hannover 1866 zählte sie zum Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam Lautenthal zum Kr. Zellerfeld, 1972 zum Lkr. Goslar. 1972 wurde Lautenthal nach Langelsheim eingemeindet; seit 2013 trägt der Ortsteil den Namen „Bergstadt Lautenthal“.10 Ab 1876 besaß Lautenthal einen Bahnhof (Strecke Langelsheim–Clausthal-Zellerfeld, ab 1914 bis Altenau, 1976 stillgelegt). Ebenfalls in der zweiten Hälfte des 19. Jh. begann die Entwicklung zum Urlaubsort („Sommerfrische“).11 Die Lautenthaler Silberhütte schloss 1967.12 Zur Sozialstruktur der Gemeinde schrieb der Ortspastor 1959: „Hüttenleute, Steinbruch- und Waldarbeiter, in der für den Ort zu erwartenden Stärke auch Kaufleute und Handwerker.“13 Um 1810 lebten gut 2.130 Menschen in Lautenthal, 1940 etwa 2.400 und 2018 etwa 1.570.

Kirche, Ansicht von Südwesten, um 1950

Kirche, Ansicht von Südwesten, um 1950

Im ältesten Kirchenbuch der Gemeinde Lautenthal findet sich anlässlich der Beerdigung des Richters Matz Schubert im Jahr 1625 die Anmerkung, Schubert sei 1561 auf dem Lautenthaler Gottesacker getauft worden, „weil hier noch keine erbaute Kirche gehabt“.14 Die älteste Glocke der Gemeinde, 1564 gestiftet von Hzg. Heinrich II. zu Braunschweig-Wolfenbüttel (amt. 1514–1568), lässt vermuten, dass die erste Kirche etwa zu dieser Zeit erbaut worden ist. Der Fachwerkbau mit Satteldach und Dachreiter ist auf dem Merian-Stich aus der Mitte des 17. Jh. zu erkennen, wo er als „Alte Kirch“ bezeichnet ist.15 Einen eigenen Pfarrer besaß die Gemeinde seinerzeit noch nicht; sie wurde von den Geistlichen der Nachbargemeinden versorgt, möglicherweise von Seesen aus.16 Der Gottesdienst folgte vermutlich einer ev. Ordnung, hatte der kath. Hzg. Heinrich II. doch schon Anfang der 1540er Jahre akzeptieren müssen, dass die überwiegend aus Sachsen eingewanderten Bergleute in seinen Bergstädten Zellerfeld, Wildemann und Grund Anhänger der luth. Lehre waren.
Hzg. Heinrichs Sohn und Nachfolger Hzg. Julius führte 1568 die Reformation im gesamten Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel offiziell ein, ließ die Gemeinden visitieren und erließ im darauffolgenden Jahr die später sogenannte Calenberger Kirchenordnung.17 In den Visitationsprotokollen ist der gerade nach Langelsheim berufene P. Sebastianus Heidenreich erwähnt, der jedoch noch „im Lauttenthall uf dem bergwerck“ wohnte, in acht Tagen umziehen wolle und außerdem für die „capell Wolfshagen“ zuständig sei.18 Möglicherweise hatte P. Heidenreich nicht nur in Lautenthal gelebt, sondern war dort auch Pfarrer gewesen; eindeutig als Lautenthaler Pfarrer belegt ist 1571 P. Jacobus Monrath (amt. wohl bis 1577/78).19 Weder Kirchen- noch Pfarrgüter waren seinerzeit vorhanden, für die Bauunterhaltung der Kirche und Bezahlung des Pfarrers mussten Stadt und Gemeinde aufkommen.20 Im Jahr 1604, wohl gegen Ende der Amtszeit von P. Jakob Bitter (amt. 1577/78–1604/05) erhielt die Lautenthaler Kirche einen Taufstein und einen Flügelaltar aus Zellerfeld geschenkt.21
Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) war die alte Kirche baufällig und da die Gemeinde mittlerweile gewachsen war, fiel die Entscheidung gegen eine Instandsetzung und für einen Neubau. Das Kirchspiel Lautenthal hatte sich in der ersten Hälfte des 17. Jh. zudem um die neue Siedlung Hahnenklee vergrößert, in der um 1625 wohl etwa 100 Menschen lebten.22 Seit 1649 lassen sich auch Menschen aus Bockswiese in den Lautenthaler Kirchenbüchern nachweisen. Die Planungen für die neue Kirche begannen 1646. Eine Spendensammlung für das Vorhaben, bei der die Sammler, unter ihnen Kantor Heinrich Retzel, bis Bremen und Nürnberg reisten, erbrachte zwischen 1648 und 1653 etwa 1.000 Taler (Sammlungsbuch erhalten).23 Die Bauarbeiten begannen 1649 und der Rohbau war 1653 vollendet. Die Einweihung der neuen Kirche konnte P. Martin Engelmann (amt. 1622–1665) mit seiner Gemeinde jedoch erst am 15. Juli 1659 feiern. Im gleichen Jahr verkleinerte sich das Kirchspiel mit der Abtrennung der KapG Wolfshagen. Einen neuen Altar erhielt die Kirche 1670, eine Kanzel 1671.

Kirche, Blick zum Altar, Postkarte, nach 1966

Kirche, Blick zum Altar, Postkarte, nach 1966

Im Jahr 1686 erwarb der Rat der Stadt schließlich ein Gebäude als Pfarrhaus. Bislang hatten die Pastoren selbst für eine Unterkunft sorgen müssen.24 P. Christian Keidel (amt. 1681–1703), erster Bewohner des Pfarrhauses, erbaute sich schon wenig später, etwa um 1689, ein eigenes Haus, dass die Stadt 1726 als Pfarrhaus erwarb. Ihre heutige Gestalt erhielt die Lautenthaler Kirche mit dem Umbau im Jahr 1741. Die Verwaltung des kirchlichen Vermögens übernahm die Gemeinde erst 1841 von der Stadt Lautenthal.25 In Hahnenklee existierte seit 1737 ein Kapellenraum im Schulgebäude, eine eigene Kapelle erhielt der Ort 1908, einen eigenen Hilfsgeistlichen im Jahr 1933.26
Während der NS-Zeit hatte P. Martin Edzard Hafermann (amt. 1934–1968) das Pfarramt in Lautenthal inne. Im rückblickend ausgefüllten „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ heißt es, er habe kirchenpolitisch zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft gehört.27 Bis 1934 hätten SA, NS-Frauenschaft, HJ und BDM bei „feierlichen nationalen Anlässen geschlossen in Uniform und mit Fahnen“ am Gottesdienst teilgenommen; zudem hätte die NS-Frauenschaft „monatlichen Kirchgang“ angesetzt. Im 1933 neu gewählten KV hätten „fünf Parteigenossen, ein Nichtparteigenosse“ gesessen; eine „sachliche Arbeit“ sei dennoch möglich gewesen, da „die nur nominellen Pg’s kirchliche Gesichtspunkte geltend werden ließen“. Unerwähnt bleibt im Fragebogen P. coll. Winfried Feldmann (amt. 1937–1939), der zur Unterstützung von P. Hafermann in Lautenthal tätig war.28 P. coll. Feldmann war einer der ganz wenigen Pastoren der Landeskirche (etwa zehn von rund eintausend), die 1938 den Treueeid auf Adolf Hitler verweigerten. Daraufhin entließ ihn die Landeskirche; sein Schulfreund und Pastor in Schoningen, Karl Adolf Stisser (amt. 1937–1950) stellte ihn als Privatvikar in den KG Fürstenhagen und Offensen ein. P. coll. Feldmann starb als Soldat im Dezember 1942 in der Sowjetunion.
Anfang Juni 1945 beschloss der KV, der Kirche den Namen Paul-Gerhardt-Kirche zu geben, weil „der große Kirchenliederdichter zur Zeit ihrer Erbauung lebte“.29 In der Nachkriegszeit hatte sich die Gemeinde deutlich vergrößert, etwa 1.000 „Evakuierte und Flüchtlinge“ waren hinzugekommen.30 Gleichzeitig entstand dadurch auch eine kleine kath. Gemeinde mit etwa 200 bis 300 Gemeindegliedern; zur kath. Messe versammelten sie sich in der ev. Kirche. Mit der Auspfarrung der KapG Hahnenklee, die das LKA in eine KG umwandelte, verkleinerte sich das Kirchspiel Lautenthal zum 1. April 1950.31 Seit Einrichtung der Pfarrkollaboratur 1933 hatte die KapG schnell ein hohes Maß an Eigenständigkeit entwickelt, so dass P. Hafermann schon 1940 angemerkt hatte, Lautenthal und Hahnenklee hätten „absolut keine Beziehung zueinander“.32

Kanzelaltar, um 1951

Kanzelaltar, um 1951

Der traditionelle Bergdankgottesdienst fiel in den 1950er Jahren „mit der Einstellung des Bergwerksarbeit in der hiesigen Gemeinde fort“.33 Jugend- oder Männerarbeit existierten Mitte der 1960er Jahre in der Gemeinde nicht.34 Ende der 1970er Jahre stellte der Sup. des KK Clausthal-Zellerfeld anerkennend fest, dass „das Leben in der Kirchengemeinde Lautenthal eindeutig lebendiger geworden“ sei; neben P. Henning Ahlers (amt. 1970–1982) arbeitete mittlerweile ein Kreis von rund 40 Ehrenamtlichen, um 1970 hatte sich ein Posaunenchor gegründet und vor 1972 war der Bergdankgottesdienst wieder eingeführt worden.35
Ab Februar 2000 war die KG Lautenthal pfarramtlich mit ihrer früheren Tochtergemeinde Hahnenklee verbunden.36 Diese Verbindung ging 2015 im verbundenen Pfarramt Oberharz auf, das die KG Altenau, Bad Grund, Wildemann, Hahnenklee, Clausthal, Buntenbock, Zellerfeld, Lautenthal und Sankt Andreasberg gemeinsam gründeten. Die einzelnen Pastor*innen des Teampfarramts nehmen neben der Seelsorge in ihrem jeweiligen Gemeindebezirk Schwerpunktaufgaben in der gesamten Region wahr (Konfirmandenarbeit, Erwachsenenbildung, Seniorenarbeit, Diakonie, Tourismus, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit).

Umfang

Bergstadt Lautenthal mit Hüttschenthal und Laddeken. Bis 1950 auch Bockswiese und Hahnenklee. Bis 1659 auch Wolfshagen.37

Aufsichtsbezirk

Zunächst die 1568 eingerichtete Insp. Seesen.38 1651 zur neuen Insp. Zellerfeld (seit 1903 von Clausthal aus versehen). 1949 KK Clausthal-Zellerfeld, seit 1. Januar 2013 KK Harzer Land.39

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, nach 1966

Kirche, Blick zum Altar, nach 1966

Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss, Sakristeianbau an Nordseite und Dachetage, erbaut 1649–59. Satteldach, nach Osten abgewalmt; unterhalb der Dachetage kurzes, umlaufendes Pultdach; Sakristei mit Schleppdach. Verputztes Bruchsteinmauerwerk, Dachetage verschiefertes Fachwerk; rechteckige Sprossenfenster; kleine Rechteckfenster in Dachetage; Rechteckfenster am Chorschluss vermauert. Rundbogige Portale nach Norden und Süden. Im Innern verbretterte Decke mit seitlichen Vouten und ornamentaler Malerei (wohl 19. Jh.); zweistöckige, umlaufende Emporenanlage auf Holzpfeilern, im Westen nur unteres Stockwerk, im Osten nur oberes; Brüstungen als Balustraden gestaltet. 1673 Holzschindeldeckung durch Schieferdeckung ersetzt. 1741 Kirche erhöht (Dachetage) und obere Empore eingebaut. 1861/62 Innenrenovierung (u. a. Totenkronen und Gedenktafeln entfernt) und Neuausmalung (Louis Sand, Clausthal).40 Etwa Ende des 19. Jh. Schieferdeckung durch Ziegeldeckung ersetzt. 1964 Innenrenovierung. 1972–74 Außenrenovierung. 2007–09 Sanierung.

Fenster

Fenster mit figürlichen Medaillons, Evangelist Johannes mit Inschrift „H. Borgener u[nd] Frau 25. VII. 1909“; Evangelist Matthäus, ohne Inschrift; Evangelist Markus, ohne Inschrift.

Turm

Teilweise umbauter Westturm aus Bruchsteinmauerwerk, oberstes Geschoss aus verschiefertem Fachwerk, darüber achteckiger Zwiebelhelm mit offener Laterne und gebauchter Haube, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne (Jahreszahl 1659); Laterne und Haube bleiverkleidet. Vier Uhrziffernblätter am Fachwerkaufsatz; am Turm Rundbogenfenster, nach Westen gekuppelt; korbbogiges Westportal mit Vordach, im Bogen Jahreszahl 1741. 1672 Holzschindeldeckung durch Schieferdeckung ersetzt. 1730 neue Turmuhr. 1741 Westeingang angelegt. 1892 neue Turmuhr (J. F. Weule, Bockenem). 1968 Bleiverkleidung Turmspitze.

Orgel

Orgel

Vorgängerbau

Rechteckbau mit Satteldach Dachreiter, erbaut um 1564. Vermutlich Fachwerk, im Innern Empore.41 Etwa 1662 bei Sturm zerstört.

Ausstattung

Zweistöckiger, farbig gefasster, barocker Kanzelaltar (1719, Hünen, Goslar; 1966 wiederhergestellt), polygoner Kanzelkorb mit Schalldeckel, flankiert von je zwei gewundenen und umrankten Säulen und seitlichem Schleierwerk; vor den Brüstungsfeldern des Kanzelkorbs Schnitzfiguren (vier Evangelisten und Moses); oberhalb des Gebälks Schnitzfiguren der vier Evangelisten; im Auszug Kruzifix, flankiert von je zwei gewundenen und umrankten Säulen, darunter Inschrift „1719 1966“, im bekrönenden Sprenggiebel Figur des auferstandenen Christus mit Siegesfahne; in der Predella Abendmahlsrelief (vielleicht 1652, vielleicht Andreas Gröber, Osterode). – Sechseckige Holztaufe mit bauchigem Becken (1652). – Hölzerne Kreuzigungsgruppe (18. Jh.). – Mehrere Prozessionskreuze (17. Jh.). – Brustbild P. Johann August Sauerwald (amt. 1703–1726). – Brustbild P. Johann Friedrich Borckenstein (amt. 1726–1773), Öl auf Leinwand. – Halbporträt P. Heinrich Konrad Böttcher (amt. 1773–1817). – Grabplatte für Johannes Zacharias Harbort († 1679). – Grabplatte für Henricus Zacharias Harbort († 1679). – Hinter dem Altar kastenförmige Priechen (vielleicht 1719).

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juli 1966

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juli 1966

Orgel

Die alte Kirche besaß anscheinend keine Orgel. – In der neuen Kirche zunächst kleines Positiv; 1654 Organist belegt; 1670 neues Regal (tragbare Kleinorgel).42 Orgelneubau 1685/86, ausgeführt von Friedrich Besser, Orgel besaß Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal; auf dem fünfachsigen Prospekt ein Posaunenengel, im seitlichen Schnitzwerk zwei musizierende Engel. Zustand 1842: 24 II/P. 1843 Instandsetzung, ausgeführt von Johan Andreas Engelhardt (Herzberg), Rückpositiv umgebaut zu Oberwerk. Zustand 1852: 24 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1873 Reparatur, Georg Breust (Goslar). 1915 Neubau des Orgelwerks, P. Furtwängler & Hammer, 22 (davon eine Transmission) II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen (Opus 815).43 1948, 1953 und 1956 Änderungen der Disposition, ausgeführt von Lothar Wetzel (Braunschweig), 22 (davon eine Transmission) II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen. 1983 Neubau des Orgelwerks, ausgeführt von Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 18 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; zwei weitere Register vakant; historischer Prospekt und Prospektpfeifen von 1685/86 erhalten.

Geläut

Im Kirchturm: Zwei LG, I: d’’ (Bronze, Gj. 1731, C. N. Kasten, Halberstadt), Inschrift: „Auf Gott steht all mein Hoffen, C. N. Kasten hat mich gegossen. 1731“, im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen und 1948 zurückerhalten; II: e’’ (Bronze, Gj. 1966, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg). – Im Glockenhaus am Südrand des Friedhofs: Zwei LG, I: cis’ (Bronze, Gj. 1691, Heise Meyer, Wolfenbüttel), Inschriften: „Heiso Meyer gos mich zv Wolfenb. Anno 1691“, „Iohann Heinrich Seesen Richter, Heinrich Hellmann, Heinrich Paul, Hans Ulrich, Georg Claus, Georg Rieck resp. Rathsverwandten und Kirchenvorstehere, Gerhard Christoph Pfankuchen Stadtschreiber“, „Friderich Achatz von der Schulenburg, Otto Arthur von Ditfurth, August von Hakelberg Berghauptleute. M. Casparus Calvor Superintendens, Christopherus Keidel Pastor. Ex patvlo ore mihi pendens sit ferrea lingva verbera si partiar verba sonora loqvar“ (In dem weiten Munde mir eine eherne Zunge schwebt, treffen ihre Schläge mich, laut sich meine Stimm’ erhebt; die als römische Ziffern lesbaren Buchstaben bilden ein Chronogramm und ergeben addiert 1691) und „Ich bin ein dönendt Ertz gegossen von Metallen und lasse meinen Klang in Lauthenthal erschallen, Gott rühre Ohr und Hertz wenn meine Stimme klingt, bis Gottes grosse Glock das letzte Vale singt, Bild: Kruzifix, darunter Inschrift: „F[ürstlich] B[raunschweig-] L[üneburgische] Bergst[adt] Lautenthal“, im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen und 1948 zurückerhalten; II: g’ (Bronze, Gj. 1680, Johann Friedrich Vornwald, Braunschweig), Inschriften: „Zu Bravnschweig gos man mich gottlob ohn allen Schaden, das ich die Christen sol zvm Gotteshavse laden“, „F[ürstlich] B[raunschweig-] L[üneburgische] Bergstadt Lavtenthal“, „Hennigus Groskurt, Richter“ „Henricvs Röel Pastor, Henricvs Georg Limberti Stadtschreiber, Hermann Heilman, Heinrich Paul, Kirchenvorsteher“ und „Johann Friedrich Vornwaldt, Gieser. M D C L XXX“. – Früherer Bestand: Eine LG, Bergglocke, (Bronze, Gj. 1564), Inschrift: „Hein. Jün. Dux Br. et. Lüneb. 1564“, umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1867, J. H. Bartels, Hildesheim), Inschrift: „Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig hat mich lassen gießen an[no] M D L XIIII“, im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben; als Ersatz eine „merkwürdig geformte Eisenschale“ als Sg aufgehängt.44 Eine LG (Bronze, Gj. wohl 1614), 1680 gesprungen und umgegossen zu jetziger LG II im Glockenhaus.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1689, vor 2017 verkauft). – Gemeindehaus (Bj. um 1850). – Glockenhaus südlich der Kirche (Bj. um 1850). – Küsterhaus (Bj. um 1800).

Friedhof

Oberer Friedhof südlich und östlich der Kirche, kleiner Teil kirchlich, Rest städtisch. Unterer Friedhof an der Wilhelmstraße, städtisch, FKap (Bj. 1960). Oberer und unterer Friedhof waren bis 1972 kirchliches Eigentum, dann „bis auf einen Rest“ an die Stadt übergeben.45

Liste der Pastoren (bis 1940)

1571 Jakob Monrath (Monrod). – 1577/78–1604/05 Jakob Bitter. – 1604 wird berufen Nikolaus Schumann. – 1605 (1612)–1622 Christoph Reuber. – 1622–1665 Martin Engelmann. – 1665–1681 Heinrich Roel. – 1681–1703 Christoph Keidel. – 1703–1726 Johann August Sauerwald. – 1727–1773 Johann Friedrich Borckenstein. – 1773–1817 Heinrich Konrad Böttcher. – 1816–1822 Christoph Konrad August Ost. – 1822–1870 Karl Friedrich Wehmer. – 1871–1875 Heinrich Daniel David Philippi. – 1876–1881 Georg Karl Traugott Wegener. – 1882–1889 Ernst Daniel Timm. – 1890–1933 Eduard Wilhelm Theodor Friedhold Gehricke. – 1934–1968 Martin Hugo Edzard Albrecht Eberhard Hafermann. – 1937–1939 P. coll. Winfried Otto Feldmann.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 57–58

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 6954–6970 (Pfarroffizialsachen); A 4 Nr. 192–203 (Pfarroffizialsachen Berghauptmannschaft Clausthal); A 6 Nr. 4786–4798 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1393Digitalisat, 1394Digitalisat, 1395Digitalisat, 1396Digitalisat, 1397Digitalisat, 1398Digitalisat, 1399Digitalisat (Visitationen); D 108 (EphA Clausthal-Zellerfeld); N 25 (Nachlass Winfried Feldmann); S 2 Witt Nr. 04, 16 (Fotosammlung); S 9 rep Nr. 1552 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7528 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1622 (Lücken: 1692–1696, 1699)
Trauungen: ab 1622 (Lücken: 1684–1689, 1691–1695, 1699, 1701–1704)
Begräbnisse: ab 1622 (Lücken: 1683–1718)
Kommunikanten: ab 1622 (Lücken: 1681–1727)
Konfirmationen: ab 1817

Literatur & Links

A: Casemir/Ohainski, Ortsnamen Lkr. Goslar, S. 119–120; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 834; Meyer, Pastoren II, S. 57–58; Morich, Glockeninschriften, S. 37–38.
B: Aus dem Werdegang und der Geschichte der Bergstadt Lautenthal, hrsg. vom Ortsrat und Bürgern der Bergstadt Lautenthal, Clausthal-Zellerfeld 1988, bes. S. 105–111; Hennig Ahlers: Lautenthal/Harz. Geschichte der Kirchengengemeinde Lautenthal (Kurzfassung), Lautenthal 1975; Eduard Wilhelm Theodor Friedhold Gehricke: Abschiedspredigt, gehalten am 24. September 1933, Lautenthal 1933; Hartmut Ludwig: Für die Wahrheit des Evangeliums streiten. Zur Entlassung des Hilfspredigers Winfried Feldmann aus dem Dienst der Landeskirche 1939, in: Bewahren ohne Bekennen? Die hannoversche Landeskirche im Nationalsozialismus, hrsg. von Heinrich Grosse, Hans Otte und Joachim Perels, Hannover 1996, S. 105–126; Heinrich Lücke: Die Paul-Gerhardt-Kirche in Lautenthal, in: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender 1956, S. 17–20; H. Sandfuchs: Chronik der Bergstadt Lautenthal im Oberharz, Bad Grund 1929, bes. S. 55–73; Johannes Schäfer: „Lasst uns dies schöne Orgelwerk bereiten …“. Aus der Geschichte der Orgel in der Paul-Gerhardt-Kirche zu Lautenthal, in: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender 1965, S. 64–66; Winfried Schubart: Früheste kirchliche Verhältnisse in der Kirchengemeinde Lautenthal-Hahnenklee, in: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender 1973, S. 63–77.
Internet: Bildindex der Kunst und Architektur: Kirche.

GND

1212633806, Paul-Gerhardt-Gemeinde Lautenthal


Fußnoten

  1. Werdegang, S. 107.
  2. UB Goslar III, Nr. 38.
  3. UB Goslar IV, Nr. 526.
  4. Zum mittelalterlichen Bergbau im Gebiet um das spätere Lautenthal vgl. u. a. Winfried Schubarth: Lautenthal – von der Frühzeit bis zur Gründung der Stadt, in: Werdegang, S. 44–78, bes. S. 56 ff.; Albrecht von Kortzfleisch: Die Schmelzhütten des Alten Mannes und ihre Spuren, in: Lautenthal. Bergstadt im Oberharz. Bergbau- und Hüttengeschichte, hrsg. vom Bergwerks- und Geschichtsverein Bergstadt Lautenthal von 1976 e. V., Goslar 2002, S. 95–110.
  5. Hake, Bergchronik, S. 65 ff.
  6. Hake, Bergchronik, S. 79; Sandfuchs, S. 39; Henschke, Landesherrschaft, S. 33 (mit Anm. 84); Werdegang, S. 18.
  7. Reproduktion des Stichs Koch/Lindemeier bei Dennert, Chronik, Tafel I (nach S. 176) und bei Dirks, Chronik II, nach S. 204. Digitalisat des Merian-Stiches: http://digital.slub-dresden.de/id404350887/352.
  8. Vgl. Römer, Kommunionharz, S. 27 ff. (mit weiterer Literatur); Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig I, S. 130 f.; Kaufhold, Bergwerksstaat, S. 271 ff.
  9. Gundermann/Hubatsch, Hannover, S. 357.
  10. Nds. MBl. Nr. 33/2013, S. 639.
  11. Sandfuchs, S. 108; Werdegang, S. 22.
  12. Werdegang, S. 22 f.
  13. LkAH, L 5h, unverz., Lautenthal, Visitation 1959.
  14. Zit. bei Schubart, S. 64. Zur frühen Kirchengeschichte Lautenthals vgl. ebd., S. 63 ff.
  15. Digitalisat des Merian-Stiches: http://digital.slub-dresden.de/id404350887/352.
  16. Sandfuchs, S. 56; Max, Grubenhagen II, S. 238.
  17. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 5 und 83 ff. Allgemein zur Reformation im Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel vgl. ebd., S. 4 und 22 ff. sowie Butt, Herrschaft, S. 42 ff. Eine erste Einführung der luth. Lehre hatte das Fsm. 1542/43 unter der Statthalterregierung des Schmalkaldischen Bundes erlebt; ab 1547 hatte erneut Hzg. Heinrich II. regiert.
  18. Spanuth, Quellen, S. 274.
  19. Schubart, S. 69 f.
  20. Schubart, S. 70.
  21. Sandfuchs, S. 55 f.; Schubart, S. 71.
  22. Schubart, S. 74.
  23. Zum Neubau: Sandfuchs, S. 56 ff., Auszüge aus dem Sammlungsbuch: ebd., S. 59 ff.
  24. Schubart, S. 68 f.
  25. Sandfuchs, S. 72.
  26. LkAH, A 9, Nr. 1399 (Visitation 1936).
  27. LkAH, S 1 H III Nr. 313, Bl. 48. Dort auch die folgenden Zitate.
  28. Zu Feldmann vgl. Ludwig, S. 105 ff.. Siehe auch LkAH, N 25, Bestandsbeschreibung, 28.02.2022. Winfried Feldmann hatte im Januar 1938 die Kollaboratur in Hahnenklee übernehmen sollen, die aus finanziellen Gründen jedoch Kirchenrat i. R. Hermann Buck (amt. 1938–1949) übertragen wurde, Ludwig, S. 111.
  29. Ahlers, [S. 5].
  30. LkAH, L 5h, unverz., Lautenthal, Visitation 1948.
  31. KABl. 1950, S. 29 f.
  32. LkAH, L 5h, unverz., Lautenthal, Visitation 1940.
  33. LkAH, L 5h, unverz., Lautenthal, Visitation 1959.
  34. LkAH, L 5h, unverz., Lautenthal, Visitation 1966.
  35. LkAH, L 5h, unverz., Lautenthal, Visitation 1978; siehe auch ebd., Visitation 1972.
  36. KABl. 2000, S. 40.
  37. Schubart, S. 71.
  38. Reller, Kirchenverfassung, S. 165 (mit Anm. 68).
  39. KABl. 1949, S. 30; KABl. 2012, S. 344 f.
  40. Sandfuchs, S. 72.
  41. Schubart, S. 66; abgebildet im Merian Stich (Digitalisat).
  42. Schubart, S. 66. Zur Orgelgeschichte insgesamt und zum Folgenden vgl. Schäfer, S. 64 ff.
  43. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 127.
  44. LkAH, B 2 G 9, Nr. 1854, Bl. 73v.
  45. LkAH, L 5h, unverz., Lautenthal, Visitation 1972.